Wie spielst du schwache Draws?
Einleitung
In diesem Artikel
- Imlplied Odds sind sehr unterschiedlich einzuschätzen.
- Wie du schwache Draws in Multiwaypötten spielst.
- Wie du schwache Draws in Heads-up-Pötten spielst.
Triffst du mit einer Starthand den Flop nicht, so wirst du dennoch sehr oft in der Situation sein, dass du nicht vollkommen am Flop vorbei geschossen bist. Du wirst einen Gutshot, einen Backdoorflushdraw oder andere sehr schwache Draws treffen und stehst dann vor der Entscheidung wie du diese Hände weiterspielen sollst.
Auf den sehr niedrigen Limits ist es nie verkehrt, mit diesen Händen einen weaken Spielstil zu verfolgen und weiterhin auf die sehr starken Hände zu warten, um deinen Gegner zu stacken.
In diesem Artikel wird dir nun weiter gezeigt, wie du deine schwachen Draws auch ab den Small Stakes mit einem sehr guten positiven Erwartungswert spielen kannst. Nun begegnest du Gegnern, mit denen du auch richtig Poker spielen und deine Postflopedge auch mit den schwachen Draws ausspielen kannst.
Dabei geht es in diesem Artikel allein darum, nur schwache Draws zu spielen und nicht, wie sich die Spielweise von made Hands durch schwache Draws verändern kann.
Was ist ein schwacher Draw?
Zu Beginn musst du natürlich wissen, welche Hände du als schwache Draws kategorisieren kannst. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Arten von schwachen Draws, welche sich teilweise in ihrer Spielweise extrem unterscheiden können.
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Bei diesen Draw begehen gerade unerfahrene Spieler den Fehler, dass sie ihren Draw zu stark einschätzen. Hältst du das so genannte Idiot-End eines Straightdraws, so musst du dir unbedingt bewusst sein, dass du nur 4 Outs auf die absoluten Nuts hast.
Kommt am Turn in diesem Beispiel eine Q, so wird oft der Fall eintreten, dass dein Straightdraw durch AK oder K9 dominiert ist und du dich in einer sehr schlechten Situation befindest.
Hältst du auf einem 2-suited Flop den Idiot-OESD, so verringert sich die Anzahl deiner Outs weiter. Du wirst nun noch öfter in der Situation sein, am Turn deinen Draw zu treffen, dann aber nicht genau zu wissen, ob es nun wirklich profitabel ist, einen sehr großen Pot zu spielen.
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Nun hältst du einen Flushdraw, hast aber das Problem, dass du weder den Nutflushdraw noch den 2nd oder 3rd Nutflushdraw spielst. Es besteht also nun die Gefahr, dass ein Gegner einen besseren Flushdraw hält oder einen Redraw am Turn hat, falls du dort deinen Draw komplettieren solltest.
Je mehr Gegner im Pot sind, desto wahrscheinlicher wird es auch, dass einer deiner Gegner deinen Draw dominiert hat und du nahezu drawing dead in der Hand bist. Dementsprechend musst du natürlich, trotz deiner Vielzahl an Outs, vorsichtig spielen, um nicht in die Gefahr zu laufen, mit dieser Hand nur kleine Pötte zu gewinnen und große zu verlieren.
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Bei einem solchen Gutshot hast du immer den Vorteil, dass du 4 (oder bei einem 2-suited Board 3) Outs auf die absoluten Nuts hast. Hinzu kommt, deine Outs sind sehr gut versteckt. Bei einem Board von 5



