Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Das Squeezeplay

Einleitung

In diesem Artikel

  • Loose Openraiser sind optimale Gegner zum Squeezen
  • Eine super Situation: BB vs. BU + SB
  • Reads sind wichtig!

Dieser Artikel beschäftigt sich mit einem weiteren Move, der in keinem Arsenal eines High-Limit Pokerspielers fehlen sollte, dem Squeeze.

Ein Squeezeplay ist ein Preflop-Bluff in Form eines großen Reraises, nachdem ein Spieler zuvor geraist und mindestens ein weiterer nach ihm die Erhöhung gecallt hat. Während der erste Spieler im Idealfall die Hand aufgibt, da er nun zwischen zwei oder mehr Gegnern gefangen ist und nicht weiß, was die Spieler nach ihm tun werden, haben der zweite Spieler und alle nach ihm folgenden häufig nicht eine derart starke Hand, als dass sie mit ihr ein Raise und anschließend noch ein Reraise callen könnten.

Von welchen Faktoren der Erfolg oder Misserfolg dieses Spielzuges abhängt und wie du weiterspielst, wenn deine Continuationbet gecallt wird, erfährst du in diesem Artikel.

Wovon hängt der Erfolg des Squeezeplays ab?

Dein Tableimage preflop

Einer der wichtigsten und trivialsten Faktoren für das Gelingen eines Squeezeplays ist dein Tableimage. Je tighter und solider du wirkst, je passiver und unauffälliger du bislang preflop agiert hast, desto besser. Denn desto eher wird ein Reraise als Zeichen für eine starke Hand interpretiert und respektiert.

Ein relativ geringer PFR-Wert von beispielsweise weniger als 14% ist dabei hilfreich, ein solches Image zu etablieren. Sitzen Regulars an deinem Tisch, ist es wünschenswert, diesen Wert auch über eine größere Samplesize zu erreichen, z.B. durch Hände an anderen Tischen oder frühere Sessions. Hast du schon während der vergangen Hände eine 3-Bet vor dem Flop gemacht, ist es sehr förderlich für dein Image, wenn du die Möglichkeit hattest, ein Monster wie QQ+ oder AK am Showdown zu zeigen.

Ein wildes Image hingegen, beispielsweise durch einen PFR-Wert von 20% oder mehr oder durch wiederholte Reraises, ohne am Showdown ein starke Hand zu zeigen, ist dem Erfolg eines Squeezeplays wenig zuträglich, da deine Gegner zunehmend weniger folden werden.

Dein Tableimage postflop

Dieser Aspekt fällt nicht ganz so stark ins Gewicht, ist jedoch auch nicht völlig zu vernachlässigen. Giltst du als guter und vor allem aggressiver Postflop-Spieler, so wollen potenzielle Gegner nach Möglichkeit vermeiden, allzu große Pötte mit marginalen Händen gegen dich zu spielen.

Wichtige Fragestellungen hierbei sind:

  • Feuerst du oft genug eine Continuationbet nach einem Preflopreraise ab?
  • Feuerst du oft genug eine 2nd Barrel am Turn?
  • Kommst du oft genug mit starken Händen aus einem Pot, ohne deinen Stack zu verlieren?
  • Checkraist du oft genug?

All diese Fragen solltest du mit ja beantworten können. Auch beeindruckende Laydowns oder Bluffs auf etwas ausgefalleneren Boards, die den Kontrahenten im Gedächtnis bleiben oder notiert werden, sind förderlich.

Deine Position

Wie so häufig ist es von enormem Vorteil, wenn du Position auf deine Gegner hast, insbesondere wenn der effektive Stack sehr groß ist. Out of Position zu squeezen, ist schwer, denn am Flop bist du first to act. Oft wird deine Bet hier gecallt und du stehst am Turn einem großen Pot und einer sehr schweren Entscheidung gegenüber. Hier können Fehler passieren, die sehr teuer sind und deren Vermeidung gute Reads und viel Erfahrung voraussetzt, und selbst das ist keine Garantie.

