Nach dem Flop - Du hast vor dem Flop erhöht
Einleitung
In diesem Artikel
- Spiele gemachte Hände am Flop niemals passiv
- Setze Continuationbets nur auf geeigneten Flops
- Bluff niemals mehr als zwei Gegner
Wenn du vor dem Flop über ein starkes Blatt verfügst und das bisherige Spiel deiner Gegner dich vermuten lässt, die beste Hand zu halten, dann erhöhst du. Aber auch eine gute Position und wenige verbleibende Spieler können dich dazu bringen, mit einer nicht ganz so starken Hand zu erhöhen, z.B. um die Spieler in den Blinds mit einem so genannten Blindsteal zu attackieren.
Die Situation, mit der sich dieser Artikel befasst, ist die, dass du vor dem Flop erhöhst und einer oder mehrere Spieler mitgehen. Wird nach dir erneut erhöht, ergibt sich eine völlig andere Situation. Wie du dann vorgehst, findet sich in anderen Artikeln beschrieben.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
Als so genannter Preflopaggressor befindest du dich in einer besonderen Situation und dein Vorgehen ist ein anderes, als wenn du vor dem Flop eine Erhöhung mitgegangen bist oder es überhaupt keine Erhöhung gab.
In den nächsten Kapiteln wirst du lernen, ...
- ... wie du die Stärke deiner Hand bewertest.
- ... was eine Continuationbet ist und wann du sie spielst.
- ... welchen Einfluss die Gemeinschaftskarten und die Gegner haben.
- ... wie du an Flop, Turn und River spielst.
Beachte bitte, dass ein Artikel allein kaum ausreicht, um dieses sehr komplexe Thema ausreichend abzudecken. Als Preflopaggressor in die Setzrunden nach dem Flop zu gehen, ist die häufigste Spielsituation, in der du aufgrund deines aggressiven Spielstils sein wirst. Hier richtig zu spielen, ist das A und O.
Nutze deshalb auch die anderen Lehrangebote von PokerStrategy.com, die erweiterten Lehrmaterialien, die Videos, andere Strategieartikel, Coachings und natürlich das Forum, um dein Wissen so weit wie nur möglich auszubauen und zu festigen. Nur das wird dir langfristigen Erfolg auch auf höheren Limits sichern.
DOWNLOADS
Das Starting-Hands-Chart als PDF-Datei
Die Odds-Tabelle als PDF-Datei
Wie stark ist dein Blatt?
Dein erster Blick am Flop gilt zunächst deinem Blatt und der Frage, was deine Karten wert sind. Ass König ist vor dem Flop ein starkes Blatt, kann aber auf einem unschönen Flop schnell wenig wert sein.
Grundsätzlich können die möglichen Blätter in fünf Kategorien eingeteilt werden, wobei diese nicht strikt getrennt sind, sondern fließend ineinander übergehen.
Die fünf Kategorien lauteten:
- Wertlose Hände
- Schwache Draws
- Starke Draws
- Mittelstarke gemachte Hände
- Starke gemachte Hände
Dies sind Blätter, mit denen du den Flop komplett verfehlt hast, zum Beispiel ein kleines Paar, das auf höhere Karten im Flop trifft oder auch starke Startkarten wie AK oder KQ, die den Flop einfach nicht getroffen haben und nun nur noch Überkarten darstellen.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
|
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
|
In diese Kategorie fallen alle Blätter, die wenig bis kein Potenzial haben, den Showdown zu gewinnen und auch nur wenige Verbesserungsmöglichkeiten bieten. Gutshot-Straightdraws findest du hier genauso wie kleine Paare oder auch so etwas wie Überkarten mit Backdoordraws (ein Draw, der an Turn und River zwei perfekte Karten treffen muss statt nur einer wie ein normaler Draw).
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
Zu den starken Draws zählen alle Blätter, die zwar noch keine nennenswerte gemachte Hand ergeben, die aber gute Aussichten haben, zu einer solchen zu werden. Dazu zählen Flushdraws, open-ended Straightdraws und auch so genannte Combodraws wie ein kleines Paar mit einem Flushdraw oder OESD oder auch ein Flushdraw plus Straightdraw.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
|
Der Titel kann etwas in die Irre führen. Zu den mittelstarken gemachten Händen gehören in einem erhöhten Pot alle gemachten Hände, die relativ stark sind und auch oft einen Showdown gewinnen können. Das sind im Wesentlichen alle starken Paare. Das kann ein Toppaar mit gutem Kicker sein oder auch ein Überpaar.
Sie sind stark, aber nicht unverwundbar. Sie können überholt werden. Wenn das geschieht, liegst du oft nahezu hoffnungslos hinten, z.B. wenn du ein Überpaar hältst und es kommt ein Flushdraw an.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
|
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
|
In diese Kategorie fallen die wirklichen Monster. Das fängt an bei zwei Paaren, geht über Drillinge und Straights hoch bis zum Royal Flush. Natürlich kommt es auch immer auf die Gemeinschaftskarten und die Gegnerzahl an, wie stark dein Blatt wirklich ist. Eine starke gemachte Hand macht aus, dass du mit ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit das beste Blatt hältst und dass sie nur schwer einzuholen ist.
Wie spielst du am Flop?
Am Flop legst du den Grundstein für die gesamte weitere Hand. In diesem Kapitel lernst du, ...
- ... was eine Continuationbet ist.
- ... welche Flops und Gegner dafür geeignet sind.
- ... wie groß du deinen Einsatz machst.
- ... was du machst, wenn vor dir jemand setzt.
- ... was du machst, wenn dein Continuationbet erhöht wird.
Eine Continuationbet ist ein Einsatz, der die in der vorherigen Setzrunde gezeigte Aggression fortsetzt. Du hast vor dem Flop erhöht, der Flop wird ausgeteilt und du setzt erneut. Das ist eine Continuationbet, kurz: Contibet.
Grundlegend kann ein Einsatz drei Motive haben:
- Du möchtest alle Spieler zur Aufgabe zwingen und den Pot direkt gewinnen.
