Aktualisiert am 12 März 26 von

Der Umgang mit Preflop-Reraises

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wie du gegen 3-Bets und wie gegen 4-Bets spielst
  • Wann du out of Position 3-bettest
  • Wann du in Position 3-bettest

Das Preflopplay in Potlimit Omaha (PLO) unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von allen anderen Pokervarianten. Ein grundlegender Unterschied liegt jedoch in den relativ nah zusammen liegenden Preflopequities, was zu der weit verbreiteten Meinung führt, dass man in PLO bei entsprechenden Postflopskills preflop sehr viele Starthände gegen Raises und auch gegen 3-Bets profitabel spielen kann.

Der folgende Artikel zeigt die Playability verschiedener Hände in 3- und 4-Bet-Pots auf und beschreibt mit einfachen mathematischen Analysen Erwartungswerte für Preflopentscheidungen. In zweiter Instanz bringt er dir auch das Arbeiten mit dem Tool propokertools zur eigenen Analyse näher.

Wie spielst du gegen 3-Bets?

Was ist Playability?

Der wiederholt verwendete Begriff Playability erklärt, wie weit eine Hand ungeachtet ihrer Preflop-Equity am Flop profitabel spielbar ist. Die Seite www.propokertools.com stellt eine einfach zu bedienende Simulationssoftware kostenfrei zur Verfügung, die neben einfachen Equityberechnungen auch eine Graph-Funktion bietet. Der Graph zeigt, in wie vielen Fällen man mit der eigenen Hand gegen die gegnerische Hand welche Equity hat. So lässt sich erkennen, wie häufig eine Hand am Flop weiter spielbar ist und mit welchem Erwartungswert man rechnen kann.

Beispiel einer 3-Bet mit AAxx

Pot Limit Omaha Ring game $1/$2 (6 players)

Stack sizes:
UTG: $46.30
UTG+1: $296
CO: $95
Hero: $201
SB: $199.40
BB: $86.70

Preflop: (6 players) Hero is Button with 7 8 5 6

UTG folds
, UTG+1 calls, CO folds, Hero raises to $9, SB raises to $31, BB folds, UTG+1 folds, Hero calls.


Flop:
Q 5 6 ($66, 2 players)

SB bets $66
, Hero raises all-in, SB calls.


Turn:
K ($402.8, 1 player + 1 all-in - Main pot: $402.8)


River:
4 ($402.8, 1 player + 1 all-in - Main pot: $402.8)

Results:
SB shows 3 A A J
SB has A A Q K 6 a pair of aces.

Hero shows 7 8 5 6
Hero has 8 6 5 4 7 straight, eight high.

In diesem Fall hast du am Flop mit 2 Paaren und dem Straightdraw gegen die Asse des Gegners 74,51% Equity, so dass du am Flop direkt All-In kommst.

Der Gegner commitet sich mit seiner Contibet zum Pot und muss callen. Sein eigentlicher Fehler war es, preflop eine Situation hervorzurufen, in der du mit Position am Flop stark profitabel gegen ihn weiterspielen kannst.

ANALYSE DER FLOPEQUITY AUFGRUND DER PREFLOPENTSCHEIDUNGEN

Anhand des folgenden Graphen kannst du erkennen, wie oft du am Flop gegen seine spezifische Hand welche Equity hast.

Zu erwartende Equity am Flop

Der Mittelpunkt der Linie liegt bei 25% und zeigt die durchschnittliche Equity mit 65%.

Sinnvollerweise spielst du die Hand immer dann am Flop weiter, wenn sie mehr als 40% Equity hat. Dies ist in ungefähr 50% der Fälle gegeben. Ersetzt man die Kurve im Graphen näherungsweise durch eine Gerade, kann man erkennen, dass die Hand in 50% der Fälle durchschnittlich ungefähr 65% Equity hätte. Dazu hast du Position und investierst nur in diesen Fällen Geld.

