Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Sklansky-Chubukov-Zahlen und Preflop-Pushes

Einleitung

In diesem Artikel

  • Was ist ein Sklansky-Chubukov-Push?
  • Zwei Charts und modifizierte Ranges

Die ursprüngliche Idee hinter der Shortstack-Strategie (SSS) war es, Anfängern zu ermöglichen, Gewinne zu erzielen, auch ohne über viel Wissen und Erfahrung zu verfügen.

Deshalb war die erste Version der SSS sehr simpel und zielte darauf ab, schnell gelernt werden zu können und das schlechte und insbesondere loose Spiel der Gegner auf den niedrigen Limits auszunutzen. Inzwischen hat das Spiel mit weniger als 40BB, sowohl bei Anfängern als auch bei Fortgeschrittenen und Profis deutlich an Beliebtheit gewonnen. In den Mid-Stakes lassen sich dadurch sehr solide Gewinne mit deutlich geringerer Varianz erzielen als das mit einem Big Stack möglich wäre. Dazu ist jedoch eine komplexere Strategie als die ursprüngliche SSS notwendig.

Was lernst du in diesem Artikel?

In diesem Artikel wird mit dem Sklansky-Chubukov-Push eines der wichtigsten Konzepte vorgestellt, welches benötigt wird, um als Shortstack in den Mid-Stakes erfolgreich zu sein.

Zunächst werden die Sklansky-Chubukov-Zahlen (SCZ) und –Pushes definiert und grundlegende Eigenschaften erklärt.

Anschließend wird auf Basis der Sklansky-Chubukov-Zahlen gezeigt, welche Hände in jedem Fall profitabel gepusht werden können.

Als Abschluss wird anhand einer Abbildung verdeutlicht, welche zusätzlichen Hände unter normalen Bedingungen darüber hinaus spielbar sind und welche Kriterien für die Entscheidung zwischen Raise und direktem All-In von Bedeutung sind.

Die Definition der SCZ und die ursprüngliche Idee stammen von dem Pokerbuchautorautor David Sklansky und wurden erstmals in „No Limit Hold’em in Theory and Practice“ von David Sklansky und Ed Miller veröffentlich.

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Sklansky-Chubukov-Ranges

Definition und Eigenschaften von Sklansky-Chubukov-Zahlen

Angenommen wir sitzen an einem 1$/2$ No-Limit Hold’em Tisch und halten KK im Small Blind. Alle Spieler vor uns folden und wir zeigen versehentlich unsere Karten. Der Big Blind hat unsere Karten gesehen und wird nun perfekt gegen uns spielen. Ein normaler Raise ist keine Option, weil der Gegner im Rest der Hand sein Wissen um unsere Karten leicht zu seinem Vorteil ausnutzen könnte.

Bleibt also die Frage, ob es besser ist, All-In zu gehen oder die Karten zu folden. Das hängt maßgeblich von der Größe des eigenen Stacks ab. Ist der Stack sehr groß, sollte man folden, weil man zuviel Geld verliert, falls der Gegner eine bessere Hand halten sollte. Mit einem kleinen Stack ist es besser All-In zu gehen.

Die Sklansky-Chubukov-Zahlen geben nun für jede Hand an, bis zu welcher Stacksize ein Push profitabel ist (immer vom SB wenn alle gefoldet haben und der BB unsere Hand kennt).

Für KK liegt diese Grenze sehr hoch, nämlich bei 954$. Daraus folgt, dass ein Push mit KK hier die beste Spielweise ist, selbst mit einem Stack von über 400 BB.

Wichtig zu beachten ist hierbei, dass dies auch in der Praxis ohne Einschränkung (in Cashgames) gilt, weil bei der Berechnung der Sklansky-Chubukov-Zahlen eine perfekte Spielweise des Gegners vorausgesetzt wird. Macht der Gegner in der Praxis Fehler, profitieren wir noch zusätzlich.

Natürlich gibt es viele Situationen, in denen es besser ist, einen normalen Raise zu machen, als direkt All-In zu gehen. Trotzdem gibt es als Shortstack viele Konstellationen, in denen ein solcher „Sklansky-Chubukov-Push“ die beste Option ist. Konkrete Empfehlungen werden im Verlauf des Artikels gegeben.

