Wie spielst du Draws?
Einleitung
In diesem Artikel
- Passiv oder aggressiv?
- Foldequity oder implied Odds?
- In Position oder out of Position?
Die Besonderheit beim Hold'em Poker liegt darin, dass du zu Beginn des Spiels nur zwei Karten ausgehändigt bekommst. Am Flop ändert sich in den meisten Fällen die Stärke deiner Hand gravierend.
Oft hast du den Flop nicht so getroffen, wie du es dir erhofft hattest und bist im Besitz einer unfertigen Hand. Dies bezeichnet man als drawing Hand oder Draw, die sich auf den verbleibenden beiden Streets noch zu einer gewinnträchtigen Hand entwickeln muss. Die Besonderheiten dieser Hände lernst du in diesem Artikel näher kennen.
Welche Arten von Draws gibt es?
Ein Draw ist dadurch gekennzeichnet, dass dir noch einige Outs zur Verfügung stehen. Grundsätzlich können wir folgende Arten unterscheiden:
- Overcards
- Flushdraws
- Straightdraws
- Combodraws
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with A
UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) J


UTG checks,
Hero bets $2.25, UTG ...
Overcards sind häufig vorkommende drawing Hands. Preflop stehst du mit AK noch hervorragend da. Triffst du am Flop jedoch kein Toppair, stehst du nur mit Ace high da. Deine starke Hand wird somit zu einem Draw und um einen möglichen Showdown zu gewinnen, musst du bis zum River eines deiner Outs treffen.
- Anzahl der Outs: 6 Outs (dreimal Ace, dreimal King)
- Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 7:1
- Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 3:1
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 8
3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00
Flop: ($2.10) A


BB checks, Hero bets $1.50, BB ...
Ein Flushdraw bietet dir in der Regel 9 Outs. 13 Karten einer Farbe sind im Spiel vorhanden, 4 Karten davon siehst du bereits.
- Anzahl der Outs: 9 Outs (9 Karten deiner Farbe)
- Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 4:1
- Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 2:1
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 8
3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00
Flop: ($2.10) K


BB checks, Hero bets $1.50, BB ...
In diesem Beispiel siehst du einen open-ended Straightdraw (OESD). Dieser bietet dir 8 Outs, da er von beiden Seiten vervollständigt werden kann. Sein „kleiner Bruder“ ist der Gutshot-Straightdraw, dem eine Karte in der Mitte fehlt, um zu einer Straight heranzureifen. Dieser hat demnach logischerweise nur 4 Outs.
- Anzahl der Outs: 8 Outs für OESD, 4 Outs für Gutshot
- Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 5:1 für OESD, 11:1 für Gutshot
- Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 2:1 für OESD, 5:1 für Gutshot
In den obigen Beispielen hast du die eindeutigen Möglichkeiten von Draws gesehen, die jeweils nur einzeln auftraten. Selbstverständlich kommst du häufig in Situationen, wo diese Draws kombiniert vorkommen. Diese werden als Combodraws bezeichnet, sie können also Outs aus den verschiedensten Kategorien nutzen.
Wichtig ist, dass du sofort erkennst, wie viele mögliche Outs du hast. Denn diese sind für deine Equity entscheidend und somit auch für deine Spielweise. Im späteren Verlauf dieses Artikels erfährst du wann und wie du Outs discounten musst, das heißt, wann du sie dir nicht als vollwertige Outs anrechnen darfst. Diesen Punkt vorläufig ignorierend, folgt eine einfache Analyse deiner Outs:
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with A
UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) J


UTG checks, Hero bets $2.25, UTG ...
Wieder hältst du AK und raist preflop. Und auch diesmal triffst du den Flop nicht direkt, mehr als Ace high kannst du hier nicht vorweisen. In diesem Beispiel hast du jedoch einige zusätzliche Outs mehr.
Natürlich bleiben dir deine 6 Overcard-Outs erhalten. Zusätzlich hast du jedoch einen Gutshotdraw, das heißt, jede Queen gibt dir die Nutstraight. Dafür kannst du dir 4 weitere Outs anrechnen.
Dadurch, dass zwei 

