Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Betarten - Die Bluffbet

Einleitung

In diesem Artikel

  • Der Sinn von Bluffs
  • Wann eine Bluffbet sinnvoll ist
  • Position ist wichtig

Oftmals findest du dich in Situationen wieder, in denen du aufgrund deiner Handstärke kaum davon ausgehen kannst, den Pot durch einen Showdown zu gewinnen. Um eine Hand zu gewinnen, ist aber nicht unbedingt ein Showdown nötig. Mit einer Bluffbet hast du die Möglichkeit, eine Hand auch unimproved zu gewinnen.

Eine Bluffbet ist ein Wetteinsatz, der einzig und allein darauf abzielt, deinen Gegner zu einem Fold zu bewegen. Du gehst davon aus, dass dein Gegner eine bessere Hand hält, gegen die du aktuell hinten liegst, und auch die kommenden Streets können deine Hand kaum verbessern.

Diese bessere Hand deines Gegners willst du zum Aufgeben zwingen. Somit lebt eine Bluffbet von der Foldequity und ist immer in Abhängigkeit von der Spielweise deines Gegners zu sehen. Entscheidend ist natürlich, ob dein Gegner überhaupt in der Lage ist, eine bessere Hand als deine zu folden.

Parallelen zu anderen Betarten

Eine Bluffbet lässt sich durch viele verschiedene Betarten ausdrücken. Zuerst solltest du natürlich die Continuationbet betrachten, die relativ häufig eine Bluffbet ist.

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is BU with 4 , 5
3 folds, Hero raises $1.00, 1 fold, BB calls $1.00

Flop: ($2.10) A, J, 6 (2 players)
BB checks, Hero bets $1.50, BB folds

Eine Continuationbet definiert sich hauptsächlich als eine Bet am Flop, nachdem man preflop der letzte Aggressor war, also als letzter Spieler gebettet oder geraist hat.

In diesem Beispiel hat Hero nun den Flop komplett verfehlt und bettet einzig und alleine der Foldequity wegen, denn er kann kaum davon ausgehen, auf einer späteren Street eine Hand mit Showdownvalue zu bekommen.

Ebenso sind Positionbets mit Bluffbets vergleichbar, da auch diese nur von der Foldequity leben und du dabei deine Position ausnutzt. Ein verwandter der Bluffbets sind die Semibluffbets, die jedoch einen anderen Hintergedanken verfolgen, da sie eben doch auf späteren Streets zu einer womöglich sogar sehr starken Hand heranreifen können. Auf diese Art der Bet wird in einem seperaten Artikel eingegangen.

Bluffbets stehen dafür selbstverständlich im krassen Gegensatz zu Value- und Protectionbets. Während du mit Valuebets Geld von einer schwächeren Hand bekommen willst, hast du mit Bluffbets das Ziel, eine bessere Hand zu einem Fold zu zwingen.

Warum überhaupt bluffen?

Zunächst solltest du dich natürlich mit der Frage beschäftigen, warum du überhaupt betten solltest, wenn du eigentlich gar nichts hast. Das heißt, dein Gegner muss seine Hand aufgeben können. Da du aber nie weißt, welche Hand er hält und auch meistens nur grob abschätzen kannst, ob er überhaupt in der Lage ist von dieser Hand loszulassen, könntest du dir auch überlegen, auf solche Bets einfach zu verzichten.

Am liebsten bettest du natürlich, wenn du eine Hand mit Showdownvalue vorweisen kannst. Noch besser sind sehr starke made Hands, also Monsterhände wie Sets, Straights oder Flushs, mit denen du möglichst gerne und schnell All-in gehst. Warum bettest du mit denen nicht einfach durch und gibst deine sehr schwachen Hände auf?