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Diese Draws sind so schwach, weil sie auf der einen Seite so offensichtlich und auf der anderen Seite keine Nutdraws sind. Kommt dein Draw in einem dieser Spots an, so weiß der Gegner direkt, dass eine weitere Karte den Draw komplettieren würde, und hat auch oftmals keine große Mühe, dir diese Karte zuzuschreiben, wenn du plötzlich aktiv wirst.
Solltest du also auch trotz des Hits deines Straightdraws Action von deinem Gegner bekommen, bist du sehr oft in der undankbaren Situation mit einem Freeroll konfrontiert zu werden. Denn entweder hat dein Gegner einen besseren Draw getroffen oder ihr splittet den Pot. Du wirst jedoch nur noch sehr selten in der Lage sein, den Pot alleine zu gewinnen.
Bei schwachen One-Card-Flushes ergibt sich das Problem des Freerolls nicht, jedoch besteht dort natürlich die Gefahr, dass du den schwächeren Flush getroffen hast. Denn bedenke: Es gibt nur sehr wenige Spieler, die auf einen 4-suited Board ein einzelnes Paar overplayen oder drawing dead einen puren Bluff versuchen.
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Backdoordraws haben den großen Vorteil, dass sie sehr schwer für den Gegner zu lesen sind. Das Problem an diesen Draws ist jedoch auch ihre verschwindend geringe Eintreff-Wahrscheinlichkeit, du musst immerhin zwei perfekte Karten treffen.
Daher sind Backdoordraws alleine in den meisten Situationen gegen einen normalen Gegner ohne besondere History nicht spielbar. Kombiniert deine Hand jedoch mehrere Backdoordraws oder hast du am Flop eine made Hand und einen Backdoordraw, so wird deine Hand spielbar.
Sehr oft wirst du auch in die Situation kommen, aufgrund deines Backdoordraws eine andere Line zu wählen, da dir der Draw am Flop immer einen kleinen Equitysprung verschafft und du bei einem Hit oftmals enorm große implied Odds haben wirst.
Du siehst also, dass sich die schwachen Draws untereinander sehr stark unterscheiden können, und es dementsprechend auch keine Standardline für den einen schwachen Draw gibt.
Im weiteren Verlauf erfährst du, worin sich die einzelnen Draws genau unterscheiden und in welchen Situationen du mit welchen Draws bevorzugt spielen kannst.
Implied und reverse implied Odds beim Spiel mit schwachen Draws
Abhängig von deinem Draw und der dazu gehörigen Boardtextur verändern sich deine implied Odds sehr. Teilweise wirst du mit einem schwachen Draw sehr hohe implied Odds haben und ein anderes Mal sehr große reverse implied Odds. In der Auflistung der verschiedenen Draws siehst du schon, in welche Richtung der einzelne Draw tendiert.
Hier noch einmal eine kurze Übersicht:
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One-Card-Draws, bei denen du nur eine deiner Holecards verwendest, haben meist sehr starke reverse implied Odds. Dies ist damit zu erklären, dass deine ankommenden Draws sehr offensichtlich sind und ein kompetenter Gegner dementsprechend auch nur noch um einen sehr großen Pot spielen möchte, wenn er diesen offensichtlichen Draw auch schlagen kann. Ein weiterer Aspekt ist die relative Schwäche deiner Hand. Du verwendest nur eine deiner Holecards, was zur Folge hat, dass dein Gegner dich dominieren kann, du es aber nicht immer leicht haben wirst, von deiner Hand Abstand zu nehmen.
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Schwache Flushdraws und der Idiot-OESD haben in der Regel ebenfalls reverse implied Odds. Bei diesen beiden schwachen Draws sind die reverse implied Odds jedoch meist nicht so hoch wie bei den One-Card-Draws. Oftmals wird es dir immer noch gelingen, mit einem getroffenen Draw ein Twopair oder ein Set zu stacken. Jedoch hast du auch mit diesen Händen immer das Problem, dass du Gefahr läufst dominiert zu sein. Daher sind diese Hände weiterhin mit etwas Vorsicht zu spielen.
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Gutshots und Backdoordraws haben die größten implied Odds, vorausgesetzt du verwendest beide deiner Holecards, so dass sie nicht unter die Kategorie der One-Card-Draws fallen. Kommt dein Gutshot, Backdoorstraightdraw oder Backdoorflushdraw an, so wird dein Gegner es sehr schwer haben, dich auf exakt diese Hand zu setzen. Zu oft wird er sich denken, dass du einen solch schwachen Draw nicht gespielt hast und daher oftmals keinen Sinn in deiner Betsequenz sehen und dir den Payoff geben. Genau diese Tatsache macht diese schwachen Draws so enorm stark. Paradoxerweise wirst du mit den schwächsten der schwachen Draws die größten Pots gewinnen können, da dich kein Gegner so einfach auf den ominösen Backdoordraw setzt oder den möglichen Gutshot vollkommen übersieht.
Im Grunde siehst du, wie sehr sich die implied Odds der schwachen Draws voneinander unterscheiden. Vergiss aber niemals, dass die implied Odds nicht nur von deiner Hand abhängen.
Neben deiner Hand sind die Boardtextur (ein Gutshot auf einem 3-suited Board hat geringere implied Odds) neben dem eigentlichen Gegner weiterhin die zwei ausschlaggebenden Faktoren, um deine implied Odds eingrenzen zu können. Bedenke dies und achte nicht nur allein auf deine Hand.
$0.25/0.50 No-Limit Hold'em (6 handed)
Hero ($65.36
BB $9.35
Preflop: Hero is SB with Q

