Aktualisiert am 12 März 26 von

The Scandinavian Float

Einleitung

In diesem Artikel

  • Warum der Float eine wichtige Waffe im Postflopspiel ist
  • Wann ein Float in Turnieren sinnvoll ist
  • Wie der Float über die verschiedenen Streets funktioniert

Wenn du ein erfahrener Cashgame-Spieler bist, weißt du bestimmt, was ein Float ist. Grundsätzlich ist es das Callen einer Bet am Flop (oder manchmal am Turn) ohne großartige Hand, aber mit dem Ziel, den Pot am Turn bzw. River zu stehlen. Das ist häufig besser als ein Raise, da du beim Floaten eine weitere Range an Händen repräsentieren kannst.

Der Float

Hier ist ein extrem einfaches Beispiel aus einem NL100 Spiel:

Ein Standard-TAG-Villain mit 22/18 Stats und 80% Continuationbet eröffnet am Cutoff für $3, du hast QdJd am Button und callst. Die Blinds folden.

Der Flop kommt 7c7d5h und Villain macht eine Continuationbet in Höhe von $5. Du callst.

Am Turn landet die Pik Zehn und Villain checkt. Du setzt $11 und gewinnst den Pot.

Was du am Flop getan hast, nennt sich Float. Du hattest nicht wirklich viel Showdownvalue und nur sechs Outs, um dich zu verbessern (und einen etwaigen Backdoor-Flushdraw). Dennoch war dein Eindruck von Villain, dass er eine weite CO-Openingrange hat, häufig continuationbettet und trockene Flops fast immer anspielt. Meistens hat er auf solchen Flops absolut gar nichts, da er auch Hände wie A2o, T8s oder Q9o openraist.

Trotzdem ist ein Flopraise für dich nicht sinnvoll, da dir selbst mittelmäßige Handreader wenig Credit geben würden, denn niemand raist Trips oder ein Full House auf solch einem Flop. Villain wird erwarten, dass du jede made Hand am Flop callst. Also ist der Float die einzige Möglichkeit, um solche Hände zu repräsentieren. Sobald er den Turn checkt (das wird er häufig tun, da er keine Position besitzt und annehmen muss, dass du irgendwas getroffen hast), kannst du selber setzen und den Pot oft genug mitnehmen.

Das ist trotzdem nur die halbe Story. In Cashgames kämpfst du immer wieder mit denselben Spielern und diese werden deine Floating-Gewohnheiten schnell registrieren. Sie werden sich anpassen, indem sie eine Second Barrel feuern oder den Turn checkraisen, also musst du dich wiederum anpassen, indem du double-floatest und Turns behindcheckst und so weiter. Es ist, wie so vieles in Cashgames, ein endloser Kampf von Adaption und Re-Adaption.

Floats in MTTs

In MTTs ist es eine andere Geschichte. Erstens: Aufgrund des großen Playerpools wirst du dich nicht oft mit denselben Gegnern anlegen. Zweitens: Regulars beachten deine Spielzüge nicht zu sehr, da Turniere meistens an Fullring-Tischen stattfinden. Das bedeutet, dass Regulars mehrere Tische parallel spielen und daher nicht so viel beobachten können wie in Cashgames.

Aber am wichtigsten: Die Stacksizes in Turnieren lassen nicht viel Platz für kreative Spielzüge. Da du am Flop meistens nur das vier- bis siebenfache des Pots in Chips dahinter hast, können deine Gegner nicht mal eben den Turn checkraisen oder zwei Barrels feuern, in der Hoffnung, dass du keine Hand hältst. Sie können nur continuationbetten und folden. Wenn du an die große Mehrheit an Turnierhänden denkst, die nicht zum Showdown kamen, wirst du sicher zustimmen, dass der häufigste Grund ein Check/Fold am Turn nach einer Continuationbet am Flop war.