Callst du die 3-Bet und legst $22 nach, erhältst du folgenden Erwartungswert:

  • In 50% der Fälle gehst du am Flop All-In.
    • Zu 65% gewinnst du $204,40 (aktueller Pot + restlicher Stack vom Small Blind)
    • Zu 35% verlierst du $138,40 (Betrag, um den du den Small Blind All-In setzt)
  • In 50% der Fälle foldest du am Flop und verlierst $22.

EV = 0,5 * (0,65 * $234,40 - 0,35 * $168,40) - 0,5 * $22
EV = +$35,71

Dem gegenüber steht der Erwartungswert aus Sicht des Small Blinds:

  • In 50% der Fälle foldest du am Flop und er gewinnt den Pot von $66.
  • In 50% der Fälle seid ihr am Flop All-In.
    • Zu 35% gewinnt er $234,40 (Pot + dein Einsatz)
    • Zu 65% verliert er 168,40 (sein restlicher Stack)

EV = 0,5 * 66 + 0,5 * (0,35 * 234,4 - 0,65 * $168,40)
EV = +19,29

Wie du siehst, führt das Preflopraise von SB dazu, dass er zwar am Flop noch mit positivem Erwartungswert weiterspielen kann, allerdings bringt er dich in eine deutliche bessere Situation als die, in der er selbst ist. Verrechnet man seinen Erwartungswert am Flop noch mit der Investition des Preflopraises und seiner recht geringen Foldequity gegenüber dir, liegt sein Erwartungswert noch deutlich unter dem am Flop. Er hätte aber mit einem Call am Flop in einem Multiwaypot mit seinem singlesuited Ace in durchaus viele Situation kommen können, die er stark profitabel spielen kann, ohne die Varianz so extrem zu steigern.

Heads-up am Flop kann er nahezu jeden Flop profitabel contibetten und sich zum Pot commiten.

KURZE WEITERFÜHRENDE ERKLÄRUNG ZU ANDEREN FLOPSITUATIONEN

Schwieriger ist die Situation, falls der Gegner auch andere Hände wie JT97s reraist und am Flop contibet/fold spielt, wenn er die Hand nicht deutlich verbessert hat. In diesem Fall hat er auf einigen Flops, die wir weiterspielen, eine bessere Hand und kann gleichzeitig auch noch A-high und K-high Boards profitabel bluffen. Für die Auswahl der Hände gegen 3-Bets ist es also sehr wichtig, zu wissen, ob der Gegner auch andere Hände als AAxx ohne Position reraist. Das Spielen am Flop wird sich dann signifikant ändern.

DIE PLAYABILITY ANDERER HÄNDE GEGEN AAxx

Weiterführende mathematische Ausführungen hierzu sind zu aufwendig, aber im Folgenden ein paar Hände und ihre Playability gegen AAxx.

  • 8765s - in 50% der Flops durchschnittlich 65% Equity
  • JT86s - etwas schwächer als 8765s, auch 50% der Flops mit mehr als 40% Equity, aber durchschnittlich nur noch rund 60%
  • JJT9  - nur noch in 40% der Flops hat man mehr als 40% Equity, durchschnittlich in diesen Fällen etwa 60%.
  • 9988s - auch in etwa 40% der Flops mehr als 40% Equity, allerdings in 20% der Fälle weit über 70% und dadurch sehr gut spielbar.

Das Experimentieren mit propokertools wird dein eigenes Gefühl für die Auswahl der Starthände stark verbessern und dir einen guten Überblick über die Playability der verschiedenen Starthände gegen andere 3-Bet-Hände als AAxx geben. Umgekehrt ist es auch interessant, damit die Playability für eigene 3-Bets zu finden.

Weitere allgemeine Kriterien zur Handauswahl

Grundsätzlich solltest du neben der Auswahl deiner Hände auch auf folgende Punkte achten.

STACKSIZES UND SICH DARAUS ERGEBENDE IMPLIED ODDS

Je größer der Stack, desto besser. Spielt dein Gegner auf vielen Boards check/fold, ist es für dich trotzdem noch profitabel zu callen, falls der Stack kleiner ist. Overplayt er seine großen Overpairs, hast du sehr gute Implied Odds.