- Anzahl der Outs: 11 Outs
- Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 3,5:1
- Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 1,5:1
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 8
3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00
Flop: ($2.10) A


BB checks, Hero bets $1.50, BB ...
Eine ähnliche Hand wie im Beispiel zu den Flushdraws, jedoch zeigt sich als dritte Karte diesmal die 9


- Anzahl der Outs: 12 Outs
- Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 3:1
- Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 1:1
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 8
3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00
Flop: ($2.10) 8


BB checks, Hero bets $1.50, BB ...
Im Vergleich zum OESD-Beispiel hat sich auch hier das Board etwas verändert. Die 8
- Anzahl der Outs: 13 Outs
- Wahrscheinlichkeit am Turn zu treffen: 2,5:1
- Wahrscheinlichkeit bis zum River zu treffen: 1:1
In diesem Beispiel lohnt sich ein zweiter Blick auf deine Outs, da einige möglicherweise nicht sauber sind.
Nachgedacht: Erscheint am Turn eine 7, so hast du natürlich Twopair vorzuweisen, aber was wird das wohl wert sein? Du liegst gegen jede 4 und jede 9 hinten. Entweder, dein Gegner hält die Straight, oder er wird selber so viel Angst vor dem Board haben, dass er dich mit keiner schlechteren Hand ausbezahlt.
Wie discountest du deine Outs?
Mögliche Outs zu discounten ist keine einfache Angelegenheit. Grundsätzlich gibt es zwei Fragestellungen, die du berücksichtigen musst:
- Gibt mir das Out wirklich die beste Hand? Oder bin ich drawing dead und halte selbst bei einem Treffer nur die zweitbeste Hand?
- Ist es möglich, dass mir das Out zwar eine erhoffte Karte beschert, aber eben diese Karte meinem Gegner eine noch stärkere Hand offeriert?
Genaues Discounten findet vor allem im FL-Bereich Anwendung, wo man aufgrund der festgesetzten Betgrößen durch das genauere Discounten der Outs auch mathematisch korrektere Entscheidungen treffen kann.
Im No-Limit lebst du von variablen Betgrößen und natürlich den implied Odds. Was heißt das konkret? Wenn du einen Call tätigst, da du dir eventuell ein paar Outs zu viel gegeben hast und somit einen mathematischen Fehler begangen hast, ist dies nicht sonderlich schlimm, da dieser häufig automatisch durch die implied Odds wieder aufgefangen wird. Auf der nächsten Street kannst du die Situation neu beurteilen und deinen möglicherweise vorher begangenen Fehler wieder ausbügeln.
Viel verheerender jedoch ist das Problem, nur zur 2nd Nuts zu drawen, beziehungsweise drawing dead zu sein. Ein Call am Flop ist häufig nicht sonderlich teuer, eine falsche Einschätzung der tatsächlichen Stärke deines Draws kann dich aber letztlich den ganzen Stack kosten.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with A
UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 1 fold, BB calls $1.25, UTG calls $1.25
Flop: ($3.85) 6


