Tight-aggressives Preflop Spiel für Fortgeschrittene
Vorwort
In diesem Artikel beschreibe ich, wie flexibles, der Situation angepasstes Preflop Spiel bei No Limit Holdem im Prinzip funktioniert. Gemäß unserem didaktischen Ziel, wollen wir zunächst ein tight aggressives Spiel vermitteln (TAG). Wir sind uns bewusst, dass dies nicht der einzige gewinnbringende Spielstil bei No Limit Holdem ist. Wir halten ihn aber für den am leichtesten zu erlernenden. Außerdem ist die mit ihm verbundene Varianz geringer, als die anderer Spielstile.
Ziele des TAG Preflop Spiels
Hauptziel des tight aggressiven Preflop Spiels ist das Generieren profitabler Situationen für das Postflop Spiel. Die Einsätze in der Preflop Wettrunde sind im Vergleich zu den potentiellen Einsätzen in späteren Wettrunden einfach derart klein, dass das Augenmerk im Wesentlichen immer darauf liegen muss, wie man diese größeren Einsätze in späteren Wettrunden gewinnen kann. Die Hand Preflop direkt für sich zu entscheiden ist also eher ein Nebenziel, trägt aber auch seinen Teil zur Gesamt Winrate bei. Das dritte Ziel, das man mit dem tight aggressiven Preflop Spiel verfolgt, ist das Aufbauen und Aufrechterhalten des eigenen Table Images.
Tight aggressives Preflop Spiel zielt darauf ab, in der Mehrheit kleine bis mittelgroße Pötte zu gewinnen. Die meisten Starthände die man spielt, machen am Flop nun einmal keine Strong Made Hands, und so will man mit diesen Händen eher um kleine Pötte spielen. Große Pötte gewinnt man nur gelegentlich, wenn man Preflop eine sehr starke Hand bekommt, oder einen besonders glücklichen Flop erwischt, oder besonders dumme Gegner hat. Eigentliches Ziel des tight aggressiven Spiels ist es aber eher, die Pötte klein zu halten, um nicht All-In Situationen oder Situationen zu erzeugen, in denen man Pot committed ist. In kleinen Pötten kann man die eigene Überlegenheit im Spiel mit Odds, Pot Odds und Implied Odds und auch durch das Image, das man vermittelt, viel besser nutzen.
Was ist eine profitable Situation für das Postflop Spiel?
Um diese Frage beantworten zu können, muss man die Gesamtheit der Starthände zumindest grob in Kategorien einteilen. Folgende gedankliche Einteilung bietet sich an:
a. Strong Hands
b. Medium Strong Hands
c. Marginal Hands
d. Drawing Hands
e. Steal Hands
Je nach Starthand, sieht die ideale Postflop Situation anders aus:
Mit Monster Händen, namentlich AA und KK, ist die ideale Situation, bereits Preflop All-In zu gehen, bzw. für das Postflop Spiel eine All-In ähnliche Situation zu schaffen. Diese Hände haben einen Equity Vorteil gegenüber allen anderen Händen. Diesen sicheren Equity Vorteil, und damit sicheren Gewinn, setzt man durch ein All-In Preflop direkt in Value, also Gewinn, um. All-In ähnlich bedeutet hier, dass der Pot schon derartig groß ist, dass zukünftige Einsätze kaum noch Einfluss auf die Entscheidung Postflop haben, die Hand weiterzuspielen. Damit meint man also Situationen, in denen die Hand Range des Gegners derart beschaffen ist, dass man durch die Größe des eigenen und gegnerischen Reststacks gezwungen ist, in der Hand zu bleiben, also Pot committed ist.
Beispiel: No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
Hero ($49.50)
MP1 ($42.00)
Preflop: Hero is UTG with A

Hero raises to $2, 2 folds, MP1 raises to $6.5, 6 folds, Hero raises to $20, MP1 calls $13.5.
Flop: ($40.75)
Hier handelt es sich um eine All-In ähnliche Situation. Der Pot ist am Flop bereits über $40 groß. MP1 hat nur noch einen Stack von $22. Mit Pot Odds von ca. 3:1 ist man also ohnehin gezwungen, am Flop All-In zu gehen. Dafür hat man Preflop die Weichen gestellt.
