Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Einführung in die Shortstackstrategie

Schritt 4: Die erste Setzrunde – Vor dem Flop

Kommen wir zum wichtigsten Part. Du hast einen Tisch gefunden, dich mit 20 Big Blinds eingekauft und bist irgendwann im Spiel. Du erhältst zwei Karten und die Frage ist: Spielen oder nicht spielen?

Generell funktioniert die Shortstackstrategie so:

  • Wenn du ins Spiel einsteigst, dann erhöhst du. Du gehst niemals nur einen Einsatz mit.
  • Du spielst nur wenige, aber dafür starke Karten.

Für die perfekte Spielweise musst du zunächst ein Konzept verstanden haben: Position.

In welcher Position bist du?

Deine Position gibt an, wann du in einer Setzrunde an der Reihe bist. Sie richtet sich danach, wer gerade der Kartengeber (Dealer) ist. Je mehr Spieler zwischen dir und dem Kartengeber in der Setzrunde noch kommen (immer entgegen dem Uhrzeigersinn), desto früher bist du an der Reihe und desto früher ist auch deine Position.

Deine Position richtet sich danach, wer der Kartengeber (Dealer) ist. Je mehr Spieler zwischen dir und ihm noch kommen, desto früher ist deine Position, denn desto früher bist du in der Setzrunde an der Reihe.

Das ist wichtig zu wissen, weil sich nach deiner Position richtet, welche Karten du spielst. Je früher deine Position ist, desto stärker müssen deine Karten sein. Klar, denn desto mehr Spieler kommen ja noch, die evtl. ein besseres Blatt als du haben können.

Die vier Positionsgruppen an einem 10-Mann-Tisch

An einem Tisch mit 10 Spielern gibt es vier Positionsgruppen: 3 frühe, 3 mittlere, 2 späte Positionen und die 2 Blinds.

Kartengeber
2 späte Positionen
3 mittlere Positionen
3 frühe Positionen
2 Blind-Positionen
Fahre mit der Maus über eine Positionsgruppe, um sie anzuzeigen.

Der Kartengeber und der Spieler zu seiner Rechten sind die beiden späten Positionen.

Die drei Spieler, die entgegen dem Uhrzeigersinn von den späten Positionen sitzen, sind in mittlerer Position.

Die drei Spieler, die entgegen dem Uhrzeigersinn von den mittleren Positionen sitzen, sind in früher Position.

Die beiden Spieler, die den kleinen und den großen Blind-Einsatz bezahlt haben, nennt man die Blinds.

Was ist bei weniger als 10 Spielern?

Sind nur neun statt zehn Spieler am Tisch, gibt es
eine frühe Position weniger. Bei acht Spielern gibt es sogar nur noch
eine von ursprünglich drei frühen Positionen. Bei sieben Spielern gibt
es gar keine frühe Position mehr.

Je weniger Spieler am Tisch sind, desto mehr
Positionen fallen weg, erst die frühen, dann die mittleren, usw. Und
zur Erinnerung: Hast du weniger als 7 Gegner oder sind mehr als zwei
andere Shortstacks außer dir am Tisch, dann verlass ihn und such
dir ein neues Spiel.

Wie groß sind deine Einsätze?

Du hast gerade erfahren, dass du als Shortstackstratege niemals einen Einsatz mitgehst. Wenn du spielen willst, dann erhöhst du. Aber auf wie viel?

4 + 1 oder gleich alles

Die Größe deiner Erhöhung hängt davon ab, ob ein anderer Spieler vor dir schon erhöht hat oder ob hinter dir erhöht wird. Sobald ein Gegner erhöht, ist es einfach: Du setzt alles. Hat noch niemand erhöht, musst du ein bisschen rechnen.

Auf wie viel erhöhst du?
  • Hat noch niemand erhöht, erhöhst du auf 4 Big Blinds. Für jeden Spieler, der zwar nicht erhöht, aber vor dem Flop mitgegangen ist, legst du 1 Big Blind drauf.
  • Sobald Gegner vor dir oder auch nach dir erhöhen, setzt du all dein Geld - du gehst All-In.
Beispiele

Du spielst NL10 (0.05/0.10). Der Big Blind liegt bei $0.10.

