Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Einführung in die Bigstackstrategie

Einleitung

In diesem Artikel

  • Ohne Bankrollmanagement bist du ein leichtes Opfer.
  • Zu gewinnen heißt, Fehler zu vermeiden.
  • Zu gewinnen heißt, die Fehler deiner Gegner auszunutzen.

No-Limit Hold’em - diese Spielvariante stellt ganz besondere Herausforderungen an dein Können, an dein Wissen und manchmal musst du auch einfach nur den Mumm haben, das Richtige zu tun. Es braucht technisches Können und den Instinkt für den richtigen Augenblick.

Dieser und die folgenden Artikel zeigen dir eine Strategie, mit der du No-Limit Hold’em in der so genannten Full-Ring-Variante (sieben bis zehn Spieler an einem Tisch) erfolgreich schlagen kannst.

Du erfährst, …

  • … dass erst ein Bankrollmanagement langfristige Gewinne ermöglicht.
  • … mit welcher Grundstrategie du die kleinen und mittleren Limits schlägst.
  • … wann du welche Karten spielst.
  • … wie du die Stärke deines Blatts in den späteren Setzrunden herausfindest.

Weitere Artikel befassen sich dann mit der Mathematik des Pokerns und deiner Spielweise in verschiedenen Spielsituationen.

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Was ist Bankrollmanagement?

Dank des Aufkommens von Online-Pokerplattformen hat sich eine ganz neue Art von Pokerspielern herausgebildet, meist junge Menschen aus irgendeinem Ende der Welt, die wie aus dem Nichts kamen und sich innerhalb kurzer Zeit von den untersten Spiellimits nach ganz oben gearbeitet haben. Wofür andere früher ein halbes Leben brauchten, benötigten sie gerade einmal zwei oder drei Jahre.

Diese Karrieremöglichkeit, die das Online-Poker durch seine stetige Verfügbarkeit bietet, erfordert aber auch neue Qualitäten vom Spieler selbst. Willst du im Online-Poker vorankommen, musst du nicht nur ein guter Spieler sein, sondern auch ein guter Manager, dein eigener Manager.

Sieh das Geld, mit dem du dich an einen Tisch setzt, immer als Investition an, so als würdest du Aktien kaufen. Du kaufst sie doch nur, wenn sie eine gute Rendite versprechen und sich das Verlustrisiko überschauen lässt. Das erreichst du im Poker, indem du ein Bankrollmanagement anwendest.

Es sagt dir, in welche Limits du investieren, also wie hoch du spielen solltest, um ein gutes Gleichgewicht zu finden zwischen deinem Wunsch ...

  • ... bei Gewinnen möglichst weit voranzukommen und viel Geld zu holen.
  • ... bei Verlusten nicht zu weit zurückzufallen und zu große Anteile deines Pokergeldes zu verlieren.

Du willst viel gewinnen, wenn du gewinnst, aber von Verlusten nicht schwer getroffen werden. Das erreichst du, wenn du dich an das 25-Buy-in-Bankrollmanagement hältst.

Das Bankrollmanagement für die Bigstackstrategie sieht wie folgt aus:

Du kaufst dich immer mit vollem Stack (100 Big Blinds) an einem Tisch ein. 100 Big Blinds sind ein Buy-in.

  • Hast du 25 Buy-ins des nächsthöheren Limits, kannst du dahin aufsteigen.
  • Hast du nur noch 25 Buy-ins des nächstkleineren Limits, musst du dahin zurückgehen.

Kaufst du dich in ein Spiel ein, das dein Bankrollmanagement eigentlich nicht hergibt, bist du ein leichtes Opfer. Die Spieler auf den höheren Limits warten nur auf Gegner wie dich. Ohne ein solides Bankrollmanagement kannst du nicht gewinnen, niemand kann es. Selbst die besten Spieler der Welt gehen pleite, wenn sie sich nicht daran halten.

