Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Preflopplay - Early

Einleitung

In diesem Artikel

  • Die Ziele des Preflopspiels in der frühen Phase
  • Welche Faktoren für eine Spielentscheidung von Bedeutung sind
  • Wie du mit Informationen und Charts eine Entscheidung treffen kannst

Auch wenn die Hauptgewinne eines SNG-Spielers in der späten Phase eines Turniers entschieden werden, so wird in der frühen Phase der Grundstein gelegt. Wenn du hier schlecht spielst, wirst du die späte Phase selten erreichen oder dein Stack ist zu klein, um die späte Phase noch effektiv spielen zu können.

Dieser Artikel löst sich deshalb von den Starting-Hands-Charts der Einsteigersektion und klärt die wichtigsten Fragen dieser Turnierphase.

Worin unterscheiden sich SNGs von Cashgames?

Nimm an, du hast in der ersten Hand eines 11$ SNGs Q Q und sitzt im BB. Der SB zeigt dir A K und geht All-in. Du bist also mit etwa 53,8% Favorit in dieser Hand und hättest in einem Cashgame einen einfachen Call.

An dieser Stelle ist es notwendig, auf den Hauptunterschied zwischen Cashgame und SNGs einzugehen:

Du kaufst dich mit $10 in das Turnier ein. Dafür erhältst du 2000 Chips. Anfangs sind deine 2000 Chips also $10 wert. Dieser Wert ist aber variabel und ändert sich im Laufe eines Turniers. Würden beispielsweise nun alle deine Gegner durchdrehen und fortwährend nur All-in gehen, bis nur noch einer von ihnen übrig bliebe, sähe die Situation so aus: Du bist im Heads-up mit 2000 Chips. Dein Gegner hat 18000 Chips.

Du bist damit schon sicher Zweiter und deine 2000 Chips sind nun mindestens $30 wert, sogar noch mehr, da du ja noch die Chance auf den Sieg hast.

Die mathematische Methode, um diese Schwankungen fassbar zu machen und den Chips ihren Geldwert entgegenzustellen, ist das so genannte Independent Chip Model ICM.

Betrachten wir nun die, zu Beginn geschilderte, Hand erneut, der Einfachheit halber ohne Einbeziehung der Blinds, da sie die Rechnung nur unübersichtlicher machen und kaum Einfluss haben.

Gewinnst du die Hand, hast du 4000 Chips. Diese haben nach ICM einen Wert von $18,444 und nicht etwa $20, wie du auf den ersten Blick denken magst. Callst du das All-in, macht also jeder unbeteiligte Spieler 19,4 Cent Gewinn aufgrund der Tatsache, dass du oder SB ausscheiden werden und sie einen Platz näher an die Geldplätze rücken.

Du investierst damit $10, um $8,44 zu gewinnen. Um einen profitablen Call zu machen, brauchst du dementsprechend eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 10/18,444 oder 54,2%. Du hast aber nur 53,8%, weshalb du die Hand foldest.

Dieses Konzept und diese Rechnung kannst du für jede beliebige Situation in einem Sit and Go anwenden und der hier errechnete Unterschied ist verantwortlich dafür, dass tightes Preflopspiel eine dominante Strategie gegenüber looserem Spiel ist.

Ein Chip den du gewinnst, hat einen geringeren Wert als ein Chip, den du verlierst (die ersten 2000 Chips = 10$ die zweiten 2000 Chips = 8,44$).

Warum ist Position so wichtig?

Eines der wichtigsten aber gerade von Anfängern am meisten unterschätzten Entscheidungskriterien ist die Position, denn durch sie kannst du extrem viele Informationen erhalten und es kostet dich keinen einzigen Chip.

Wie bereits in den Einsteigerartikeln erklärt wird, ist deine Position dein Abstand zum aktuellen Kartengeber. Je früher deine Position ist, desto früher musst du in einer Setzrunde agieren. Dementsprechend hast du mehr Gegner, die noch nach dir handeln können. Aus diesem einfachen Grund müssen deine Karten umso besser sein, je früher deine Position ist.

Dieses Fazit solltest du wirklich verinnerlicht und auch verstanden haben, aber hast du dir schon mal Gedanken gemacht, welchen Einfluss diese einfache Aussage auf dein Spiel hat?