  • Sind vor dir alle ausgestiegen, erhöhst du auf $0.40.
  • Ist vor dir ein Spieler eingestiegen, erhöhst du auf $0.50.
  • Sind vor dir drei Spieler eingestiegen, erhöhst du auf $0.70.

Es ist am Anfang vielleicht etwas mühselig, aber das hast du sehr im schnell im Blut. 4 Big Blinds Grunderhöhung + 1 Big Blind pro eingestiegenem Spieler. Sobald jemand erhöht, musst du nicht mehr rechnen, sondern setzt sofort all dein Geld, natürlich nur wenn deine Karten spielbar sind. Ob sie es sind, erfährst du gleich.

Fall 1: Vor dir hat noch niemand erhöht.

Hat noch niemand vor dir erhöht und du hast ein spielbares Blatt, erhöhst du auf 4 Big Blinds + 1 Blind Blind pro schon eingestiegenem Spieler. Doch welche Blätter sind spielbar?

Welche Karten spielst du?

Ob du deine Karten spielst oder aussteigst, hängt in dem Fall, dass vor dir noch niemand erhöht hat, davon ab, in welcher Position du dich am Tisch befindest. Wirf einen Blick auf die folgende Tabelle.

Du bist in... Du spielst...
Früher Position Alle Paare ab zwei Buben aufwärts
Ass König
Mittlerer Position Alle Paare ab zwei Neunen aufwärts
Ass König, Ass Dame
Später Position oder den Blinds Alle Paare ab zwei Siebenen aufwärts
Ass König, Ass Dame, Ass Bube, König Dame

Du siehst, in welcher Position du welche Karten spielst, wenn vor dir noch niemand erhöht hat.

  • Bist du in früher Position, spielst du Ass König und noch jedes Paar Buben, Damen, Könige und Asse.
  • Bist du mittlerer Position, spielst du zusätzlich noch Ass Dame und jedes Paar Neunen und Zehnen.
  • In später Position oder in einer der beiden Blindpositionen kommen noch Ass Bube, König Dame und jedes Paar Siebenen und Achten hinzu.

Jedes andere Blatt legst du weg, weil es generell zu schlecht oder zumindest in deiner aktuellen Position nicht gut genug ist.
Damit bewahrheitet sich, was du im Abschnitt zu den Positionen schon gelernt hast: Je später du an der Reihe bist, desto schlechter können deine Karten sein.

Diese Kartenübersicht musst du übrigens nicht auswendig lernen. Schreib sie
dir auf oder lade dir gleich die Komplettübersicht als Druckversion herunter. Dann hast
du sie beim Spielen immer zur Hand.

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Beispiele

Beispiel 1: Du bist in früher Position und hast zwei Damen. Damit erhöhst du, sofern noch niemand erhöht hat, denn die Übersicht sagt, dass du hier alle Paare ab einem Paar Buben spielst.

Beispiel 2: Du bist in früher Position und hast zwei Zehnen. Damit steigst du aus, denn du steigst in früher Position erst ab einem Paar Buben ins Spiel ein.

Beispiel 3: Du bist in später Position und hast zwei Zehnen. Damit erhöhst du, sofern noch niemand erhöht hat. In später Position würdest du mit jedem Paar ab einem Paar Siebenen erhöhen.

Beispiel 4: Du bist in mittlerer Position und hast Ass König. Vor dir hat ein Spieler erhöht. Damit weißt du, dass die Übersicht oben nicht mehr für dich zuständig ist. Darin findest du nur die Blätter, die du spielst, wenn noch niemand erhöht hat. Wie du in diesem Fall weiterspielst, erfährst du im nächsten Kapitel.

Fall 2: Vor oder hinter dir wird erhöht.

