Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Wie spielst du im unraised Pot?

Einleitung

In diesem Artikel

  • Die Besonderheiten in unraised Pots
  • Spiele deine made Hands in solchen Situationen richtig
  • Protection vs. Potcontrol

Viele Spieler legen ihr Augenmerk nur auf die großen Pötte und die vermeidlich gewinnträchtigsten Situationen. Häufig entgeht den Spielern dabei jedoch, dass es auch in kleinen Pötten viel Value zu extrahieren gibt, wenn man sich genauer damit auseinandersetzt.

Du als disziplinierter Pokerspieler möchtest natürlich alle Facetten des Pokerspiels kennen lernen und musst dich demnach natürlich auch in small, unraised Pots zurecht finden.

Wie du dort am besten agierst, wie du deine Handstärke einstufen kannst und welche möglichen Lines dir zur Verfügung stehen, soll dir dieser Artikel näher bringen.

Da jedoch viele dieser small / unraised Pots am ehesten an Fullring-Tischen zustande kommen, wirst du in diesem Artikel ausschließlich FR-Beispiele vorfinden. Analog gilt natürlich auch hier: Die Postflop-Gedanken beziehen sich ebenso aus das Shorthanded-Game!

Wie entsteht ein unraised Pot?

  • Du limpst mit und keiner raist
  • Es gibt bereits Limper, du completest den Small Blind
  • Es gab eventuell Limper oder der Small Blind completet, du checkst im Big Blind und nimmst dir das Freeplay
Du limpst mit und keiner raist

Da du Shorthanded nahezu ohne Ausnahme first-in raisen solltest, entsteht diese Situation hauptsächlich an Fullring-Tischen!

Die zwei am meisten vorkommenden Situationen sind der Limp aus früher Position mit einem Pocket Pair…

Beispiel 1

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
Hero ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG+1 with 2Spade
, 2Heart

1 fold, Hero calls $0.25, 5 folds, BU calls $0.25, SB calls $0.25, BB checks

…oder der Limp mit einer drawing Hand, nachdem schon einige Spieler in die Hand eingestiegen sind:

Beispiel 2

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
Hero ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is MP3 with 8Spade
, 9Spade

UTG calls $0.25, 2 folds, MP1 calls $0.25, MP2 calls $0.25, Hero calls $0.25,…

Es gibt bereits Limper, du completest den Small Blind

Die zweite Möglichkeit entsteht , wenn der Small Blind completet. Du bekommst meistens hervorragende Odds um dir den Flop anzuschauen. Postflop hast natürlich dadurch den Nachteil, in einem meist großen Pot out of Position agieren zu müssen.

Für ein Raise ist deine Hand deutlich zu schwach, aber die Odds reichen für den Call.

Beispiel 3

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
Hero ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is SB with AHeart
, 2Heart

UTG calls $0.25, 6 folds, BU calls $0.25, Hero calls $0.25, BB checks

Flop: ($1.00) ASpade
, 5Heart
, JClub
(4 players)
Hero…

Es gab Limper oder der Small Blind completet und du checkst im Big Blind

Recht häufig kommt es vor, dass du im Big Blind mit einer schwachen Hand bzw. any-2 sitzt und es vor dir kein Raise gegeben hat. Hältst du deine Hand nicht für stark genug, um ein Raise zu platzieren, checkst du einfach.

Grundsätze in unraised Pots

Welche Grundsätzlichkeiten und Verhältnisse findest du in unraised Pots vor? Keiner deiner Gegner hat preflop Aggression gezeigt, somit ist keiner der Meinung, eine sehr starke Hand zu halten.

Schwache Hände und drawing Hands sind demnach wahrscheinlicher. Das Problem hierbei: Da du kaum eine Hand ausschließen kannst, sind auch Hände möglich, die einen unscheinbar wirkenden Flop perfekt getroffen haben können. Deswegen gibt es ein Motto, was jedoch wie immer mit Vorsicht zu genießen ist:

Never go broke in an unraised Pot!

Natürlich darfst du den Satz nicht völlig verallgemeinern. Hältst du eine Hand die perfekt getroffen hat, musst du natürlich versuchen, ausreichend Value zu extrahieren. Aber sieh den Satz als eine Mahnung an.