- Du hast eine gemachte Hand und möchtest sie gegen Draws schützen. Das nennt man Protection.
- Du hast eine gemachte Hand und möchtest Geld aus schlechteren gegnerischen Händen herausholen. Das nennt man Valuemaximierung.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
Diesen Spielzug kennst du sicherlich schon, ob aus deiner Spielpraxis, aus Pokervideos oder aus dem Fernsehen. Die Continuationbet am Flop, nachdem man vor dem Flop erhöht hat, ist ein grundlegender Spielzug.
Sie kann ein Bluff sein, kann aber auch mit einer starken Hand gemacht werden. Das bedeutet, dass du sehr häufig eine Contibet setzen wirst, auch wenn du nichts getroffen hast. Natürlich sind nicht jeder Flop und jeder Gegner geeignet dafür.
Wenn der Gegner selten am Flop aufgibt, dann ist die Contibet als Bluff wirkungslos. Ist der Flop von der Gestalt, dass er vielen Händen irgendwie weiterhilft, z.B. wenn viele Draws möglich sind, dann ist sie als Bluff ebenfalls sinnlos. Es gibt gute Flops und schlechte Flops für eine Continuationbet als Bluff.
Regel Nr. 1: Hast du eine gute gemachte Hand, ein Toppaar oder besser, machst du immer eine Continuationbet. Deine Mission lautet: Pot aufbauen und Hand schützen.
Regel Nr. 2: Hast du einen starken Draw, machst du bei einem Gegner immer eine Continuationbet. Das ist eine Art Bluff, ein so genannter Semibluff. Du kannst gewinnen, indem du den Gegner aus der Hand drängst, aber auch, indem du dein Blatt mit der nächsten Gemeinschaftskarte verbesserst.
Es bleibt aber immer noch ein Bluff und ist nur dann langfristig als Spielzug profitabel, wenn er auch oft als solcher funktioniert, nämlich indem dein Gegner direkt aufgibt. Die Aussicht auf ein starkes Blatt allein rechtfertigt den Bluff nicht. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit schon wieder nicht hoch genug, es sei denn du hast einen wahren Monsterdraw.
Bei vielen Gegnern oder Gegnern, die nur sehr schwer ihre Karten aufgeben, sinkt die Chance, dass alle aussteigen. Nur wenn du die Möglichkeit gegeben siehst (guter Flop + geeignete Gegner), dass alle auf einmal direkt aussteigen, kannst du auch gegen mehrere Gegner eine Contibet setzen.
Ist das nicht gegeben, spielst du deinen Draw streng nach Pot Odds, wie du es in den Artikel zu den Themen Pot Odds und implied Pot Odds gelernt hast. Du schiebst und schaust, ob jemand setzt und für welchen Preis bzw. welche Pot Odds du die Turnkarte sehen kannst.
Regel Nr. 3: Hast du einen schwachen Draw, eine schwache gemachte Hand oder überhaupt nichts, dann ist deine Continuationbet ein Bluff. Mehrere Gegner zu bluffen oder Gegner, die sich zu selten von ihren Karten trennen, ist Geldverschwendung. Generell kommt ein Bluff mit einer schwachen oder wertlosen Hand überhaupt erst dann in Frage, wenn du maximal zwei Gegner hast.
Der letzte Fall wird dir häufiger begegnen. Du hast vor dem Flop erhöht, ein oder zwei Spieler gehen mit, am Flop hast du nichts wirklich Tolles getroffen. Die Frage ist nun, ob sich ein Bluff lohnt. Das hängt von den Gemeinschaftskarten ab und der Spielweise deiner Gegner.
Schaust du auf die Gemeinschaftskarten, musst du zwei Fragen beantworten:
- Können deine Gegner dir glauben, dass du etwas getroffen hast?
- Können deine Gegner hier selbst etwas getroffen haben?
Jeder Flop, auf dem du die erste Frage mit Ja und die zweite mit Nein beantworten kannst, ist ein guter Flop für eine Continuationbet. Gut geeignet sind dafür immer Flops mit hohen Karten, König, Dame oder Ass. Da du vor dem Flop erhöht hast, hältst du selbst häufig hohe Karten. Es ist glaubwürdig, wenn du jetzt mit einem Einsatz ein hohes Paar repräsentierst.
|
|
|
Wie du siehst, macht einen guten Flop für eine Contibet als Bluff aus, dass er nur wenigen Blättern weiterhilft. Er bietet wenig Drawmöglichkeiten und wenig Chancen für starke gemachte Hände. Auf einem guten Flop kannst du ein starkes Blatt repräsentieren, während dein Gegner selten die Karten hat, um einen Bluff von dir auffliegen zu lassen, selbst wenn er sich sicher ist, dass du bluffst.
Auf dem ersten Flop ist der OESD mit 43 der einzig mögliche starke Draw. Es sind auch nicht viele starke gemachte Hände möglich. Es sind ein paar Kombinationen von zwei Paaren möglich, 52, K5, K2, aber da dein Gegner vor dem Flop eine Erhöhung mitgegangen ist, sind sie weniger wahrscheinlich. Ein Drilling Fünfen oder Zweier oder ein Toppaar Könige sind die einzigen sinnvollen starken Blätter, die dein Gegner getroffen haben kann. Das ist nicht gerade viel, weshalb er auf dem ersten Flop selten ein Blatt zum Weiterspielen hat.
Auch der zweite Flop folgt ebenfalls diesem Muster. Es sind überhaupt keine starken Draws möglich und mit dem Ass und dem König kannst du glaubwürdig ein gutes Blatt repräsentieren. Für deinen Gegner ist es schwer, eine gute gemachte Hand zu treffen, und Draws sind nicht möglich.
Das gilt auch für das dritte Beispiel. Der Unterschied ist hier, dass du selbst kaum mehr als ein Überpaar, ein Paar Damen oder Buben, repräsentieren kannst. Dein Gegner wird dir weniger häufig ein gutes Blatt abkaufen. Andererseits hat dieser Flop nun so gar keinem Blatt wirklich geholfen.