2 folds, CO calls, 1 fold, Hero calls, BB raises to $1.50, 1 fold, Hero calls.
Flop: ($3.50) 3


Hero checks, BB bets $2.50, Hero??
Du benötigst einen der vier Buben im Deck zum Komplettieren der Straße. Ein weiteres Out kannst du dir auf die situationsbedingt stark discountete Overcard geben. Mit dementsprechenden Odds von 8,4:1 kannst du die Bet bei Pot Odds von 2,4:1 nicht callen.
Nur die implied Odds können dich noch von einem Call überzeugen. Die optimistischsten implied Odds, die du dir hier geben kannst sind, bei einem Reststack des Big Blinds von $5.35, 4,54:1. Dies reicht weiterhin nicht für einen Call. Wenn du noch mit einbeziehst, dass du im weiteren Handverlauf out of Position spielen musst, ist dies ein sehr einfacher Fold für dich.
Schwache Draws in Multiwaypötten
Spielst du in einem Multiwaypot einen schwachen Draw, so wirst du schnell erkennen, dass hier nicht der korrekte Spot ist, um einen kreativen Spielzug zu versuchen. Oftmals fehlen dir die korrekten Odds sowie die nötige Foldequity, um deinen schwachen Draw auf eine besondere Weise zu spielen.
Nur in Ausnahmefällen wirst du in der Lage sein, dir mit einem Gutshot die korrekten implied Odds anrechnen zu können.
Ist dies nicht der Fall, so gilt es in einem Multiwaypot mit einem schwachen Draw straightforward zu spielen und mit deiner Hand keinen Semibluff zu starten oder gegen deine Pot Odds am Flop zu callen, um am Turn einen Move auszupacken.
Versuche, die eigenen Verluste in Grenzen zu halten und nicht mit zu schwachen Draws in zu große Pötte verwickelt zu werden.
$0.50/$1.00 No-Limit Hold'em (6 handed)
BB $110
CO $50
Hero $130
SB $80
Preflop: Hero is BU with J

2 folds, CO calls, Hero raises to $4, SB calls, BB calls, CO calls.
Flop: ($16) 3