ANDERE SPIELER IM POT

Sind schon andere Gegner in der Hand, welche die 3-Bet preflop gecallt haben, so achte darauf, keine Hände mit massiven reverse implieds Odds zu spielen. Kann man eine 9764s Heads-up am Flop gegen AAxx noch problemlos profitabel spielen, so ist es zu dritt schon deutlich gefährlicher, da der dritte Spieler zwischen euch eine Hand wie T987 halten kann, die oftmals den deutlich stärkeren Draw am Flop trifft. In diesem Fall wähle Hände, die zu der Nuts drawen oder doublepaired Hände, die große Sets floppen können. Pärchen unter 88 floppen in dem Spot oftmals nicht das beste Set und zum Beispiel auf einem Q97-Board mit 7744 hat man nicht oft genug mehr als 60% Equity, um den Preflopcall zu rechtfertigen.

Wie spielst du gegen 4-Bets?

ZUM POT COMMITTEN MITTELS 4-BETS

In Fullring-Games, kommt es relativ selten zu 4-Bets, die preflop nicht zu All-Ins führen, da meist sehr viel dead money im Pot ist. Bei Shorthanded-Games hingegen kann man sehr oft 3-Bets als Isolationsraise oder für Initiative spielen. Im Folgenden wird erklärt, welche Hände man weiterspielt, falls man eine 4-Bet bekommt und nicht AAxx hält.

Mit AAxx kann man jede 4-Bet profitabel pushen, da es nie ein Fehler ist, die Hand preflop All-In zu bringen. Selbst durchschnittliche AAxx-Hände haben eine sehr gute Equity gegenüber allen anderen Premiumhänden, so dass aufgrund des schon im Pot befindlichen Geldes ein Push immer einen stark positiven Erwartungswert hat.

KKxx-Hände unterscheiden sich hier sehr stark und stellen aufgrund der Tatsache, dass man sehr häufig gegen AAxx läuft, eine eher schwache Hand da, um gegen 4-Bets weiterzuspielen.

Playability verschiedener Hände gegen eine 4-Bet

Hand
Potequity
AAxx vs. KKQQ 59,88% zu 40,12%
AAxx vs. KKJT 60,99% zu 39,01%
AAxx vs. KKxx 69,95% zu 30,05%
AAKx vs. KKxx 74,97% zu 25,03%

Man sollte also schwache KKxx-Hände oder andere Big-Pair-Hände nur bedingt gegen 4-Bets spielen, gerade weil sie oftmals als Overpair von AAxx-Händen dominiert sind. Hinzu kommt, dass oftmals mögliche Flushdraws von Ax-Flushdraws dominiert sein könnten.

Bei Rundown-Händen kann man hingegen am Flop recht gut beurteilen, ob man mit Straightdraws und Pair oder Twopair eine gute Equity gegen AAxx hat. Diese Einschätzung ist mit KKxx oftmals deutlich schwieriger zu treffen. Für schwächere Paare gilt das ganze natürlich genauso, wobei zum Beispiel doublesuited 8899 durch mögliche Straights bei denen AA keine Outs blockt, schon wieder eine bessere Equity und Playability hat, als KKQQ oder QQJJ. Wichtig ist aber auch hier wieder, darauf zu achten, dass die Karten suited und/oder connected sind, da Set-Outs alleine für das profitable Callen von 4-Bets nicht genügen.

Playability von AAxx vs. schwache doublepaired Hände

Hand
Potequity
AAxx vs. 9988 57,00% zu 43,00%
AAxx vs. 9966 63,75% zu 36,25%
ANALYSE EINES 4-BET-SZENARIOS

In einem konkreten Fall isolierst du im BU ein CO-first-in-Raise. Effektive Stacks sind 100 BB. CO raist auf 3,5 BB, du 3-bettest auf 12BBs. SB und BB folden, während CO erneut raist und zwar auf 37,5 BB. Du musst also 25,5 BB callen und du weißt, dass dein Gegner AAxx hat (wie oben schon erwähnt sind 4-Bets sehr häufig AAxx Hände).