BB bets $1.50, UTG calls $1.50, Hero ...
Preflop bekommst du mit AK zwei Caller. Den Flop verfehlst du total. Nachdem der Big Blind reindonkt, gibt es einen Coldcall von dem Spieler, der aus früher Position limp/call gespielt hat.
Schaust du dir deine Outs an, so bleibt da nicht viel übrig. Würdest du dir volle 6 Outs geben, so bräuchtest du Odds von 7 zu 1. Am Flop bekommst du knapp 4,5 zu 1 angeboten, du müsstest hier also schon implied Odds berücksichtigen (die es mit Sicherheit in diesem Beispiel nicht gibt).
Nun könntest du anfangen zu discounten. Zwei 
Gibst du dir demzufolge nur 4 Outs, würde rein odds-technisch ein Call natürlich in noch weitere Ferne rücken. Das Hauptproblem liegt aber nicht darin, mögliche Outs zu discounten, sondern die Antwort auf folgende Frage zu finden: Treffe ich am Turn ein Ace oder einen King, welchen Wert vermittelt diese Karte? Verfolgen wir die Hand nach einem Hero-Call weiter mit dem Turn:
Turn: ($8.35) A
BB bets $5.00, UTG calls $5.00, Hero ...
Du hast am Flop zu inkorrekten Odds gecallt und nun am Turn ein vermeintlich sauberes Out getroffen. Aber ist das wirklich eine so gute Nachricht? Es folgt eine 2nd Barrel, ein weiterer Coldcall und du musst in dieser Situation quasi broke, sprich All-In gehen. Wenn du schon am Flop callst, kannst du bei einem solchen Treffer natürlich nicht folden. Jedoch müsstest du deine Hand protecten. Theoretisch sind viele Draws denkbar.
Die Wahrscheinlichkeit, dass du hier aber schon längst gegen ein Set, eine Straight oder Twopair zurückliegst, ich sicherlich groß. Das hätte dir am Flop schon klar sein müssen. Schon zu dem Zeitpunkt hätte dir bewußt sein müssen, dass ein Toppair keinen größeren Wert auf diesem Board gegen zwei Gegner besitzt.
Discounted Outs hin oder her ... ein klarer Fold am Flop wäre die bessere Wahl gewesen. Statt möglicher implied Odds hast du letztlich reverse implied Odds zu erwarten, denn der marginale Flop-Call kann dich letztlich sehr teuer zu stehen kommen.
Und genau dass ist der entscheidende Punkt: Welche Outs helfen dir, die tatsächlich beste Hand zu bekommen? Um das herauszufinden, musst du natürlich den Gegner auf eine Hand oder zumindest eine Range setzen. Unter diesen Annahmen gilt es, eine geeignete Spielweise zu wählen.
Wie spielst du den Draw?
Wie immer ist es wichtig, einen Plan zu haben. Du musst wissen, wie du
eine Hand spielen willst. Danach solltest du dir deine Preflop-Starthände aussuchen. Gabelst du einen Draw am Flop auf, so kann dies gewollt oder ungewollt passieren.
Unabsichtlich ist z.B. ein Draw mit Overcards. Dein Ziel war es
sicherlich, mit einem Toppair am Flop Value zu extrahieren oder ohne
Hit einfach zu contibetten und auf deine Foldequity zu bauen.
Spielst du jedoch eine Hand wie 8

so erwartest du am Flop einen Draw, denn etwas besseres wirst du recht
selten floppen. Dem entsprechend musst du auch wissen, wie du mit einer
solchen Hand umzugehen hast und wie du sie spielen solltest.
Zur Auswahl stehen dir zwei Spielweisen: Aggressiv und passiv. Passiv bedeutet Callen nach Odds and Outs, natürlich immer unter der Berücksichtigung möglicher zu erwartender implied Odds.
Aggressiv bedeutet, dass du durch Setzen versuchst, deinen Gegner zum Weglegen seiner Karten zu bringen. Dieses ist ein Semibluff, der zwar auf die Foldequity baut, zusätzlich aber noch Outs, die zur Verbesserung deiner Hand beisteuern können, in der Hinterhand hält.
Beide Spielweisen haben natürlich Vor- und Nachteile, die du unter den jeweiligen gegebenen Randbedingungen berücksichtigen musst. Fakt ist, dass du beide Möglichkeiten in Betracht ziehen und in ähnlich wirkenden Situationen alternierend agieren solltest, um undurchschaubar zu bleiben.
Du kannst deine Draws nicht immer passiv oder immer aggressiv spielen. Du wirst in einigen Beispielen das passive Spiel gezeigt bekommen. Das aggressive Spiel ist letztlich, wie erwähnt, der Semibluff.
Welche Faktoren sind ausschlagebend dafür, dass man einen Draw passiv oder aggressiv spielt? Es ist klar, dass du beim passiven Spiel hauptsächlich darauf baust, auf einer der folgenden Streets deine Hand entscheidend zu verbessern.
Hast du zu korrekten Odds gecallt, so reicht ein Hit aus, um den Zug +EV zu gestalten. Callst du zu inkorrekten Odds, so musst du dir auf den folgenden Streets noch weiteren Value versprechen. Spielst du aggressiv, so hast du zwei Möglichkeiten zu gewinnen: Entweder dein Gegner foldet direkt oder er callt und du triffst auf einer späteren Street deinen Draw. Es ist wichtig sich mit den relevanten Faktoren auseinanderzusetzen:
- Wie stark ist dein Draw?
- Wie sieht das Board aus?
- Bist du in oder out of Position
- Ist der Pot multiway oder Heads-up?
- Wer sind deine Gegner?
- Spielst du auf Foldequity oder implied Odds?
- Ist der Pot raised?
- Deception
Natürlich ist in erster Linie entscheidend, was für einen Draw du hältst. Du hast bereits weiter oben einige Beispiele für mögliche Draws gesehen. Du musst abschätzen, wie viele Outs dir zur Verfügung stehen und wie viele davon dir auch tatsächlich die beste Hand bescheren.
Je stärker dein Draw, desto eher kannst du ihn aggressiv spielen. Deine Equity steigt entsprechend und so kann es durchaus sein, dass du selbst mit einem Draw am Flop die beste Hand hältst. Ab 13/14 Outs kommst du schon in eine Coinflip-Situation, wo es aufgrund des bereits vorhandenen Pots sowie deiner erzeugten Foldequity (durch dein aggressives Spiel) +EV wird, einen Draw am Flop möglichst All-In zu bringen.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with A
UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) J