Sollte dein Gegner dich auf einen Bluff setzen, ist das eine Sache. Die andere Sache ist, dass er viel zu selten die Karten hat, um daraus Kapital zu schlagen. Er kann meist kaum mehr tun, als selbst zu bluffen und deinen Einsatz zu erhöhen. Bei aggressiven Spielern siehst du häufiger, dass sie so einen Flop attackieren. Deshalb lohnt es sich nicht, eine Continuationbet zu setzen, wenn dein Gegner aggressiv ist und diese Art von Flop (Paar und unkoordiniert) für einen Gegenbluff zu nutzen weiß.
|
|
|
Alle drei Beispiele tragen die Überschrift: Sehr drawlastig. Trifft das zu, kommt eine Contibet eigentlich nur in Frage, wenn du nur einen Gegner hast.
Im ersten Beispiel kannst du kaum ein starkes Blatt repräsentieren. Zudem hat dieser Flop vielen Blättern einen Grund zum Weiterspielen geliefert. 98, 87, 76, 65, 54, 43, 88, 77, 66, 55, 44 und jeden Flushdraw wirst du nicht zur Aufgabe zwingen. Das sind Blätter, mit denen dein Gegner gut und gerne eine Erhöhung vor dem Flop mitgegangen sein kann. Ein Paar Neunen, ein Paar Zehnen, es sind noch mehr Kombinationen denkbar, die nicht aufgegeben werden.
Du kannst nichts repräsentieren, dein Gegner hat aber häufig etwas Spielbares getroffen. Zwei Gründe, um auf diesem Flop nur gegen einen geeigneten Gegner Geld in einen Bluff zu investieren.
Das gilt auch für die anderen beiden Beispiele. Die Flops helfen vielen Blättern weiter. Dein Gegner kann schon zwei Paare oder eine fertige Straße halten. Er kann einen Straightdraw oder Flushdraw getroffen haben oder ein Paar mit einem Gutshot. Sicher kann er den Flop auch verfehlt haben, aber oft genug ist das Gegenteil der Fall. Siehst du solche Gemeinschaftskarten, dann ist es meist an der Zeit, aufzugeben und auf eine bessere Gelegenheit zu warten.
|
|
|
Oft ist der Flop nicht ideal für eine Continuationbet und auch nicht komplett untauglich dafür, sondern liegt irgendwo dazwischen. Du kannst durchaus glaubwürdig ein starkes Blatt repräsentieren, andererseits können deine Gegner auch gut etwas getroffen haben.
Die oberen drei Beispiele zeigen solche Flops. Auf diesen solltest du zwei Dinge nicht machen:
- Immer eine Continuationbet setzen.
- Niemals eine Continuationbet setzen.
Es kommt auf die Gegner an. Was können sie hier getroffen haben? Was davon können sie weglegen? Mit welchen Karten würden sie einen Einsatz mitgehen und wie leicht geben sie auf eine Continuationbet auf? Das sind die Flops, für die es keine Patentlösung gibt. Im Zweifelfall verzichte lieber auf den Einsatz.
Es gibt verschiedene Gegnertypen und die meisten reagieren auf eine Continuationbet unterschiedlich. Grob kann man vier Grundtypen unterscheiden.
-
Loose-passive
Loose Spieler haben ein Problem damit, ihre Karten wegzulegen. Sie sind deshalb nicht für Bluffs geeignet. Den loose-passiven Spieler zeichnet zudem aus, dass er nur selten aggressives Verhalten zeigt. Er setzt oder erhöht selten, geht dafür aber viele Einsätze mit. Bluffe ihn nicht, sondern versuche, ein gutes Blatt zu treffen, und dann heißt es durchfeuern. Sie werden deine Einsätze mit vielen Händen bezahlen.
-
Loose-aggressive
Loose-agressive Spieler können auch nur schwer aufgeben, spielen dazu aber noch aggressiv. Sie bluffen z.B. häufiger. Sie werden zum Beispiel einen Flop mit einem Paar, wie oben in einem Beispiel gezeigt, als Möglichkeit für eine Attacke sehen. Auf Bluffs solltest du gegen diese Typ weitgehend verzichten. Du gewinnst dein Geld von ihm, indem du ein starkes Blatt machst und dich von ihm ausbezahlen lässt. Du musst einige kleine Pötte gegen ihn aufgeben, kannst aber große gewinnen, wenn du denn einmal triffst.
-
Tight-passive
Tight-passive Spieler sind ideale Gegner für eine Bluffcontibet. Tight bedeutet, dass sie nur wenige Blätter spielen. Sie geben schnell auf und zeigen auch nur aggressive Spielzüge, wenn sie wirklich starke Karten haben. Gegen sie wirst du sehr häufig eine Continuationbet anbringen. Funktioniert sie nicht, weißt du wenigstens, woran du bist.
- Tight-aggressive
Tight-aggressive ist auch der Spielstil, den du pflegst. Sie spielen tendenziell starke Karten und versuchen, marginalen Situationen aus dem Weg zu gehen. Deshalb kann man sie auch bluffen. Du bist bluffbar, was du positiv sehen musst. Wärst du es nicht, würde etwas sehr falsch laufen. Gute Spieler müssen bluffbar sein.
Gegen so genannte TAGs kannst du ebenfalls viele Flops attackieren, wenn auch nicht so viele wie gegen tight-passive. Das gilt besonders, wenn der betreffende Spieler an mehreren Tischen gleichzeitig spielt. Dann wird er häufig sein Standardspiel durchziehen, das ihn auf allen Flops aufgeben lässt, die er nicht getroffen hat.
Eine Continuationbet als Bluff lohnt sich also umso mehr, je tighter der Gegner spielt, je höhere Ansprüche er an sein Blatt stellt, um weiterzuspielen. Loose-aggressive Gegner sind die schlechtesten Ziele für diesen Spielzug. Besonders auf den kleinen Limits, wo dir auch öfter Menschen begegnen, die so überhaupt keine Ahnung von Poker haben, gilt eine Devise: Bluffe niemals jemanden, der nicht aufgeben kann.