In MTTs überschätzen Leute ihr wertvolles Turnierleben drastisch. Sie wollen nicht ohne starke Hand broke gehen. Große Bluffs sind eine Seltenheit unter Regulars. Sie sprechen über ICM und das Einbehalten von Chips, obwohl ICM vor dem Final Table in den meisten Fällen kaum Bedeutung hat. Viele Regulars verstehen das nicht. Sie spielen einfach fit or fold nach ihrer Continuationbet. Das ist genau der Punkt, an dem unser Float ins Spiel kommt.

Denk drüber nach! Continuationbettest du meistens unabhängig von einem Hit? Ich nehme an, dass die meisten mit Ja geantwortet haben. Sogar die unerfahrensten Spieler haben etwas über die Vorzüge einer Continuationbet gehört und wenden diese daher routinemäßig an. Aber feuerst du auch viele Second Barrels? Wie oft bluffst du am Turn? Falls du Turniere 15-tablest, gibst du am Turn häufig auf, wenn du nichts hältst und deine Continuationbet fehlschlug? Gerade mit Shallow-Stacks, wenn du out of Position am Turn nur eine ein- bis vierfache Potsizebet über hast?

Dennoch: Wenn du den Turn shovst oder dich anderweitig comittest, tust du das ohne weitere Informationen über die Hand deines Gegners, außer dass er preflop und am Flop gecallt hat. Dein Gegner hat im Verlauf der Hand tatsächlich erhebliche Stärke gezeigt. Willst du ihn wirklich bluffen und dabei einen großen Teil oder gar deinen ganzen Stack riskieren? Ich nehme an, dass die meistens hier Nein antworten. Daran ist nichts auszusetzen. In vielen Fällen ist es sogar der beste Spielzug, preflop zu raisen, am Flop zu setzen und am Turn ohne Hit zu check/folden.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der anderen Seite der Medaille. Die meisten Spieler, so wie du und ich, antworten „Ja“ zur Continuationbet-Frage und „Nein“ zur Second Barrel-Frage – solide, gute Winningplayer antworten so. Leute, die in dicken Vegas-Häusern leben und jährlich sechsstellige Gewinnsummen aus ihren Online-Turnieren ziehen, spielen ein sehr durchschaubares Spiel. Sie contibetten und check/folden den Turn.

Man kann sie ohne Ende exploiten, indem man ihre Continuationbets floatet und den Pot am Turn stiehlt. Es ist wie das Lolli-Klauen bei einem Kind. Ich nenne es „The Scandinavian Float“, da aus irgendeinem Grund Skandinavier eher zu diesem Spielzug neigen als andere Spieler.

Hier sind einige echte Beispielen aus Turnieren, die ich vor kurzem gespielt habe.

BEISPIEL 1

PokerStars $55 Freezeout. Blinds and antes: 200/400/25.

Stacks: 12k effective

Preflop: Hero is Button with KsQs
Hijack raises 950, CO folds, Hero calls, 2 folds

Flop: (2.675) 2d6hTs (2 Players)
Hijack bets 1.675, Hero calls

Turn: (6.025) 4h  (2 Players)
Hijack checks, Hero bets 3.025, Hijack folds

Analyse:

Ich glaube, dass ich hier meistens 3-betten werde, aber ich hatte meinen Gegner gut im Griff und die Blinds waren nitty, also fand ich einen guten Spot zum flatcallen. Ich wusste auch, dass Villain preflop sehr aktiv ist, aber postflop zurücksteckt. Ich war seiner Openingrange voraus und könnte auf Kxx oder Qxx-Flops gut broke gehen und falls ich nicht treffe, würde ich den Pot oft mit einem Float mitnehmen.

Auf dem Flop mache ich einen Standard-Float: Ich habe sechs direkte Outs und 13 weiteren Outs, um einen guten Draw zu bekommen (zehn Pik und drei Buben). Die meisten Karten, die meine Hand nicht verbessern, helfen auch meinem Gegner nicht. Falls er auch nichts getroffen hat, wird er die meisten Blanks am Turn checken, so dass ich den Pot mit einem Einsatz mitnehmen kann. Genau so kam es auch.