Der Pot ist zu dem Zeitpunkt 51BB groß und du musst 25,5 BB callen, um den Flop zu sehen. CO wird ausnahmslos jeden Flop direkt All-In pushen. Mit den Händen und Equities aus dem Beispiel aus dem Kapitel zum Spiel gegen 3-Bets ergibt sich folgende Analyse.

Hero is BU with 8 7 6 5
Villain is CO with A A J 3

Du hast erneut auf 50% aller Flops mehr als 40% Equity und durchschnittlich 65% Equity über diesen Bereich. Weiter wirst du wiederum nur diesen Bereich am Flop weiterspielen, auch wenn du aufgrund von besseren Odds eigentlich mehr Hände spielen könntest. Da sich aber in vielen Fällen, in denen man 30-35% Equity hat, dies nicht so einfach erkennen lässt, wird dieser Bereich im Folgenden vernachlässigt

Der Erwartungswert deines Preflopcalls ergibt sich wie folgt.

  • In 50% der Fälle callst du preflop und foldest den Flop. Du verlierst dann 25,5 BB.
  • In 50% der Fälle bist du am Flop All-In.
    • Zu 65% gewinnst du 51 BB + 63,5 BB. (aktueller Pot + Reststack von CO)
    • Zu 35% verlierst du 25,5 BB + 63,5 BB. (preflop gecallter Betrag + Reststack)

EV = 0,5 * (0,65 * (51 + 63,5) - 0,35 * (25,5 + 63,5)) - 0,5 * 25,5
EV = +8,9BB

Man spielt die Hand also trotz der 4-Bet von CO mit positivem Erwartungswert weiter und muss deshalb selbst die 4-Bet mit einer Rundown-Hand callen. Der Erwartungswert sinkt allerdings deutlich im Vergleich zum Call bei einer 3-Bet.

Mit paired Händen wird die Situation deutlich unprofitabler. Wie im 3-Bet-Kapitel beschrieben, hat man mit JJT9s nur noch in 40% der Flops mehr als 40% Equity, durchschnittlich in diesen Fällen etwa 60%. Berechnet man nun den Erwartungswert hierfür gegen random AAxx, ergibt sich folgender Erwartungswert.

EV = 0,4 * (0,6 * (51 + 63,5) - 0,4 * (25,5 + 63,5)) - 0,6 * 25,5
EV = -2,1BBs

Wie du siehst, ist selbst die recht stark wirkende JJT9s-Hand nicht profitabel weiterzuspielen. Je nach Stacksize und möglichem dead Money durch dritte Spieler gibt es Situationen, in denen ein Call profitabel sein kann. In den meisten Fällen empfiehlt es sich aber, der Varianz zuliebe einfach gegen die 4-Bet zu folden. Ähnliches gilt auch für gute doublepaired Hände, auch wenn diese eine etwas bessere Equity haben.

Wann 3-bettest du out of Position?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie dieses Thema behandelt wird. Einige Spieler sind der Meinung, dass man keine Hand in PLO high ohne Position reraisen sollte, andere hingegen reraisen nur AAxx-Hände, falls sie genug Geld von ihrem Stack in die Mitte bekommen, so dass sie jeden Flop direkt pushen können.

Im Folgenden werden einige Hände vorgestellt, die sich dafür eignen, variabel ohne Position preflop zu 3-betten. Wichtig ist hierbei darauf zu achten, nicht nur AAxx-Hände zu spielen, um das in B beschriebene Szenario des Gegners zu vermeiden.

BIG PAIRS

AAxx

Jedes doublesuited AAxx kann profitabel ohne Position gereraist werden. In vielen Fällen hat man mit Flushdraw und Overpair eine brauchbare made Hand und den stärksten Draw und dominiert Hände wie ein Paar mit kleinerem Flushdraw.

Das gilt ebenso für singlesuited und connected AAxx. Bestes Beispiel ist AAJTs, womit man statt dem zweiten Flushdraw noch gute Straightdraws floppen kann. Gleiches gilt für AA45s.

