MSS Advanced (1) - Die Basics
Einleitung
In diesem Artikel
- Was die Midstackstrategie ist
- Die Unterschiede zu SSS sowie BSS
- Welche Punkte du beim Start beachten solltest
Die Midstackstrategie bildet neben SSS und BSS nun die dritte NL-Strategievariante, die du hier erlernen kannst. Wie der Name schon sagt, ist dein Stack bei der MSS größer als bei der SSS, jedoch immernoch kein Fullstack, wie in der BSS.
Im Folgenden bekommst du einen Überblick darüber, an welche Spieler sich die neue Strategie richtet, wo die wichtigsten Unterschiede zu anderen Strategien liegen und was du vor deinem Start bzw. deinem Umstieg beachten solltest.
An wen richtet sich die MSS?
Die Midstackstrategie ist besonders für ehemalige Shortstack-Spieler geeignet, da auch das MSS-Spiel sehr prefloplastig ist. Besondere Bedeutung haben kleine Equityvorteile preflop, die es geschickt auszunutzen gilt. Außerdem kann über die MSS der Umstieg von SSS auf BSS einfacher gestaltet werden. Du erweiterst dein Spiel mit der MSS um eine weitere Street (da du nun auch viele Turnentscheidungen hast), was dich natürlich auf die BSS vorbereitet.
Sie ist aber auch für BSS-Spieler geeignet, die etwas Neues ausprobieren wollen. Es kann sein, dass du einfach einen anderen Blickwinkel einnehmen willst. Oder vielleicht fühlst du dich gegen andere BSS-Regulars unsicher und willst dein Spiel umstellen. Es geht hier nicht nur um „Ich bin ein Fisch und als Midstack verliere ich nur die Hälfte“. Es kann für BSSler interessant sein, die MSS zu spielen, wenn sie in ihrem Spiel grade an einem Punkt angelangt sind, an dem Sie nicht richtig weiterkommen und eine neue Strategie frischen Wind in die Poker-Segel bläst.
Durch eine andere Strategie gewinnst du einen weiteren Horizont, um auch dein BSS Spiel besser einzuschätzen. Wichtig ist, dass du an dir arbeitest und permanent Fortschritte machst. Auch Highstakes-Spieler entscheiden sich manchmal dafür, erst einmal mit einem Midstack zu beginnen. Es ist keine Frage von gut oder schlecht, für welche Strategie man sich entscheidet.
Die Advanced MSS richtet sich vor allem an Spieler der Limits NL100 bis NL400 Fullring. Für höhere oder kleinere Limits sowie für Shorthanded sind natürlich Anpassungen nötig.
Unterschiede zwischen Midstack- und Shortstackstrategie
Die Openraisingranges werden nicht mehr nur nach Equity-Gesichtspunkten ausgewählt. Zusätzlich zu diesen Händen werden Hände mit guter Playability gespielt. Als Midstack kannst und musst du sehr viel mehr als ein Shortstack das Postflopspiel mit in deine Überlegungen miteinbeziehen.
Aufgrund des höheren Stacks sind deine Openraises per 3-Bet effektiver attackierbar. Da sich der 3-Better nicht automatisch gegen dich committed (im Unterschied zur 3-Bet gegen einen Shortstack), bist du theoretisch anfälliger gegen 3-Bet-Bluffs.
Umgekehrt gilt das gleiche: Der 40BB Stack führt dazu, dass sich die 3-Betranges auf beiden Seiten verändern. Die Gegner werden entweder adapten, indem sie tighter openraisen oder looser gegen deine 3-Bets broke gehen und 4-Bet-Bluffs auspacken.
Ein weiterer mathematischer Fakt ist die veränderte Stack-to-Pot-Ratio durch den Midstack. Daraus resultiert eine größere benötigte Equity beim Call eines All-Ins nach deinem Openraise auf 2,5BB. Während du mit einem Shortstack lediglich 43% Equity benötigst, sind es als Midstack schon 46%.
Das erklärt wiederum, wieso du auf 3-Bets mehr Hände folden musst. Das gilt übrigens auch für deinen Gegner, denn er braucht ebenfalls die 46% Equity. Weitergedacht bedeutet das auch, dass du bei einem All-In-Shove endlich Foldequity hast. Da dein Gegner eine größere Equity benötigt und gleichzeitg nicht durch seine 3-Bet committed ist, kann er auf dein All-In auch noch folden.
Ein 4-Bet-Shove hängt also nicht mehr nur allein von der reinen Equity ab, sondern auch davon, wie oft dein Gegner tatsächlich noch foldet. Daher besteht der Erwartungswert deines Shove aus der Foldequity plus der Equity bei einem Call.
Unterschiede zwischen Midstack- und Bigstackstrategie
Spieltechnisch unterscheiden sich die Strategien in der Anzahl der Setzrunden, an denen du dich aktiv beteiligst. Bei der Midstackstrategie fallen schwierige Entscheidungen am River meistens weg, da man in diesen Setzrunden schon All-In oder ausgestiegen ist.
Mit der Bigstackstrategie gehst du wesentlich seltener All-In, da dir viel mehr Geld zur Verfügung steht. Deswegen musst du auch in den späteren Runden noch Entscheidungen treffen. Aus diesem Grund ist die Bigstackstrategie schwieriger zu spielen als die Midstackstrategie und die Midstack- schwieriger als die Shortstackstrategie.