BEISPIEL 2

Full Tilt Poker $109 freezeout. Blinds and antes: 100/200/25.

Stacks: 7k effective

Preflop: Hero is Button with 8d7d
MP2 raises 500, 2 folds, Hero calls, 2 folds

Flop: (1.525) Ac5d2h (2 Players)
MP2 bets 950, Hero calls

Turn:(3.425) 9h (2 Players)
MP2 checks, Hero bets 2.025, MP2 folds


Analyse:

Preflop ist es eine knappe Entscheidung zwischen 3-Bet und Flatcall. Ich habe relativ oft ge-3-bettet und daher befürchtet, dass mein Gegner, der ein altbewährter Pro ist, light 4-bet/shoven könnte. Daher flatcalle ich nur. Am Flop calle ich erneut mit 8 high. Es gibt nicht viele Turnkarten, die meinem Gegner helfen, falls er den Flop verfehlt hat. Daher erwarte ich viele Check/Folds am Turn.

Wenn ich auf diesem Flop calle, repräsentiere ich enorme Stärke, da er nicht viele Floats von mir erwarten kann. Ich denke also nicht, dass er mich oft bluffen wird. Ich könnte auch ein Set Fünfer, Zweier oder AJ, AT halten. Zudem habe ich ein wenig Equity, da ich tolle Backdoor-Draws halte. Am Turn treffe ich einen Gutshot, was total irrelevant ist: Wenn mein Gegner wie geplant checkt, ist mein einziges Ziel, zu betten und den Pot zu gewinnen.

BEISPIEL 3

Das ist ein wirklich extremes Beispiel.

Microgaming 25€ Rebuy-Turnier. Wir sind in der Bubble-Phase zum Final Table bei elf verbleibenden Spielern.
Blinds und Antes: 1.500/3.000/300.

Stacks: 210k (Der Average-Stack beträgt nur 85k).

Preflop: Hero is Button with 4d3d
Hero raises 6.500, SB folds, BB raises 23.500, Hero calls

Flop: (50.300) 9c7d6h (2 Players)
BB bets 31.200, Hero calls

Turn: (112.700) 6d (2 Players)
BB checks, Hero bets 53.700, BB folds


Analyse:

Ich bin dicker Chipleader im Turnier. Der Preflop-Call ist kein guter Spot, da das Openraise meines Gegners sehr groß ist. Aber ich kannte Villain schon und wusste, dass er diese große Betsize mit Händen wie AQ oder AK wählt und kleinere Raises mit großen Paaren tätigt. Ich war mir fast sicher, dass seine 3-Bet kein Bluff war, da er dazu generell nicht im Stande zu sein schien, und außerdem war ich mir sehr sicher, dass er kein großes Paar hält.

Ich würde also anhand des Flops leicht erahnen können, ob er etwas getroffen hat oder nicht. Daher dachte ich, dass ich einen großen Pot mit meinem Float kassieren könnte. Schließlich muss er auf vielen Turns aufgeben, wenn er nichts getroffen hat. Darüber hinaus hat er gemessen an seinem Stack so viel zu verlieren gehabt, dass er keine großen Bluffs gegen den einzigen Gegner auspackt, der ihm wirklich weh tun konnte – insbesondere nicht gegen einen verrückten Finnen wie mich.

Der Flop ist nicht ideal zum Floaten, da dieses recht drawlastige Board dem Gegner irgendwie geholfen haben könnte, aber in diesem Fall war ich sicher, dass er nicht getroffen hat. Sollte er doch ein Overpair halten, würde er auf dem Turn mit Sicherheit setzen. Sollte er verfehlt haben, würde er checken. Zudem hatte ich einen Gutshot. Vier Outs sind nicht die Welt, aber es ist ein zusätzlicher Bonus.