Diese Hand liefert dir theoretisch 18 Outs: 9 Outs für den 
Je weniger Outs du hast, desto geringer ist natürlich auch deine Equity. Hier könnte man jedoch wieder unterscheiden: Hast du 8-9 recht saubere Outs, kann man sich unter Umständen für einen passiven Weg entscheiden. Hast du deutlich weniger Outs, womit sich ein Call letztlich nicht lohnt, könnte man auch wieder zur aggressiven Spielweise greifen. Es wäre letztlich eine Art pure Bluff, der einem noch ein paar mögliche Outs in der Hinterhand lässt. Dieses Szenario wird aber kein weiterer Gegenstand dieses Artikels werden!
Das Board ist natürlich in vielerlei Hinsicht entscheidend. Zuerst muss es dir erstmal einen möglichen Draw geben. Danach musst du entscheiden, ob dein Draw clean ist und du dir alle Outs geben kannst. Zudem bleibt die Frage, wie offensichtlich dein Draw ist und ob du damit auf späteren Streets noch Value extrahieren kannst.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with 5
UTG calls $0.25, 2 folds, Button calls $0.25, SB calls $0.25, Hero checks.
Flop: ($2.85) 4


In diesem Beispiel hältst du beispielsweise einen open-ended Straightdraw. Jedoch liegen bereits zwei 


Im unraised Pot sind hier viele Hände möglich. Hält beispielswiese einer der Spieler den Flushdraw und ein anderer 43o, so bleiben dir gerade mal drei Outs (8


$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks MP ($25) CO ($25) UTG ($25) BB ($25) SB ($25) Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with Q
UTG calls $0.25, 2 folds, Button calls $0.25, SB calls $0.25, Hero checks.
Flop: ($2.85) 6


Du hältst den 3rd Nutflushdraw. Aber was machst du bei einem Hit am Turn? Welche schlechtere Hand soll dich ausbezahlen? Entweder du zahlst hier einen höheren Flush aus oder bringst alle schlechteren Hände zum Folden. Es wird lange dauern, hier jemanden zu finden, der dich mit einem J