AA und KK verlieren in Händen gegen mehrere Gegner relativ schnell an Equity, da sie sich nur sehr selten am Flop verbessern. Deshalb gilt es diese Hände Preflop maximal aggressiv zu spielen. So maximiert man Value und die Chancen die Hand dann im Endeffekt auch am Showdown zu gewinnen. Mit AA und KK sollte man immer selber derjenige sein, der Preflop als letzter raist. Lieber einen relativ kleinen Pot Preflop sicher gewinnen, als im ungünstigsten Fall Postflop unverbessert gegen viele Gegner zu spielen.
Da diese beiden Hände sehr stark sind, spielt Position hier eine eher untergeordnete Rolle. Sie sind sowohl in Position als auch out of Position gewinnbringend spielbar.
Medium Strong Hands zeichnen sich dadurch aus, dass, wenn man am Flop etwas mit ihnen trifft, oft Top Pair mit einem zumindest guten Kicker daraus wird. Zu diesen Händen gehören AK, AQ, AJ und KQ suited und unsuited. Top Pair ist, was das Postflopspiel angeht, eine grenzwertige Hand. Bei günstigem Board und wenigen Gegner oft recht stark, bei ungünstigem Board und vielen Gegnern aber eher schwach.
Die ideale Situation für das Postflop Spiel wäre also, nur einen Gegner zu haben, also Heads Up zu spielen, und Position auf diesen Gegner zu haben. Man kann diese Hände auch in schlechterer Position gewinnbringend spielen. Da man aber mit „nur“ Top Pair, gemäß der Maxime „Play Big Pots with Big Hands and Small Pots with Small Hands“ möglichst um kleine Pötte spielen will, und man in Position viel besser die Entwicklung der Größe des Pottes kontrollieren kann, ist das Spiel mit diesen Händen in Position einfacher und gewinnbringender. So lässt sich einfacher der Gewinn maximieren, solange man vorne liegt, und der Verlust minimieren, falls man hinten liegt.
Auch die mittleren Pocket Pairs, QQ, JJ und TT, sind zu dieser Gruppe zu zählen. Sie machen zwar am Flop kein Top Pair, sondern sind bereits ein Paar, sind aber von der Stärke her den Top Pair Händen sehr ähnlich. Da sich auch diese Hände nur selten am Flop verbessern, und zusätzlich auch häufig Overcards floppen, erhöhen sich die Gewinnchancen erheblich, wenn man mit möglichst wenigen Gegnern konfrontiert ist. Zusätzlich trifft man mit diesen beiden Händen mit Odds von 7.5:1 am Flop ein Set oder besser, was sie in Kombination mit guten Implied Odds auch in Multiway Pots spielbar macht. So haben diese Hände sowohl Top Pair Charakter, als auch den Charakter spekulativer Hände. Die ideale Postflop Situation wäre also Heads-Up möglichst in Position. Misslingt dies greift dann Plan B, und man kann immer noch auf ein Set spekulieren.
Marginal Hands machen am Flop oft Top Pair mit einem schwachen Kicker, bzw. ein niedrigeres Paar mit gutem bis schwachen Kicker. Zu diesen Händen gehören AT, A9, KJ, KT, QJ, QT, JT, suited oder unsuited. Top Pair mit einem schwachen Kicker ist definitiv keine starke Hand bei No Limit Holdem. Man will unter allen Umständen vermeiden damit große Pötte zum Showdown zu spielen. Die ideale Situation für diese Hände nach dem Flop ist, den Flop gar nicht erst zu sehen, also die Hand Preflop schon zu entscheiden, die bisherigen Einsätze oder nur die Blinds zu stehlen, oder aber Heads Up in Position Postflop spielen zu können. Mit diesen Händen raist man also in aller Regel in late Position First In oder gegen wenige Limper, um genau das zu erreichen. Des Weiteren schafft man mit der Kombination aus Initiative und Position die besten Voraussetzungen dafür, die Hand nach dem Flop bestmöglich kontrollieren zu können, also die Gewinne zu maximieren und die Verluste zu minimieren.
Neben der Eigenschaft, schwache Top Pair Hände zu machen, haben aber auch diese Hände teils den Charakter spekulativer Hände. Je besser „Suitedness“ und „Connectivity“ dieser Hände sind, desto wahrscheinlicher flopt man mit ihnen einen starken Draw. Gelingt es einem also nicht, die optimale Situation herzustellen, kann man auch hier immer noch auf Plan B zurückgreifen, und die Hände rein auf Straight und Flush Value spielen.