Verzichte auch auf eine Bluffcontibet, wenn dein Gegner nur einen kleinen Stack hat. Entweder ist er ein schlechter Spieler oder ein Shortstackstratege und beide Typen werden nur selten noch aussteigen. Je weniger Geld dein Gegner noch übrig hat, desto seltener wird dein Einsatz funktionieren, denn Spieler mit kleinen Stacks fühlen sich schnell an den Pot gebunden.
Und du musst auch darauf achten, ob sich in den Spielweisen eines Gegners vor und nach dem Flop ein Unterschied zeigt. Es gibt Spieler, die vor dem Flop sehr überlegt zu Werke gehen, ab dem Flop aber von tight zu loose wechseln und auf kaum eine Contibet aufgeben. Ein anderer häufig auftretender Spieltyp stellt vor dem Flop kaum Ansprüche an seine Karten und will einfach nur den Flop sehen. Hat er dann aber nichts getroffen, steigt er aus. Dieser Gegner ist gut für dich, denn er steigt mit so vielen schlechten Karten ins Spiel ein, dass er am Flop oft nichts vorzuweisen hat.
Nun hast du alle benötigten Informationen, um deine Entscheidung zu treffen. Diese Informationen musst du aber noch unterschiedlich gewichten.
Zunächst die einfachen Fälle: Du hast eine mittelstarke bis starke gemachte Hand, Toppaar mit gutem Kicker oder besser. In diesem Fall machst du immer eine Continuationbet. Die Anzahl und Art deiner Gegner ist egal. Dein Blatt ist oft das beste oder hat gute Chancen, sich zu verbessern.
Mit starken Draws setzt du gegen einen Gegner immer. Gegen zwei auch noch häufig. Bei mehr Gegnern kommt es stark auf die Gemeinschaftskarten und die Spielweise deiner Gegner an, ob sich der Einsatz noch lohnt. Er macht es dann, wenn eine gute Wahrscheinlichkeit besteht, dass alle Gegner auf deinen Einsatz hin sofort aufgeben.
Schwieriger wird es, wenn du nur einen schwachen Draw hast oder nur ein kleineres Paar oder sogar gar nichts. Dein Blatt allein rechtfertigt keinen Einsatz und auch ein Bluff muss oft funktionieren, um profitabel zu sein. Schau dir deshalb den Flop und deine Gegner genau an:
- Viele Gegner - du setzt nicht.
- Sehr drawlastiger Flop - du setzt nicht.
- Ein looser Gegner, der jeden Einsatz mitgeht - du setzt nicht.
Ein guter Spieler macht im Normalfall zwischen 65% bis 75% Continuationbets. Bist du in Position auf deine Gegner, wirst du etwas häufiger eine Contibet bringen. Im Schnitt aber setzt ein guter Spieler mit einem Viertel bis einem Drittel der Karten, mit denen er erhöht hat, am Flop keine Contibet. Die restlichen 65% bis 75% sind reine Bluffs und die Blätter, mit denen er etwas Spielbares getroffen hat.
Hast du nur einen Gegner, dann solltest du fast immer setzen, sofern er nicht von der loosen Sorte ist und selten ein Blatt schon am Flop aufgibt. Gegen zwei Gegner muss der Flop schon gut aussehen, dass du eine Contibet in Erwägung ziehst. Die Gegner müssen ebenfalls passen und aufgeben können. Wie du das beurteilst, hast du schon erfahren.
Zur Übung schau dir die nächsten vier Beispiele an und entscheide jeweils, ob du eine Continuationbet setzen würdest oder nicht.
|
Du bist im BB
|
|
![]() |
|
Die Lösung ist nicht schwer. Du setzt auf jeden Fall. Dein Blatt ist stark, aber du musst es auch schützen. Du willst von schlechteren Blättern Geld in den Pot ziehen und dem Flushdraw einen schlechten Preis für die Turnkarte vorgeben.
Hättest du in diesem Beispiel hingegen kein gutes Blatt, würdest du auf eine Contibet verzichten. Drei Gegner auf einem relativ drawlastigem Flop sind ein guter Grund, kein weiteres Geld in schlechte oder mittelmäßige Karten zu investieren.
|
Du bist im BB
|
|
![]() |
|
Du hast zwar keine gemachte Hand getroffen, dafür aber einen starken Draw. Einerseits hast du Aussichten auf einen Flush, andererseits aber auch zwei Überkarten, die dir noch ein gutes Toppaar bescheren können. Selbst bei drei Gegnern ist eine Contibet fast immer Pflicht.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
Dieser Fall ist grenzwertig. Weißt du von einem der Gegner, dass er etwas loosere Tendenzen hat, solltest du hier aufgeben. Weißt du dass nicht oder glaubst du, beide Gegner sind eher tight, kannst du auch setzen. Der Flop sieht gut aus und du hast noch ein paar Outs auf ein gutes Toppaar mit dem Ass und dem König.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
Auf diesem Flop gibst du am besten auf. Sind deine beiden Gegner nicht extrem tight, dann lohnt sich eine Bluffcontibet überhaupt nicht. Sehr viele Blätter haben hier etwas getroffen und du kannst kaum etwas repräsentieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Spieler aufgeben, sinkt auf so einem Flop dramatisch.
Hast du dich für einen Einsatz entschieden, besteht noch die Frage, wie viel du setzt.
Generell gilt:
- Je schlechter der Flop aussieht und vor allem je mehr Draws er ermöglicht, desto mehr setzt du.
- Je mehr Gegner du hast, desto mehr setzt du.
Dein Einsatz sollte immer zwischen halber und ganzer Potgröße liegen. Ein guter Richtwert ist 2/3 des Pots. Bei zwei Gegnern mit möglichem Flushdraw im Flop, kannst du ruhig auch in Höhe des ganzen Pots setzen, um dein Blatt maximal zu schützen (du wirst in dieser Situation kaum bluffen).