Die Position ist ohne jeden Zweifel immer als eines der wichtigsten Kriterien heranzuziehen, wenn es um die Beurteilung einer Hand geht. Insbesondere beim Spielen von Draws ist dieser Punkt von enormer Bedeutung.
Out of Position hast du einige Nachteile. Du weißt in den meisten Fällen nicht, wo du stehst, da keine Informationen über die eventuelle Stärke der Hand deines Gegners hast.
Deine Optionen sind klar: Möchtest du aggressiv spielen, musst du betten. Möchtest du passiv spielen, solltest du checken. Wenn du selber bettest, hast du natürlich den Vorteil der Foldequity auf deiner Seite.
Die Odds sind in den meisten Fälllen nachteilig und du musst deine Hand häufig aufgeben, außer dein Draw ist stark genug, um von Anfang an die Line bet/3-bet/broke spielen zu können.
Die implied Odds, die du wohl recht häufig benötigen wirst, sind schwer abzuschätzen. Was bedeutet das Raise? Bluff? Starke made Hand? Wenn du out of Position das Raise nur callst, weißt du dennoch nicht, wie ein vernünftiges Turn-Play aussehen soll.
Sollte dein Gegner callen, kommst du selten um eine 2nd Barrel herum, da du jetzt den Turn nicht einfach check/call spielen kannst. Callt dein Gegner auch am Turn, bleibt dir am River selten eine Alternative zu check/fold.
Ein 3-Barrel-Bluff sollte nur mit Bedacht angewandt werden. Vorteil: Solltest du am Turn oder am River hitten, kannst du weiterhin geradeaus for Value setzen. Das ist einer der großen Vorteile des aggressiven Spiels.
Die Spielbarkeit ist out of Position grundsätzlich bescheiden. Angenommen du spielst am Flop check/call und triffst am Turn. Was machst du? Natürlich wäre ein Checkraise eine schöne Option, aber wer garantiert, dass dein Gegner bettet? Du müsstest deine Hand eventuell schützen, aber damit legst du offen was du hältst.
Angenommen du spielst am Flop check/call und dein Draw kommt nicht an. Wie spielst du am Turn? Mehr als ein Check bleibt dir selten übrig. Bettet dein Gegner, kannst du eine anständige Bet kaum callen, da dir dafür die nötigen Odds fehlen.
Am River müsstest du bei Hit donken, auch damit legst du deinen angekommenen Draw auf den Präsentierteller. Grundsätzlich kannst du dir bei einem passiven Spiel out of Position für den River kaum implied Odds anrechnen.
Dein Gegner muss zuerst eine Aktion ausführen. Dein Gegner weiß (meistens), dass er die restliche Hand den Nachteil der Position hat. Du hast jederzeit die Möglichkeit, dir eine Freecard zu nehmen (check behind Flop oder bet Flop for free Rivercard).
Solltest du mit deinem Draw am Turn oder River eine andere medium Hand aufgreifen (bspw. Middlepair), so kannst du dir den free Showdown nehmen (bet Turn for free Showdown). Solltest du treffen, kannst du in Position besser den Pot kontrollieren oder vor möglichen Redraws schützen.
Solltest du vorhaben, auch mal einen 3-Barrel-Bluff durchzuziehen, lohnt sich dieses Vorhaben eher in Position, wenn dein Gegner auch am River Schwäche signalisiert hat. Der Vorteil der Position ist insbesondere beim Spiel mit Draws immens wichtig.
Gerade bei dem Spiel mit Draws spielt die Anzahl deiner Gegner eine bedeutende Rolle. Du hast grundsätzlich folgende Möglichkeiten der Spielweise:
- aggressiv: Du gibst dir ausreichend Foldequity.
- passiv: Du gibst dir ausreichend implied Odds.
Nun ist klar, dass sich diese beiden gedachten Kurven mit der Anzahl der Gegner überschneiden. Gegen einen Gegner im Heads-up hast du eine deutlich höhere Foldequity, kannst dir dafür geringere implied Odds geben.
Somit würde sich aggressives Spiel anbieten. Gegen mehrere Gegner verhält sich die Situation anders. Bist du beispielsweise 4-handed am Flop, müsstest du drei Gegner zum Folden bringen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist deutlich geringer, da mindestens einer der Gegner wohl getroffen haben wird, was ungern direkt am Flop aufgegeben wird.
Dafür steigen aber deine implied Odds, da du bei einem Hit am Turn eventuell von mehreren Gegnern ausbezahlt wirst. Somit würde sich passives Spiel anbieten.
Egal wie viele Gegner du vor dir hast, es ist immer ein Riesenvorteil, etwas über sie zu wissen. Ein paar relevante Werte und was du aus ihnen lesen kannst:
Went to Showdown:
Ist der Wert hoch, so wirst du wohl nicht genügend Foldequity besitzen, dir dafür aber auf späteren Streets wohl noch implied Odds anrechnen dürfen.
Aggression-Faktor:
Ein Spieler mit hohem AF wird häufig bluffen (wollen), jemand mit niedrigem AF eher nur gute Hände betten. Gegen niedrigen AF solltest du versuchen, Freecards zu nehmen, da dich dein Gegner selten rausbluffen wird.
Fold to Continuationbet / Flopbet / Turnbet
Diese Werte sind ausschlaggebend für deine Foldequity. Sollte dein Gegner häufig Contibets auf dem Flop callen, am Turn aber aufgeben, so sollte dir auch mit einem Draw klar sein, dass du in den meisten Fällen zweimal barreln musst.
VPIP/PFR
Die Werte sind entscheidend für die Ranges deiner Gegner. Haben sie möglichweise einen mittelmäßigen Treffer auf entsprechenden Board getroffen? Oder kannst du deinen Gegner auf eine starke Hand setzen, so dass du dementsprechend kaum Foldequity besitzt, dafür aber hohe implied Odds?
In raised Pots musst du einen Draw natürlich anders bewerten als in einem unraised Pot:
- Im raised Pot sind meistens stärkere Hände unterwegs.
- Der Pot ist größer, so dass weniger Spielraum bleibt.
- In raised Pots ist die Anzahl der Gegner häufig gering.
- Du musst häufig (semi-)bluffen, um den Pot zu gewinnen. In einem raised Pot kannst du öfter mit einem (starken) Draw broke gehen, vor allem wenn du der Preflop-Aggressor warst.
- Die (geringen) implied Odds sind häufiger leichter zu berechnen, da deinem Gegner bei aggressivem Spiel meist nur Fold oder All-In übrig bleibt.
- In raised Pots kannst du selten nach Odds callen.
In unraised Pots sieht es dagegen anders aus:
- Du hast es häufig mit mehreren Gegnern zu tun.
- Im unraised Pot solltest du selten mit einem Draw broke gehen, da auf den folgenden Streets noch genügend Spielraum bleibt, um Value zu extrahieren.
- Du hast vermehrt implied Odds, aber wenig Foldequity (zumindest am Flop).
Betrachtest du die bislang aufgeführten Punkte, so wird dir auffallen, dass es sich hauptsächlich um die Punkte Foldequity und implied Odds dreht. Diese Faktoren musst du grob abschätzen und bei deiner Entscheidung einbeziehen.
Die Deception ist wichtiger Bestandteil deines Gesamtspiels. Du möchtest nicht lesbar werden und es den Gegnern erschweren, dich auf entsprechende Hände zu setzen. Je undurchschaubarer du spielst, umso eher verleitest du deine Gegner zu Fehlern. Mit Deception hast du im Bereich des Drawplays zwei Möglichkeiten:
Deception: Draws versus made Hands
Es ist wichtig, nicht offensichtlich zu zeigen, dass du einen Draw hältst. Also versuchst du einen Draw ähnlich wie eine made Hand zu spielen. Das Balancing fällt auch nicht sonderlich schwer, da du beispielsweise als Preflop-Aggressor mit starken Händen for Value bettest, mit sehr schwachen Händen bluffst und mit Draws semibluffst.
Ebenso spielst du einige Hände – vor allem in Position – auf Potcontrol, quasi nach dem "way ahead / way behind"–Prinzip. Du callst also mal mit einem Middlepair, um zum Showdown zu kommen, mal mit Air, um auf einer späteren Street zu bluffen, und mal mit einem Draw.
Deception: Draws versus Draws
Wie soeben bereits erwähnt, ist es demnach auch wichtig, seine Draws zu balancen. Du spielst sie mal aggressiv, mal passiv. Es darf nicht dazu kommen, dass deine Gegner erkennen können, ob du eine made Hand oder einen Draw hältst.
Indem du auch deine Drawplays variierst, wirst du noch unlesbarer. Auch dies ist automatisch erledigt, da du keinen festen Plan für das Spiel deines Draws hast, sondern ihn nach obigen Punkten analysierst und daraufhin eine Entscheidung triffst.
Weitere Beispiele
Zur Vertiefung noch ein paar Beispiele, die sich weitesgehend darauf beziehen, dass der Draw passiv gespielt wird. Beispiele für das aggressive Spiel findest du im Artikel Der Semibluff.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25) (54/11/1.6/33/435) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is Button with 5
UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25.
Flop: ($2.85) 9