Die Stackgrößen

Von Bedeutung sind sowohl die Höhe deines eigenen Stacks, als auch die der Gegner, des ursprünglichen Raisers und der Spieler, die sein Raise gecallt haben. Je deeper du bist und je höher die implied Odds deiner Hand sind, desto weiter kann auch die Range für ein Squeezeplay ausfallen.

Unmittelbar damit zusammen hängt die schon zuvor erwähnte Position. Hältst du beispielsweise mittelstarke Hände wie TT-QQ oder AQ und bist relativ deep, z.B. bei einem effektiven Stack von 150-200BB, so wird ein Squeeze vor allem OOP wesentlich ineffizienter.

Der Grund hierfür ist, dass du mit deiner postflop meist mittelstarken Hand nur schwer auf Potcontrol spielen kannst. Hast du dagegen eine Hand mit hohen implied Odds (z.B. kleine PPs, SCs) und sitzt auf dem Button, so kannst du hier wesentlich öfter reraisen, denn in dieser Situation kannst du mit einer postflop klar definierten Hand, also einer hohen Playability, recht gut den Pot kontrollieren.

Der Tilteffekt

In diesem Punkt ist etwas Feingefühl gefragt. Einerseits sollte dein Move nicht nach Tilt aussehen, andererseits solltest du aber auch vermeiden, gegen einen tiltenden Spieler zu squeezen.

Achte nach Möglichkeit darauf, dass du nicht gerade einen großen Pot verloren hast bevor du ein Squeezeplay auspackst. Dein Tableimage ist hier temporär beeinflusst und deine Gegner werden dich in einer solchen Situation öfter auf einen loosen Move setzen. Ebenso sollte keiner der anderen Involvierten gerade tilten. Das ist natürlich nicht leicht zu erkennen, doch wenn ein sonst sehr solider Spieler auf einmal versucht, möglichst viele große Pötte zu spielen und wesentlich aggressiver als normal auftritt und/oder gerade einen teuren Beat eingesteckt hat, ist Vorsicht angesagt.

Des Weiteren kannst du durch wiederholtes Reraisen eines Spielers Frust bei diesem erzeugen. Es ist keine Seltenheit, dass ein Spieler, der sonst nie mit einer Hand All-In geht, nach dem dritten oder vierten Reraise in Folge mit AK oder QQ pusht. An dieser Stelle wirst du dann sicherlich auch einmal schwächere Hände wie z.B. Ax sehen. Demzufolge hast du mit deinen Monstern wesentlich höhere implied Odds. Dieser Effekt ist auch für den gesamten Tisch zu betrachten. Hast du bereits zwei oder drei Squeezeplays an einem Tisch gemacht, ist dein EV wenn du Aces bekommst, durch den bisher von dir erzeugten Eindruck, definitiv deutlich gestiegen.

Die Involvierten
DER OPENRAISER

Ausreichende und zuverlässige Reads auf den Openraiser sind unabdingbare Voraussetzung für diesen Zug. Hast du keine Erfahrung mit diesem Spieler, so bedarf es schon eines Optimums der anderen Rahmenbedingungen, um ein Squeezeplay zu rechtfertigen. Je besser du den Spieler kennst, desto profitabler ist der Move, vor allem im Falle eines Calls.

Diese Werte sind dabei wichtig:

  • PFR: Je höher, desto besser. Ein hoher PFR signalisiert, dass dieser Spieler mit vielen marginalen Händen eröffnet. Ist der Openraiser dagegen ein Rock, sitzt er sehr oft auf einer Hand, die er vor dem Flop nicht folden will (und meistens auch nicht folden sollte).
  • Der VPIP bzw. der Call-PFR-Wert: Je tighter der Spieler vor dem Flop ist, desto besser. Ein hoher VPIP signalisiert ein großes Interesse, viele Flops zu sehen, ein hoher Call-PFR-Wert Misstrauen bzw. Selbstbewusstsein bzgl. der eigenen Postflop-Kompetenz. Beides sind keine allzu guten Grundvoraussetzungen.
    • Ausnahme: Du hältst eine mittelstarke Hand. Hier solltest du eventuell eine 3-Bet dem Call vorziehen: Einige Gegner haben einen enormen Call-PFR-Wert und sind gleichzeitig aggressive Preflopraiser. Callt ein solcher Spieler beispielsweise auf dem Button, ist es oft profitabel, Hände wie TT/JJ oder AQs für einen Squeeze zu benutzen. Wirst du gecallt, so verliert deine Hand nicht an Attraktivität.
  • Individuelle Reads:
    • Reraist bzw. pusht er seine Monster(AA, KK) und AK gegen eine 3-Bet? IP? OOP? Oder "trappt" er hiermit oft bzw. immer?
DAS MITTELFELD (falls vorhanden)