Bei einem Gegner und einem sehr harmlosen Flop reicht schon eine Contibet in Höhe des halben Pots. In diesem Fall musst du dein Blatt kaum vor Draws schützen und solltest du bluffen, wird der Bluff billiger und muss auch seltener funktionieren.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
In diesem Fall reicht ein Einsatz von etwas über der Hälfte des Pots. Der Flop ist harmlos, man sagt auch: trocken, und hättest du eine gemachte Hand, müsstest du sie kaum schützen. Du kannst also das Ass auch mit einem kleineren Einsatz gut repräsentieren. Dein Bluff wird günstiger und du musst seltener damit durchkommen.
Ohne ein Ass oder vielleicht noch eine Sieben kann dein Gegner kaum weiterspielen. Zudem hast du Position auf ihn. Er muss einfach sehr häufig aufgeben.
|
Du bist im BB
|
|
![]() |
|
Das Beispiel kennst du schon. Hier hast du eine klare Continuationbet. Da dein Blatt verwundbar ist, der Flop einen starken Draw möglich macht und du drei Gegner hast, zwei davon haben zudem Position auf dich, muss dein Einsatz groß ausfallen. Du setzt deshalb fast in Höhe des ganzen Pots.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
Wir haben schon geklärt, dass die Contibet in diesem Beispiel grenzwertig ist. Du kannst sie auch ruhig weglassen. Wenn du sie machst, dann ist ein Standardeinsatz von 2/3 des Pots am geeignetsten.
Nicht immer läuft es so ab, dass alle Gegner vor dir schieben und du dann in aller Ruhe überlegst, ob du eine Continuationbet setzt oder nicht. Es kommt auch vor, dass ein Gegner etwas setzt, bevor du an der Reihe bist. Das nennt man eine Donkbet. Wie du dann vorgehst, hängt davon ab, wie hoch der Einsatz ist.
-
Du hast einen Gegner und er setzt im Verhältnis zum Pot sehr klein (oft nur ein bis drei Big Blinds).
Dieser Einsatz deutet meist auf ein schwaches bis mittelstarkes Blatt hin. Hat dein Gegenspieler einen sehr kleinen Stack von weniger als dem 2.5-fachen des Pots, lohnt sich ein Bluff aber nicht. Meist fühlt er sich an den Pot gebunden und wird kaum noch etwas aufgeben. In diesem Fall spielst du nur gemachte Hände und starke Draws weiter und erhöhst.
Hat dein Gegner einen mittelgroßen bis vollen Stack, dann kannst du durchaus auch mit schwächeren Blättern erhöhen. Er sollte natürlich nicht allzu loose sein und du musst dir sicher sein, dass er so etwas nicht macht, um deine Erhöhung zu provozieren. Bei einem tight-aggressiven Spieler, der eine solche Spielweise normalerweise nicht im Programm hat, kann es sich bei dem kleinen Einsatz auch um eine Falle handeln.
- Du hast einen Gegner und er setzt relativ hoch
In diesem Fall solltest du mit starken Draws und gemachten Hände ab Toppaar mit hohem Kicker erhöhen und den Rest weglegen.
- Du hast mehrere Gegner
Bei mehreren Gegnern kommen Bluffs nicht mehr in Frage. In der Regel erhöhst du mit starken gemachten Händen und starken Draws. Mit schwachen Draws und mittelmäßigen gemachten Händen wie einem schwächeren Toppaar oder einem mittlerem Paar kannst du manchmal einen kleinen Einsatz noch mitgehen. Hast du aber nichts getroffen, steigst du aus.
Brenzlig wird die Situation, wenn vor dir ein zweiter Spieler noch erhöht. In diesem Fall sind meist nur noch starke gemachte Hände ab zwei Paaren und starke Combodraws, speziell Flushdraw+OESD, profitabel spielbar. Nach einem Einsatz und einer Erhöhung kannst du dich auch von Toppaaren und sogar einem Überpaar Asse verabschieden. Es kommt natürlich auf die Spieler und die Gemeinschaftskarten an.
Der zweite Spieler demonstriert viel Stärke. Ist er sehr aggressiv, muss das nicht viel bedeuten. Sind viele Draws möglich? Kann er schwächere Blätter als deines halten, die für ihn so gut aussehen, dass er damit diese Action macht?
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
Hier kannst du am Flop den kleinen Einsatz problemlos erhöhen. Der Spieler im Big Blind signalisiert mit dieser Spielweise Schwäche und du hast noch eine kleine Absicherung mit dem Ass und der Möglichkeit, am Turn wenigstens einen Flush- oder Straightdraw aufzugabeln.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
Die gleiche Situation, doch der Einsatz deines Gegners ist höher. Darauf kannst du aussteigen. Der hohe Einsatz zeigt mehr Stärke, viele Gegner machen so etwas mit Toppaar, hier vielleicht auch mit 88 oder A9. Ein Bluff würde dich zudem zu viel kosten. Das lohnt nicht.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
In diesem abschließendem Beispiel setzt der Spieler im Big Blind zwar wieder relativ klein, doch dafür ist die Gegneranzahl gestiegen. Du hast nichts getroffen, deshalb steigst du aus. Ein Bluff gegen zwei Spieler hat nur minimale Erfolgsaussichten und wäre verschwendetes Geld.
Eine andere Situation, die dir öfter begegnen wird, ist die, dass du zwar deine Contibet gemacht hast, dann aber ein Spieler erhöht.
Klar, dass du dann alle wertlosen Hände, kleinen und mittleren Paare und schwachen Draws weglegst. Mit starken Combodraws, Flushdraw + OESD, Flushdraw + Paar, mit denen du zudem möglichst auf den bestmöglichen Flush oder die bestmögliche Straße ziehst, spielst du aggressiv weiter. Wenn du dir mehr als 12 klare Outs geben kannst, dann geh auf die Erhöhung All-In.
Hast du nur einen einzelnen Flushdraw, OESD oder doppelten Gutshot, dann kannst du die Erhöhung unter Umständen mitgehen. Das hängt davon ab, wie hoch die Erhöhung ist. Damit sind wir wieder bei den Themen Pot Odds und implied Pot Odds.