UTG checks, Hero bets $2.25, UTG calls $2.25.
Turn: ($7.35) K
UTG checks, Hero checks.
River: ($7.35) 7
UTG bets $5.00, Hero raises to $12.50, 1 fold.
Preflop entscheidest du dich in Position für eine Erhöhung mit einem suited Connector. Grundsätzlich ist das ok, jedoch muss dir bewußt sein, dass der recht loose Spieler sehr häufig callen wird.
Der Flop ist einigermaßen gut. Du hast zwar nichts getroffen, aber das Board eignet sich ideal für eine Continuationbet. Natürlich kann man hier argumentieren, dass dein Gegner häufig getroffen haben wird, aber wenn du solche Boards im Heads-up und in Position nicht contibetten willst, solltest du preflop nicht mit dieser Hand erhöhen.
Am Turn bekommst du einen guten Draw. Zwar hättest du bei einem Hit am River nur den 6-high-Flush, dafür jedoch einen Backdoordraw, den dir dein Gegner nur in den seltensten Fällen glauben wird.
Eine Möglichkeit wäre eine 2nd Barrel, jedoch schreckt dich sein hoher WTS-Wert ab. Bei seinem VPIP ist es nicht unwahrscheinlich, dass er etwas getroffen hat, was er weiterhin check/callen würde. Demnach entscheidest du dich für den passiven Weg.
Bei einem Hit am River kannst du davon ausgehen, dass dein Gegner dir noch etwas zukommen lässt. Deswegen checkst du am Turn behind und hoffst auf einen Hit. Nachdem du getroffen hast, musst du am River for Value raisen.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25) (54/11/1.6/33/435) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
SB ($25)
Button ($25) (13/11/2.7/21/850) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Preflop: Hero is BB with 3
UTG calls $0.25, 2 folds, Button raises to $1.25, 1 fold, Hero calls $1.25, UTG calls $1.25.
Flop: ($3.85) 2


