Einführung in das Heads-up-Spiel
Einleitung
In diesem Artikel
- Du brauchst mindestens 50 Stacks
- Pick dir die Fische heraus
- Loose in Position, tight out of Position
Für viele gilt das Heads-up-Spiel als die Königsdisziplin des Pokerns. Andere reizt auch nur der Kampf Mann gegen Mann, doch wie auch immer man es sieht, Heads-up gewinnt zusehends mehr und mehr Interessenten.
Dieser Artikel bringt dir die wichtigsten Besonderheiten dieser Spielart näher. Du erfährst, was in Hinsicht auf Bankrollmanagement und Tableselection zu beachten ist. Ebenfalls werden die Grundzüge des Preflopspiels dargestellt.
Dass nur Grundprinzipien dargestellt werden können, erklärt sich fast von selbst. No-Limit Hold’em ist ein stark situationsabhängiges Spiel, Heads-up No-Limit noch viel mehr. Im Heads-up gewinnt derjenige, der sich am besten auf seinen Gegner einstellen kann, und trotz vieler Ähnlichkeiten ist jeder Gegner doch einzigartig.
Deshalb solltest du diese Variante auch nicht versuchen, bevor du nicht deine Lehrzeit auf Full Ring und Shorthanded hinter dich gebracht hast. Ohne gute Postflopskills und Handreading-Fertigkeiten ist Heads-up für dich nichts weiter als Glücksspiel.
Bankrollmanagement
Da die Matches Heads-up in der Regel deutlich aggressiver sind und du dementsprechend auch häufiger All-In bist bzw. große Pötte spielst, ist auch die Varianz sehr hoch. Das muss sich auch auf dein Bankrollmanagement auswirken. Ein konservatives Bankrollmanagement mit mindestens 50 Stacks ist dringend angeraten.
Wer schnell aufsteigen will, der kann auch gelegentlich nach folgendem System kleine Shots starten: Hast du eine Bankroll von $6000 erreicht, kannst du einen Shot auf NL200 wagen. Solltest du dort 5 Stacks verlieren, somit nur noch $5000, 50 Stacks für NL100, übrig haben, gehst du sofort wieder auf NL100 zurück.
So fährst du im Grunde weiter mit einem 50-Stacks-Bankrollmanagement, aber die Aufstiege gehen schneller vonstatten. Wie immer bei Shots gilt: Tiltresistenz und Disziplin sind Grundvoraussetzungen. Egal was für einen fetten Fisch du auf einem höheren Limit auszumachen vermeinst oder wie langsam es dir auf deinem Stammlimit vorangeht, wenn du nicht absteigen kannst oder den Tilt nicht unter Kontrolle hast, bist du ganz schnell der Fisch.
Die Varianz kann dich hart erwischen im Heads-up. Schreib es dir hinter die Ohren: Du musst absteigen können. Du musst den Tilt unter Kontrolle haben. Wenn nicht, ist Heads-up nicht dein Spiel.
Tableselection
Gerade bei NL Heads-up sieht man oftmals astronomisch hohe Winrates auch auf größere Samplesizes. Doch wie kommen diese zustande? Eigentlich ist das recht leicht zu erklären. Wenn du 6max spielst und dir dort ein riesiger Fisch auffällt, musst du diesen meist mit vier anderen Spielern teilen. Du wirst nicht jede Hand gegen ihn spielen können und dementsprechend ist sein Anteil an deiner Winrate überschaubar.
Im Heads-up hingegen hast du einen solchen Spieler für dich allein und du kannst deine Edge ihm gegenüber in jeder einzelnen Hand ausspielen. Die Situation ist also vergleichbar mit einem 6max-Tisch, an dem fünf riesige Fische sitzen – eine im Vergleich zu Heads-up äußerst seltene Situation.
Somit dürfte recht klar sein, dass die Tableselection wohl der wichtigste Punkt in der Spielvorbereitung ist. Das wird von vielen Spielern stark unterschätzt. Doch wie soll man das in der Praxis gestalten?
Es empfiehlt sich, ähnlich wie du es von den Ringgames gewöhnt bist, eine große Datenbank mit vielen geminten Händen zu erstellen, damit du auch gegen Leute, welche du bisher noch nicht als Gegner hattest, einen gewissen Read erlangst.
Die Stats müssen hier natürlich ganz anders betrachtet werden. Du suchst nicht mehr nach Leuten mit möglichst hohem VPIP, sondern nach Gegnern mit anderen Leaks. Wenn du eine wirklich große Samplesize hast, kannst du natürlich einfach auf den „Amount Won“ bzw. in diesem Fall Amount Loss achten.
Ansonsten suchst du Gegner, die zu viele Hände oop spielen, also Leute, bei denen ein großer Unterschied zwischen VPIP und PFR besteht. Auch ein sehr hoher „Fold to Continuationbet“-Wert ist wünschenswert, denn dieser ermöglicht es dir, sehr viele Pötte direkt am Flop unimproved zu gewinnen.
Falls du vorhast, auf Full Tilt Poker zu spielen, ist es auch hilfreich, sich direkt Notes über die Stärke deiner Gegner zu erstellen. Hast du also ein paar Hände gegen einen guten Gegner gespielt, gib ihm einfach ein rotes Symbol, suche einen neuen Tisch und meide diesen Spieler in Zukunft.