Im Durchschnitt kannst du davon ausgehen, dass du am Turn noch etwa die Hälfte des Turnpots hinzugewinnen kannst, solltest du deinen Draw komplettieren. Als Faustregel gilt deshalb: Du kannst die Erhöhung mitgehen, wenn du nicht mehr als 3/4 des aktuellen Pots (inklusive aller Einsätze und der gegnerischen Erhöhung) bezahlen musst.
Bei passiven Gegnern, deren Erhöhung viel Stärke zeigt, oder sehr schlechten Gegnern kannst du davon ausgehen, tendenziell noch mehr Geld in späteren Setzrunden zu gewinnen. Deshalb kannst du gegen sie auch einen Einsatz in Höhe des ganzen Pots mitgehen.
Hast du eine gemachte Hand ab einem Toppaar, ist der Flop interessant. Bieten sich viele Möglichkeiten für Flush- oder Straightdraws, solltest du mit deinen sehr starken Hände direkt weiter erhöhen. Auf harmlosen Flop kannst du auch nur mitgehen, um deinen Gegner auch im Pot zu halten, wenn er einen Bluff oder ein schwächeres Blatt hält.
Schwächere Blätter wie Toppaare mit mittlerem Kicker kannst du auf eine Erhöhung meist weglegen, sofern dein Gegner nicht sehr aggressiv ist.
|
Du bist in UTG1
|
|
![]() |
|
Keine einfache Situation. Der Flop bietet mehrere Drawmöglichkeiten und dein Gegner kann auch ein Toppaar Könige halten. Deshalb erhöhst du am besten. Da die Erhöhung so groß wäre, dass sie dich so oder so an den Pot bindet, kannst du direkt All-In gehen.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
Du hast einen hohen Flushdraw und einen OESD, insgesamt 15 Outs auf ein Blatt, das sehr wahrscheinlich das beste sein wird. Auf die Erhöhung solltest du direkt All-In gehen. Selbst wenn der Spieler im Button dein All-In immer mitgeht und niemals aussteigt, machst du Gewinn, weil dein Draw so stark ist.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
Nun sieht die Sache schon anders aus. Du hast zwar ein Toppaar mit sehr gutem Kicker, aber auf diesem Flop sind viele Blätter denkbar, gegen die du schon hinten liegst - zwei Paare, ein Drilling, eine fertige Straße oder ein Flush, vielleicht auch Ass und Zehn mit dem Ass in Kreuz.
Selbst wenn du noch das beste Blatt hältst, hat dein Gegner so viele Möglichkeiten, dich noch zu überholen, so dass du einfach nicht weiterspielen kannst. Vielleicht erinnerst du dich an die Regel: Große Pötte für starke Hände, kleine Pötte für schwache Hände. Der Pot ist groß, deine Hand zu schwach. Ein Weiterspielen ist unprofitabel.
Wie spielst du am Turn?
Am Turn gilt es, dein Blatt neu zu bewerten. Ist es weiterhin stark, konntest du es verbessern oder ist es weiterhin wertlos? Ist am Turn ein möglicher Draw angekommen, den ein Gegner haben kann?
- Mit starken gemachten Händen spielst du weiter aggressiv.
- Hast du am Flop geblufft, gibst du am Turn auf.
- Hast du einen starken Draw, kannst du bei einem Gegner weiter aggressiv spielen, bei mehreren nur passiv.
- Mit starken Paaren setzt du, kannst bei ungefährlichen Gemeinschaftskarten aber auch schieben und einen Einsatz mitgehen.
- Kommt ein möglicher Draw an, wirst du vorsichtiger. Mit guten gemachten Händen ohne großes Verbesserungspotenzial solltest du eher setzen und auf eine Erhöhung hin aufgeben.
- Setzt ein Gegner vor dir, dann erhöhe nur mit wirklich starken Blättern und bluffe nicht.
Ist dein Blatt weiterhin stark, zwei Paare oder besser, spielst du weiter aggressiv. Ist ein Draw zu einem besseren Blatt angekommen, musst du abwägen, ob du lieber setzt und auf eine Erhöhung aussteigst oder lieber schiebst und einen gegnerischen Einsatz mitgehst.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
| |
|
Auch am Turn hast du immer noch das bestmögliche Blatt. Es sind Flush- und Straightdraws möglich. Du musst deinen Drilling weiter davor schützen und willst natürlich auch Geld in den Pot kriegen. Deshalb setzt du.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
| |
|
Es kommen zwar Flushdraw und Straightdraw an, doch selbst dagegen hast du noch einige Gewinnchancen, wenn du ein Full House am River machst. Die Gegner müssen nicht notwendig den Flush oder eine Straße halten. Dafür haben sie jetzt mit einer einzelnen Herzkarte schon einen Flushdraw.
Du kannst gut möglich noch vorne liegen, musst dein Blatt aber schützen und solltest du hinten liegen, hast du noch zehn Outs auf ein Full House oder einen Vierling.
Eine so starke Kombination aus starker gemachter Hand und starkem Draw kannst du hier nicht passiv spielen, da es zu viele schlechtere Hände gibt, die einen Einsatz mitgehen, und du auch oft noch gewinnst, selbst wenn du momentan hinten liegst.
Hast du am Flop geblufft, solltest du am Turn aufgeben. Mit schwachen Draws und wertlosen Händen lohnt ein Weiterspielen nicht. Ein Bluff wird teuer und funktioniert zu selten.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
| |
|
Klare Sache! Am Flop hast du geblufft. Das hat nicht geklappt. Dein Blatt hat sich am Turn nicht verbessert. Damit gibst du auf. Jetzt noch einmal zu setzen, funktioniert manchmal, doch du würdest nur künstlich einen Pot mit einem Bluff aufblähen. Das ist eine Spielweise, die du dir niemals aneignen solltest.
Hast du einen starken Draw, dann kannst du gegen mehrere Gegner nicht profitabel aggressiv spielen. Du schiebst und schaust, ob jemand setzt. Passiert das, kannst du deine Pot Odds berechnen und so feststellen, ob sich ein Mitgehen lohnt oder ob du besser aussteigen solltest.