Die Situation ändert sich, sobald einer oder mehrere Gegner Stärke zeigen, indem sie...

  • ... vor dir erhöhen.
  • ... erhöhen, nachdem du zuvor ins Spiel eingestiegen bist.

Viele Karten wirst du dann einfach weglegen. Mit allen spielbaren Karten gibt es nur eine Antwort: All-In, du setzt also all dein Geld.

Welche Karten spielst du?

Wenn ein Gegner vor oder nach dir erhöht, gibt es nur wenige Blätter, mit denen du weiterspielen kannst. In der folgenden Tabelle siehst du alle Blätter, mit denen du dann All-In gehst.

Hat ein Gegner erhöht? Du setzt alles (All-In) mit...
Vor dir hat genau ein Spieler erhöht. Alle Paare ab zwei Buben aufwärts
Ass König
Vor dir gab es mehr als eine Erhöhung. Alle Paare ab zwei Königen aufwärts
Hinter dir wird erhöht. Alle Paare ab zwei Zehnen aufwärts
Ass König

Du siehst, dass du bei einer Erhöhung vor dir immerhin noch Ass König und jedes Paar Buben, Damen, Könige und Asse weiterspielen kannst. Bei mehr als einer Erhöhung vor dir sind es nur noch ein Paar Könige oder Asse.

Bist du schon ins Spiel eingestiegen und hinter dir wird erhöht, dann gehst du mit Ass König und jedem Paar Zehnen, Buben, Damen, Könige und Asse direkt All-In. Hast du keines dieser Blätter, steig aus.

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Beispiele

Beispiel 1: Du hast in früher Position mit zwei Damen erhöht.
Nach dir erhöht ein Spieler erneut. Du gehst jetzt All-In. Die
Übersicht sagt nämlich, dass du jetzt mit jedem Paar ab einem Paar Zehnen
All-In gehst, also all dein Geld setzt.

Beispiel 2: Du bist in später Position mit Ass Dame. Vor dir hat
ein Spieler erhöht. In diesem Fall steigst du aus, denn die Übersicht
zeigt, dass du auch bei nur einer Erhöhung vor dir nur noch mit Ass
König und allen Paaren ab zwei Buben weiterspielst.

Beispiel 3: Du bist in später Position mit zwei Damen. Vor dir
erhöht erst ein Spieler. Dann erhöht ein zweiter Spieler erneut. In
dieser Situation sind selbst zwei Damen nicht mehr profitabel. Du
steigst also aus. Bei mehr als einer Erhöhung vor dir gibt es nur zwei Blätter, die du
noch gewinnbringend spielen kannst: zwei Könige und zwei Asse.

Wiederholung

Du hast gelernt ...

  • ... dass du niemals vor dem Flop mitgehst. Wenn du spielst, dann erhöhst du.
  • ... dass du auf 4 Big Blinds + 1 Big Blind pro eingestiegenem Spieler erhöhst, wenn niemand erhöht hat.
  • ... dass sich deine Kartenauswahl nach deiner Position richtet, solange noch niemand vor dir erhöht hat.
  • ... dass sich alles ändert, sobald deine Gegner erhöhen.
  • ... dass du all dein Geld setzt, All-In gehst, sobald vor oder nach dir jemand erhöht, natürlich nur wenn dein Blatt weiter spielbar ist.

Respekt! Das ist eine ganze Menge. Naturgemäß ist es schwer, sich das alles in einem Rutsch zu merken. Deshalb noch einmal der Hinweis: Lade dir die Druckversion herunter und leg sie dir beim Pokern neben die Tastatur. Es ist nicht schön, auf einmal nicht mehr zu wissen, ob ein Paar Achten in mittlerer Position jetzt erhöht werden sollte oder nicht, und dann erst einmal im Artikel danach suchen zu müssen. (Übrigens steigst du damit aus.)

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Auf der nächsten Seite widmen wir uns dem Spiel ab der zweiten Setzrunde, an Flop, Turn und River, wenn die Gemeinschaftskarten ins Spiel kommen.