Sicher, du fängst klein an. Der erste Apple-Computer wurde in einer Garage zusammengelötet. Bill Gates schrieb sein erstes Programm nicht am Computer, sondern mit Stift und Notizblock.

Du spielst und du sammelst mehr und mehr Erfahrung. Du baust deinen Kontostand aus und hast irgendwann genug gewonnen, um auf das nächste Limit aufzusteigen, auf das übernächste und weiter.

Es ist wie in einem Arcadespiel. Erst kommen die leichten Gegner, dann die schweren und irgendwann landest du beim Endgegner. Sofort zum Endgegner zu gehen, ist langweilig. Meistens verlierst du und wenn du mit Glück gewinnst, dann ist das Spiel auch zu Ende und du hast eigentlich nichts davon gehabt.

Wie gewinnst du in No-Limit Hold’em?

Every time you play a hand differently from the way you would have played it if you could see all your opponents' cards, they gain.

(David Sklanksy - Theory of Poker)

Die Überschrift dieses Kapitels könnte auch lauten: Wie gewinnst du mit Pokern Geld? Darüber wurden viele Köpfe zerbrochen, bis ein gewisser David Sklansky, Profispieler und Autor mehrerer Standardwerke zur Pokertheorie, auf die Lösung kam.

In seinem Buch Theory of Poker unternimmt er ein kleines Gedankenexperiment, in dem zwei Spieler pokern, aber ihre Karten offen vor sich liegen haben. Jeder kennt also das Blatt seines Gegners und könnte damit genau alle Wahrscheinlichkeiten berechnen und optimal spielen.

Sklansky sagt nun, dass du auf lange Sicht immer genau dann Gewinn machst, wenn dein Gegner von dieser optimalen Spielweise abweicht, also einen Fehler begeht. Im Gegenzug verlierst du langfristig immer dann Geld, wenn du von der für dich optimalen Spielweise abweichst.

Dein Gewinn kommt von den Fehlern deiner Gegner. Ihr Gewinn kommt von deinen Fehlern.

Dieses fundamentale Prinzip nannte Sklansky nur folgerichtig das Fundamental Theorem of Poker. Und so lange du pokerst, wird es dich immer begleiten. 

Es sind nicht in erster Linie deine Karten, es sind nicht deine Gegner. Ob du ein kleines oder ein hohes Limit spielst oder dich eines Tages in Las Vegas am Finaltisch der World Series of Poker wiederfindest, der Weg zum Erfolg heißt immer: so wenig Fehler wie möglich zu machen und so viel Geld wie möglich aus den Fehlern deiner Gegner zu ziehen.

Willst du also wissen, wie du in No-Limit Hold’em Gewinn machen kannst, dann schau dir an, welche Fehler die anderen Spieler machen. Auf den unteren Limits und auch bis an die Tische mit $100-Stacks sind die großen Fehler der meisten Spieler diese:

  • Sie spielen zu viele und damit oft zu schlechte Starthände.
  • Sie spielen zu passiv.
  • Sie können sich nur schwer von ihren Karten trennen und bezahlen z.B. für spekulative Hände zu viel.
  • Sie bluffen zu viel und in den falschen Momenten. Sie blähen einen riesigen Pot auf mit einem puren Bluff.
  • Sie achten überhaupt nicht auf ihre Position am Tisch.
  • Sie haben kein gutes Bankrollmanagement und spielen in Sorge um ihr Geld.

Um aus diesen sehr häufig gemachten Fehlern maximalen Profit zu ziehen, musst du einfach nur genau das Gegenteil machen.

  • Du spielst nur ausgewählte, gute Starthände.
  • Du spielst aggressiv.
  • Du hast kein Problem, sofort auszusteigen, wenn die Situation unprofitabel wird. Du „klebst“ nicht an deinen Karten.
  • Du bluffst wenig und dafür in geeigneten Situationen. Du bluffst nicht in großen Pötten.
  • Du passt dein Spiel genau deiner Position am Tisch an.
  • Du hast ein gutes Bankrollmanagement und kannst einen Spielzug machen, weil du weißt, dass er richtig ist, ohne dir Sorgen darum zu machen, dass du trotzdem auch manchmal verlierst.