Gegen nur einen Gegner kann sich ein Einsatz lohnen. Das ist aber nur dann der Fall, wenn auch eine gute Chance besteht, dass er daraufhin aufgibt. Ist das nicht gegeben, musst du deinen Draw ebenfalls passiv spielen und gegebenenfalls aufgeben.
Auch wenn dein Blatt gut aussieht, es kommt nur noch eine Gemeinschaftskarte und die Wahrscheinlichkeit für das Komplettieren deines Draws ist stark gesunken.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
| |
|
Am Flop hast du geblufft. Der Turn verhilft dir zu einem Flushdraw. Da die Gemeinschaftskarten auch nicht wirklich viele starke Blätter ermöglicht, kannst du hier am Turn noch einmal bluffen.
Mit Paaren bieten sich zwei Möglichkeiten:
- Du setzt und steigst aus, wenn erhöht wird.
Am Flop kann eine Erhöhung auch ein Draw oder ein Bluff sein. Am Turn aber zeigt eine Erhöhung besonders auf den kleineren Limits fast immer ein sehr starkes Blatt an. Eine Ausnahme besteht bei sehr ausgeprägten loose-aggressiven Spielern, so genannten Maniacs. Diese sind so aggressiv, dass sie auch am Turn öfter mit schlechteren gemachten Händen, Draws oder sogar reinen Bluffs erhöhen. Gegen solche Spieler sind ein Überpaar oder Toppaar mit hohem Kicker immer noch spielbar, sofern keine starken Draws angekommen sind.
- Du schiebst
Bist du in Position auf deine Gegner und sie schieben, kannst du ebenfalls schieben. Du checkst behind. Je nach Riverkarte gehst du dann einen eventuellen Einsatz mit. Bist du nicht in Position, schiebst du und gehst einen Einsatz mit. Am River musst du dann neu entscheiden.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
| |
|
Zu setzen ist vor allen Dingen dann sinnvoll, wenn deine Gegner Position auf dich haben oder wenn du keine kostenlose Riverkarte vergeben willst. In diesem Beispiel ist zwar der Flushdraw angekommen, aber dein Gegner muss ihn nicht zwingend halten. Aber jetzt gibt ihm jede einzelne Herz-Karte einen Flushdraw.
Du musst also setzen, um dein Blatt dagegen zu schützen. Erhöht dein Gegner, kannst du davon ausgehen, geschlagen zu sein, und aussteigen. Die gleiche Spielweise würdest du auch wählen, wenn der Flush am Turn nicht angekommen wäre, sondern zum Beispiel der Turn die Kreuz-Zehn wäre. Wenn dein Gegner erhöht, kannst du ebenfalls sicher aufgeben.
|
Du bist in MP2
|
|
![]() |
|
| |
|
Die beste Spielweise bei dieser Turnkarte ist, zu setzen und auf eine Erhöhung hin auszusteigen. Dein Gegner wird zu selten mit einem schlechteren Blatt als deinem erhöhen. Du kannst aber auch nicht schieben, denn sogar ein Blatt wie 2

Geht dein Gegner deinen Einsatz nur mit, dann gibst du am River entweder direkt auf oder machst einen kleinen Einsatz und steigst auf eine Erhöhung hin aus.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
| |
|
Diese Spielweise bietet sich an, wenn keine nennenswerten Draws möglich sind und du in Position bist. Im Beispiel lassen die Gemeinschaftskarten allenfalls einen Gutshotdraw als Draw zu. Du musst dein Blatt auf diesem Turn nicht schützen.
Wenn du schiebst, passiert das Folgende:
- Hat dein Gegner ein besseres Blatt, gibst du ihm dafür weniger Geld. Du hältst den Pot klein.
- Hat dein Gegner ein schlechteres Blatt, vielleicht einen Gutshot, ein schlechteres Paar Asse, ein Paar Achten oder ein anderes Paar, wird er vieles weglegen, wenn du setzt. Schiebst du, signalisiert das Schwäche und er wird womöglich noch etwas am River setzen, als Bluff oder weil er glaubt, das beste Blatt zu halten. Setzt er nicht, wird er aber vielleicht eher einen Einsatz von dir mitgehen.
Ein Spezialfall besteht, wenn am Turn ein Draw vom Flop komplettiert wird. Lagen am Flop zum Beispiel zwei Karten einer Farbe und am Turn fällt die dritte, so musst du deine Hand neu überdenken. Es ist oft möglich, dass dein Gegner dich gerade überholt hat. Hier bietet es sich auch oft an, mit etwas stärkeren Händen, die keine Verbesserungsmöglichkeiten mehr haben, zu setzen und auf eine Erhöhung hin auszusteigen.
Mit Blättern, die sich noch verbessern können, wie ein Paar mit einem starken Flushdraw, solltest du schieben und einen Einsatz mitgehen, wenn du keine Position hast, bzw. schieben und am River einen Einsatz mitgehen, wenn du in Position bist.
Wenn dein Gegner am Turn setzt, bevor du an der Reihe bist, solltest du nur noch mit wirklich starken gemachten Händen wie guten zwei Paaren und besser erhöhen. Kam ein Draw für ein besseres Blatt an, solltest du evtl. auch nicht mehr erhöhen, sondern nur mitgehen. Ausnahme bildet da ein Drilling, wenn ein Flush oder eine Straße angekommen sind.
Wie spielst du am River?
Am River steht wieder die Frage im Raum, wie stark dein Blatt ist. Einer der ersten Blicke überprüft wieder, ob ein Draw angekommen ist, den dein Gegner gut möglich gehalten haben kann. Hast du eine starke gemachte Hand ab zwei Paaren und liegst mit guter Wahrscheinlichkeit noch vorn, solltest du weiter aggressiv spielen.
Hast du nur ein Toppaar oder Überpaar und damit am Flop und Turn gesetzt, dann solltest du von einem Einsatz am River eher absehen. Das gilt nicht, wenn dein Gegner loose oder generell schlecht ist. Bei allen anderen Gegnern solltest du lieber schieben und nur noch einen eventuellen Einsatz mitgehen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn am Flop z.B. ein Flushdraw möglich war, der bis zum River nicht angekommen ist. Hast du am Flop und Turn gesetzt, kannst du am River schieben, falls dein Gegner aggressiv genug ist, mit seinem nicht angekommenen Flushdraw zu bluffen.