Oft bekommt ein Raiser, der sich in einer frühen Position befindet, mehr als nur einen Caller. Angenommen UTG raist, MP callt, CO callt und BU callt. Hero ist SB. Hier seien MP und CO das Mittelfeld. Hat der letzte Caller die Möglichkeit, auch als letzter preflop zu agieren, so befinden sich die Caller in der Mitte ähnlich wie der ursprüngliche Raiser in einem Squeeze: Selbst wenn sie nicht an eine starke Hand des Reraisers glauben, können sie sich nicht sicher sein, dass die Hände der Spieler hinter ihnen einen Call oder eine Raise nicht unprofitabel machen. Da sich diese Spieler somit in einer strategisch ungünstigsten Position befinden (sie sind im Squeeze und haben keine starke Hand signalisiert), ist von ihnen meistens auch am wenigsten zu befürchten.

Worauf dennoch zu achten ist:

  • PFR: Je höher, desto besser. Rocks könnten auch hier mit einer starken Hand, vor allem mit AK, einem selbst zu vollziehenden Reraise durch einen Call ausgewichen sein.
  • VPIP bzw. Call-PFR-Wert: siehe vorhergehenden Abschnitt „ Der Openraiser"
  • Individuelle Reads: Hier geht es primär um das Trappen mit Big Pairs. Einige Spieler neigen gerade in early Position dazu, ihre starken Hände nicht zu 3-betten, sondern nur zu callen. Das kommt zwar nicht sonderlich häufig vor, ändert deine Lage jedoch ganz erheblich, wenn es doch der Fall ist. Daher sind Notes sehr wichtig, wenn dir bei einem Spieler etwas in dieser Hinsicht aufgefallen ist. Ob er nun mit diesen nur callt oder 4-bettet ist ebenso von Bedeutung (s.o.).
DER LETZTE CALLER

Dieser hat eine Sonderposition und ist mit dem Openraiser der entscheidende Spieler am Tisch. Es ist sehr selten, dass er eine starke Hand hält wenn er in late Position sitzt, vor allem nachdem bereits andere Spieler das erste Raise gecallt haben. Hier selbst zu reraisen, ist in der Regel die wesentlich bessere Option als einfach zu callen.

Zum anderen weiß er: Er ist der letzte agierende Spieler und muss keine weitere Hand "fürchten". Somit hat er quasi die Funktion des Tablesheriffs inne und ist der Letzte, der den vermeintlichen Bluff auffliegen lassen könnte.

Folden alle zum letzten Spieler und callt dieser dein Reraise, solltest du dir drei Dinge bewusst machen:

  • 1. hat er so gut wie nie eine starke Hand wie AK oder QQ+. (Der PFR-Wert ist hier natürlich nicht völlig zu vernachlässigen.)
  • 2. hat er selten eine schwache Hand wie 22-66 oder kleine SCs. Die implied Odds würden in so einem Fall nicht ausreichen, um die erfolgte 3-Bet zu callen. (Hierbei ist wiederum die effektive Stacksize nicht völlig zu vernachlässigen.)
  • 3. ist er oft bereit, um den Pot zu kämpfen. Diese Einschätzung ist umso zutreffender, wenn er ein hohes Reraise gecallt hat. Du wirst hier also fast immer eine Hand wie z.B. KQs, AJ/AQ oder (noch beliebter) Middle Pairs wie 88-JJ finden.

Anmerkung: Hier ist die Geschichte, die du mit diesem Spieler hast, von großer Bedeutung. Kämpfst du viel gegen diesen an und hast in der Vergangenheit einige aggressive Moves gegen ihn gezeigt, wird er geneigt sein, dich recht "light" zu callen. Dabei ist es nicht selten, dass er vom optimalen Spielzug abgeweicht, um dich zu stacken.