In einem unraised Pot gibt es wenig Gründe, große Bluffs abzuziehen (der Ursprungs-Pot ist zu klein). Somit bedeutet ein Raise hier meistens eine besondere Stärke. Hände wie Toppairs oder sogar TwoPairs (bevorzugt "bottom TwoPair") sind dann meistens nicht mehr gut genug.

Was gilt es ansonsten zu beachten?
  • Die Stärke deiner Hand ist nicht leicht zu definieren.
  • Du befindest dich häufig in Multiway-Pötten, was deine Handstärke noch einmal relativiert
  • Du solltest dich mehr auf "Value-Play" als auf "Bluffs" konzentrieren
  • Die Foldequity ist sehr gering, da die Turnkarte sehr billig zu sehen ist (im Vergleich zum Stack, nicht im Vergleich zum bereits vorhandenen Pot. Das stört aber viele Spieler nicht!)
  • Implied Odds und Reverse Implied Odds sind sehr schwer abzuschätzen
  • Mit starken Händen solltest du durchbetten. Auch mit mittelmäßigen Händen ist bet/fold immer besser als check/call
  • Mit Draws kannst du eher auf Odds and Outs spielen

Mögliche Handstärken

Was kannst du am Flop treffen? Das Spektrum ist sicherlich recht breit, da du dir theoretisch mit any2 Cards den Flop ansehen kannst (nach Check im Big Blind).

Deswegen kannst du deine Handstärke grob in 5 Kategorien unterscheiden:

  • No Hit: Du hast gar nichts getroffen!
  • Draw: Du hast einen mehr oder minder starken Draw aufgegabelt
  • Weak Hand: Du hast am Flop irgendwas getroffen (z.B. middle pair)
  • Good Hand: Du hast eine recht gute Hand am Flop getroffen, die jedoch im unraised Pot nicht ultimativ stark sein könnte (Toppair, Bottom Two Pair etc.)
  • Monster Hand: Du hast eine sehr starke Hand getroffen, mit der sogar im unraised Pot bereit bist broke zu gehen (Set, Straight, Flush). Nun geht es dir einzig um Valuemaximierung
Betrachte auch in unraised Pots selbstverständlich die Situation!
  • Heads-Up oder Multiway?
  • Implied Odds und Reverse Implied Odds
  • Potcontrol > Protection mit mittelmäßigen Händen
Heads-Up oder Multiway?

In erster Linie ist entscheidend, wie viele Gegner sich mit dir zusammen am Flop befinden. Das Grundprinzip gilt auch hier: Viele Gegner bedeutet wenig Foldequity, dafür höhere Implied Odds.

Implied Odds und Reverse Implied Odds

Du kannst in einem unraised Pot die Implied Odds schwer abschätzen, da du bislang (Preflop) keinerlei Informationen über die tatsächliche Handstärke deiner Gegner bekommen hast. Ist es dir nicht möglich zu beurteilen, welche möglichen Hände bei deinen Gegnern im Umlauf seien könnten, so wäre eine Beurteilung der Implied Odds nicht mehr als eine Mutmaßung.

Bei den Reverse Implied Odds sieht das schon etwas anders aus. Hältst du beispielsweise eine recht schwache Hand und bettest den Pot an, so kannst du auf ein Minraise am Flop schon folden. Deine Hand wird sich wohl kaum verbessern und du hast nun die Information erhalten, dass dein Gegner zumindest vorgeben möchte etwas zu halten. Jede Bet, die du an den kommenden Streets noch callen müsstest, wäre beinahe schon zu viel.

Pot control > Protection mit mittelmäßigen Händen

Solltest du eine Hand halten, der du Showdown-Value zuschreibst, jedoch nicht bereit bist, dafür deinen ganzen Stack dafür zu riskieren, solltest du eher auf Pot control spielen. Auch in raised Pots gilt die Tatsache, dass raise/fold mit einer mittelmäßigen Hand nicht ideal ist.

Da du auch in unraised Pots deine eventuell stärkste Hand am Tisch nicht in einen Bluff verwandeln möchtest, solltest du hier erst recht passiver werden. Aufgrund des geringen Pots tun Freecards auch nicht sonderlich weh, da du dich bei unschönen Karten auf den folgenden Streets relativ problemlos von deiner Hand verabschieden könntest.