Die Problematik liegt im Kreislauf des Spiels eines TAGs. Du spielst preflop recht aggressiv, um deine Hände zu balancen und auf Deception zu achten. Da du mit starken Händen sehr gut ausbezahlt werden willst, spielst du deine schwächeren Hände wie z.B. drawing Hands genauso. Somit ist es recht häufig der Fall, dass du beispielsweise mit einem Pocketpair, einem suited Connector oder einem suited Ace als Preflopaggressor am Flop stehst und nichts getroffen hast.

Dies ist leider recht häufig der Fall. Du weißt z.B., dass ein kleines Pocketpair nur in einem von ca. 7,5 Fällen am Flop zu einem Set improved. Du stehst also recht häufig nur mit einem middle Pair oder gar einem Underpair am Flop und kannst kaum davon ausgehen, vorne zu liegen.

Das gleiche gilt natürlich auch für die suited Connectors und andere drawing Hands, wobei du damit natürlich auch einen Draw treffen kannst (womit du eher eine Semibluff-Situation hättest).

Am Flop stehst du also vor einigen Problemen:

  • Du hast nichts getroffen und wirst deine Hand bis zum River kaum verbessern können.
  • Solltest du jedes Mal check/folden, sofern du nichts getroffen hast, gibst du viel zu viele Hände auf und verlierst dadurch Geld.
  • Du wirst lesbar, wenn du jedes Mal check/foldest. Deine Gegner werden versuchen, dich immer öfter aus dem Pot betten.
  • Solltest du anfangen mit starken Händen zu betten, so werden das deine Gegner mitbekommen. Du wirst für deine Hits nicht mehr ausbezahlt.

Dir dürfte nun klar sein, dass du recht häufig am Flop eine Bet setzen musst, da du den Pot direkt gewinnen willst, obwohl du nichts getroffen hast. Sollte dein Gegner folden, so hast du einen Erfolg zu verbuchen. Sollte dein Gegner raisen, musst du einen Bluff natürlich aufgeben. Was passiert aber, wenn dein Gegner am Flop callt?

Du stehst dann am Turn, hast weiterhin eine unfertige Hand, die sich nicht verbessern kann und einen anständigen Pot. Du kannst nun den Turn aufgeben, oder aber ein zweites Mal bluffbetten.

Wichtig ist für dich, zu hinterfragen, mit welchen Händen dein Gegner am Flop callt. Er ist im Pot geblieben, hat aber zum zweiten Mal (nach seinem Call preflop, ansonsten wäre er ja der PFA) keine Aggression gezeigt. Die Frage, die du dir nun stellen musst: Bekommst du deinen Gegner durch eine 2nd-Barrel zum Folden?

Überleg dir, warum Villain am Flop callt?

  • Villain hat einen Draw und hofft auf einen Hit am Turn.
  • Villain hat eine starke made Hand und betreibt Slowplay.
  • Villain hat eine mittelstarke Hand und spielt way ahead / way behind, das bedeutet er wird deine Bets callen, aber nicht selber betten.
  • Villain hat eine sehr schwache made Hand, wie ein kleines Pocketpair, welche nun ein middle Pair ist. Er callt am Flop einmal in der Hoffnung, günstig zum Showdown zu kommen.
  • Villain hat gar nichts und will gegen dich floaten. Das bedeutet, er callt deine Flopbet, um bei einem Check deinerseits durch eine kleine Turnbet den Pot klauen zu können.

Betrachtest du diese fünf Punkte, so stellst du fest, dass Villain bei den Punkten 4.) und 5.) am Turn einen Fold finden müsste. Seine schwache made Hand kann er kaum zum Showdown tragen wollen, vor allem unter dem Aspekt, dass er häufig noch mit einer großen Riverbet von dir rechnen muss. Sollte er vorhaben zu floaten, machst du ihm dieses Vorhaben durch eine Turnbet unmöglich. Villain müsste nun schon bluffraisen, und das ist recht selten der Fall.