Nachdem er den Turn checkt, setze ich genug, um ihn zum Folden zu bringen (seine Optionen sind im Prinzip nur zu folden oder zu shoven, da wir am Turn nicht mehr viele Chips behind haben. Wenn er doch mal shoven sollte, kann ich folden und halte immer noch einen soliden Stack). Der Trick ist, dass Villain am Turn eine Entscheidung für seinen gesamten Stack treffen muss. Aufgrund des hohen Drucks der Final-Table-Bubble und meines Stacks sah ich meinen Gegner hier niemals auf einem verrückten Bluff.

Der Scandinavian Float – Street für Street

Wie genau funktioniert nun ein erfolgreicher Scandinavian Float? So funktioniert es, Street für Street.

Preflop

Es gibt einige Punkte, die du in Erwägung ziehen solltest, bevor du irgendetwas unternimmst.

Dein Eindruck von Villain

Floate nicht gegen Spieler, die anscheinend keinen Fold-Button in ihrer Software haben. Viele Spieler bluffen zu gerne und werden einfach setzen, setzen, setzen. Erinner dich daran, dass du deinen Gegner an einer Stelle vom Setzen abhalten möchtest, nur dann kannst du den Pot stehlen. Wenn er gerne zwei oder drei Barrels blufft, kostet dich das Floaten eine Menge Geld.

Du musst dir zudem sicher sein, dass dein Gegner eine weite Openraisingrange hat, denn gegen 77+, AJ+ floatet es sich nicht so schön wie gegen 54s+, 76o+, QTo+, Ax, 22+. Dann musst du eine Ahnung von den Postflop-Tendenzen deines Gegners haben. Falls du ein HUD hast, checke seinen Continuationbet-Wert. Der Großteil aller Regulars wird mehr als 70% contibetten (und das zu Recht, weil Gegner nicht oft genug floaten).

Villains Aggression-Frequency auf späteren Streets

Die Aggression-Frequency der meisten Spieler sinkt am Turn signifikant. Diese Gegner sind ideal für dich. Und als letztes wäre es eine gute Idee, herauszufinden, ob dein Gegner ein Regular ist. Glaub mir oder nicht: Meistens ist es besser, wenn er einer ist. Je mehr Tische er spielt desto besser. Es gibt eine Menge 12-tabling-Regulars gegen die ich den ganzen Tag lang floaten kann und sie passen sich niemals an, weil sie zu beschäftigt damit sind, die Buttons an anderen Tischen zu klicken.

Natürlich sollen deine Gegner keine Weltklasse-Spieler sein, da die besten MTT-Spieler postflop so gut spielen, dass kaum ein Move profitabel gegen sie ist. Aber sogar viele der hochgeachteten Regulars haben Leaks, da sie sich nicht gegen Floats wehren. Wenn du einen erfolgreichen Regular mit ROI in Höhe von 70% bei einem Durchschnitts-Buy-In von $30 über eine große Samplesize siehst, kann er sehr wohl ein guter Kandidat für deine Floats sein.

Position und Tendenzen des Spielers hinter dir

Du brauchst Position auf deinen Gegner und er sollte bevorzugt aus mittleren oder späten Positionen eröffnet haben (so dass seine Range weiter ist). Zweitens: Sei so nah wie möglich am Button. Falls du nicht genau am Button bist, vergewissere dich, dass die Gegner hinter dir tight sind und wenig 3-bet-bluffen. Wenn es wahrscheinlich ist, dass jemand hinter dir callt oder 3-bettet, dann ist dein Float-Versuch gescheitert, bevor er begonnen hat und du verschwendest Chips, indem du marginale Hände preflop callst. Vergewissere dich zudem, dass in den Blinds keine Shortstacks sitzen, die 3-bet-shoven können.