Bluffs nur im Heads-Up und am besten in Position

Du sollst zwar keine waghalsigen Bluffs durchziehen, aber befindest du dich beispielsweise im Heads-Up in Position und dein Gegner checkt zu dir, so kannst du nahezu immer betten (Position bet). Eine 2/3 Potsizebet wird diesen "Move" auf lange Sicht +EV gestalten.

Out of Position sieht dies schon anders aus, auch hier kannst du natürlich mit any2 bet/folden, aber ein check/fold ist hier ebenfalls keine schlechte Wahl. Sollten sich mehrere Spieler im Pot befinden so sollte auch deine Bereitschaft zu solchen Bluffbets abnehmen, wobei eine Positionbet natürlich weiterhin möglich ist.

Stats nicht überbewerten

Im Gegensatz zu raised Pots sind die Stats in unraised Pots nicht wirklich aussagekräftig. Das VPIP/PFR-Verhältnis sagt wenig über die Limp-Ranges deiner Gegner aus. Zudem befinden sich häufig der Small und Big Blind mit im Pot, denen du ohnehin keine Range geben kannst.

Einzig der Aggression Factor sowie der "Went to Showdown"-Wert könnten dir (nach einer anständigen Samplesize) einen gewissen Aufschluss über das Spiel deines Gegners geben.

Recht loose Spieler, die einen hohen "Went to Showdown"-Wert besitzen, neigen gerade in unraised Pots eher dazu, für die vermeidlichen "billigen" Preise sich den Showdown zu gönnen. Dennoch sollte man diese Werte in unraised Pots nicht überbewerten.

Dementsprechend gibt es in den Beispielen keinerlei Stats, du spielst jedes Mal gegen dir bislang unbekannte Spieler.

Beispiele für unimprovte Hände (=>Bluffs)

Die erste Kategorie besteht aus Händen, die den Flop komplett verfehlt haben.

Beispiel 4

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
Hero ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG+1 with 2Spade
, 2Heart

1 fold, Hero calls $0.25, 5 folds, BU calls $0.25, SB calls $0.25, BB checks

Flop: ($1.00) KDiamond
, JDiamond
, THeart
(4 players)
Hero…

Du hast Preflop mit 22 gelimpt und nichts getroffen. Du hast eine schwache hand und wirst hier niemals vorne liegen. Ebenso unwahrscheinlich ist es, durch eine Bet Out of Position drei Gegner am Flop zu eliminieren. Es ist hier mit Abstand die beste Wahl, die Hand unverzüglich aufzugeben und check/fold zu spielen.

Beispiel 5

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
Hero ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG+1 with 2Spade
, 2Heart

1 fold, Hero calls $0.25, 7 folds, BB checks

Flop: ($0.60) ADiamond
, 4Diamond
, 9Heart
(2 players)
BB checks, Hero bets $0.50

In diesem Beispiel ist es eigentlich egal, welche Karten du hältst.

Am Flop checkt Villain zu dir, hier kannst du eine Default-Bet machen (du bettest hier genauso mit Draw, made hands, Monstern etc….). Die Foldequity ist enorm.

Du hast hier den Vorteil nur im Heads-Up spielen zu müssen und darfst zudem in Position agieren.

Was passiert aber in folgenden Fall:

Beispiel 6

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
Hero ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG+1 with 2Spade
, 2Heart

1 fold, Hero calls $0.25, 7 folds, BB checks

Flop: ($0.60) ADiamond
, 4Diamond
, 9Heart
(2 players)
BB checks, Hero bets $0.50, BB calls $0.50

Turn: ($1.60) 6Spade
(2 players)
BB checks, Hero bets $1.20,…

Sollte deine Bet am Flop gecallt werden, so besteht natürlich am Turn die Möglichkeit einer 2nd barrel. Welche Faktoren sind hier wichtig?

  • Du weißt, dass dein Gegner in unraised Pots am Flop häufig mal callt, am Turn aber aufgibt
  • Kannst du die Turnkarte einigermaßen gut verkaufen?
  • Sind Draws möglich?

Gerade aufgrund der nun mal geringen Potgröße ist es kein Problem, am Turn behind zu checken und somit die Hand aufzugeben. Solltest du jedoch Foldequity gegen bessere Hände vermuten - versuche es.