SB bets $8, BB calls, CO calls, Hero??
Du hältst vier Outs zur Nutstraight. Daher benötigst du direkte Odds von 10,75:1, um profitabel auf deinen Draw callen zu können. Die offerierten Pot Odds liegen bei 5:1. Sollte am Turn eine Dame erscheinen, müsstest du weitere $50 von deinem Gegnern extrahieren und der Pot müsste von derzeit $40 auf $90 anwachsen, um den Call nach den reinen Pot Odds zu rechtfertigen.
Doch die Bedingungen sind günstig, von einem weitaus höheren Finalpot auszugehen. Du hast Position auf deine Gegner, die beteiligten Stacks sind relativ groß, du bist Preflopaggressor und drei Spieler zeigen OOP Interesse am Flop.
Auch die Offensichtlichkeit deiner Hand ist gering. Das hypothetische Board bestünde aus 3K9Q. Die so genannte Connectivity ist relativ gering. Dieser Begriff beschreibt, in welchem Maße die auf dem Board befindlichen Karten vom reinen Wert her nah beieinander liegen. Ist die Connectivity hoch, so ist die Straight leichter für den Gegner zu erkennen. Nur Q und K liegen im Beispiel nebeneinander und Gegner könnten daher die Straight übersehen oder zumindest für unwahrscheinlich halten.
Betrachtest du das Board am Flop im Hinblick auf starke gegnerische Hände, so sind verschiedene Möglichkeiten denkbar. Es könnte ein Set im Spiel sein (vor allem 33 ist eine typische limp/call-Hand) oder ein Twopair. Des Weiteren spielst du gegen drei Gegner und die $90, auf die der Pot anwachsen muss, sind bei der gezeigten Action leicht bis zum Showdown erreichbar, auch wenn ein Gegner nur eine schwache Hand wie ein Paar Könige hält.
Die implied Odds ergeben sich wie folgt: Zu 8,5% bringt der Turn eine Dame. Zu 16,4% erscheint sie auf dem Turn oder River. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die mit JT gebildete Straight dann die beste Hand am Showdown sein. Es ist eine durchaus realistische Schätzung, dass mindestens ein Gegner bereit ist, beim eventuellen Ankommen des Draws weiter Geld in seine Hand zu investieren. Verbesserst du deine Hand am Turn nicht, kannst du je nach Odds folden oder erhältst sogar eine Freecard.
Implied Pot Odds für einen Call am Flop: (16+24+50)/8 : 1 = 11,25:1
Schon diese Odds sind besser als die geforderten 10,75:1 Odds für vier Outs, ohne eine Freecard am Turn in die Berechnung einzubeziehen.
EV(Call) = P(Dame am Turn) * EV(Pot mit Implied Odds) - P(keine Dame am Turn)*EV(Investment)
= (0,085*90) - (0,915*8) = 0,33
Der Call wäre hier richtig.
Dieses Beispiel mag gestellt aussehen und eine solche Situation ist sicher nicht die Regel. Doch es zeigt dir, wie du deine implied Odds berechnen kannst und auf was du alles noch achten musst.
Ebenso können derart exakte Berechnungen im Spiel nie vorgenommen werden. Daher musst du ein Gefühl dafür bekommen, wann sich ein Call lohnt oder ein Fold angebrachter ist. Eine Berechnung wird zudem nicht immer zum richtigen Ergebnis führen, da viele Variablen hineinspielen, die nur empirisch ermittelbar sind.
$0.50/1.00 No-Limit Hold'em (6 handed)
Hero ($65.36)
BB ($55.35)
UTG ($60.85)
Preflop: Hero is SB with 9