Wenn du in früher Position bist, ist die Gefahr viel größer, in eine starke Hand zu laufen, denn es kommen noch neun und nicht nur z.B. zwei Gegner nach dir. Das heißt für dich, je früher deine Position ist, desto stärker müssen die Hände sein, mit denen du raist.

Oder anders formuliert: Eine Hand wie A J , die UTG ein einfacher Fold ist, wird eine gute Hand für ein Valueraise, wenn du den Button hast. Das heißt aber auch, dass du eine drawing Hand, mit der du billig den Flop sehen willst, in früher Position direkt wegwerfen kannst, wenn hinter dir häufig erhöht wird.

Wendest du diese Logik an, dann wird klar, dass deine Hand umso stärker sein muss, je früher die Position eines Gegners ist, der Action macht. So ist das oben genannte AJ ein klarer Fold gegen ein Raise aus UTG. Wenn aber der BU raist, dann kannst du damit im BB durchaus callen.

Auch ist Position in der early Phase von entscheidender Bedeutung beim Postflopspiel. Da ein Großteil der Chips meistens nach dem Flop in die Mitte geht, solltest du versuchen, hier Position zu haben. Du möchtest im Idealfall der Letzte sein, der am Flop eine Entscheidung trifft, denn so hast du einen Informationsvorteil, einfach weil schon jeder am Flop eine Entscheidung getroffen hat, nämlich Check oder Bet.

Wie spielst du welche Handtypen?

Monsterhände

AA, KK und auch QQ sind definitiv Starthände, mit denen du versuchen solltest, so viele Chips wie möglich vor dem Flop in den Pot zu bekommen, denn du hast hier fast immer die beste Hand.

Also ist es dein Ziel mit diesen Händen, die preflop sehr viel Value haben und auch postflop meistens noch sehr stark und einfach zu spielen sind, möglichst große Pötte gegen so wenige Gegner wie möglich zu spielen, am besten noch preflop bis zu einem All-in. Bist du first in, raist du. Hat schon jemand geraist, reraist du.

BEISPIEL

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

UTG (t2000)
UTG+1 (t1960)
UTG+2 (t2644)
MP1 (t1980)
MP2 (t1940)
MP3 (t1698)
CO (t1900)
Button (t2040)
SB (t1960)
Hero (t1878)

Preflop: Hero is BB with A, A.
2 folds, UTG+2 calls t40, 1 fold, MP2 raises to t200, 4 folds, Hero raises to t600, UTG+2 folds, MP2 raises to t1080, Hero pushes all in , MP2 calls all in.

Gute Hände

AK, AQ, JJ und TT - diese Hände kannst du sehr gut first in raisen, du solltest aber vermeiden, preflop alle Chips zu investieren, da diese Hände bei weitem nicht so stark sind, wie sie scheinen mögen. Schau dir zum Beispiel AK an: du bist damit sogar ein leichter Underdog, sollte dein Gegner ein Paar halten. Wie du bereits in der Einleitung gelernt hast, sind solche Coinflips nach Möglichkeit zu vermeiden.

Ähnliches gilt für TT, da du auch hier nur gegen zwei Overcards flippst. Es besteht natürlich auch die Gefahr, dass dein Gegner eine Monsterhand hält, also gilt es mit diesen Händen schon vor dem Flop Value in Raises zu machen, aber keinen Pot zu generieren, von dem du dich nicht mehr lösen kannst.

Wie spielst du also deine starken Hände? Bist du first in, erhöhst du. Hat schon jemand geraist, callst du nur. So vermeidest du marginale Situationen, in denen du aufgrund der Potgröße und Odds einen Spielzug machen musst, obwohl du nicht klarer Favorit bist. Zudem hat dein Gegner nicht die Möglichkeit, einen leichten Fold zu finden, sondern kann postflop eine zweitbeste Hand machen und dich ausbezahlen.

Raist dein Gegner z.B. A6, du callst mit AQ und der Flop bringt ein Ass, gewinnst du mit Sicherheit mehr Chips, als du es bei einem Preflop-Reraise getan hättest.

BEISPIEL

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t40 (8 handed)

UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
MP1 (t2040)
MP2 (t1860)
CO (t1920)
Hero (t2040)
SB (t6140)
BB (t2000)

Preflop: Hero is Button with K, A.
UTG raises to t160, 4 folds, Hero calls t160, 2 folds.