Eine Liste aller Sklansky-Chubukov-Zahlen gibt es hier:
http://www2.decf.berkeley.edu/~chubukov/rankings.html

(die Werte beziehen sich auf NL 200, um den BB Wert zu erhalten müssen diese also durch 2 geteilt werden)

 

Erwartungsgemäß haben hohe Pocket Pairs und Asse mit gutem Kicker sehr hohe S-C-Zahlen. Kleine Paare und Hände mit einem Ass oder einem König mit schwacher Beikarte haben ebenfalls recht hohe Werte. Suited Connectors stehen in diesem Ranking schlecht da und platzieren sich nur knapp vor vollkommen wertlosen Blättern wie 92o. Showdownvalue ist hier der entscheidende Faktor.

So hat z.B. T3o eine höhere Sklansky-Chubukov-Zahl (5,48) als 54s (4,85).

Für andere Positionen als den Small Blind sind keine S-C-Zahlen definiert. Allerdings gibt es eine Faustregel, die für die Praxis vollkommen ausreichend ist: Man teilt einfach durch die Zahl der Spieler, die noch hinter einem in der Hand sind. Im SB ändert sich also nichts, auf dem Button teilt man durch 2, im CO durch 3 und so weiter.

Sklansky-Chubukov-Pushes-Chart

Im vorangegangenen Kapitel wurden Sklansky-Chubukov-Zahlen definiert und grundlegende Eigenschaften beschrieben. Entscheidend ist nun, wie das eigene Spiel mit Hilfe dieses Wissens verbessert werden kann. Damit beschäftigen sich dieses und das folgende Kapitel.

Mit Hilfe der Liste der Sklansky-Chubukov-Zahlen und der oben angegebenen Faustregel, lässt sich für jeden Stack und jede Position ausrechnen, ob ein Push auf jeden Fall profitabel ist. Die jeweilige Range wird „Sklansky-Chubukov-Range“ genannt.

Im folgenden Chart sind die S-C-Ranges für 10, 15, 20 und 25 BB Stacks in SB, Button und CO angegeben. Das Chart findest du auch hier als PDF-Datei zum Ausdrucken:

Sklansky-Chubukov-Ranges

Sklansky-Chubukov-Ranges

Stacksize
SB
BU
CO
10 BB 22+, A2+, K2+, Q6s+, Q9o+, J8s+, JTo 22+, A2+, KT+, K9s, QTs+ 33+, A3s+, A7o+, KTs+
15 BB 22+, A2+, K8o+, K4s+, Q9s+, QJo, JTs 33+, A3s+, A7o+, KTs+ 55+, AT+, A9s
20 BB 22+, A2+, KT+, K9s, QTs+ 44+, A9+, A8s, KQs 77+, AJ+, ATs
25 BB 33+, A2s+, A4+, KJ+, KTs 66+, AT+, A9s 88+, AQ+, AJs

Es ist also mit jeder im Chart aufgeführten Hand besser, einen Open-Push zu machen, als zu folden, vollkommen unabhängig von der Spielweise der Gegner.

Natürlich kann ein normaler Raise noch besser sein. Pushes lohnen sich besonders mit Händen, die man ungern nach dem Flop weiterspielen möchte, wie kleine und mittlere Paare und Kombinationen aus einer hohen und einer niedrigen Karte, also beispielsweise 55, A2o, K7o. Hände, die stark sind oder sich sehr gut nach dem Flop spielen lassen, sollte man hingegen eher normal raisen, es sei denn man hat einen Stack von 10BB oder weniger.

So ist der Chart anzuwenden:

  • Hände, die sich schlecht nach dem Flop spielen lassen, sollten direkt gepusht werden.
  • Mit starken Händen und solchen, die sich gut auf dem Flop spielen, kann ein Standardraise gemacht werden (z.B. KK, JTs).
  • Alle Hände, die im Chart auftauchen, dürfen niemals und unter keinen Umständen gefoldet werden. Im Zweifelsfall einfach pushen.