UTG raises to $4, 3 folds, Hero calls $3.50, BB calls $3.
Flop: ($12) Q


Hero checks, BB bets $5, UTG calls, Hero??
Du erhältst Pot Odds von 4,4:1. Für den Fall, dass du neun saubere Outs auf den Flush und zwei auf das Set besitzt, betragen deine Flop-to-Turn-Odds 4,3:1. Ein Call wäre somit knapp, aber noch profitabel.
Allerdings spricht vieles gegen einen Call. Der Hauptgrund ist natürlich, dass einer der beiden Gegner gut ein höheres Herz auf der Hand halten kann. Zudem bist du OOP, was den River nicht billiger machen wird. Die effektiven Pot Odds sind schlechter, als sie sich darstellen. Du spielst hier mit reverse implied Odds.
Auf diesem Board wird es schwer, noch Value von einer starken, aber unterlegenen Hand zu extrahieren. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass die Outs auf den Flush überhaupt nicht vorhanden sind. Ein Call wäre somit ein Fehler.
Mit diesem letztlich doch sehr einfachen Beispiel soll verdeutlicht werden, dass der schwache Flushdraw trotz der Aussicht auf eine billige Karte häufig doch am Flop zu folden ist wegen der hohen Gefahren, die mit dem Draw einhergehen und der Lähmung des Spiels, die sich mit dem suited Board einstellt.
Der schwache Flushdraw wird dir am häufigsten in Situationen begegnen, in denen du ein Pocketpair spielst, da du tendenziell eher die suited Holecards spielst und deine offsuit Hände meist eine sehr hohe Stärke haben. Deshalb bestehen schwache Flushdraws selten ohne weitere Optionen auf eine starke Hand, die allerdings recht trügerisch sein können wegen der großen Flushgefahr.
Schwache Draws im Heads-up-Pot
In einem Heads-up-Pot hast du die Möglichkeit, deine schwachen Draws aus verschiedenen Gründen nicht direkt straightforward zu spielen. Über eines musst du dir dabei aber im Klaren sein: Schwache Draws sind sehr gegnerabhängig zu spielen!
Spielst du gegen einen loose-passiven Spieler (Callingstation) so wirst du nur selten die nötige Foldequity erzeugen können, um eine profitable Situation herbeizuführen. Diese Spieler machen sich nur sehr selten Gedanken über deine Betsequenz und Handrange, die du dadurch repräsentierst. Gegen diese Spielertypen sind die folgenden Spielzüge also mit äußerster Vorsicht anzuwenden.
Spielst du gegen einen Rock, TAG oder Semi-LAG so wirst du mit den nachfolgenden Konzepten weitaus mehr Erfolg haben. Diese Spielertypen sind fähig, schwache bis mittelstarke made Hands zu folden, und machen sich außerdem meist Gedanken über die Handrange, die du vertrittst.
Oft spielen diese Spieler auch mehrere Tische, wodurch deine Moves mit den schwachen Draws nicht so sehr auffallen werden, da deine Gegner dazu tendieren werden, auf Gegenwehr vermehrt aufzugeben.
Spielst du in einem Heads-up-Pot in Position und dein Gegner hat die Initiative, so bietet es sich sehr oft an, mit einem schwachen Draw den Gegner zu floaten.
Sehr viele Spieler haben die Eigenart, dass sie auf jedem Flop eine Continuationbet anbringen, um dann erst am Turn auf ihre wahre Handstärke zu achten. Oft werden sie dann am Turn sehr weak-passiv. Diese Spielweise kannst du mit einem Float in Position am besten ausnutzen.
$1/$2 No-Limit Hold'em (6 handed)
CO $200
Hero $200
Preflop: Hero is BU with 7