Die Höhe des Reraises

In die Entscheidung über die Größe deines Reraises solltest du viele der oben genannten Faktoren mit einfließen lassen. Als Faustregel gilt eine Reraisehöhe vom Drei- bis Vierfachen der Höhe des Openraises. Du solltest in Position immer etwas schwächer raisen, OOP dafür etwas stärker. Willst du alle Gegner schon preflop aus der Hand treiben, musst du darauf achten, stark genug zu raisen, um den Spielern ihre implied Odds zu zerstören. Du musst sie davon überzeugen, dass sie zu selten den Flop treffen, um einen teuren Preflopcall profitabel zu machen.

Planst du dagegen einfach viel Preflopstärke zu zeigen, um im Falle eines Calls den Pot durch eine Continuationbet mitzunehmen, so muss dein Raise nicht unbedingt sonderlich hoch ausfallen. Dein Reraise an sich zeigt schon viel Stärke. Diese Art von Move ist besonders dann profitabel, wenn ein oder mehrere Spieler preflop sehr viel callen und sehr oft auf eine Contibet folden. Ebenso wenn die effektiven Stacks so groß sind, dass auch große Preflopreraises ohnehin gecallt werden.

Die 4-Bet-Frequenz

Je höher die Limits, auf denen du spielst, desto öfter werden die Hände schon preflop durch Raises entschieden. Während man auf kleinen Limits selten eine 3-Bet sieht, so sind 4-Bets auf hohen Limits keine Seltenheit mehr. Ist dein Tisch sehr aggressiv, sind 4-Bets wahrscheinlicher, und 4-Bets sind der natürliche Feind eines jeden Squeezeplays. Halte dich an solchen Tischen also verstärkt mit diesem Move zurück!

Welche Hände eigenen sich zum Squeezen?

BIG HANDS AK/AA/KK:

Mit diesen Händen solltest du natürlich immer "squeezen" - auch wenn man in diesen Fällen nicht von einem Squeeze spricht, denn dafür sind diese Hände zu stark.

MIDDLE PAIRS 88-QQ:

Mit diesen Händen solltest du aufpassen. Selbst Queens oder Jacks können gegen einen tighten Openraiser aus early Position und einen Caller OOP zu schwierigen Situationen führen. Hier solltest du auf jeden Fall vorsichtig sein. Mit TT-88 solltest du in vergleichbaren Situationen, mit Ausnahme von Blindbattles, eher auf Setvalue spielen.

Grund hierfür ist die schlechte Playability in dem Fall, dass der Squeeze gecallt wird. Du hast eine mittelstarke Hand, oftmals Overcards auf dem Board und kannst dir keineswegs sicher sein, nicht gegen ein höheres Pocketpair anzutreten. Wird deine Contibet von einem guten, soliden Spieler gecallt oder geraist, hat deine Hand einen Wert, der mit einer Hand wie 22 zu vergleichen ist. Zudem hast du in einem einfachen raised Pot hohe Deception und eine akzeptable Playability.

SMALL PAIRS 22-77:

Diese Hände eignen sich sehr gut zum Squeezen. Solltest du gecallt werden, hast du nach der Contibet immer eine klar definierte Hand - Monster oder Trash - und kannst dementsprechend weiterspielen.

SOLID HANDS AQ, AJs/ATs, KQs:

Mit diesen Händen kannst du gut gegen einen loosen Openraiser vom CO oder BU und einen loosen Caller mit hohem PFR squeezen, denn in dieser Konstellation kannst du dir deiner Handstärke recht sicher sein. Der Openraiser kann hier sehr viele Hände halten und der loose Caller hätte mit einer stärkeren Hand preflop meistens selbst geraist, was dir wertvolle Informationen gibt. Offsuited Hände, welche schwächer sind als AQ, eignen sich weniger gut für diesen Spielzug, da du von einem Caller noch relativ oft dominiert bist. Außerdem triffst du selten einen Draw, den du gegebenenfalls am Flop als 3-Bet pushen könntest.

