Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Motivation & Selbstdisziplin

1) Motivation

Motivation (lateinisch: modere = bewegen) bezeichnet einen Zustand des Organismus, der die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst. Mit der Richtung des Verhaltens, ist insbesondere die Ausrichtung auf Ziele gemeint.
Bezogen auf Poker bedeutet Motivation demnach, seine Energie und Zeit in einen Weg der Motivation zu investieren, der zum Ziel, also einer stetig wachsenden Bankroll oder dem Erlernen des Spiels Poker im allgemeinen, führt.

Motivation anhand finanzieller Erfolge (ergebnisorientiertes Denken)

Die meisten Anfänger und auch noch viele Fortgeschrittene Motivieren sich durch finanzielle Erfolge. Aber diese Art der Motivation ist denkbar schlecht und man sollte sich von Anfang an davon distanzieren.
Natürlich beruft man sich gerne auf seine wachsende Bankroll, da das denkbar einfach und sofort greifbar ist. Gute Pokerspieler haben eine hohe Bankroll, also ist der Umkehrschluss unseres Gehirns:

Habe ich eine hohe Bankroll, bin ich ein guter Pokerspieler.
Doch wie so oft im Poker spielt und auch hier wieder unser Denken einen Streich, denn einen guten Pokerspieler zeichnet als erstes und vor allem gutes Spiel aus.
Zugerne neigt man als ergebnissorientierter Anfänger jeden kleinen Upswing als „Durchbruch" im eigenen Poker können zu bezeichnen. Zu leicht lässt man sich durch einen Upswing von seinen vielen Leaks ablenken, da man ja gewaltig plus macht und das vorschnell auf gutes Spiel zurückführt.

Hierdurch kommt es allerdings auch dazu das man Leaks sozusagen „verschleppt" also sie auch in späteren Limits nichts los wird, was dann weite Kreise ziehen wird.
Zudem werden Upswings von ergebnissorientierten Spielern auch gerne für Limit Aufstiege benutzt.

Wenn also ein durchschnittlicher .50/1 Spieler einen Upswing erlebt und deswegen einen
Limit-Aufstieg vollzieht so trifft er dort auf wesentlich stärkere Spieler als ihn selbst und wird sein Geld aller Wahrscheinlichkeit nach schnell wieder verlieren. Objektiv betrachtet hat er das Limit nicht nachhaltig geschlagen, auch wenn seine Bankroll nach dem Bankroll Management zu einem Limit Aufstieg reichen würde.
Ein anderes Problem ist das ein ergebnisorientierter Spieler sich viel zu leicht vom theoretisch richtigen Weg abbringen lässt !
Man lernt gegen Anfang, dass man einen Monsterdraw aggressiv spielen muss, um den Profit zu maximieren. Trifft jetzt eben ein solcher Draw fünf mal hintereinander nicht ein neigt ein ergebnisorientierter Spieler dazu, seine Spielweise abzuändern, was den Profit minimiert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ergebnisorientiertes Denken beim Pokern folgende Nachteile hat:

  • Leaks bleiben unerkannt
  • Überbewerten von Upswings
  • Zu schnelles Aufsteigen in den Limits
  • Swingbedingte Veränderungen in der Spielweise

Motivation unabhängig von finanziellem Erfolg: Die Fehleranalyse

Der richtige Weg der Motivation besteht in der Fehleranalyse nach jeder einzelnen Session. Diese lässt sich am Leichtesten mit Hilfsprogrammen, wie Pokertracker, Pokeroffice oder Pokermanager durchführen.

Befolgt einfach folgende Schritte:

1. Lasst euch die Hände des jeweiligen Tages von eurem Programm anzeigen. Habt ihr besonders viele Hände gespielt, lasst euch zum Beispiel nur 100 Hände zeigen.

2. Schreibt auf, wie viele Hände ihr falsch gespielt habt. Mit falsch gespielt meine ich falsche Raises, Calls und Folds. Aber auch Situationen, in denen man Value verpasst hat. Wie zum Beispiel : Raise Flop, anstatt Call Flop - Raise Turn oder aber das Unterlassen eine Valuebet. Seid ihr euch bei einer Hand nicht sicher, postet sie im Beispielhändeforum.