Beispiel für Draws

Ebenso ist es möglich, in unraised Pots einen Draw aufzugreifen. In raised Pots bist du grundsätzlich eher aggressiver gestimmt was dein Spielverhalten angeht, in unraised Pots hingegen solltest du lieber die Ruhe bewahren und nicht zu viel Geld mit einem Draw investieren.

Du weißt wie erwähnt nichts über die Foldequity und kannst nicht im Entferntesten abschätzen, ob du ausreichend Implied Odds besitzt. Während du in raised Pots durchaus ab und an mit einem Draw am Flop All-in gehen kannst, so sollte dies in unraised Pots nahezu nie vorkommen (wie immer: Ausnahmen bestätigen die Regel).

"Semi-Bluff-Bets" sind natürlich immer eine Möglichkeit, den Pot direkt für dich zu entscheiden. Die Randbedingungen sollten ähnlich denen sein, die du in Kategorie 1 vorgefunden hast. Hast du die Möglichkeit first-in und am besten in Position zu agieren und gibst dir ausreichende Foldequity, so ist ein Angriff auf den Pot natürlich gerne gesehen.

Hat jedoch schon jemand vor dir gebettet, so sieht die Sache anders aus. Ein "Semi-Bluff-Raise" ist mit äußerster Bedacht deinerseits anzuwenden. Gerade in Multiway-Pots wird das auf Dauer nicht profitabel sein. In Heads-Up-Situationen kann dies jedoch durchaus von Erfolg gekrönt sein.

Beispiel 7

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
Hero ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BB with 7Heart
, TSpade

8 folds, SB calls $0.25, Hero checks

Flop: ($0.50) 8Spade
, 9Heart
, 3Diamond
(2 players)
SB bets $0.25, Hero raises to $1.00

In dieser Situation entscheidest du dich für ein Raise. Die Situation ist optimal: Du befindest dich im Heads-Up und spielst in Position. Das Board liefert dir einen recht sauberen 8-Outer, den du nicht unbedingt aufgeben willst.

Das Problem: Ein call kommt kaum in Frage. Selbst wenn du am Turn "hittest", weißt du nicht, ob du überhaupt noch einen Cent für deine Hand bekommst. Die Implied Odds kannst du dir deswegen nicht anrechnen.

Hier ist deswegen der Raise aus folgenden Gründen deutlich besser:

  • Du gewinnst häufig den Pot direkt
  • Du baust ein aggressives Image auf
  • Sollte dein Gegner callen und du hittest am Turn, kannst du leichter value extrahieren
  • Sollte dein Gegner callen und am Turn erscheint eine Scarecard (möglicherweise eine Overcard in diesem Fall), könntest du 2nd barreln
  • Sollte dein Gegner 3-betten, hast du einen absolut schmerzfreien fold (es sei denn er min-3-bettet so dass du sehr gute Odds offeriert bekommst)

In Multiway-Pots jedoch, wo die Foldequity deutlich geringer ist, bietet sich meistens ein eher passives Spiel an. Das bedeutet Out of Position kann durchaus check/call gespielt und in Position "nur gecallt" werden. Selbstredend muss dies immer nach Odds and Outs geschehen ohne großartige Anrechnung von Implied Odds.

Beispiel für Weak Hands

Weak Hands wurden oben als eine Hand beschrieben, die "irgendetwas" getroffen haben. Beispielsweise ein middle Pair oder ein schwaches Toppair ohne Kicker, welche zur direkten Aufgabe etwas zu stark ist, jedoch zu schwach um damit um einen großen Pot zu spielen.

Hier kannst du in zwei Fälle unterscheiden: Du agierst first-in oder es wurde bereits gebettet.

First-in verhältst du dich analog zu den vorher beschriebenen Kategorien. Mit bet/fold machst du selten einen Fehler. Wird dein middle Pair am Flop geraist (oder gar gecheckraist), liegst du häufig hinten und kannst aufgrund der Reverse Implied Odds meistens nicht mehr profitabel in der Hand bleiben.