Ebenfalls können doublepaired AAxx auch ohne Position gereraist werden. Man bekommt sehr viel Value, wenn man mit der Hand nicht das Set Asse trifft, sondern ein kleineres Set, da deine Gegner auf einem Flop ohne Ass jede Hand mit Twopair All-In spielen werden.

Schwächere AAxx-Kombinationen sollten vorsichtig gespielt werden, um wiederum das eingangs im 3-Bet-Kapitel beschriebene Szenario zu vermeiden. Sollte die 3-Bet mehr als 35% des effektiven Stacks committen, lohnt es sich auch mit schwachen AAxx-Kombination.

KKxx

Grundsätzlich sollten KKxx-Hände deutlich vorsichtiger gespielt werden, da sie oftmals keine Nutflushdraws treffen und zusätzlich ein Ass als Overcard am Flop eintreffen kann. Man hat also nicht immer den stärksten Draw, falls man ein Overpair mit Flushdraw All-In spielt. Zusätzlich hat der Gegner mit einem Ass oft auch noch eine Overcard für ein stärkeres Twopair als Out. Die Beikarten von Kings sollten also deutlich nützlicher sein als die von Aces. Sollte man mit der 3-Bet mehr als 35% des effektiven Stacks in den Pot bringen, ist man meist auch committed. Dies sollte man je nach gegnerischer Spielweise dann beurteilen.

RUNDOWN-HÄNDE

Wichtig bei Rundown-Händen, die man ohne Position reraist, ist, dass sie zur Nuts drawen. T876 ist dafür ebenso schlecht geeignet wie 4567, da viele der Hände, die der Gegner weiterspielt, diese Hände dominieren. Ideal sind Hände wie KQJTs bis hin zu 9876s. Auch One-Gapper mit dem Gap am unteren Ende sind gut geeignet, wie zum Beispiel JT97s. Mit diesen Händen wird man oft auf passenden Flops Action von Gegnern mit marginalen Händen bekommen, da sie einen auf AA-Kombinationen setzen und dominierte Hände overplayen.

Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen: Du 3-bettest im SB mit JT98 ein CO-Openraise und der CO callt dich mit T875. Der Flop kommt 972 und CO trifft einen Straightdraw mit einem Paar und einem Backdoorflushdraw, was zu folgender Flopequity führt.

Equity vs. T875 auf 972-Flop

Hand
Potequity auf 972-Flop
AAxx vs. T875 43,22% zu 56,78%
JT98 vs. T875 68,35% zu 31,65%

Gegen AAxx hat CO mit der Hand 56,78% Equity, gegen deine Hand hingegen nur 31,65%. Die Hand zeigt, wie die preflop dominierende Hand am Flop sowohl den Draw blockt, als auch viele Outs zu einem Twopair. Das Balancen der 3-Bets ohne Position zerstört den Positionsvorteil des Gegners und führt zu einem Informationsnachteil auf seiner Seite.

Sollte eine 3-Bet mehr als 35% des eigenen Stacks in den Pot bringen, sollte man aufgrund möglicher Foldequity und Gegneranzahl entscheiden, ob man den Call for Overcall bevorzugt, um mit mehreren Spielern günstig einen Flop zu sehen, oder ob die Isolation des Gegners sinnvoller ist.

DOUBLEPAIRS

Hohe Doublepairs ohne Position zu 3-betten, hat den Vorteil, dass man mit Topset gegen Twopair-Hände oder kleine Sets am Flop All-In kommt, da sich die Gegner gegen AAxx vorne sehen. KK-TT sind dafür sehr gut geeignet.

Wann 3-bettest du in Position?

Viele Ansätze für die Entscheidung, ob eine 3-Bet oder ein Call die bessere Alternative ist, sind in den vorherigen Punkten schon aufgeführt worden, oftmals aus der Sicht der Fehler des Gegners.