Stacksizes

Du brauchst mindestens 30 BB. Es gibt ein paar Fälle, in denen man auch mit nur 25 BB flatcallen könnte, aber dazu würde ich dir nur raten, wenn du unter perfekten Konditionen gegen sehr geradlinige Spieler spielst. Mit 20 – 25 BB solltest du preflop eher zum Shove tendieren, wenn dein Gegner eine weite Range openraist. Denke im Voraus über den Handverlauf nach:

Wie groß wird der Pot am Flop sein? Zum Beispiel: Wenn dein Gegner auf 2,5 BB raist, du callst und alle anderen folden. Mit Blinds und Antes ist der Pot geschätzte 7,5 BB groß am Flop. Wenn dein Stack zu Beginn nur 20 BB betrug, bleibt dir postflop kein Spielraum, da die Continuationbet deinen Gegner comittet und er sich nicht mehr einfach von mittleren Paaren oder ähnlichem trennen kann.

Deine Hand

Deine Hole Cards sind nicht so wichtig wie die anderen Aspekte, aber natürlich solltest du lieber eine Hand halten, die den Flop gut treffen kann (wie zum Beispiel suited Connectors oder kleine Paare). Vermeide Müll-Hände und Hände mit fürchterlichen Reverse Implied Odds wie A2o. Du willst auf keinen Fall mit einem schwachen Toppair broke gehen, wenn ihr im seltenen Szenario einmal beide etwas getroffen habt.

Du kannst dir also merken:

  • Wenn du nicht mindestens 30 BB deep bist, flatcalle nicht.
  • Wenn du dir nicht sicher bist, dass dein Gegner eine weite Openraisingrange hat, flatcalle nicht.
  • Wenn du keine Ahnung von seinem Postflopspiel hast, flatcalle nicht.
  • Wenn du denkst, dass er tilten, gerne über mehrere Streets bluffen könnte oder ein sehr guter Regular mit Soul-Reading-Skills sein könnte, flatcalle nicht.
  • Wenn dein Gegner ein riesiger Fisch ist, der A High auf keinem Board jemals weglegen wird, flatcalle nicht.
  • Wenn deine Hand 72o ist, flatcalle nicht (zumindest meistens nicht).
  • Wenn Spieler hinter dir sind, die gerne squeezen oder flatcallen, flatcalle nicht.

Aber:

  • Wenn du einem Multitabling-Regular gegenüberstehst und die Umstände passend erscheinen, leg los und flatcalle ihn! Du wirst erstaunt sein, wie oft es funktioniert.
Flop
Die Floptextur

Sie ist sehr wichtig. Wenn du den Flop total verfehlt hast und die Textur sehr drawlastig ist, so zum Beispiel KJ8 mit Flushdraw, ist es oft am besten, deinen Plan aufzugeben und zu folden. Das Problem mit drawlastigen Flops ist, dass dein Gegner oft irgendwas getroffen hat oder drawen kann.

Wenn Spieler Draws mit kleineren Stacks halten, gehen sie fast immer am Turn All-In, unabhängig von einem Hit. Daher willst du auf jeden Fall vermeiden, dass du am Turn einen Check/Shove kassierst und du das absolute Maximum in einer Hand verlierst, in der du nicht einmal einen Showdown siehst.

Und sollte dein Gegner mal eine made Hand auf einem drawy Board halten, wird er dich meistens auf einen Draw setzen und ebenfalls den Turn shoven. Zudem würdest du üblicherweise den Flop shoven, wenn du eine Hand gefloppt hast, mit der du broke gehen möchtest. Ein Flatcall signalisiert Schwäche und könnte deinen Gegner veranlassen, mit schwachen Händen wie Gutshots oder Overcards den Turn zu barreln.

Ideale Flops zum Floaten sind niedrigere rainbow Flops wie 642 oder 843, Flops mit einer High- und zwei Lowcards wie Q52 oder A64 und gepaarte Flops wie 833. Beachte, dass es auf trockenen Boardtexturen irrelevant ist, ob du getroffen hast oder nicht.