3. Dividiert die Anzahl der Fehler durch die Anzahl der gespielten Hände und ihr erhaltet die Fehlerquote.

Anhand dieser Fehlerquote kann man sich immer motivieren, egal ob man einen Upswing oder Downswing hat, oder gerade eine Stagnation durchmacht.
Nehmen wir man an Spieler A hat einen Downswing , hat aber eine Fehlerquote von gerade mal 1%. So weiß er, dass der Downswing keine spielerischen Ursachen hat.
Hat Spieler A einen Upswing und immer noch eine Fehlerquote von 1%, so weiß er, dass er den maximalen Profit aus der Glückssträhne herausgeholt hat.
Ein guter Pokerspieler zeichnet sich dadurch aus, dass er eine gleich bleibend niedrige Fehlerquote hat.

Abschließende Zusammenfassung

Abschließend kann man also behaupten, dass die Fehleranalyse gerichtet auf die Berechnung der Fehlerquote der einzige wirksame Weg der Motivation ist. Und somit auch der einzige wirksame Weg zum Ziel, einer stetig wachsenden Bankroll.

2) Selbstdisziplin

Allgemeine Definition des Begriffes Selbstdisziplin

Selbstdisziplin bezeichnet die Fähigkeit, zugunsten einer ethischen oder rationalen Richtlinie körperliche und emotionale Bedürfnisse zu unterdrücken. Auch kann eine dieser Richtlinien als unangenehm empfunden und mit Hilfe der Selbstdisziplin durchgehalten werden.

Auf Poker bezogen bezeichnet Selbstdisziplin die Fähigkeit, auf den ersten Blick eintönig erscheinende Aufgaben auszuführen, um der Richtlinie, einer stetig wachsenden Bankroll, gerecht zu werden.

Selbstdisziplin in der Nachbereitung einer Session

Nehmt euch nach jeder Session 30-90 Minuten, analysiert eure Fehler, postet Beispielhände und berechnet eure Fehlerquote. Eine der wichtigsten Tugenden eines erfahrenen Pokerspielers ist Geduld. Und mit etwas Geduld, die ihr in die tägliche Nachbereitung eurer Sessions investiert, werdet ihr eine erstaunliche Steigerung der Winrate erzielen.

Selbstdisziplin in der Dauer einer Session

Ein Faktor, der die Winrate jedes Pokerspielers immens beeinflusst, ist die Dauer sowie die Anzahl an Tischen einer Session. Profis und sehr erfahrene Spieler erkennen selbst, wann der Punkt gekommen ist, an dem ihre Konzentration nachlässt und sie nicht mehr Profit maximierend Poker spielen können. Sie lösen das Problem schlicht und einfach, indem sie die Session beenden, bevor sie eventuelle Verluste einfahren. Doch der „0815-Pokerspieler" erkennt diesen Scheidepunkt nicht und spielt weit länger, als es die Konzentration erlaubt.

Lösung:

Setzt euch ein Hände-Limit oder Zeit-Limit, das ihr strikt befolgt. Das heißt, ist dieses Limit abgelaufen, lasst ihr euch ausdealen. Wählt anfangs eine recht geringe Handanzahl/Dauer als euer Maximum, da ihr dieses jederzeit erhöhen könnt, wenn die Fehlerquote es erlaubt. So werdet ihr Schritt für Schritt die Grenzbereiche eurer Konzentration ausloten.

Beenden einer Session bei Konzentrationsdefiziten

Wenn ihr in einer Session bei mehreren knapp aufeinander folgenden Händen denkt, „Wie habe ich die Hand denn gespielt???", dann beendet die Session. Selbstzweifel und Unzufriedenheit sind häufig Vorboten eines Tilts.

Abschließende Zusammenfassung

Selbstdisziplin begegnet jedem von uns täglich im Alltag. Wir stehen morgens auf, um zur Arbeit, Universität oder zur Schule zu gelangen, obwohl wir gerne noch schlafen würden. Wir lernen mehrere Stunden für Schule und Studium, obwohl wir uns lieber mit Freunden treffen würden. Diese Beispiele von Selbstdisziplin sind bei uns allen ein Automatismus, der täglich abläuft. Wenn wir nur ein bisschen dieser Automatismen auf das Pokern übertragen, werden sich viele wundern, wie die Winrate positiv beeinflusst wird.