Beispiel 1:

Wir halten 55 auf dem Button, alle folden zu uns. Stack 15BB. Was ist die beste Spielweise?

All-In! Die Hand taucht im Chart auf, also kommt ein Fold nicht in Frage. Ein normaler Raise ist schlecht, weil sich 55 am Flop sehr schlecht spielt, es sei denn, man macht ein Set. Auf Letzteres kann man als Shortstack nicht spielen, weil die implied Odds kleiner sind als die, die dritte 5 zu treffen.

Beispiel 2:

Alle folden zu uns im CO. Wir halten JJ und haben einen 20BB Stack. Was ist zu tun?

Raise auf ca. 3 BB! Unsere Hand ist sehr stark und der Stack recht groß. Ein normaler Raise bringt im Durchschnitt mehr ein als ein All-In. Ein Fold wäre natürlich die schlechteste Alternative.

Beispiel 3:

UTG limpt, alle anderen Spieler folden. Wir sind auf dem Button und halten A8o mit einem 15BB Stack. Was nun?

Fold! Beim Chart und im gesamten Artikel geht es nur um Situationen, in denen alle Spieler vor einem gefoldet haben. A8o ist zu schwach, um in dieser Situation gespielt zu werden.

Empfehlung für Push-Ranges

Alle Hände aus dem letzten Chart können unabhängig von den Gegnern immer profitabel gepusht werden. Das vereinfacht die Anwendung, wenn man nur diese Karten spielt, verliert aber eine Menge Value bei Blättern, die ebenfalls oft spielbar sind.

In der nun folgenden Tabelle werden deshalb weitere Hände aufgenommen. Es finden sich darin alle Blätter mit ausreichend hohen Sklansky-Chubukov-Zahlen und zusätzlich solche, die gegen die allermeisten Gegner in der Praxis profitabel zu spielen sind.

Das Chart findest du auch hier als PDF-Datei zum Ausdrucken: Sklansky-Chubukov-Ranges

Modifizierte Ranges

Stacksize
SB
BU
CO
10 BB 22+, A2+, K2+, Q2s+, Q9o+, J7s+, J9o+ 22+, A2+, KT+, K7s, Q8s+, QT+, JT 22+, A2s+, A8o+, KTs+, KQ, QJ
15 BB 22+, A2+, K8+, K2s+, Q6s+, QTo, JT 22+, A2s+, A7o+, K9s+, KJ, QJ+ 22+, AT+, A5s, KTs+, KQ, QJs
20 BB 22+, A2+, K9+, K7s, Q8s+, QT+, JT 22+, A9+, A5s, KTs+, KQ, QJs 55+, AJ+, A9s+, KTs+
25 BB 22+, A2+, KT+, QTs+, JTs 44+, AT+, A7s, KQ 77+, AJ+, ATs, KJs+

Im Chart sind ausschließlich Paare und hohe Karten enthalten. Suited Connectors sind auch häufig spielbar, insbesondere aus dem Small Blind und dem Button. Allerdings haben diese eine sehr gute Playability und sollten deshalb in aller Regel normal auf ca. 3BB erhöht werden (Ausnahme: Stack von 10BB oder weniger). Die korrekte Spielweise dieser Hände soll nicht zum Thema dieses Artikels werden.

Die Premium-Hände sollten natürlich nicht direkt All-In gespielt, sondern normal erhöht werden.

Wenn man die schwächeren Blätter aus dem Chart direkt All-In spielt, ist man in der Regel auf der sicheren Seite. Falls einer der verbleibenden Gegner jedoch extrem loose ist, sollte man die schwächsten Hände folden. Diese verlieren dann an Wert, dafür profitieren die besseren Hände sehr stark von der schlechten Spielweise des Gegners.