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t60 (10 handed)

UTG (t1760)
Hero (t2000)
UTG+2 (t1610)
MP1 (t920)
MP2 (t1720)
MP3 (t4360)
CO (t2890)
Button (t2420)
SB (t1960)
BB (t360)

 

Preflop: Hero is UTG+1 with A, Q.
1 fold, Hero raises to 200

 

Drawing Hands

Mit diesen Händen, z.B. A5, KT oder 87, am besten suited, die vor dem Flop nicht stark sind, aber ein Board gut treffen können, solltest du vorsichtig sein, gerade wenn du auch noch an deinem Postflopspiel arbeitest. Sie führen oft zu den marginalen Situationen, die du vermeiden willst.

Wenn du diese Hände spielen willst, dann solltest du sehr vorsichtig sein, dass nicht du es bist, der eine zweitbeste Hand macht und den Gegner ausbezahlt. Du willst mit diesen Händen den Flop möglichst billig sehen. Dazu sollte die Hand multiway sein.

Drawing Hands lohnen sich nur, wenn mehrere Spieler mit von der Partie sind. Erst dann lohnt es sich wenn du deine Hand triffst.

Hierzu ein Beispiel: Vor dir haben vier Gegner gelimpt und du callst mit J T , einer guten drawing Hand. Der BB checkt und du siehst den Flop mit fünf anderen Spielern.

Hier eine Liste, wie oft du was am Flop treffen wirst:

  • Pair: 32.4%
  • Twopair: 2%
  • Trips oder besser: 3,6%

Bei fünf Gegnern ist ein Paar Buben oder Zehnen selten ausreichend. Macht jemand Action, musst du oft noch einen Fold finden oder eine bessere Hand ausbezahlen. Trips oder besser triffst du nur in 3,6% der Fälle und selbst da kommt es noch vor, dass du auf eine bessere Hand triffst oder ausgesuckt wirst.

Was Du mit solchen Händen natürlich auch noch treffen kannst sind Draws und das geschieht schon viel häufiger:

  • Straightdraw mit 4 Outs: 16,6% (besser bekannt als Gutshot)
  • OESD, Double Belly Buster mit 8 Outs: 9,6%
  • Flushdraw: 10,9%

Obwohl es eigentlich dem Grundsatz der Chiperhaltung in der frühen Phase widerspricht, musst du mit diesen Händen weitere Chips investieren.

BEISPIEL

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t60 (9 handed)

UTG (t1820)
UTG+1 (t2040)
MP1 (t4030)
MP2 (t1150)
MP3 (t1940)
CO (t3140)
Button (t1910)
Hero (t2140)
BB (t1830)

Preflop: Hero is SB with J T .
2 folds, MP1 calls t60, MP2 calls t60, MP3 calls t60, CO calls t60, BU calls t60, Hero completes, BB checks.

Wie du die Hand am Flop weiterspielst, erfährst du in den Artikeln zum Flopplay (s. Linkbox am Ende des Artikels).

Pocketpairs

Auch Pocketpairs sind Drawing Hands, aber von einer ganz anderen Natur. Entweder triffst du ein Set und versuchst, einen großen Pot zu generieren, oder du triffst nichts und kannst leicht folden. Somit ist dein Postflopspiel auch schon klar definiert und das Preflopspiel mit diesen Händen nur eine logische Konsequenz.

Dein Ziel ist, mit einem Paar so günstig wie möglich den Flop zu sehen. Du limpst also  oder callst ein Raise. Selbst raist du Sie aber nicht. Zu beachten ist, dass du und dein potenzieller Gegner genug Chips haben, um dich im Falle eines Treffers auch ausreichend ausbezahlen zu können. Du investierst preflop nur dann Chips, wenn ihr beide mindestens das 15-Fache des von dir zu investierenden Betrags als Reststack übrig habt.

Du triffst ein Set zwar in 11,8% der Fälle, du mußt aber die restlichen 88,2%, in denen du nicht triffst auch finanzieren.

BEISPIEL

Party Poker No-Limit Hold'em Tourney, Big Blind is t40 (10 handed)

UTG (t2000)
UTG+1 (t2000)
UTG+2 (t2000)
MP1 (t2000)
MP2 (t2000)
MP3 (t2000)
CO (t2000)
Hero (t2000)
SB (t2000)
BB (t2000)

Preflop: Hero is Button with 2, 2.
UTG raises to t120, 6 folds, Hero calls t120, 2 folds.