Schritt 5: Ab der zweiten Setzrunde - Nach dem Flop

Damit sind wir schon zum letzten Teil der Shortstackstrategie angelangt - dem Spiel ab der zweiten Setzrunde.

Ob du nach dem Austeilen der ersten drei Gemeinschaftskarten oder in den späteren Setzrunden auch später weiteres Geld investierst, hängt in erster Linie davon ab, welches Blatt du mit den Gemeinschaftskarten getroffen hast. Hast du getroffen, geht es Richtung All-In. Hast du nicht getroffen, nunja ...

Die Strategie für das Spiel ab der zweiten Setzrunde sieht vereinfacht so aus:

  • Hast du ein gutes Paar oder ein noch besseres Blatt, spielst du auf All-In.
  • Hast du vor dem Flop erhöht und eine gute Chance, später noch eine Straße oder einen Flush zu treffen, spielst du auf All-In.
  • Hast du all das nicht, gibst du auf, außer du hast vor dem Flop erhöht und nur einen Gegner. Dann versucht du, ihn von seinen Karten zu bluffen.

Mit guten Paaren oder besser Gas geben

Hast du einen Buben auf der Hand und im Flop liegt ein zweiter Bube, hast du ein Paar. Das muss aber nicht immer ein gutes Blatt sein. Für die Shortstackstrategie sind zwei Arten von Paaren interessant: Toppaare und Überpaare.

Ein Toppaar ist ein Paar aus einer deiner beiden Startkarten und der derzeit höchsten Gemeinschaftskarte.

Hältst du beispielsweise Ass Bube auf der Hand, dann hast du immer genau dann ein Toppaar, wenn die höchste Gemeinschaftskarte entweder ein Ass oder ein Bube ist.

Toppaar

Du hast:   Der Flop:
Ein Überpaar ist ein fertiges Paar aus deinen beiden Startkarten und beide Startkarten sind höher als jede Gemeinschaftskarte.

Hältst du z.B. zwei Asse auf der Hand und im Flop liegen nur kleinere Karten, dann ist das ein Überpaar.

Überpaar

Du hast:   Der Flop:

Die Spielweise für Toppaare, Überpaare und alle besseren Blätter, z.B. Drillinge und Straßen, lautet, dass du damit setzt oder erhöhst und versucht, all dein Geld zu setzen. Es gibt nur eine Einschränkung: Nicht jedes Toppaar ist gut. Nur dann, wenn deine zweite Karte, Beikarte oder Kicker genannt, mindestens ein Bube ist, spielst du ein Toppaar.

Egal ob du vor dem Flop erhöht hast oder nicht, setzt oder erhöhst du und versuchst All-In zu kommen mit ...
  • ... einem Toppaar, wenn deine Beikarte mindestens ein Bube ist.
  • ... einem Überpaar.
  • ... jedem besseren Blatt wie einem Drilling, einer Straße, einem Flush, etc.

Hast du vor dem Flop erhöht, spielst du auch Draws

Draws sind unvollständige Blätter, die sich zu einem starken Blatt verbessern können. Für die Shortstackstrategie sind zwei Arten von Draws interessant: OESDs und Flushdraws. Mit dem ersten hast du die Chance auf eine Straße, mit dem zweiten die Chance auf einen Flush.

Einen OESD (open-ended Straightdraw) hast du, wenn du vier direkt benachbarte Karten vorweisen kannst, z.B. 4, 5, 6 und 7.

Direkt benachbart bedeutet, dass die Karten aufeinanderfolgen. Dir fehlt oben oder unten eine fünfte Karte zur Straße. Nur dann ist dieser Straßendraw auch spielbar. Fehlt dir eine mittlere Karte zur Straße z.B. bei 4, 5, 7 und 8, dann spiel dieses Blatt niemals.