Das Konzept, in Pot Limit Omaha preflop "for Value" zu raisen, ist schwierig zu realisieren, weil man sehr häufig mit schwachen made Hands am Flop steht und trotzdem nur schwer profitabel weiterspielen kann.

Folgende Gründe sprechen für eine Preflop-3-Bet mit Position:

  • Der Gegner ist tight, movet wenig, so dass man sowohl preflop mit der 3-Bet als auch am Flop mit der Contibet viel Foldequity hat.
  • Die eigene Hand hat häufig viel Value am Flop und wird nicht dominiert.
  • Die Möglichkeit einen schwachen Gegner zu isolieren, der leicht marginale Hände overplayt.
  • Der Informationsgewinn über die Hand des Gegners. Man kann, falls der Gegner ohne Position die 3-Bet nur callt, nahezu immer AAxx ausschließen

Grundsätzlich ist beim PLO allerdings damit zu rechnen, dass 3-Bets oft coldgecallt werden. Wie bereits im vorherigen Kapitel zu 3-Bets oop beschrieben, ist es sehr wichtig, beim 3-betten darauf zu achten, seine Handauswahl so weit zu variieren, dass deine Gegner Hände mit sehr wenig Equity overplayen.

BEISPIEL

Folgendes Beispiel zeigt, wie leicht Gegner ohne Position in 3-Bet-Pots selbst gegen Gegner, die relativ viel 3-betten, gravierende Fehler bei der Einschätzung der Equity machen.

Omaha PL $2.00/$4.00
3 Players

Stacksizes
BU $471.82
SB $363.00
BB (Hero) $669.00

Preflop: Dealt to Hero Q K K Q
BU calls $4.00, SB raises $6.00, Hero raises $30.00, BU folds, SB calls $16.00

Flop: 5 8 Q
SB checks, Hero bets $66.00, SB raises $256.00, Hero raises $571.00, SB is all-in $75.00

SB shows 9 8 5 4 for 2 pairs eights and fives

Gegen das Set Queens hat der Gegner hier mit seinem schwachen Twopair nur 2.44% Equity.

QKKQ vs. 9854

Hand
Potequity
Win Ties
QKKQ 97,56% 800 0
9854 2,44% 20 0

Gegen Random AAxx hingegen hätte der Gegner hier mit der Twopair-Hand einen positiven Erwartungswert.

AAxx vs. 9854

Hand
Potequity
Win Ties
AAxx 38,32% 228,508 2,787
9854 61,68% 368,705 2,787

In einem normalen raised Pot hätte der Gegner seine Hand selten so overplayt.

WELCHE BETSIZE WÄHLST DU?

In vielen Fällen kann die Variation der Größe der 3-Bet in Position viele strategische Möglichkeiten bieten. Da die Foldequity oftmals gering ist, kann man in Position auch mit kleinen 3-Bets eine Isolation des Openraisers und gleichzeitig mehr Spielraum für Flopplays erreichen.

So wird contibet/fold deutlich profitabler, wenn man marginale Hände hat, mit denen man sich nicht committen will. Gleichzeitig gibt es einem die Möglichkeit gegen 4-Bets stark profitabel weiterzuspielen. Weiter ermöglicht es, sich am Turn nicht zu committen, falls man den Flop aufgrund von Potcontrol oder mit einem schwachen Draw check behind spielt. Diese spielerischen Möglichkeiten sind ohne Position weniger gegeben, so dass sich dort auch sehr selten eine geringe 3-Bet-Size anbietet.

Fazit

Wenn du in reraised Pots spielst, …

  • … dann achte darauf, keine dominierten Hände zu spielen.
  • … musst du die Ranges der Gegner einschätzen können.
  • … musst du deine eigene Equity kennen, da Foldequity im reraised Pot selten gegeben ist.

Der Artikel soll keine allgemeingültige Lösung dieser Thematik im Pot Limit Omaha sein. Er stellt nur einige Ideen und Verfahren vor, um sich selbst ein durchdachtes und mathematisch fundiertes Preflopspiel für Pot Limit Omaha Spiel anzueignen.