Welche Arten von Raises gibt es?

Es gibt verschiedene Motive für ein Raise, deshalb solltest du dir auch immer bewusst sein, aus welchem Antrieb heraus du ein Raise machst.

VALUERAISE

Bist du in UTG und hältst AA, raist du, weil deine Hand die besten Voraussetzungen hat, um einen Pot zu gewinnen. Raist du preflop mit so einem Monster und wirst gecallt, macht dein Gegner fast immer einen Fehler, weil du zu 80% der Fälle den Pot gewinnen wirst.

Das Ziel eines Valueraises ist also, so viele Chips des Gegners wie nur möglich in den Pot zu bekommen. Wirst du gereraist, kann dich das folglich nur freuen.

VALUE- UND PROTECTIONRAISE

Dann gibt es natürlich auch noch die Mischung aus Protection- und Valueraise. Ein Beispiel hierfür wäre ein Raise mit JJ aus UTG+1. Es ist sehr wahrscheinlich, dass du die beste Hand hältst, aber sie ist noch sehr verwundbar. Jeder Flop mit einem A, K oder einer Q stellt eine große Gefahr dar. Dazu kommen natürlich auch noch Flops, die keine offensichtliche Scarecard haben, deine Hand aber trotzdem schlagen.

Eine große Gefahr dieser Scarecards ist, dass sie dich zwingen, deine Hand nicht weiter vor Draws zu protecten, da du auch schon hinten liegen kannst und Potcontrol betreiben musst.

Bei diesen Raises brauchst du auch nicht unglücklich sein, wenn du nicht gecallt wirst. Bei einem Reraise eines guten Spielers bist du trotz des überdurchschnittlichen Potenzials deiner Hand fast immer hinten. Daher solltest du gegen ein Reraise auch meist folden.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Siehst du einen Gegner, dessen Ansprüche an seine Starthand so niedrig sind, dass er KJ oder 77 wie ein Monster spielt, dann erhöht sich der Wert deiner Hand so dramatisch, dass du auch ohne Bedenken ein pures Valueraise machen und auf All-in spielen kannst.

STEALRAISE

Die Absicht eines Stealraises ist, die Blinds einzusammeln und das am besten ohne Gegenwehr. Deshalb fallen alle frühen Positionen für dieses Raise weg. Mit jedem Spieler hinter dir steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du auf Gegenwehr triffst und jemand eine Hand hat, die er spielen möchte.

In der frühen Phase sind die Blinds im Verhältnis zu den Stacks so gering, dass es sich kaum lohnt, die Blinds anzugreifen. Die entstehenden Situationen sind zu marginal.

Die besten Hände für diese Stealraises sind drawing Hände. Damit hast du im Fall eines Calls eine brauchbare Chance, den Flop zu treffen und sinnvoll weiterzuspielen.

Eine einfache Entscheidung hast du natürlich, wenn dein Steal gereraist wird. Du hast einen einfachen Fold. Die einzige Ausnahme bilden die Pocketpairs, mit denen du auf Setvalue callen kannst, wenn du und dein Gegner noch mindestens das 15-Fache des von dir zu investierenden Betrags als Reststack übrig haben.

Wie groß sollen deine Raises sein?

Die logische Konsequenz aus dem letzten Abschnitt wäre es, deine Stealraises möglichst klein zu gestalten, um nur wenige Chips zu riskieren. Für Valueraises wäre die logische Konsequenz ein All-in Push, denn wirst du gecallt, hast du all deine Chips als Favorit in die Mitte gebracht.

Leider ist es nicht ganz so einfach, denn ein kleines Raise wird häufiger gecallt und ein Push führt meist nur dazu, dass alle aussteigen. Darum ist es ratsam, allgemein die gleiche Raisegröße für alle Situationen zu wählen. Das hat den Vorteil, dass dein Gegner nicht weiß, ob du ein Valueraise oder ein Stealraise machst. Somit bekommst du deine Valueraises häufiger ausbezahlt und hast auf dein Stealraise mehr Foldequity.