Wie generell in Texas Hold'em ist es egal, wie viele deiner beiden Karten und wie viele Gemeinschaftskarten du für dieses Blatt verwendest. Es ist egal, ob du deine beiden Karten und drei Gemeinschaftskarten oder ob du vier Gemeinschaftskarten und nur eine deiner Karten für den Draw verwendest.

OESD

Du hast:   Der Flop:
Einen Flushdraw hast du, wenn du vier gleichfarbige Karten vorweisen kannst.

Bei diesem Draw fehlt dir eine fünfte Karte der Farbe zum fertigen Flush. Mit Farbe ist im Poker übrigens gemeint: Herz, Karo, Pik und Kreuz.

Flushdraw

Du hast:   Der Flop:

OESD und Flushdraw spielst du nur dann, wenn du vor dem Flop erhöht hast. Dann spielst du sie, als wären sie schon fertige Blätter. Du setzt und erhöhst und versuchst, schon am Flop mit ihnen All-In zu kommen. Hast du vor dem Flop nicht erhöht, sind sie wertlos und du steigst auf jeden Einsatz hin aus.

Hast du vor dem Flop erhöht, spielst du einen OESD und Flushdraw aggressiv. Du willst am besten schon am Flop damit All-In kommen. Hast du nicht erhöht, steigst du auf jeden Einsatz hin aus.

Hast du es nicht geschafft, bis zur River-Runde all dein Geld in die Mitte zu schieben, und dein Draw hat sich nicht zur fertigen Straße oder fertigen Flush komplettiert, ist dein Blatt übrigens wertlos.

Bluff nur gegen einen Gegner!

Wann immer du kein gutes Toppaar getroffen hast oder auch keinen Draw, dann musst du dich wohl oder übel von deinen Karten trennen. Es gibt zwei Ausnahmen.

  • Hast du vor dem Flop erhöht und am Flop nur einen Gegner, der noch nichts gesetzt hat, dann setzt du. Du bluffst. Erhöht dein Gegner, steigst du aus. Geht er nur mit, dann ...
    • ... gehst du am Turn All-In, wenn du dann ein Toppaar, Überpaar oder besser bzw. einen OESD oder einen Flushdraw triffst.
    • ... schiebst du bzw. steigst du auf jeden Einsatz am Turn aus, wenn du dein Blatt nicht verbesserst.
  • Ist der Pot zu Beginn der Setzrunde schon doppelt so groß wie dein Chipstapel, dann gehst du auf jeden Fall All-In, egal was passiert und was du hast. Du musst nur noch selten gewinnen, dass sich das lohnt.

Wie hoch setzt du?

Nachdem du gelernt hast, in welchen Situationen du setzt oder sogar all dein Geld riskieren willst, steht noch die Frage im Raum, wann du wie viel setzt.

  • Hat noch niemand gesetzt, setzt du ca. 2/3 des Pots.
  • Musst du dafür mehr als die Hälfte deines Geldes einsetzen, dann geh direkt All-In.
  • Hat schon jemand gesetzt und dein Blatt ist stark genug, um weiterzuspielen, gehst du All-In und setzt all dein Geld.
  • Hast du gesetzt und jemand erhöht, gehst du ebenfalls All-In, sofern dein Blatt das rechtfertigt.

Beispiele

BEISPIEL 1
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist in früher Position mit

  • Du erhöhst auf $0.40. Dir bleiben $1.60.
  • Der Spieler im Big Blind geht mit.
Am Flop - Aktive Spieler: 2 - Pot: $0.85
  • Dein Gegner schiebt.
  • Du setzt $0.55.

Du erhöhst vor dem Flop mit Ass König und ein Spieler geht mit.
Am Flop schiebt er. Du selbst hast zwar kein Paar oder besser getroffen,  jedoch signalisiert dein Gegner Schwäche. Zudem ist er dein einziger Gegner, weshalb die Chancen gut sind, dass er auf einen Einsatz hin aussteigt.