Hero checks, UTG bets $3.00, Button calls $3.00, Hero folds.
Preflop ist der loose Spieler wieder mit von der Partie. Der tight-aggressive Button raist jedoch. Du möchtest weder 3-betten, noch folden, da der loose Spieler häufig im Pot bleiben wird. Du callst demnach auf Setvalue.
Den Flop triffst du nicht, aber gabelst einen OESD auf. Du checkst, woraufhin der passive Gegner bettet und der tight-aggressive Button callt. Du bekommst Odds von 3,2 zu 1 serviert. Du möchtest nicht aggressiv spielen, sonst hättest du am Flop schon donken können oder würdest jetzt ein Checkraise auspacken. Aber dir ist klar, dass die Foldequity hier gegen beide Spieler selten ausreicht.
Gibst du dir 8 Outs, so bräuchtest du Odds von 5 zu 1, wenn du darauf hoffst, am Turn zu treffen. Du müsstest dir also implied Odds geben. Letztlich entscheidest du dich aber für einen Fold aus folgenden Gründen:
- Du hast oft keine sauberen 8 Outs, sondern eher 6, da die Karten A
und 6
den Flush komplettieren würden.
- Du musst out of Position agieren. Solltest du also am Turn treffen, müsstest du eigentlich donken, um zum einen Value zu extrahieren und zum anderen deine Hand vor dem natürlich immer noch möglichen Flushdraw zu schützen.
- Triffst du am Turn, so ist deine Hand offensichtlich. Das Board wäre ziemlich connected und die anderen beiden Spieler würden wissen, dass jede 3 die Straight komplettiert.
- Du kannst demnach deine Implied Odds schwer abschätzen. Weder die Donk des loosen Spielers, noch der Call des tighten Spielers lassen eine Schlussfolgerung auf deren Hand zu.
Aufgrund dieser Annahmen entscheidest du dich dafür, deine Hand out of Positon aufzugeben.
$25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks
MP ($25)
CO ($25)
UTG ($25) (54/11/1.6/33/435) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
Hero ($25)
SB ($25) (20/1/0.5/29/321) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)
Preflop: Hero is BB with 4
UTG calls $0.25, 1 fold, CO calls $0.25, Button calls $0.25, SB calls $0.25, Hero checks.
Flop: ($1.25) 2