SUITED CONNECTORS + 1GAPPERS:

Hier müssen im Regelfall sehr günstige Rahmenbedingungen herrschen, wie ein preflop sehr aggressiver TAG als Openraiser und Position. Deep Stacks gewinnen dabei stark an Bedeutung. OOP mit SCs zu squeezen ist in den meisten Situationen ein Fehler. Man sagt zwar oft, dass du mit diesen Holdings meistens ein Monster oder Trash floppst, aber zu häufig erwischst du hier 1Pair-Hände und/oder Draws, die OOP nicht schön zu spielen sind.

TRASH, Ax:

Auf ein Squeezeplay mit völligem Trash solltest du konsequent verzichten.

Ax-Hände haben hingegen zwei sehr gute Eigenschaften:

  • 1. ist die Chance, dass eine starke Hand, welche dich callen könnte, im Spiel gesenkt.
  • 2. hast du gegen jede Hand außer AA eine akzeptable Equity und die Chance, dass jemand an einem Shorthanded-Tisch zwei Asse hält, wenn du bereits ein Ass hältst, ist kleiner als 1.5%.

Neben den small Pairs sind diese Hände am geeignetsten für einen Squeeze. Besonders A2s-A5s treffen oft gut und nehmen dir durch einen potentiellen Push am Flop schwere Entscheidungen ab. Dabei hast du eine akzeptablen Equity gegen beinahe jede Hand (A3s vs. AKo: 31.5:68.5; A3s vs. TT: 33.3:66.6).

In welchen Situationen kannst du squeezen?

BB vs. BU+SB

Eine super Situation für ein Squeezeplay. Gerade auf höheren Limits sind aggressive Blindsteals an der Tagesordnung. Aber auch auf kleineren Limits solltest du den Att. to Steal-Wert immer im Auge behalten. Werte von ~35-40% sind keine Seltenheit.

Wenn ein solch aggressiver Spieler vom Button openraist und der SB callt, während du im BB sitzt, so ist das ein idealer Restealspot für dich. Der BU hat hier oft eine furchtbar schwache Hand wie J7s, mit der er kein Reraise callen kann, Position hin oder her.

Der SB dagegen, der wissen sollte, wie schwach der BU hier meistens ist, hat nicht selbst gereraist und somit Schwäche preisgegeben. Es ist unter diesen Umständen sehr tough, noch ein Reraise zu callen. Meistens wird dieser Spieler dann durchschnittlich starke, aber keine großartigen Hände wie 22-99, AT/AJ, KQ oder QJ halten. Gerade OOP ein sehr schlechter Ausgangspunkt, um im 3-Bet-Pot postflop bestehen zu können. Experimentiere hier einfach ein bisschen mit Resteals herum.

SB/BB vs. CO+BU

Diese Situation ist schon deutlich tougher, da du postflop OOP spielen musst. Das Grundprinzip ähnelt dem oben erwähnten: Auch vom CO werden oft sehr loose Steals gemacht, gleichwohl die Handranges nicht mit denen des Buttonstealers vergleichbar sind. Allerdings hat der BU massiv Schwäche gezeigt, noch massiver als der SB im vorhergehenden Beispiel.

Diese Analysen setzen voraus, dass deine Gegner zumindest normal aggressiv sind und wissen, was sie tun. In einen 15/5-Spieler, der vom Button einen Cutoffsteal callt, musst du nicht allzu viel Schwäche hineininterpretieren.

Hält ein reasonable Spieler beispielsweise TT auf dem BU, sollte er quasi immer einen CO, der openraist, reraisen. Callt er nur, bedeutet das meistens eine Hand, die auch eine gute Playability in Multiwaypots besitzt und keine beeindruckende Equity aufweist, beispielsweise kleine Pairs oder Suited Connectors, durchaus auch JTo oder T9o. Auch hier sprechen also die Indizien dafür, dass du die Hände durch ein Reraise meistens zum Folden bringen kannst. Achte aber in dieser Situation darauf, den Spielzug nicht zu oft ohne eine vertretbare Hand zu machen.

LIMP/SQUEEZE UTG

Tricky Play. Das solltest du natürlich nicht zu sehr ausreizen, aber gerade wenn du des Öfteren auch mit Monster limp/raise spielst, ist das ein toller Spot, um tricky zu werden und ein Big Pair zu repräsentieren. Zumindest mit der Contibet kannst du hier oft den Pot an dich ziehen.