Problematisch wird es bei Punkt eins. Auch wenn du Villain inkorrekte Odds gibst, um mit einem eventuellen Draw zu callen, heißt das selbstverständlich nicht, dass er auch tatsächlich foldet. Sollte Villain eine starke made Hand halten oder way ahead / way behind spielen, wird er selbstverständlich ebenso niemals folden.

Dementsprechend musst du dir darüber im Klaren sein, welche Hände du mit einer Bluffbet am Turn zum Folden bringen kannst. Kannst du deinen Gegner diesbezüglich einschätzen, beispielsweise durch eine HUD-Anzeige mit Werten wie „Fold-to-Continuationbet“, „Fold-to-Flopbet“ und „Fold-to-Turnbet“, so kannst du dir am Flop schon überlegen, ob es denn Sinn macht, eine Bluffbet am Flop anzubringen, wenn du weißt, dass Villain dort sowieso nahezu jedes Mal callen wird. Sollte er am Turn jedoch häufiger Hände aufgeben, da ihm der Pot nun doch zu groß geworden ist, ist es natürlich kontraproduktiv hier zu check/folden.

Du siehst, es wird langsam etwas komplexer. Daher schau dir zunächst zwei Beispiele an, in denen es nur darum geht, wie deine Bluffbet aussieht und ob sie angebracht ist.

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is BU with 7 , 8
3 folds, Hero raises $1.00, 1 fold, BB raises to $2.00, Hero calls $2.00

Flop: ($4.10) A, K, 5 (2 players)
BB checks, Hero checks

Turn: ($4.10) K (2 players)
BB checks, Hero bets $3.00 , BB folds

Preflop bekommt Hero hervorragende Odds, um mit seinem suited Connector in Position zu callen. Der Check von Villain am Flop ist verdächtig. Entweder er gibt auf, er will dich trappen oder er will mit einer mittelmäßigen Hand way ahead / way behind spielen, also check/callen. Du hast hier die Möglichkeit, eine Bluffbet anzubringen die nur dazu dient, deinen Gegner zu einem Fold zu bewegen.

Hero ist aber der Meinung, dass Villain hier zu häufig callen wird, also verzichtet er darauf. Am Turn jedoch kommt ein weiteres Zeichen der Schwäche von Villain, da er erneut checkt. Nun bettet Hero, da dies seine einzige Chance ist, den Pot zu gewinnen. Mit 8 high liegt er hier nahezu niemals vorne. Selbst wenn du eine schwache Hand, wie beispielsweise QJ, zum Folden bringen kannst, ist das ein Erfolg für dich. Ebenso kannst du vielleicht einige kleine Pocketpairs aus der Hand drängen.

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is SB with Q , T
2 folds, CO calls $0.25, 1 fold, Hero calls $0.25, BB checks

Flop: ($0.75) 3, 3, 3 (3 players)
Hero bets $0.75 , BB calls $0.75, 1 fold

Turn: ($2.25) A (2 players)
Hero bets $1.50 , BB folds

Preflop entscheidet sich Hero nur zu completen und bettet den Flop mit Q high an. Es kann durchaus sein, dass er hier noch vorne liegt und den Pot direkt gewinnt. Wahrscheinlicher ist aber, dass er durch seine Bet Hände wie Kx oder Ax zum Folden bekommt.

Nach dem Call sieht die Sache etwas anders aus, aber der Turn ist die perfekte Scarecard. Entweder hält Villain ein Ass, dann wirst du es mitbekommen, oder er hält eine schwächere Hand, die er nun folden muss. Selbst ein kleines Pocketpair – welches immerhin ein Full House wäre – müsste hier in den meistens Fällen einen Fold finden.

Hero bettet und Villain foldet.

Nun fragst du dich: Ist so etwas denn nötig? Die Alternative wäre: Hero bettet nicht am Flop.

Im folgenden Beispiel bettet er zwar den Flop, gibt aber den Turn auf.

Am Ende der Hand kommt heraus, CO hält A 4 und der Big Blind hält 5 5 .