Agiert jedoch ein Spieler vor dir und setzt eine Bet, so musst du weitere Überlegungen anstrengen:

Beispiel 8

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
Hero ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BB with JDiamond
, 8Club

UTG calls $0.25, 7 folds, SB calls $0.25, Hero checks

Flop: ($0.75) 3Diamond
, 8Heart
, 7Diamond
(3 players)
SB bets $0.50, Hero…

Du hast ein Toppair getroffen, welches nicht unbedingt die schlechteste Hand am Tisch sein muss. Der Small Blind bettet nun den Flop an. Du hast drei Möglichkeiten:

Du kannst deine Hand natürlich direkt weglegen und somit weiteren Problemen aus dem Weg gehen. Das Problem: Du foldest recht häufig die beste Hand und lässt somit Value liegen!

Du könntest dich vorne sehen und durch ein Raise versuchen deine Hand zu protecten. Problem hierbei: Für Protection ist deine Hand im Grunde zu schwach, was letztlich bedeutet, dass du gegen eine 3-bet deine Hand aufgeben müsstest. Somit würdest du raise/fold spielen und von schwächeren Händen kein Value bekommen, stärkeren Händen jedoch schiebst du noch Geld in den Rachen.

Raise/fold ist grundsätzlich ein Play, welches du mit einer made hand vermeiden solltest. Zumindest im Heads-Up oder in kleinen Pötten. In Multiway-Pötten sieht die Sache anders aus (siehe unten (Bsp.9)).

Durch einen Call begibst du dich in eine Art way ahead / way behind Situation. Offensichtlich ist dies keine wa/wb Situation, da hier massig Drawing Hands möglich sind die sehr viele Outs gegen dich haben. Nicht zu vergessen, dass hinter dir noch ein Spieler agieren kann. Mit einem Call verteilst du natürlich Freecards, hältst dafür aber den Pot klein.

Vergleichst du nun alle möglichen Lines, so ist in diesem Fall der Call tatsächlich die beste Möglichkeit, varianzarm mit einer vernünftigen Hand den Pot klein zu halten. Die Alternativen fallen hingegen durch.

Beispiel 9

Als "Good Hand" wurde eine Hand genannt, die zwar offensichtlich recht gut ist, jedoch gerade in unraised Multiway-Pots deutlich an Wert verliert.

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
UTG+1 ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
Hero ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is BB with 2Club
, 5Heart

UTG calls $0.25, 4 folds, MP3 calls $0.25, 1 fold, BU calls $0.25, SB calls $0.25, Hero checks

Flop: ($1.25) 2Diamond
, 5Spade
, 6Diamond
(5 players)
SB bets $1.00, Hero raises to $4.00, 2 folds, BU calls $4.00, SB raises to $12.00, Hero…

Du hast ein Freeplay im Big Blind bekommen und Bottom Two Pair gefloppt. Eigentlich eine recht starke hand, aber 5-handed auf dem drawy Board nicht gerade traumhaft zu spielen. Nach der Bet des Small Blinds raist du um deine Hand zu protecten. Hinter dir gibt es jedoch einen Coldcall und der Small Blind geht noch mal drüber. Daraufhin foldest du.

Nun muss natürlich die Frage kommen: "Hieß es oben nicht, raise/fold mit einer made hand gibt es nicht?"

Das ist richtig, jedoch gibt es wie meistens Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Auch wenn raise/fold alleine vom Grundsatz her kein profitables Spiel sein mag, so mangelt es in dieser Situation einfach an Alternativen!

Nach der Bet des Small Blinds könntest du natürlich nur callen, im Gegensatz zum Beispiel 8 haben sich aber zwei Dinge verändert:

  • Du hältst eine Hand, die es zu protecten lohnt
  • Du hast nicht nur zwei Gegenspieler, sondern vier

Hier nur zu callen würde dir kaum weiterhelfen und da du durch deinen Call den hinter dir agierenden Spielern gute Odds gibst, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass du auch am Turn vor einer schweren Entscheidung stehst.

Und wie sehe dein Play aus, wenn hinter dir jemand auf die Idee kommt zu raisen? Möchtest du dann 3-betten? Weiterhin runtercallen? Beides ist im Grunde nicht spielbar. Das würde bedeuten, deine Line wäre : "call/fold". Ist das mit dieser Hand ideal? Sicherlich nicht.