Spielst du hingegen gegen einen Fisch, gib ihm ein grünes Symbol. Du kannst dir da ein eigenes Farbschema ausdenken und andere Farben für weitere Spielertypen verwenden.
Wie sehen deine Preflop-Ranges aus?
Zuerst einmal sei angemerkt, dass die Unterschiede zu 6max gar nicht so groß sind, wie man das eigentlich vermuten sollte. Im Grunde gilt das gleiche Prinzip: Man setzt seine Gegner auf eine Range und versucht, dagegen die bestmögliche Entscheidung zu treffen, so wie bei jeder anderen Pokervariante auch. Postflop sind die Unterschiede also nicht sehr groß, auch wenn sich aufgrund der weiten Ranges mehr Möglichkeiten für Moves ergeben.
Der Unterschied ist allerdings, dass es keine Multiway-Pötte gibt und gerade das Preflopspiel deutlich looser ist. Somit steht man auch am Flop automatisch häufiger unimproved da.
Da man jede Entscheidung im Grunde komplett abhängig vom jeweiligen Gegner zu treffen hat, ist es deutlich schwerer, Richtlinien zu geben, nach denen man am Tisch verfahren sollte, da unter gewissen Umständen eigentlich jede Line denkbar sein kann. Doch einige gemeinsame Grundlagen kann man angeben.
Im Heads-up hast du im Small Blind postflop immer Position und somit einen riesigen Vorteil. Diesen willst du möglichst oft nutzen und kannst somit sehr viele Hände spielen. Allgemein empfiehlt es sich, im Small Blind immer zu raisen oder zu folden. Eine sinnvolle Raising-Range ist die folgende:
22+, A2s+, A2o+, K2s+, K2o+, Q2s+, Q6o+, J2s+, J7o+, T6s+, T7o+, 96s+, 97o+, 85s+, 86o+, 74s+, 75o+, 64s+, 65o+, 53s+, 54o, 43s, 32s
Diese muss natürlich angepasst werden, je nach Gegner. Du kannst noch looser werden, wenn der Gegner seinen BB nur sehr selten defendet oder oft nur passiv defendet und dann oft auf Continuationbets foldet. Je mehr Foldequity du hast, desto looser solltest du spielen.
Tighter werden sollte man in der Regel nicht, höchstens gegen Leute, die sehr viel 3-betten oder einem postflop sehr viel Action geben, so dass man wenig Pötte ohne Showdown sieht.
Wenn der Gegner 3-bettet, musst du deine Entscheidung natürlich komplett von seiner 3-Betting-Range abhängig machen, und das Spiel unterscheidet sich nur geringfügig von bekannten Ringgames. Du wirst natürlich auf viele Gegner treffen, die deutlich mehr 3-betten als du das gewohnt bist, was aber auch nur dazu führt, dass du selbst etwas looser weiterspielen musst.
Im Big Blind solltest du sehr tight spielen, da du den Rest der Hand out of Position weiterspielen musst. Es gilt also wie bei allen anderen Varianten wieder: in Position loose – out of Position tight!
Wenn du den Gegner noch nicht so genau kennst, ist es meist leichter, Hände, die du spielen willst, selbst zu 3-betten, da so postflop aufgrund der begrenzten Stacksizes weniger Spielraum für große Fehler bleibt und du ohnehin schneller committed bist, wenn du den Flop auch nur ansatzweise getroffen hast.
Welche Hände du genau defendest und ob du sie aktiv oder passiv defendest, ist wieder komplett gegnerabhängig. Eine allgemeine Range, die man wohl immer defenden sollte, ist folgende:
22+, A8s+, ATo+, KTo+, K9s+, QTo+, Q9s+, JTo, J9s+, T8s+, 97s+, 87s, 76s, 65s
Oftmals geht es natürlich auch looser, gerade wenn man gute Reads gesammelt hat und in der Lage ist, seinen Gegner postflop auch auszuspielen, aber gerade gegen unknown sollte man vor allem nicht bei den Ax-Händen looser werden. Man kommt sonst nämlich stets in sehr schwer zu spielende „way ahead / way behind“-Spots, die ohne Informationen sehr teuer werden können.
Fazit
Letztlich sind Heads-up-Cashgames auch nicht viel anders als andere No-Limit-Cashgames. Das Spiel ist allgemein etwas looser, aber es bleibt dabei, dass man sich die Ranges der Gegner überlegen muss und dann entsprechend seine Entscheidung trifft. Somit sind die Unterschiede gerade postflop nur sehr gering und werden in diesem allgemeinen Einführungsartikel nicht weiter behandelt.
Was jedoch stark zu Tage tritt, ist der Einfluss der Varianz. Im Heads-up kann es schnell einiges Stacks hoch oder runter gehen. Das kann schnell aufs Gemüt und damit auf die eigene Spielweise schlagen. Der Tilt lauert an jeder Ecke. Erfahrenere Spieler legen es geradezu drauf an, ihre Gegner auf Tilt zu bringen.
Auch wenn es spielerisch aussieht und dein Gegner ein Riesenfisch zu sein scheint, verlangt dir das Spiel mental einiges ab. Habe die Disziplin, vom Tisch zu gehen, wenn du Mist baust. Steige in den Limits ab, wenn du es musst. Es haben schon einige gute Spieler geschafft, ihre Bankroll zu vertilten, weil sie sich gesagt haben: „Wieso aufhören? Ich hab doch eine riesige Edge.“
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