Kommt ein Draw an und dein Gegner hat Position auf dich, dann ist es besser, wenn du setzt und auf eine Erhöhung hin aussteigst. Dadurch kriegst du vielleicht noch Geld von schlechteren gemachten Händen, mit denen dein Gegner ansonsten kein weiteres Geld mehr investieren würde. Gegen aggressive Spieler kannst du auch schieben und einen Einsatz mitgehen. Sollte die Spielweise deines Gegners zu stark darauf hinweisen, dass du geschlagen bist, kannst du natürlich auch immer aufgeben.
Insgesamt wird am River wenig geblufft. Kommt also am River ein Flush an, du setzt und ein Gegner erhöht, kannst du dir sehr sicher sein, dass er diesen auch hat, und meistens aussteigen.
Mit zwei Paaren und besser solltest du hier noch einmal setzen, um deinem Gegner die Möglichkeit zu geben, mit einem schlechteren Blatt mitzugehen. Du solltest am River auch nicht mehr ganz so viel setzen wie an Flop und Turn, da du dein Blatt nicht mehr beschützen musst. Im Regelfall setze immer etwas in der Höhe des halben Pots. Bluffen solltest du am River übrigens nicht. Riverbluffs funktionieren selten.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
| |
|
| |
|
Wie schon erwähnt, solltest du spätestens am River deine Bluffs aufgeben. In diesem Beispiel konntest du den Turn noch einmal mit deinem Flushdraw anspielen. Nachdem dein Gegner dort wieder mitgeht, kannst du nicht erwarten, dass er am River auf die harmlose Zwei aufgibt. Du wirst den Pot nur selten mit einem Bluff mitnehmen können.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
| |
|
| |
|
Hier ist es knapp. Du kannst auch versuchen, den River mit einem kleinen Einsatz anzuspielen. Erhöht dein Gegner, steigst du aus. Aber so geht er mit schlechteren Blättern eventuell noch mit, du hältst den Preis für den Showdown klein und wenn er erhöht, ist ein Bluff unwahrscheinlich.
Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit für einen Bluff auch so schon gering. Er ist immerhin an Flop und Turn mitgegangen. Wenn er am River setzt, dann hat er schon etwas, und du schlägst kaum noch etwas. Die meisten Spieler werden in dieser Konstellation mit schlechteren Paaren nicht setzen, sondern glücklich sein, den Showdown zu sehen.
Wenn sie setzen, haben sie entweder eine Straße, einen Flush, im besten Fall einen Drilling oder eben einen Bluff. Du kannst in der Situation daher durchaus auch schieben und auf den Einsatz hin aussteigen, sofern der nicht sehr klein ausfällt.
|
Du bist im CO
|
|
![]() |
|
| |
|
| |
|
In diesem Beispiel hast du einen typischen Potcontrol-Spielzug gewählt. Du hast vor dem Flop erhöht und auf einem ungefährlichem Flop ein Toppaar mit mittelstarkem Kicker getroffen. Du setzt, ein Gegner geht mit.
Der Turn verändert kaum etwas. Dein Gegner schiebt und du machst es ihm nach. Auf einem harmlosen River setzt er und du gehst mit. Du setzt am Flop, du schiebst am Turn und gehst am River einen Einsatz mit. Merke dir diese Abfolge gut.
Im Beispiel musst du den Turn nicht anspielen, außer gegen sehr schlechte Spieler. Ansonsten wirfst du nur alle Blätter raus, die du schlägst. Eine Neun spielt weiter und vielleicht ein König. Den Flushdraw kannst du vernachlässigen, da er erst am Turn erscheint und kaum mit Karten verbindet, mit denen dein Gegner am Flop mitgegangen sein kann.
Du musst dein Blatt nicht schützen und du kannst auf diese Weise deinen Gegner noch zu einem Einsatz mit einer schlechteren Hand am River animieren, während du den Pot klein hältst für den Fall, dass du hinten liegst.
Fazit
Kontrolliertes aggressives Positionsspiel ist der Schlüssel zum Erfolg in No-Limit Hold'em. Deshalb ist die für dich häufigste und wichtigste Spielsituation die, in der du vor dem Flop erhöht hast und damit als Preflopaggressor in die Setzrunden ab dem Flop gehst.
Eine dabei ständig auftretende Frage ist die nach der Continuationbet. Die Grundlagen hast du in diesem Artikel kennen gelernt. Setze immer mit starken gemachten Händen und starken Draws und zwar einen Betrag zwischen halbem bis ganzem Pot.
Ansonsten spielst du Draws passiv. Die Grundlagen dafür hast du in den Artikeln zu den Themen Pot Odds und implied Pot Odds kennen gelernt. Und bluffe niemals gegen mehr als zwei Gegner und loose Spieler, die ungern aussteigen.
Am Turn gibst du Bluffs auf. Mit starken gemachten Händen setzt du weiter. Mit Draws spielst du passiv nach Pot Odds, außer in einer günstigen Gelegenheit mit einem starken Draw bei einem Gegner. Mit Paaren solltest du ohne Position eher setzen und in Position bei drawfreien Gemeinschaftskarten auch einmal nur schieben.
Am River kannst du dann dafür einen Einsatz mitgehen. Hast du hingegen an Flop und Turn mit einem Paar gesetzt, solltest du in Position außer gegen schlechte Spieler am River nicht mehr setzen, sondern nur schieben.
Hast du das wahrscheinlich beste Blatt, spielst du am River natürlich weiter aggressiv. Nur deine Setzgrößen werden kleiner. Am River solltest du eher etwas in Höhe des halben Pots setzen.
Der nächste Artikel befasst sich mit der entgegengesetzten Spielsituation, in der du vor dem Flop eine Erhöhung mitgegangen bist.
Gehe zum Artikel: Nach dem Flop - Ein Gegner hat vor dem Flop erhöht