Da es insgesamt weniger schwere Entscheidungen gibt, ist es möglich, mehr Tische zu spielen und dadurch deine hourly Winrate zu erhöhen. Als Midstack hast du den Vorteil, dass BSS-Spieler möglicherweise nicht richtig adapten und z.B. ihre Implied Odds unterschätzen. Daraus kannst du Profit schlagen, da die Situationen für dein eigenes Spiel sehr viel besser einzuschätzen lernst. Gleichzeitig darfst du nicht den Fehler machen, zu viele spekulative und unprofitable Hände zu spielen.
Ein Nachteil der MSS ist, dass du gegen krasse Fische mit 100BB nur einen halben Stack zur Verfügung hast, um dessen Leaks auszunutzen. Deshalb empfehlen wir dir auch, diesen Vorteil an besonders profitablen Tischen mitzunehmen und den Tisch nicht zu früh zu verlassen. Ein Bigstack kann hier immer den maximalen Gewinn ausschöpfen. Im Gegenzug kannst du in toughen Spots auch nur einen Midstack verlieren, was einige Entscheidungen bedeutend leichter macht.
Getting Started
Als generelles BRM empfehlen wir mindestens 50 Stacks. Das ist noch kein konservatives BRM und du kannst hier selbstverständlich auch etwas höher gehen, denn die Swings bei der MSS können mitunter recht groß sein. Es kann durchaus passieren, dass du nach 50000 Händen 40-50 Stacks unter EV läufst. Von daher solltest du dich darauf einstellen und deine Limits entsprechend anpassen.
Das hängt auch von deiner Tiltresistenz und von deinem Mindset ab. Bist du in dieser Beziehung eher dünnhäutig, empfehlen wir dir ein konservativeres BRM von ca. 80 Stacks. Damit solltest du auf der sicheren Seite sein und kannst auch größere Swings locker verkraften. Je nachdem wie viel es dir ausmacht, öfter auf- und abzusteigen solltest du dein Bankrollmanagement zwischen 50 und 80 Stacks gestalten.
Tendenziell gillt, je höher das Limit, desto tighter das BRM, weil die Swings durch die aggressivere Spielweise größer werden und die Verluste in Geldwert betrachtet mehr weh tun. Außerdem solltest du unabhängig vom BRM gegenüber deinen gewohnten Limits etwas absteigen, wenn du eine neue Strategie ausprobierst.
Wenn du SSS auf NL400 spielst, solltest du nicht automatisch auf NL400 MSS wechseln. Die absoluten Geldbeträge sind doppelt so groß und du musst dich auch erst an die neue Strategie gewöhnen.
Die Grundlage der MSS ist die Foldequity, die du immer ausnutzen willst. Egal ob bei einer Contibet oder einer Bluff-3-Bet preflop, es ist wichtig zu wissen, wie viel Foldequity du erwarten kannst. Dabei helfen dir die Stats deiner Gegner, die du exploiten musst.
Das führt zum wichtigen Punkt: Adaption. Die MSS funktioniert nicht pauschal gegen alle Gegner gleich. Darin unterscheidet sie sich nicht von der SSS oder BSS. Dein Spiel muss sich an deinen Gegner anpassen, deine Lines immer gegnerspezifisch ausgewählt werden.
Wenn du jemanden zweimal 3-bettest und er jedes Mal 4-bettet und du folden musst, solltest du nicht noch einmal einen Bluff versuchen. Der ganze Tisch weiß nun, dass du zweimal geblufft hast. Das nutzt du, um beim dritten Mal mit einer starken Hand aufzutauchen und dein Image auszunutzen.
Je nach Anbieter variiert das Buy-in zwischen 35-40 BB. Für die Strategie ergeben sich daraus zwar geringfügige Unterschiede, jedoch keine fundamentalen. Dein Plan ist es ohnehin, nicht nachzukaufen. Durch einen kleineren Stack kannst du die mathematischen Vorteile von kleineren Stacks ausnutzen. Bevor du 15BB erreicht hast, solltest du nicht nachkaufen.
Das hat gleich mehrere positive Aspekte für dich. Der erste und wichtigste Punkt ist das so genannte Statsfaking. Da sich mit unterschiedlichen Stacksizes auch dein Spiel verändert, verlieren deine Stats für die Gegner etwas an Aussagekraft, da die Samplesize für einige Werte zwar da ist, aber eine Mischung aus verschiedenen Spielstilen (MSS und SSS) darstellen. Von daher bist du nicht so einfach per Stats kategorisierbar. Darüber hinaus genießt du mit einen Shortstack selbstverständlich die mathematische Edge.
Ab einem Gewinn von 10BB solltest du den Tisch wieder verlassen. Das Preflop- sowie das Postflopspiel verändern sich ab dieser Stackgröße erheblich und du verlierst etwas an Edge gegen die BSS-Regulars.
Selbstverständlich kannst du auch mit erhöhten Stack am Tisch bleiben, wenn folgende Umstände gegeben sind: Du bist nicht auf scared Money und spielst zu vorsichtig, da du Angst hast, deinen Stack zu verlieren. Es können auch schlechte Spieler am Tisch sein, gegen die du gerne mit einem größeren Stack spielen willst. Das musst du jedoch für dich abwägen und entscheiden.
Zusammenfassung
Dieser Artikel hat dir die Grundlagen der MSS näher gebracht. Du hast gelernt, welche Unterschiede es zwischen SSS, MSS und BSS gibt sowie den grundlegenden Gameplan, den du verfolgen solltest. In den weiteren Teilen dieser Artikelreihe lernst du die Konzepte hinter Openraising, 3-Bets und (Bluff-)4-Bets in der MSS kennen.
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