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is SB with Q , T
2 folds, CO calls $0.25, 1 fold, Hero calls $0.25, BB checks

Flop: ($0.75) 3, 3, 3 (3 players)
Hero checks, BB bets $0.75 , 2 folds

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25)
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)

Preflop: Hero is SB with Q , T
2 folds, CO calls $0.25, 1 fold, Hero calls $0.25, BB checks

Flop: ($0.75) 3, 3, 3 (3 players)
Hero bets $0.75 , BB calls $0.75, 1 fold

Turn: ($2.25) A (2 players)
Hero checks, BB bets $1.50 , Hero folds

Wie du siehst, verliert Hero jedes Mal den Pot. Und das ist natürlich logisch. Abgesehen davon, dass er mit Q high gegen zwei Spieler selten vorne liegt, kann natürlich niemand einen Fold finden, wenn Hero nicht bettet.

Diese beiden Beispiele sollen zwei Sachen verdeutlichen:

  • Auch in unraised Pots sind Bluffbets durchaus erfolgsversprechend. In diesem Beispiel gelingt es Hero, zwei bessere Hände zu einem Fold zu bewegen. Dieser Pot mag zwar marginal aussehen, dennoch solltest du dir überlegen, wie häufig du dich in genau solchen Situationen befindet.
  • Entscheidend ist hier, dass Hero am Flop eine Entscheidung trifft: „Ich bette den Flop und gebe bei Widerstand auf. Habe ich am Turn nur noch einen Gegner (und somit eine deutlich höhere Foldequity), bet/folde ich auch hier.“

Sollte Hero hier den Turn check/folden, so hätte er sich gleich die Flopbet sparen können.

Wie oft muss eine Bluffbet funktionieren?

Bei Betrachtung der Odds stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie häufig eine Bluffbet erfolgreich sein muss.

Hero bettet am Flop 1.50$, um 2.10$ zu gewinnen.

Sollte Hero Potsize (2.10$) betten, so braucht er genau 50% Foldequity, dass heißt in 50% aller Fälle muss der Gegner folden (foldet er, gewinnst du 2.10$, foldet er nicht und du gibst daraufhin auf, verlierst du 2.10$).

Hier bettet Hero jedoch kleiner als Potsize, was bedeutet, der Bluff muss wesentlich seltener gelingen. In diesem Fall 1.50$/(2.10$+1.50$) = 40,5%.

Bettest du also halben Pot, muss es nur jedes dritte Mal funktionieren (1.05$/3.15$ = 33,3%).

Wichtig bei diesen Betrachtungen ist jedoch immer, dass die Foldequity mit einer kleineren Betsize natürlich ebenfalls sinkt. Deswegen sind auch hier Bets im groben Umfang von 2/3-Potsize meistens angebracht.

Die Position

Bluffbets eignen sich natürlich hervorragend in Position, da du über den Gegner und seine Hand bereits Informationen sammeln konntest. In Beispiel 3 agiert Hero out of Position, was die Sache natürlich erschwert. Wäre er hier in Position, würde der Bluff wesentlich leichter fallen (=>Positionbet).

Dennoch eigenen sich Bluffbets auch out of Position, da dir häufig keine andere Wahl bleibt, wenn du nicht jedes Mal den Pot aufgeben willst. Auch aus dieser Problematik heraus wird klar, warum es grundsätzlich immer erstrebenswert ist, in Position agieren zu können.

Zusammenfassung

Du hast gesehen, warum du bluffen solltest und wie du Bluffbets ansetzt. Dein Ziel ist es, eine stärkere Hand zum Folden zu bekommen. Zudem kannst du damit deine starken Hände balancen und musst nicht jeden Pot unimproved aufgeben.

Die Position spielt dabei wie immer eine entscheidende Rolle sowie natürlich der Gegner, bei dem du deine Foldequity meist nur grob abschätzen kannst.