Die Höhe deines Einsatzes sollte immer bei ungefähr 2/3 des Pots liegen. In diesem Fall machst du einen Einsatz von $0.55. Diese Größe kannst du schätzen und musst sie nicht exakt berechnen. Wenn du $0.50 oder $0.60 setzt, machst du keinen Fehler, Hauptsache du setzt.

Würde dein Gegner den Einsatz mitgehen, wäre die Runde für dich erst einmal gelaufen, es sei denn, du verbesserst dein Blatt am Turn oder River.

BEISPIEL 2
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist in früher Position mit

  • Du erhöhst auf $0.40. Dir bleiben $1.60.
  • Der Spieler im Big Blind geht mit.
Am Flop - Aktive Spieler: 2 - Pot: $0.85
  • Dein Gegner setzt $0.20.
  • Du erhöhst und gehst All-In.

Wieder erhöhst du mit Ass König und wieder geht der Spieler im Big Blinds mit.
Dieses Mal setzt er am Flop, aber du hast jetzt auch ein starkes Blatt getroffen, das Toppaar Könige.

Die Strategie besagt, dass du All-In gehst, wenn ein Gegner vor dir setzt und du ein spielbares Blatt getroffen hast.

BEISPIEL 3
Vor dem Flop - NL10 - Blinds: 0.05/0.10 - 10 Spieler
Du bist in früher Position mit

  • Du erhöhst auf $0.40. Dir bleiben $1.60.
  • Ein Spieler in mittlerer Position geht mit.
  • Beide Spieler in den Blinds gehen mit.
Am Flop - Aktive Spieler: 4 - Pot: $1.60
  • Beide Spieler in den Blinds schieben.
  • Du schiebst.
  • Der Spieler in mittlerer Position schiebt.
Am Turn - Aktive Spieler: 4 - Pot: $1.60
  • Beide Spieler in den Blinds schieben.
  • Du gehst All-In.

Die gleichen Karten in einer ähnlichen Situation. Vor dem Flop erhöhst du erneut mit Ass König. Dieses Mal triffst du nichts am Flop und hast zudem drei Gegner. Demzufolge hat ein Einsatz hier wenig Sinn. Du schiebst daher ebenfalls und hoffst, die Turnkarte sehen zu können und dein Blatt nach Möglichkeit zu verbessern.

Das geschieht dann auch, denn du triffst das Toppaar Könige. Die beiden Gegner vor dir schieben und du solltest in diesem Fall unbedingt setzen. Da der Pot schon $1.60 groß ist, gehst du direkt All-In. Warum?

Die Regel besagt, dass du immer dann nach dem Flop direkt All-In gehst, wenn du für einen Einsatz mehr als die Hälfte deines Geldes einsetzen müsstest. Würdest du hier 2/3 des Pots mit einem normalen Einsatz bringen, dann wären das ungefähr $1. Du selbst hast noch $1.60 übrig. Der Einsatz läge damit deutlich über der Hälfte deines verbliebenen Geldes. Deshalb gehst du direkt All-In.

Wiederholung

Du hast gelernt ...

  • Mit Toppaar und mindestens einem Buben als Beikarte oder einem besseren Blatt spielst du immer auf All-In.
  • Hast du vor dem Flop erhöht, spielst du auch mit einem OESD und Flushdraw auf All-In.
  • Ansonsten bist du raus, es sei denn, du hast vor dem Flop erhöht. Dann setzt du einmal als Bluff, sofern du nur einen Gegner hast.
  • Wenn du setzt, dann 2/3 des Pots. Kostet dich das mehr als die Hälfte deiner Chips, geh gleich All-In.
  • Hat schon jemand gesetzt oder erhöht nach dir, dann gehst du All-In, sofern dein Blatt weiter spielbar ist.

Und das war sie auch schon, die Shortstackstrategie, die wahrscheinlich kleinste und effektivste Hold'em-Strategie der Welt. Wichtig ist, dass du dich wirklich an die Vorgaben hältst. Die sehr mathematische Natur dieser Strategie bedingt, dass du nicht einfach so abweichen kannst, selbst wenn du glaubst, gute Gründe dafür zu haben.