Der EV eines Squeezeplays

Das folgende Beispiel zeigt dir, wie du den EV eines Squeezeplays errechnen kannst. Dabei gilt: Je höher deine Informationsdichte ist und je mehr Reads du über einzelne Gegner hast, desto präziser werden natürlich auch deine errechneten Werte sein.

BEISPIEL

Du hast dich mit 100BB eingekauft, BU und SB covern, und spielst gerade den ersten Orbit an einem neuen Tisch. Der BU hat einen Att. to Steal von 35% und einen Call-Preflopraise-Wert von 4% nach ~1000 Händen. Der Spieler im SB hat seinen Small Blind in 7 von 11 Fällen gegen ein Steal gefoldet. Sein Call-PFR-Wert liegt nach 180 Händen bei 7%.

Deine Hand: A8o

Alle folden zum BU, der auf 3.5BB raist. Der SB callt relativ schnell. Du erkennst hier einen guten Spot für ein Squeezeplay und reraist auf 14BB. Mit dieser Reraisesize riskierst du nicht zu viel und gibst den anderen Spielern bei deiner Stackgröße keine guten Implied Odds für Holdings wie kleine Pocketpairs. Wie groß müsste deine Foldequity sein, um diesen Move an sich profitabel zu machen, also ohne die Hand weiter auszuspielen?

Schauen wir uns die Potgröße zu dem Zeitpunkt an, an dem du zum Zug kommst:

3.5BB + 3.5BB + 1BB = 8BB (Der Rake soll in diesem Beispiel vernachlässigt werden)

Ein Call wird hier die schlechteste Variante sein und einen negativen EV haben. Der EV eines Folds beträgt 0. Damit dein Move also an sich +EV im Vergleich zu deinen Alternativen würde, muss sein EV >0 sein.

EV(Squeeze) = p(C)*-(13BB) + p(F)*8BB = p(C)*(-13BB) + (1-p(C))*8BB = 8BB -21BB*p(C) =>

Das ist der Fall, wenn 21BB*p(C)<8BB, sprich: p(C)<0.38 ist.

Da der BU ein looser Stealer ist und einen relativ geringen Call-PFR-Wert aufweist, wird er hier die meisten Hände folden.

Schauen wir uns das Ganze anhand einer konkreten Openraising-Range an:

Gehen wir davon aus, dass der Spieler auf dem CO bei einem gemittelten Wert von 35% 1 von 4 Händen raist. Dann hätten wir einen ATS-Wert von 45% vom Button. Die diesem Wert entsprechende Range umfasst nach grober Schätzung: 22+, A2s+, K2s+, Q9s+, J8s+, 53s+, 43s+, A2o+, K8o+, Q9o+, T8o+, 54o+

Vom SB haben wir eine unbefriedigend kleine Samplesize, doch können wir schon jetzt erahnen, dass er mit einer recht weiten Range aus dem SB callt (was ganz furchtbar ist!). Geben wir ihm hier jedoch  keine 35%, sondern eher eine geschätzte varianzbeglichene Range von, sagen wir, 20%, was ungefähr folgende Hände wären: 22+, A2s+, KTs+, QTs+, 65s+, ATo+, KJo+, QJo, JTo

Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der beiden Gegner callt, sollte kleiner als 38% sein. Das ist genau dann der Fall, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass beide Gegner folden, größer als 62% ist, also die Wahrscheinlichkeit für einen Preflopfold für jeden einzeln bei ca. 80% liegt. Das entspräche einer Reraise-Calling-Range für den BU von: 77+, ATs+, KJs+, AJo+, KQo - einer deutlich loosen Range.

Für den mit weniger Händen beteiligten SB wäre die Range tighter und zwar: TT+, AJs+, AKo.