Also raist du und stellst jetzt die Frage, warum nach der 3-bet des Small Blinds nicht broke gehen sollst. Ganz einfach: Du bist hier zu selten vorne. Beide Gegenspieler haben bereits deutliche Stärke signalisiert. Natürlich kann jemand einen Flushdraw halten und einer A6, dagegen würdest du vorne liegen. Aber würden sie diese Hände in einem unraised 5-handed Pot dermaßen aggressiv spielen?

Im Gegensatz dazu gibt es einige Hände die dich schlagen. 55/22 sind zwar nicht sonderlich wahrscheinlich, da du zwei Karten
blockierst, aber 66 und 34 können hier sehr gut aufeinander treffen. Nicht zu vergessen, dass du gegen starke Draws nicht mal zwanghaft Favorit wärst (vor allem nicht gegen zwei Draws).

Somit entscheidest du dich am Flop für das Play raise/fold, was unter diesen Umständen akzeptabel ist.

Beispiel Monster Hands

Ab und an triffst du den Flop perfekt. In diesen Fällen möchtest du natürlich von Pot control oder gar vernachlässigbarer Protection nichts hören. Hier gilt es, soviel Value wie möglich herauszuholen:

Beispiel 10

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
Hero ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG+1 with 4Diamond
, 4Spade

1 fold, Hero calls $0.25, 5 folds, BU calls $0.25, SB calls $0.25, BB checks

Flop: ($0.60) 4Heart
, 2Spade
, 2Heart
(5 players)
SB checks, BB checks, Hero…

Was in dieser Situation zu tun ist, sollte klar sein! Der Pot bildet sich nicht von alleine. Sofern keiner bettet, musst du dies selbstverständlich übernehmen. Es kann hier durchaus viele Hände geben, die bereit sind eine Bet zu callen, seien es Hände wie Overpairs, Straightdraws, Flushdraws, 2x…

Was wäre jedoch wenn Folgendes geschehen wäre:

Beispiel 11

PartyPoker $25 NL Hold'em (10 handed) HandRecorder v0.9b

Stacks & Stats
UTG ($25)
Hero ($25)
UTG+2 ($25)
MP1 ($25)
MP2 ($25)
MP3 ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)

Preflop: Hero is UTG+1 with 4Diamond
, 4Spade

1 fold, Hero calls $0.25, 5 folds, BU calls $0.25, SB calls $0.25, BB checks

Flop: ($0.60) 4Heart
, 2Spade
, 2Heart
(5 players)
SB bets $0.50, BB raises to $1.50, Hero…

Nun musst du überlegen, wie du wohl am besten Value extrahieren kannst. Klar ist: Protecten brauchst du nicht und es scheint zwei Spieler zu geben, die an dem Pot Interesse haben.

Da du auf diese beiden Position hast, ist ein Call hier eine gute Wahl. Sollten sie es sich am Turn anders überlegen und passiver werden, kannst du immer noch nachlegen.

Zudem gibst du damit den Spielern hinter dir die Chance, mit einem womöglichen Draw in der Hand zu bleiben. Hält beispielsweise einer der beiden Spieler hinter dir einen Flushdraw, so wäre es doch fantastisch würde dieser am Flop noch mal zahlen um zu drawen (nicht wissend dass er bereits Drawing dead ist).

Es wäre noch besser, wenn am Turn der Flush ankommen würde, denn dann könntest du mit deinem Full House selbst in diesem unraised Pot einen großen Gewinn erwarten.

Zusammenfassung

Du hast gesehen, dass unraised Pots nicht nur aus ein paar Standard-Moves bestehen. Hältst du dich hier zu häufig zurück und foldest die beste Hand, da du Problemen auf späteren Streets gerne aus dem Weg gehen möchtest, so lässt du einiges an Value liegen.

Spielst du jedoch zu aggressiv und willst in diesen Situationen am liebsten den halben Tisch aus dem Pot bluffen, so verrennst du dich zu häufig in Situationen, wo du als klarer Außenseiter dein Geld in die Mitte schiebst.

Suche dir die richtigen Spots aus, bluffe nicht zu viel, valuebette wenn du es für angebracht hältst und call einfach mal runter, wenn du denkst du hältst die beste Hand. Dieses durchdachte, teils aggressive, jedoch noch einigermaßen varianzarme Play wird sich über kurz oder lang bezahlt machen.