2 folds, CO raises to $7, Hero calls, 2 folds.
Flop: ($17) K


CO bets $13, Hero calls.
Turn: ($33) 2

CO checks, Hero bets $21
Du hältst hier am Flop einen Gutshot und entscheidest dich dafür, deinen Gegner zu floaten. Auf solch einer Boardtextur ist ein Float sehr oft von Erfolg gekrönt, denn die Boardtextur sieht für den Gegner sehr trocken aus, da nur Gutshot-Straightdraws möglich sind.
Seine Continuationbet wird er hier daher nahezu mit seiner gesamten Handrange machen. Sollte dein Gegner eine Hand halten, so kannst du dir mit deinem Gutshot sehr hohe implied Odds geben. Hinzu kommt, dass du am Flop noch einen Backdoorflushdraw hältst, welcher deiner Hand noch einen kleinen Pluspunkt gibt.
Gegen manche Gegner musst du bei solch einem Float immer auf die Highcard am Flop achten. Sehr oft werden gute TAGs und LAGs eine Overcard am Turn 2nd-barreln, woraufhin du natürlich nicht mehr floaten kannst. Ein King-high-Flop ist daher nahezu perfekt für einen Float, da dein Gegner eine Bluffbet am Turn meist nur auf ein Ass durchführen wird.
Auf eine der vielen nichtssagenden Turnkarten checkt der Gegner nun erwartungsgemäß zu dir. Nun ist es recht egal, ob aus deinem Backdoorflushdraw ein Flushdraw geworden ist oder nicht. Es hilft natürlich sehr, weitere Outs zum River zu haben, jedoch wirst du hier mit deinem schwachen Draw nahezu immer den Float durchführen müssen, da es die beste Chance ist, den Pot zu gewinnen, nachdem der Gegner Schwäche am Turn gezeigt hat.
Du siehst also, dass ein Float mit einem schwachen Draw ein sehr schöner Move ist. Doch dies ist noch nicht alles. Gegen Regulars ist es von Vorteil, deine Handrange bei einem Float zu polarisieren, so dass sie es weiterhin schwer haben, gegen deine gesamte Handrange zu spielen.
Hältst du in dieser Situation eine mittelstarke made Hand mit Showdownvalue (in diesem Handbeispiel 99, 98 oder ähnliches), so ist ein Float kein besonders guter Spielzug, da er dazu tendiert, alle schlechteren Hände zum Folden zu bekommen und nur noch einen Call von besseren Händen zu bekommen. Mit einer mittelstarken made Hand solltest du daher eher auf Potcontrol achten und schauen, dass du den Showdown sehen kannst.
Hältst du schon am Flop eine gute made Hand, welche jedoch verwundbar ist, so bietet sich mit diesen Händen an, deine Bluffraisingrange am Flop zu balancen und direkt for Value zu raisen und auf Protection zu achten. Ein Float ist daher auch hier nicht immer der Standardspielzug.
Hältst du anstatt eines schwachen Draws einen starken Draw, so wird dir gegen manche Gegner ein Float nicht gefallen, da du dir so die Möglichkeit einer Freecard nimmst und dich einem möglichen Checkraise aussetzt.
Mit einem starken Draw willst du jedoch nie am Turn einem Checkraise gegenüberstehen, da du dann eine sehr hässliche Entscheidung zu treffen hast. Du wirst sehr oft geschlagen sein und bei einem Fold einen nicht zu kleinen Anteil deiner Potequity aufgeben.
Manchmal wirst du dann sogar gezwungen sein, mit deinem starken Draw aufgrund der Pot Odds zu callen und insgesamt dein Geld am Turn als Underdog hineinzuschieben. Aufgrund dieser Schwierigkeiten solltest du mit einem starken Draw dazu tendieren, den Flop zu semibluffen, um dir dann eine Freecard am Turn nehmen zu können. Ein Float ist eher kontrapoduktiv.
Dir gelingt es also, mit deinen schwachen Draws deine sehr starken made Hands zu balancen, welche du ebenfalls nur am Flop gecallt hättest, in der Hoffnung, dass der Gegner entweder weiter blufft oder sich zu einer 2nd best Hand verbessert.
Bei einem Float mit schwachen Draws gelingt es dir, neben diesem Balancingakt weiterhin viel Foldequity zu erzeugen, um einem Showdown aus dem Weg zu gehen. Solltest du bei einem Float gecallt werden, so wirst du sehr oft enorme implied Odds halten, sollte dein Draw am River ankommen.
Spielst du einen HU-Pot in Position mit Initiative, so stehen dir zwei verschiedene Möglichkeiten am Flop zur Verfügung: die Continuationbet (mehr dazu im nächsten Abschnitt) und das verzögerte Bluffraise.
$1/$2 No-Limit Hold'em (6 handed)
BB $200
Hero $200
Preflop: Hero is BU with 7

3 folds, Hero raises to $7, SB folds, BB calls.
Flop: ($15) A


BB checks, Hero checks.
Turn: ($15) 3
BB bets $12, Hero raises to $40, BB calls $28.
River: ($95) 2
BB checks, Hero bets $82
Diese Line scheint auf den ersten Blick recht unorthodox. Doch bei genauerer Betrachtung wirst du die Vorteile und den Gedankengang hinter dieser Spielweise erkennen.
Preflop machst du ein Standard-Openraise aus dem Button und wirst vom Big Blind gecallt. Auf dieser Boardtextur am Flop kannst du in aller Regel eine Continuationbet machen. Jedoch wird es sehr oft geschehen, dass dich dein Gegner sowohl mit einer 4 und einem Pocketpair, als auch mit einem Ass callt. Nach einer solchen Line wirst du mit deiner Hand sehr oft in einer etwas schwierigen Position am Turn sein und nicht sicher wissen, ob dies ein sehr guter Spot für eine 2nd Barrel ist, da dies sehr stark von deinem gegnerischen Read abhängt.
Verzichtest du nun auf eine Continuationbet am Flop, so werden viele Spieler versuchen, den Pot mit einer Bluffbet aufzusammeln oder durch eine Protectionbet ihr Pocketpair zu schützen. Raist du nun diese sehr oft kommende Turnbet als Bluff, so wird dein Gegner Probleme haben, ein Pocketpair weiterzuspielen. Durch dein Bluffraise am Turn gelingt es dir daher, bessere Hände zum Folden zu bekommen und Informationen über die gegnerische Hand zu erhalten.
Dieses Bluffraise könntest du in dieser Hand sicher auch mit J