Zum Beispiel wenn das Board A22 kommt und du die Continuationbet callst: Was kann dein Gegner mit dem Großteil seiner Range machen? Er muss den Turn mit starken Händen wie 99 oder KQs einfach folden, da du ihm sagst, dass du ein Ass hast, das du nicht mehr folden wirst. Ich floate aus diesem Grund jederzeit mit Händen wie 87s auf Axx-Boards. Abhängig von der Floptextur solltest du dich vor dem Floatversuch fragen: “Ist es wahrscheinlich, dass mein Gegner etwas getroffen hat?”

Die Spieler hinter dir

Haben alle anderen preflop gefoldet? Sollte eine dritte Person im Pot sein, musst du deine Floating-Standards erhöhen. Du kannst immer noch ab und an floaten, aber dafür muss die Floptextur günstig sein und du musst deine Gegner gut im Griff haben. Ein toller Spot zum 3-Way-Float ist, wenn ein Regular aus den Blinds callt und der Flop Axx kommt. Regulars flatcallen aufgrund der Reverse Implied Odds schwache Asse üblicherweise nicht out of Position und sie 3-betten starke Asse, also ist es fast unmöglich, dass sie ein Ass halten.

Wenn der Preflopaggressor contibettet und du auf einem A82 Flop flatcallst, wird der Spieler in den Blinds fast immer folden, es sei denn, er hält 88 oder 22. Dein Float wird in den Augen des Preflopaggressors um so starker wirken, da du coldcallst, obwohl noch ein Spieler nach dir handeln kann.

Wie gut deine Hand mit dem Flop verbunden ist

Wenn du beispielsweise 87s floaten möchtest und der Flop kommt 652 mit deinem Flushdraw: Du hast hier ein Equity-Monster, das gegen jede Hand der Favorit ist, aber deine made Hand ist nur 8 high. Hier ist es besser zu shoven bzw. zu raise/callen, um die Foldequity zu maximieren. Manchmal wirst du auch ein starkes Toppair mit KQ auf einem Q65-Flop treffen. Je nach Stackgröße wird es besser sein zu raisen und auf dem Flop All-In zu kommen, damit du deine Hand vor vielen schlechten Turnkarten schützt.

Turn

Der Turn ist viel einfacher zu spielen als die vorherigen Streets, da alles darauf ankommt, ob dein Gegner checkt oder nicht. Falls er einen comittenden Einsatz macht und du keine gute Hand hältst, musst du natürlich folden. Falls du meinen Anweisungen auf den vorherigen Streets gefolgt bist und deine Annahmen über den Gegner zutreffend sind, hast du wahrscheinlich nur Pech gehabt. Zwei von drei Mal würde er das Board verfehlt haben und einfach check/folden, aber dieses Mal scheint er eine gute Hand zu halten.

Falls er checkt (und das sollte er meistens machen, sonst hast in erster Linie du etwas falsch gemacht), solltest du so gut wie immer betten. Es gibt wie immer Ausnahmen. Hier sind die üblichen Szenarien, in denen du das Abweichen vom ursprünglichen Plan in Erwägung ziehen solltest:

Die Turnkarte ist eine Overcard zum Flop

Das gilt besonders bei einem Ass und für denn Fall, dass dein Gegner dann so viel setzt, dass er nicht comittet ist. Sogar die meistens straightforward spielenden Regulars werden üblicherweise ein Ass auf dem Board betten, unabhängig von einem Hit. Zum Beispiel wenn der Flop Q42 kommt und du 87o hältst, werden deine Gegner meist continuationbetten und am Turn checkfolden, wenn jedoch ein Ass auf dem Turn kommt, werden sie erneut setzen, um das Ass zu repräsentieren. Sie wissen, dass du wahrscheinlich eine Queen folden wirst und definitiv eine Hand wie 88 wegwirfst.