Die perfekte Raisegröße ist tischabhängig. In der early Phase sollte sie sich aber meist zwischen 3 und 4 BB bewegen. Wie immer gibt es Ausnahmen. Sitzt du an einem Tisch, an dem die Gegner auch gerne bereit sind, 6 oder 7 BB zu callen, warum solltest du dann nicht bereit sein, ihnen diese extra Chips mit deinen Valueraises abzunehmen?

Bei Reraises ist eine gute Größe das 3-Fache des gegnerischen Raises plus nochmal den Betrag für jeden Spieler, der das Ursprungsraise gecallt hat. Hat vor dir jemand auf 3 BB geraist und ein anderer Spieler hat das Raise gecallt, dann erhöhst du auf 3 * 3 BB + 1 * 3 BB = 12 BB.

Musst du für das Reraise schon die Hälfte deines Stacks investieren, dann geh direkt All-in. Anders gesagt: Macht der Pot durch ein Raise und ein paar Caller vor dir bereits ca. 1/3 deines Stacks aus, dann pushe direkt. Solltest du hingegen nur normal reraisen und wirst gecallt, dann ist der Pot am Flop im Verhältnis zu deinem Reststack schon so groß, dass du sowieso kaum noch aus der Hand herauskommst.

Darum ist es besser, den Gegner vor dem Flop direkt vor vollendete Tatsachen zu stellen und ihm nicht die Chance zu geben, dich auszudrawen oder am Flop doch noch zu folden. Aber auch wenn vor dem Flop alle folden, ist das ein großer Erfolg.

Nimm an, es ist die erste Hand in einem SNG. Die Blinds starten in diesem Fall mit 20/40. Jeder hat 2000 Chips. Vor dir gab es ein Raise auf 160 Chips und zwei Caller. Das macht einen Pot von 480 Chips und noch einmal 60 Chips von den Blinds dazu. Reraist du nun im Button und alle folden, hast du auf einen Schlag 540 Chips mehr und damit ein Viertel deines Startstacks hinzugewonnen, ohne den Flop gesehen zu haben.

In der Tat ist dieses Ergebnis so gut, dass man dieses Play (Squeeze) am besten mit Händen wie AK, oder JJ macht, denn diese Hände sind wie oben beschrieben, oft preflop die besten Hände, lassen sich am Flop aber nur schlecht weiterspielen.

Callt dein Gegner mit einer Hand, gegen die du einen Coinflip hast, ist das auch kein Problem. Ein Flip ist zwar nicht wünschenswert, aber geht in Ordnung, zumal schlechte Gegner auch mit Händen callen können, gegen die du klarer Favorit bist, AQ oder AJ zum Beispiel oder 88, wenn du JJ oder TT pushst.

Bei AA und KK kann man streiten, ob dieses Play notwendig ist oder nicht, denn du hast nur ganz selten einen Flop, auf dem du mit deiner Hand nicht gerne deine restlichen Chips in die Mitte schiebst. Zum einen callen deine Gegner seltener einen Squeeze, wenn sie dich schon einmal mit AA haben pushen sehen. Andererseits callen schlechte Gegner meist noch preflop das Reraise, folden dann aber den Flop. Da heißt es abwägen.

Beachte bitte, dass hier nur von einfachen Raises die Rede ist. Gab es vor dir ein Raise und ein Reraise, musst du abschätzen, wie viele Hände des Reraisers du schlagen kannst. Mit AK und JJ ist ein Push eigentlich nur gegen sehr schlechte Spieler profitabel.

Welchen Denkprozess musst du bei einer Spielentscheidung durchlaufen?

Bevor du preflop eine Spielentscheidung triffst, musst du dir mehrere Fragen beantworten:

  • Welche Position hast du?
  • Was haben die Gegner vor dir gemacht und was ist ihre Position?
  • Welche Spieler haben wie agiert und was könnte ihre Absicht sein?
  • Ist deine Hand spielbar?
  • Wie aggressiv/passiv, gut/schlecht, tight/loose ist der Tisch?
  • Was für einen Eindruck hat der Tisch von dir?
  • Wenn du spielst, was ist dein Ziel?
  • Wie groß sollte die Betsize sein, um dieses Ziel zu erreichen?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Gegner hinter dir das Erreichen dieses Ziels verhindert?
  • Wenn es jemand tut, ist er ein starker oder ein schwacher Spieler?
  • Was für eine Situation hat er vorgefunden, als er seine Entscheidung getroffen hat? Welches Ziel könnte er verfolgen?
  • Was machst du, wenn die Gegner hinter dir nicht so reagieren, wie es für dich ideal wäre?
  • Welche Positionen, Potgröße, Art und Anzahl der Gegner etc. wirst du am Flop am wahrscheinlichsten vorfinden?