Diese geringe Wahrscheinlichkeit den Suckout mit einem Backdoordraw zu landen, kann jedoch einen enorm großen Erwartungswert haben. Dein Move hat nämlich Tiltpotential und verändert das Metagame zwischen dir und deinem Gegner teilweise grundlegend.
Viele Regulars sind auf den Small Stakes mit solch einem Move nicht vertraut und denken nun, dass du vollkommen idiotisch spielst. Sie werden nun teilweise auf Tilt gehen oder versuchen, permanent Herocalls gegen dich durchzuführen.
Gelingt dir dies, so kannst du natürlich sehr gut in späteren Händen Vorteil daraus ziehen und dein Image durch dünne Valuebets sehr gut ausnutzen.
Es kann daher durchaus der Fall sein, dass du durch dieses verzögerte Bluffraise am Turn und die Bluffbet am River einen -EV-Spielzug durchführst, jedoch hat dieser Spielzug sehr oft einen weitaus größeren Einfluss auf spätere Hände gegen diesen Gegner.
Integrierst du die Line check behind Flop, bluffraise Turn in dein Spiel, so musst du auf drei Dinge besonders achten:
- Spiele diese Line auch als Valueline. In diesem Handbeispiel könntest du beispielsweise eine 4 oder AK ebenfalls am Flop behindchecken, um den Turn for Value zu raisen.
- Spiele auf keinen Fall scared Money und sei dir im Klaren, dass du am River nach einem Turncall deines Gegners sehr oft eine weitere Bluffbet abfeuern musst. Du willst die maximale Foldequity erzeugen und dem Gegner nicht einfach so deinen Bluff zeigen.
- Spiele diese Line nur gegen Gegner, die auch ihre Hände folden können und gegen die du auch ein solides Image hast. Callingstations, die any Ace runtercallen, sind keine Ziele, um diesen Move durchzuführen.
Spielst du als Preflopaggressor in einem Heads-up Pot, solltest du nahezu immer eine Continuationbet durchführen. Die oben vorgestellte Line stellt hier die Ausnahme dar und ist nur in besonders guten Spots durchzuführen.
Bist du Preflopaggressor, so wirst du mit einer Continuationbet sehr oft ausreichend Foldequity erzeugen können. Und falls dich dein Gegner callen sollte, wirst du meist sehr hohe implied Odds auf deinen schwachen Draw halten, da deine Continuationbet für den Gegner nicht direkt auf deine Hand schließen lässt.
Spielst du out of Position, solltest du auf keinen Fall versuchen, zu oft eine zu passive Line zu wählen und am Flop deine Initiative durch einen Check abzugeben. Gerade out of Position fehlen dir die richtigen Mittel, um dir Freecards nehmen zu können oder Potcontrol zu betreiben.
Daher ist hier eine Standardline durch eine Continuationbet meist die beste. Beginnst du, schwache Draws OOP passiver zu spielen, so musst du dann auch damit beginnen, Check/Bluffraises am Flop in dein Spiel einzubauen. Dies benötigt wieder etwas mehr Fingerspitzengefühl und Gegnerkenntnis.
0.5/1 No-Limit Hold'em (5 handed)
Preflop: Hero is BB with T