Also sollten eure Stacks groß genug sein, so dass du den River nach einem Check betten kannst, solltest du in Erwägung ziehen, den Turn auch ohne Outs erneut zu floaten. Klar ist natürlich, dass dir ein paar Outs wie zum Beispiel ein Gutshot dabei helfen können. Wende diesen Spielzug nicht an, wenn du nicht genug Chips besitzt, um auf einen Check am River eine knapp Potsize große Bet zu setzen.

Villain checkt und du hast Showdownvalue auf einem ungefährlichen Board

Sagen wir du hältst 88 auf einem 9422-Board ohne Flushdraw. Deine Hand ist fast immer die beste und dein Gegner hat üblicherweise zwei bis sechs Outs, um sich zu verbessern. Du könntest natürlich betten, um deine Range zu balancen, aber das musst du wirklich nicht.

Bedenke insbesondere einen Checkbehind, wenn du noch mehr als drei Potsize große Bets im Stack hast, da dich ein Checkraise deines Gegners ab und zu die beste Hand folden lassen würde. Gegen Spieler, mit denen ich häufig spiele, würde ich aus Balancing-Aspekten immer den Turn betten, da ich ihnen keine so starke Hand am Showdown zeigen möchte, ohne vorher den Turn zu betten. Sie würden sonst bemerken, dass meine Turnbetting-Range zwischen Monstern und Floats polarisiert ist und könnten meine Floatingversuche bestrafen.

Die Boardtextur hat sich stark verändert und Villain checkt bei idealen Checkraising-Stacks

Stell dir vor, der Flop bringt ein sehr schönes T22-Board und du floatest mit 87o. Der Turn bringt einen Jack und einen Flushdraw und dein Gegner checkt mit einem cirka 4 x Potsizegroßen Stack zu dir. Auf dem Flop muss er nicht unbedingt viel gehalten haben, aber eine solche Turnkarte bringt Händen wie KQ oder einem Flushdraw eine Menge Outs.

Wenn Leute einen perfekten Check/Shoving-Stack (3 – 4 Potsizebets) halten, werden sie häufig den Turn checkraisen, anstatt zu barreln. Was sollst du schon bei einer solchen Turnkarte halten, um zu betten und einen Shove zu callen?

Du wirst wahrscheinlich weder Jacks oder Tens halten, da diese Hände meistens preflop geraist werden. Eine Zwei hast du wahrscheinlich auch nicht, da du alle Hände mit einer Zwei preflop folden würdest. Ordentliche Handreader werden bemerken, dass du mehr oder weniger nur einen Float repräsentierst und wenn sie Outs für den Fall haben, dass du doch eine gute Hand hältst, werden sie den Turn gegen dich check/shoven. Beachte, dass ein Check/Shove sowohl aus Deception- als auch aus Value-Aspekten die bessere Alternative zum Barreln gegen dich ist.

River

Wenn du double-floatest, lautet deine Mission: Setze, wenn er checkt, und folde, wenn er shoved und du deine Hand nicht verbessern konntest. Wenn dein Gegner hingegen den Turn check/callt wird es interessant. Üblicherweise hast du in diesem Szenario nur eine Potsizebet übrig. Was du zu tun hast, hängt nun komplett von deinen Reads und der Riverkarte ab. Es ist unmöglich, einen exakten Rat für diesen seltenen Fall zu geben. Versuche darüber nachzudenken, ob der Großteil seiner Range eine Riverbet verkraften kann oder nicht. Ich vermute, dass ich etwa 65% aller River bette und in 35% aufgebe. Hier sind trotzdem ein paar Richtlinien:

Wann du setzen solltest
  • Wenn die Rivercard eine Overcard zum Board ist und dein Gegner diese unwahrscheinlich hält.