Also dann viel Erfolg beim Quiz und vergiss nicht, dass du dir die komplette Strategie auch als handliche Druckversion herunterladen kannst.

Lade dir die komplette Shortstackstrategie als PDF herunter

Übrigens findest du auf der nächsten Seite noch einmal eine Zusammenfassung der kompletten Shortstackstrategie.

Bankrollmanagement
  • Du kannst auf ein höheres Spiellimit aufsteigen, wenn du für dieses Limit 30 Buy-ins besitzt.
  • Du musst auf das nächstkleinere Spiellimit absteigen, sobald du nur noch dafür 30 Buy-ins besitzt.
Welche Gegner brauchst du?
  • Du brauchst mindestens 7 Gegner.
  • Höchstens zwei Gegner dürfen auch Shortstacks sein.
  • Sind diese Regeln nicht erfüllt, such dir ein neues Spiel.
Wie viel bringst du an den Tisch?
  • Kauf dich mit 20 Big Blinds in ein Spiel ein.
  • Sinkt dein Chipstand unter 15 Big Blinds, dann füll ihn wieder auf 20 Big Blinds auf.
  • Steigt dein Chipstand auf über 25 Big Blinds, steig aus dem Spiel aus und such dir ein neues.
  • Bezahle den Big Blind niemals außerhalb der Reihe, um früher ins Spiel einsteigen zu können.
Die vier Positionsgruppen

Kartengeber
2 späte Positionen
3 mittlere Positionen
3 frühe Positionen
2 Blind-Positionen
Wie viel setzt du in der ersten Setzrunde?
  • Wenn du ins Spiel einsteigst, dann mit einer Erhöhung.
  • Hat noch niemand erhöht, erhöhst du auf 4 Big Blinds. Für jeden Spieler, der zwar nicht erhöht, aber vor dem Flop mitgegangen ist, legst du 1 Big Blind drauf.
  • Sobald Gegner vor dir oder auch nach dir erhöhen, setzt du all dein Geld - du gehst All-In.
Welche Karten spielst du?
ES HAT NOCH NIEMAND ERHÖHT
Du bist in... Du spielst...
Früher Position Alle Paare ab zwei Buben aufwärts
Ass König
Mittlerer Position Alle Paare ab zwei Neunen aufwärts
Ass König, Ass Dame
Später Position oder den Blinds Alle Paare ab zwei Siebenen aufwärts
Ass König, Ass Dame, Ass Bube, König Dame
VOR ODER NACH DIR WIRD ERHÖHT
Hat ein Gegner erhöht? Du setzt alles (All-In) mit...
Vor dir hat genau ein Spieler erhöht. Alle Paare ab zwei Buben aufwärts
Ass König
Vor dir gab es mehr als eine Erhöhung. Alle Paare ab zwei Königen aufwärts
Hinter dir wird erhöht. Alle Paare ab zwei Zehnen aufwärts
Ass König
Wie viel setzt du ab der zweiten Setzrunde?
  • Du setzt 2/3 des Pots.
  • Kostet dich das mehr als die Hälfte deines Chipsstands, geh direkt All-In.
  • Setzt vor dir jemand oder erhöht jemand nach dir, geh direkt All-In.
Welche Blätter spielst du ab der zweiten Setzrunde?
  • Mit einem Toppaar und mindestens einem Buben als Beikarte, einem Überpaar und jedem besseren Blatt spielst du auf All-In.
  • Hast du vor dem Flop erhöht, spielst du auch mit einem OESD oder Flushdraw auf All-In.
  • Hast du vor dem Flop erhöht und nur einen Gegner, dann setz am Flop auch als Bluff. Gibt der Gegner nicht auf, bluffst du nicht weiter, außer du kannst dein Blatt am Turn oder River verbessern.
  • Ist der Pot zu Beginn der Floprunde schon mehr als doppelt so groß wie dein Chipstand, gehst du immer All-In, egal welche Karten du hast.