3 folds, SB raises to $2.00, Hero raises to $6.00, SB calls.
Flop: ($12.00) K


SB checks, Hero bets $10, SB calls.
Turn: ($32.00) 7
SB checks, Hero ??
Hier stehst du am Turn vor einer schwierigen Entscheidung. Es liegt auf der Hand, dass dein Gegner häufig einen besseren Flushdraw oder eine stärkere Hand halten kann.
Die Vorteile einer Bet (2nd Barrel):
- Relativ hohe Foldequity aufgrund des gefährlichen Boards.
- Du bekommst bessere Informationen über die Hand des Gegners als durch einen Check.
- Du ersparst dir bei einem Raise eine Entscheidung am River.
Die Vorteile eines Checkbehinds:
- Du erhältst eine Freecard.
- Du spielst keinen extrem großen Pot mit einer marginalen Hand (Stichwort: Potcontrol).
- Du verhinderst ein Checkraise des Gegners.
- Aufgrund des kleinen Pots und deiner Position wird die Entscheidung am River stark erleichtert.
- Ein 2nd-Barrel-Bet kann durchaus nur gecallt werden und der Informationsfluss ist beinahe der gleiche wie bei einem Checkbehind.
Du siehst, dass es durchaus Argumente für beide Seiten gibt, die jedoch unterschiedlich gewichtet werden müssen. Die Foldequity stellt ein starkes Argument dar, die anderen stehen eher schwächer auf Seiten der Bet.
Der Punkt ist jedoch, dass in dieser Situation starke Hände selten folden, sondern hauptsächlich sehr schwache, gegen die du vorne liegst. Betrachtet man den weiteren Verlauf, sieht man, dass die Freecard mehr nützt als schadet. Außerdem ist der Pot mit der eher marginalen Hand klein zu halten und Potcontrol wichtiger anzusiedeln als die Foldequity. Ein Checkbehind ist hier die beste Entscheidung.
River: ($32.00) J
SB bets $20, Hero??
Auf dem River kommt der Flush an. Jede Hand mit einem Ass oder einer Dame in Pik schlägt deine Hand. Du hast Position und kannst dir mit einem Call den Showdown kaufen.
Betrachten wir die Entwicklung der Hand: Das 3-suited Board tritt erst am Turn auf. Es kann ein wichtiger Hinweis für deine Hand sein, wie der Gegner das 2-suited Board, wie das 3-suited Board und wie er den 4-Card-Flush gespielt hat. Ein guter Spieler beachtet beim schwachen Flushdraw alle diese Stationen, um sich ein besseres Urteil über seinen Gegner erlauben zu können, so wie man generell in der Lage sein sollte, eine Hand zu rekapitulieren, um diese Informationen zur Entscheidungshilfe heranziehen zu können.
SB verhält sich sehr passiv bis zur letzten Karte. Vielleicht saß er auch auf einem Draw oder spielt nun den K und macht eine Blockbet oder blufft, da er den Check am Turn als Schwäche interpretiert. Nur Hände mit einem Pik Ass oder einer Pik Dame liegen gegen deine Hand vorn. Es sind zwar nur einzelne Karten, die ein Gegner gut möglich halten mag, doch ohne Reads kannst du in dieser Situation ein Risiko gegen Unknown eingehen und die Bet callen.
Was das Beispiel zeigen soll, ist, dass es beim Spielen eines schwachen Flushdraws wichtig ist, vorausschauend zu agieren und sich Gedanken darüber zu machen, wie man handelt, wenn der Flush ankommt und sich die Situation auf diese oder jene Weise entwickelt. Im Gegensatz zu einem Gutshot kannst du nicht sicher sein zu gewinnen, wenn der Draw ankommt.
Zusammenfassung
In diesem Artikel hast du gesehen, dass es durchaus Spots gibt, in denen du ein etwas kreativeres Spiel mit deinen schwachen Draws aufziehen kannst. Bedenke aber immer, dass du mit deinem schwachen Draw auch dementsprechend die implied Odds haben bzw. die nötige Foldequity erzeugen musst, um insgesamt gesehen +EV spielen zu können.
Der Umgang mit dem Berechnen der implied Odds sollte daher nicht einfach lapidar durchgeführt werden.
Zusammenfassend solltest du aus diesem Artikel folgende Dinge mitnehmen:
- In Multiwaypötten ist eine weak-passive Spielweise weiterhin das beste Konzept, um nicht zu viel in diesen Händen zu verlieren.
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Abhängig von deinen implied Odds und der Boardtextur kannst du deine schwachen Draws in Heads-up-Pötten als Float oder als verzögertes Bluffraise spielen.
- Spielst du OOP in einem HU-Pot, so ist eine Continuationbet meist das beste Mittel, um deinen schwachen Draw weiter zu spielen.
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