Es ist eine optimistische Annahme, dass ein looser SB auf ein Reraise hin so viel foldet. Glücklicherweise hilft dir nun der Umstand, dass er nicht selbst geraist hat. Somit ist die Wahrscheinlichkeit für ein Monster deutlich gesenkt. Nehmen wir an, er würde 60% der oben genannten Range selbst reraisen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass du eine derart starke Hand beim SB vorfindest deutlich niedriger und du kannst eine neue, realistischere Range für den SB-Call definieren: 77+, AJs+, KQs, AQo+

Diese Ranges sind sicher nicht unrealistisch. Träfen sie so zu, befändest du dich in einer Situation, in der ein Squeeze an sich einen positiven EV besitzt. Ohne Handvalue wäre es somit unerheblich, ob du gecallt oder geraist würdest. Dabei haben wir einen für dich arbeitenden Umstand noch gar nicht betrachtet: Du hältst selbst ein Ass, was die Wahrscheinlichkeit, dass du auf eine Hand triffst, die stark genug für einen Call oder Raise ist, zusätzlich, wenngleich nicht gravierend, senkt.

In der Realität wäre dein EV selbstverständlich deutlich höher, da deine Hand stets Postflopvalue besitzt. Gegen die neu definierten Ranges von BU und SB hättest du immerhin eine Equity von 30%. Während du HU gegen den BU oder in einem 3handed Pot eine schlechte Ausgangslage hättest, ist zumindest, solltest du alleine gegen den SB antreten, die zugegebenermaßen eingeschränkte Playability deiner Hand in Position mehr als wettzumachen.

Hinzu kommt, dass einige Spieler viel zu viele Hände gegen eine Contibet folden, auch in reraised Pots. Foldet der BU beispielsweise gegen eine 2/3 Potsize-Contibet zu 50% seine Hand, hast du erneut eine sehr gute +EV-Situation. Der EV hierfür wäre in unserem Beispiel EV(Conti) = 0.5*31.5BB - 0.5*21BB = 5.25BB

Bei einer pessimistischeren Foldequity >40% ist er zumindest immer positiv und das erneut ohne Handvalue.

Eine Rechnung aufzustellen, die alle hier benannten Faktoren erfasst, ist sehr komplex und erfahrungsgemäß nicht im Sinne der meisten Leser. Sie würde die Foldequity preflop, die Foldequity der Continuationbet, ein mögliches Rereraise und einen abgeschätzten EV deiner Hand bei einem Raise am Flop oder am Turn unter Berücksichtigung verschiedener Spielertypen und Reads einbeziehen.

Daher sei abschließend zur Verdeutlichung lediglich angemerkt, dass du beispielsweise unter folgenden speziellen Rahmenbedingungen bei einer Foldequity von nur 40%(!) preflop genau dann ein +EV-Play gemacht hättest, falls dein HU-Gegner in 1/3 oder mehr Fällen gegen deine Continuation-Bet foldet.

  • Du hältst ein kleines PP.
  • Deine Gegner trappen preflop mit AA/KK und pushen auf deine Bet hin diese Hände am Flop.
  • Du machst HU immer eine Continuation-Bet von 2/3PS.
  • Du spielst, falls BU+SB gecallt haben, nur mit einem Set weiter und gibst dir hier die Implied Odds von 1*PS.
  • Falls du HU am Flop gecallt oder geraist wirst, gibst du die Hand in allen Fällen, in denen du kein Set hältst, auf.
  • Hältst du in dieser Situation ein Set, so solltest du von Implieds in Höhe von 60% der neuen PS ausgehen.
  • Wenn du preflop einen Call bekommst, bist du in 2/3 der Fälle HU, in 1/3 der Fälle 3-handed.

Ein eindeutiges und recht beeindruckendes Ergebnis. Dabei sind die hier angenommenen Umstände durchaus suboptimal. Anzumerken wäre hier nur der Umstand, dass du preflop nicht von einer 4-Bet ausgehst. Genau das ist aber bei vielen Spielern der Fall. Damit befasst sich der nachfolgende letzte Abschnitt dieses Artikels.

MATHEMATISCHER ANHANG

Für diejenigen unter euch, die Interesse an der Formel haben, mit der sich unter vorausgesetzter Wahrscheinlichkeit für Preflopcall- und/oder Continuationbet recht interessante Berechnungen für die erwähnte Situation durchführen lassen, sei diese hier angefügt:

EV(Squeeze) = p(F)*8 + p(C)*p(f|C)*18.5 + p(CC)*1/8*71 + p(C)*p(c|C)*1/8*83.6 - p(C)p(c|C)*7/8*34 - p(CC)*13

Wie können dir Reads beim Squeezen helfen?