So ist der Chart anzuwenden:

  • In aller Regel sollten alle im Chart verzeichneten Hände gespielt werden.
  • Die besten Hände sollten normal auf ca. 2,5 - 4 BB erhöht werden.
  • Bei Händen mit schlechter Playability ist es am besten direkt All-In zu gehen.
  • Ist unklar, ob man lieber normal erhöhen oder pushen sollte, ist es besser, All-In zu gehen.
  • Falls hinter einem noch ein extrem looser Gegner in der Hand ist, sollten die schwächsten Blätter gefoldet werden.
  • Suited Connectors sind nicht im Chart verzeichnet, können aber häufig gespielt werden. In aller Regel sollte aber nicht gepusht, sondern einfach auf ca. 3BB erhöht werden.
  • Bei einer unrunden Stacksize orientiert man sich am nächstgelegenen höheren Wert, der in der Tabelle auftaucht.

Beispiel 1:

Alle folden zu uns im Small Blind. Wir halten A2o bei einem Stack von 13BB. Wie sollte die Hand gespielt werden?

All-In! 13BB liegt am dichtesten unter 15BB und ist im Chart verzeichnet. Die Playability ist schlecht, also ist es am besten direkt zu pushen.

Beispiel 2:

Wir halten A7o auf dem Button. Der Stack ist 15BB groß und der Big Blind ist extrem loose agressive. Alle folden zu uns. Spielen wir die Hand, obwohl der BB so loose ist?

Nein! A7o ist am unteren Ende der Range, die normalerweise gespielt werden kann. Ein Push ist wegen des loosen BB nicht mehr profitabel. Ein Raise auf 3BB ist ebenfalls sehr fragwürdig, weil die Playability sehr schlecht ist und wir gegen einen Reraise des BB folden müssten, was sicherlich häufig vorkommen würde.

Beispiel 3:

Wir halten 44 auf dem Button mit einem Stack von 15BB. Alle folden zu uns. Der BB ist sehr loose. Kann die Hand gespielt werden?

Ja! 44 ist viel zu stark, um zu folden, egal wie die Gegner spielen. Dies ist auch daran zu sehen, dass 44 im ersten Chart dieses Artikels aufgeführt ist. Ein Push ist also auf jeden Fall profitabel, völlig unabhängig davon, wie die Gegner spielen.

Beispiel 4:

Wir halten 98s auf dem Button und die Stacksize beträgt 19BB. Alle folden zu uns. Was nun?

Raise auf ca. 3BB! Die Playability dieser Hand ist hervorragend und wir haben nach dem Flop Position. Ein All-In wäre zwar profitabel, bringt aber im Durchschnitt deutlich weniger ein als ein Standard Raise.

Fazit

Viele Shortstack-Spieler verzichten völlig auf Preflop-Pushes. Sie kaufen nach, sobald sich ihr Stack der 10BB Marke nähert und machen immer Standardraises. Auf diese Art kann man mit positivem Erwartungswert spielen, nutzt aber die Stärken eines Shortstacks nicht optimal aus.

Viele Hände spielen sich nach dem Flop einfach nicht gut. Insbesondere aus dem SB, weil man dort out of Position ist. Aber selbst vom Button hat man mit Händen wie A6o oder 22 auf vielen Flops einen schweren Stand. Durch ein All-In preflop können viele unvorteilhafte Situationen zuverlässig umgangen werden.

Big Stacks haben (außer im SB) keine Möglichkeit eine gleichwertige Strategie gegen uns zu spielen. Der Grund: Solange ein weiterer Big Stack in der Hand ist, wäre ein Preflop-Push mit einem großen Stack für sie ein schwerer Fehler. Also müssen unsere Gegner Hände folden, die wir profitabel pushen können.

Gerade aus dem Small Blind kann der Erwartungswert durch die in diesem Artikel beschriebene Strategie erheblich gesteigert werden. Hände wie K7o sind mit einem normalen Raise gegen fast jeden Gegner unprofitabel. Durch ein direktes All-In tragen solche Hände plötzlich stark zum Gesamtergebnis bei.

Um den Vorteil der Preflop-Pushes möglichst häufig nutzen zu können, empfehle ich, auf höheren Limits als Shortstack niemals nachzukaufen. Möglichkeiten für Pushes ergeben sich dadurch um ein Vielfaches häufiger. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist, dass man als 10BB Stack nach einem Double-up nicht den Tisch wechseln muss.