SB checks, Hero checks, UTG bets $0.50, CO calls $0.50, 1 fold, SB calls $0.50, Hero calls $0.50.
Turn: ($3.25) K
SB checks, Hero checks, UTG bets $2.00, CO calls $2.00, 1 fold, Hero calls $2.00.
River: ($9.25) A
SB checks, Hero bets $6.00, UTG calls $6.00, 1 fold.
Preflop gibt es für dich keinen Grund zu raisen. Am Flop triffst du einen open-ended Straightdraw und entscheidest dich für passives Spiel, da du gegen 4 Spieler praktisch keine Foldequity besizt. Die angeboten Odds von 5 zu 1 sind für dich auch out of Position tragbar, da diese in diesem Fall für einen sauberen 8-Outer benötigt werden.
Am Turn erfolgt kein Treffer. Leider stehst du im Sandwich zwischen dem Small Blind und dem Spieler aus UTG. Es gibt jetzt keinen Grund, aktiv zu werden. Nach deinem Check bettet UTG erneut, auch der Small Blind bleibt weiterhin im Pot. Solltest du callen oder folden?
Du bekommst Odds von 3,5 zu 1. Für deinen Draw benötigst du weiterhin 5 zu 1. Zwar macht der K
Die Vorteile eines Calls wären:
- Beide Spieler sind loose und gehen gerne zum Showdown. Die implied Odds könntest du dir geben.
- Auf diesem Board sind einige made Hands möglich, die am River eine Bet callen würden.
- Weder ein Ass, noch eine 6 lassen das Board am River so gefährlich erscheinen, dass man dich auf die Straight setzen muss.
Nachteile eines Calls:
- Du spielst weiterhin im Sandwich. Der bislang aggressive Spieler sitzt hinter dir, so dass du im Falle eines Treffers den River donken müsstest.
- Hittest du nicht und es wird durchgecheckt, hast du keinerlei Showdownvalue.
Solltest du hier den Turn folden, wäre dies kein großer Fehler. Du entscheidest dich aber für einen Call, triffst am River, donkst in den Pot und bekommst noch $6 heraus. Somit hast du deinen Turncall nicht nur gerechtfertigt, sondern auch noch etwas Plus erwirtschaftet.
Zusammenfassung
Beim Spiel eines Draws musst du einiges berücksichtigen. Du musst feststellen, über wie viele Outs du verfügst und ob ein ankommender Draw danach auch wirklich die beste Hand bildet. Zudem benötigst du einen Plan, wie du die Hand bei einem eventuellen Hit auf der folgenden Street weiterspielen wirst. Wichtigster Indikator dafür ist die Position.
Des Weiteren musst du dich bei der Spielweise für einen passiven oder aggressiven Weg entscheiden. Bist du der Meinung, genügend Foldequity zu besitzen, solltest du eher Richtung aggressives Spiel tendieren. Gibst du dir wenig Foldequity, dafür aber entsprechende implied Odds, solltest du eher einen passiven Weg bevorzugen.
Ein paar Beispiele und Denkansätze zum Thema passives Spiel hast du kennen gelernt. Für Beispiele des aggressiven Spiels sei auf den Artikel Der Semibluff verwiesen.
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