Bisher wurde vorausgesetzt, dass du nie mit einer 4-Bet konfrontiert wirst. Während das gegen viele Spieler falsch ist, gibt es doch einige, die eben diese Strategie verfolgen. Hast du so einen Spieler „entlarven" können, hast du nun einen Monsterread. Deine Squeezeplays bekommen einen wesentlich höheren EV, da du nie Angst haben musst, von deiner Hand geraist zu werden. Du kannst also eine recht breite Palette an Hände, gerade deepstacked, reraisen, anstatt sie nur auf Setvalue o.ä. zu callen. Damit erhöhst du natürlich (wie bei quasi jedem guten aggressiven Move) die Varianz deines Plays, aber eben auch den EV, und das recht drastisch.

Ein anderer wichtiger Read ist, wie schon erwähnt, das zu häufige Folden auf deine Contibets. Dieses Verhalten ist gerade bei einigen Fischen vorzufinden. Gegen einige wenige Spieler kannst du fast jede Hand vom Button squeezen und dann mit einer Contibet den Pot mitnehmen. Diese Spieler sind sozusagen loose/tight. Sie sind bereit, viel für einen Flop zu zahlen, haben aber Angst ohne gute Hand weiterzuspielen. Wichtig dabei ist, dass du das nicht zu sehr ausnutzt, falls ein aggressiver thinking Player an deinem Tisch hockt, der bereit ist, viel zu bluffreraisen.

Gegen einen Spieler mit sehr hohem Call-PFR-Wert solltest du dir, außer es ist eben der erwähnte „loose/tighte" Spieler, stark mit Bluff- bzw. Semibluffsqueezes zurückhalten. Dafür solltest du jedoch mehr mit deinen mittelstarken Händen wie AQs oder 99+ reraisen. Das bringt dich zwar in etwas kniffeligere Postflopsituationen, in denen du nicht immer sicher sein kannst, wo du stehst, aber gerade in Position und mit der voraussichtlich besten Hand, ist es nun einmal der richtige, longterm sehr profitable Zug.

Weiterhin ist es wichtig zu wissen, wie dein Gegner AK spielt, ob er AK 4-bettet und wenn ja von welcher Position. Auch ist interessant zu wissen, ob die Höhe der Reraises deiner Gegenspieler, die AK halten, merklich höher ausfallen. Ist das der Fall, kannst du mit vielen PPs sehr profitable Calls machen.

Und wie oben bereits erwähnt: Achte auf die 4-Better an deinen Tischen! Ist dein Opfer ein aggressiver 4-Better vom Button, so sei gewarnt und lass den einen oder anderen Bluff aus und generiere deinen zusätzlichen Value durch Raises mit starken oder mittelstarken Händen!

Fazit

Squeezeplays sind ein weiterer wirkungsvoller Spielzug im Pokerarsenal, bedürfen aber aufmerksamer, konzentrierter Spielweise, welche die Gegner stets im Auge behält. Das eigene Image, die Spielweise der Gegner, die relative Position zu ihnen und die Höhe der Stacks sind die wesentlichen Faktoren für den Erfolg dieses Plays.

Ein trivialer Grundsatz lautet, dass ein Squeeze erst dann überhaupt Sinn macht, wenn die Gegner folden können. Auf der anderen Seite muss die Range der Gegner, insbesondere des Openraisers, hoch genug sein, dass sie auch häufig genug eine Hand halten, die sie ohne Bedenken abwerfen können.

Solltest du dich für ein Squeezeplay entscheiden, musst du zudem immer bedenken, dass du im, Falle eines Calls am Flop, einem relativ großen Pot gegenüberstehst und in der Lage sein, auch unter diesen Umständen zu spielen. Ein Squeeze nur als reinen Bluff zu sehen, der darauf abzielt, mit einem hohen Reraise alle Gegner preflop aus der Hand zu drücken, ist eine zu kurz gedachte Sichtweise.