Der tight-aggressive Spielstil

Von den zuvor genannten Anpassungen sind drei ganz besonders wichtig, denn sie begründen den so genannten tight-aggressiven Spielstil, der die perfekte Antwort auf die häufigsten Spielfehler der kleineren bis mittleren Pokerlimits ist:

  • Du spielst tight.
  • Du spielst aggressiv.
  • Du spielst Position.
DU SPIELST TIGHT

Tight bedeutet, dass du nicht alles spielst, was dir in die Finger kommt. Es gibt eine Menge Karten, die sehen schlecht aus und sind es auch. Es gibt aber auch welche, die sehen gut aus, sind es aber trotzdem nicht, König Bube zum Beispiel.

Nach dem Flop musst du dich nicht an jedem Paar festbeißen. Zu wissen, wann man geschlagen ist oder der Preis unvertretbar hoch, kann einem viel Geld sparen.

DU SPIELST AGGRESSIV

Es gibt eine einfache Regel für Texas Hold’em: Du willst nicht derjenige sein, der callt, d.h. der Einsätze nur mitgeht, statt selbst zu setzen oder zu erhöhen.

Du hast schon erfahren, dass deine Gewinne beim Pokern von den Fehlern deiner Gegner kommen. Wann machen Menschen Fehler? Wenn sie unter Druck eine wichtige Entscheidung treffen müssen.

In Texas Hold’em machst du merklich mehr Geld, wenn du deine Gegner ständig vor Entscheidungen stellst, sie unter Druck setzt und so zu Fehlern zwingst. Das erreichst du mit aggressivem Spiel.

Gleichzeitig spart es dir eine Menge Geld, wenn du Situationen aus dem Weg gehst, in denen dich jemand vor eine Entscheidung stellt. Wann immer dich jemand in die Defensive drängt, solltest du dich sehr unwohl fühlen.

Coldcallen, das Mitgehen einer gegnerischen Erhöhung vor dem Flop, ist zum Beispiel fast eine Todsünde. Bis auf wenige Ausnahmen begibt man sich damit in Situationen, die man nicht kontrollieren kann. Man ist dazu verdammt, ein starkes Blatt zu treffen, und das passiert seltener, als so manch einer denkt.

DU SPIELST POSITION

Pokerlegende Doyle Brunson schrieb einmal: Position ist in Texas Hold’em alles. Es ist mühsam und gefährlich, Geld gewinnen zu wollen, wenn du nicht Position auf deine Gegner hast.

Was bedeutet das? Wenn du in einer Setzrunde nach deinen Gegnern an der Reihe bist, hast du Position auf sie. Sind sie nach dir dran, haben sie Position auf dich. Sind sie vor dir dran, kannst du dir erst einmal anschauen, was sie machen. Du hast einen Informationsvorteil in einem Spiel, in dem Informationen teure Mangelware sind. Zudem sind in Position profitablere Spielzüge möglich.

Dein Leben als Pokerspieler wird um so vieles einfacher und erfolgreicher, wenn du immer darauf achtest. Willst du jemandem sein Geld abnehmen, dann hab Position auf ihn.

Fazit

Vielleicht war nicht alles in diesem Artikel neu für dich, doch kann es nur helfen, wenn du dir immer wieder vor Augen führst, wie wichtig dein Bankrollmanagement und das Anwenden des tight-aggressiven Spielstils für deine Pokerkarriere sind.

Je höher du in den Limits aufsteigst, desto selbstständiger wirst du dir einen eigenen Stil zulegen. Die Grundlage wird aber immer das bleiben, was du in diesem Artikel und den folgenden gelernt hast oder noch lernen wirst.

Im nächsten Artikel erfährst du, was es heißt, Position zu spielen, und wann du mit welchen Karten in das Spiel einsteigst.

Gehe hier zum Artikel: Wie spielst du vor dem Flop?