Wenn du dir diese Fragen bei deiner Entscheidungsfindung stellst und sie auch beantworten kannst, dann hat deine Hand/Aktion ein konkretes Ziel, einen Plan zur Umsetzung dieses Ziels und noch einen Plan B, wenn der direkte Weg zu diesem Ziel versperrt ist.

Du solltest dich dann also kaum in Situationen wiederfinden, in denen du nicht weißt, was du machen sollst. Ist das doch der Fall, dann kannst du zur Fehleranalyse obige Fragen in der Nachbetrachtung durchgehen und herausfinden, an welcher Stelle deine Einschätzung Schwächen hatte und was die Konsequenz für dein Spiel ist.

Werden z.B. deine Steals häufig gecallt oder gereraist, kann eine Nachbetrachtung wie folgt aussehen:

  • Welche Position hast du?
    Späte Position.
  • Was haben die Gegner vor dir getan und in welcher Position?
    Ich war first in.
  • Ist deine Hand spielbar?
    Ja. Ich habe nur mit schönen drawing Hands gestealt.
  • Wie aggressiv/passiv, gut/schlecht, tight/loose ist der Tisch?
    Der Tisch war sehr tight und die Gegner eher passiv und schlecht.
  • Was für einen Eindruck hat der Tisch von dir?
    Ich habe ganz selten gespielt und noch nie gestealt, also sollte der Tisch mir Credit für eine Hand geben.
  • Wenn du spielst, was ist dein Ziel?
    Ich wollte die Blinds einsammeln.
  • Wie groß sollte die Betsize sein, um dieses Ziel zu erreichen?
    Die normale Raisegröße, die ich bei Valueraises in genau der gleichen Situation auch gemacht hätte.
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Gegner hinter dir das Erreichen dieses Ziels verhindert?
    Das halte ich für unwahrscheinlich, weil nur noch zwei Spieler hinter mir sind und diese sehr tight sind.
  • Wenn es jemand tut ist es ein starker oder schwacher Spieler?
    Es sind eher schwache Spieler, die wenig Aggression zeigen, aber gerne callen.
  • Was für eine Situation hat er vorgefunden, als er seine Entscheidung getroffen hat. Was könnte das Ziel seiner Aktion sein?
    Er hat sich mit einem Raise von mir aus später Position konfrontiert gesehen. Wahrscheinlich hat er also eine drawing Hand, mit der er nicht viele Chips investieren will.
  • Was machst du, wenn die Gegner hinter dir nicht so reagieren, wie es für dich ideal wäre?
    Wenn sie callen, habe ich eine Hand, mit der ich ein Board treffen kann oder den Pot einfach mit einer Contibet gewinnen kann. Wenn ich geraist werde, habe ich einen einfachen Fold.
  • Welche Positionen, Potgröße, Art und Anzahl der Gegner etc., wirst du am Flop am wahrscheinlichsten vorfinden?
    Meistens sehe ich gar keinen Flop. Wenn doch ist es sehr wahrscheinlich, dass ich in einem kleinen Pot mit einer brauchbaren Hand Position auf einen tighten und passiven Gegner habe.
FAZIT

Wenn du die Fragen so auch bei der Nachbetrachtung beantworten kannst, dann war deine Entscheidung nicht falsch, denn du würdest sie nach gründlicher Überlegung ja wieder so treffen.

Zusammenfassung

Wie du beim hoffentlich aufmerksamen Lesen dieses Artikels gemerkt hast, wird dir hier nicht vorgeschrieben, mit welcher Hand du aus welcher Position auf wie viele Chips zu raisen hast. Stattdessen geht es darum, dass du den Denkprozess lernst, der Preflop zu guten Entscheidungen führt, denn jede Hand, die du am Pokertisch spielst, ist einmalig und hat auch einmalige Umstände und Rahmenbedingungen und muss jedes mal aufs neue analysiert werden.

Wenn du mit einer von dir gespielten Hand nicht zufrieden oder unsicher bist, dann solltest du die enstsprechenden Handbewertungsforen nutzen und dir andere Meinungen und Sichtweisen einholen.