    Stell dir vor, dass du einen 922-Flop floatest, die 4 auf dem Turn bettest und er callt, und auf dem River eine Ten, ein Jack, eine Queen oder ein King fällt. Hier solltest du fast immer setzen. Falls der River ein Ass bringt, hängt es wieder von deinen Reads ab und das ist wahrscheinlich das schwierigste Szenario. Dein Gegner mag sehr wohl hartnäckig AK oder ähnliches durchgebracht haben, aber er kann auch eine Hand wie 33 halten, die sicherlich folden würde. Generell gilt: Je furchteinflößender die Riverkarte, desto eher solltest du zu einem Einsatz tendieren.

  • Wenn der River einen Flushdraw vervollständigt und dein Gegner checkt.

    Nehmen wir an, der Flop kommt 822, der Turn bringt eine 7 mit Flushdraw (dein Gegner check/callt) und der River bringt den Jack, der den Flush ermöglicht. Wenn dein Gegner checkt, wird ein Shove mit erdrückender Mehrheit erfolgreich sein. Für deinen Gegner ist es schwierig, den Draw getroffen zu haben, da er ihn fast immer second barreln würde und selbst wenn er sich für einen Check/Call entschieden hat (was die denkbar schlechteste Line wäre), würde er üblicherweie den River mit einer Donkbet All-In shoven.

Wann du nicht setzen solltest
  • Wenn der River eine Blank ist.

    Dies gilt vor allem, wenn die Riverkarte das Board pairt. Normalerweise check/foldet dein Gegner den Turn, wenn er nichts getroffen hat. Sollte er check/callen, ist es unwahrscheinlich, dass er auf eine Riverkarte, die absolut nichts an der Boardtextur verändert, foldet.

  • Wenn dein Gegner außerordentlich lange in der Timebank verharrt, bevor er checkt.

    Das ist ein universaler Timing-Tell: Wenn Leute nicht mehr so sehr an ihrer Hand interessiert sind (sagen wir, sie callen den Turn mit Overcards und einem Straightdraw, verfehlen und wollen nun check/folden), werden sie dazu tendieren, eher schnell zu checken.

    Ich denke, es ist eine psychologische Sache: Zum Teil, weil sie die nächste Hand sehen wollen, um wieder Chips zu sammeln und zum Teil, weil es eine sozial unangenehme Situation ist, Chips zu verlieren. Sie schämen sich und wollen die Situation so schnell wie möglich beenden. Also wenn jemand lange Zeit nachdenkt und dann checkt, ist es häufig ein Zeichen, dass sie zwischen einem Shove ihrerseits und einem Check schwanken. Zumindest sind sie noch an der Hand interessiert. Das ist zwar nicht so wichtig wie die anderen Aspekte dieses Artikels und ich empfehle dir, trotzdem furchteinflößende Riverkarten zu shoven, wenn du davon ausgehst, dass dein Gegner nicht getroffen hat, aber es ist ein Aspekt, den man berücksichtigen sollte.

Zusammenfassung

In Turnieren dreht sich der Großteil des Spiels in der späten Phase um die Regeln der Stacksize: Meistens wirst du preflop nur 3-bet/callen bzw. 3-bet/shoven oder folden. Callen mit einer Stacksize von 30 BB oder Ähnlichem ist schlecht, sofern du kein sehr guter Spieler postflop bist, da du mit einer fit-or-fold Strategie nur deine Chips an Andere verteilst.

Aber wenn du weißt, welche Moves du postflop anwenden kannst, kannst du preflop mehr callen und deinen Gegnern schwierige Entscheidungen bescheren. Ich würde sagen, dass der Float wahrscheinlich die wichtigste Postflop-Waffe im Arsenal eines Turnierspielers ist, obwohl dieser Spielzug bisher nicht ansatzweise genug diskutiert wurde. Ich hoffe, dass dir der Artikel einen Einblick geben konnte, so dass nun anfangen kannst, weak-tighte Regulars zu ownen. Solltest du irgendwelche Fragen haben, stehe ich dir gerne zur Verfügung.