Die Gruppe der Drawing Hands beinhaltet alle die Hände, die sich in den Postflop Wettrunden zu einer sehr starken Hand, in der Regel mindestens Two Pair, entwickeln müssen, um eine Hand am Showdown gewinnen zu können. Man muss damit also entweder bereits eine sehr starke Hand floppen, oder aber einen starken Draw. Zu dieser Gruppe gehören Suited Aces von A8 abwärts, Suited Connectors, Suited One Gappers und Pocket Pairs von 99 abwärts.
Die ideale Situation am Flop wäre, in Position mit einem relativ kleinen Pot und relativ vielen Gegnern zu spielen. Das ermöglicht dann, Draws relativ günstig zu spielen. Gleichzeitig hat man aber gute Implied Odds, wird also oft gut ausbezahlt, falls man seinen Draw oder eine sehr starke Hand trifft.
Kann man nicht die optimale Situation erreichen, wiegen sich die Nachteile gegeneinander auf. Das heißt: Kann man sehr billig, für einen Big Blind, den Flop sehen und hat gute Implied Odds, kann man auch einen positionellen Nachteil in Kauf nehmen. Hat man dafür einen Positionellen Vorteil und gute Implied Odds, kann man auch für einen größeren Betrag den Flop sehen, sprich einen Raise callen.
Eine weitere sehr Profit versprechende Situation für spekulative Hände, insbesondere mittlere und kleinere Pocket Pairs, ist das Spiel gegen einen aggressiven Gegner, mit einer vermutlich starken Hand, der Preflop raist. Hier macht man sich das Konzept der Implied Odds zu nutze. Man trifft zwar mit spekulativen Händen nur eher selten eine starke Hand. Gegen einen aggressiven Gegner mit einer starken Starthand dagegen, im Idealfall ein großes Pocket Pair, wird man dann in aller Regel aber ausbezahlt. Dies gilt insbesondere für kleine bis mittlere Pocket Pairs, mit denen man bei passenden Implied Odds vor allem in Position gerne auch in Händen spielt, die bereits geraist wurden.
Die Hände aus der Gruppe der Steal Hands benutzt man lediglich, um Preflop in Position die Blinds bzw. alle bisherigen Einsätze zu stehlen, also den Pot direkt Preflop zu gewinnen. Sie sind sehr schwache Hände, mit denen man Postflop nicht spielen will. Nur die Tatsache, dass man Preflop ausreichend Fold Equity hat und für den Fall, das man doch gecallt wird, Postflop in Position spielen kann, macht diese Hände überhaupt zu diesem Zweck spielbar. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel suited Kings bis K6s, suited Queens bis Q7s.
Den Pot Pre-Flop direkt gewinnen
Viele ärgern sich darüber, wenn ihre Raises Preflop nicht gecallt werden, und sie so nur die wenigen kleinen Einsätze Preflop gewinnen. Das sollte man aber nicht. Schaut man einmal ganz nüchtern auf die Zahlen: Man spielt vielleicht 15% aller Hände Preflop, also in einer Runde an einem vollen Full Ring Tisch 1.5 Hände pro Runde. Gewinnt man jetzt immer nur die Blinds, so gewinnt man 2.25 Big Blinds die Runde an Blind Geld, bezahlt aber selber nur 1.5 Big Blinds pro Runde. So macht man also 0.75 Big Blind Gewinn pro Runde. Nicht viel. Aber wenn das immer so funktionieren würde, wäre man schnell ein reicher Mann.
Hände Preflop für sich zu entscheiden ist ein kleiner, aber entscheidender Teil einer guten No Limit Holdem Winrate. Man sollte, wann immer man in eine Hand einsteigt, überprüfen, ob nicht gute Chancen stehen, den Pot bereits Preflop für sich zu entscheiden.
Beispiel: No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
Hero ($73.50)
SB ($52.00)
BB ($69,67)
Preflop: Hero is Button with 5

7 folds, Hero …
Szenario A: Beide Blinds sind loose passive Calling Stations. Hier ist es das Beste auf dem Button nur zu limpen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Gegner gegen einen recht offensichtlichen Steal Raise folden. Es werden oft Overcards floppen, was die Hand nach dem Flop sehr oft sehr schwer zu spielen macht. Derartige loose passive Gegner werden auch eine Continuation Bet am Flop kaum respektieren und gegen diese eher nicht folden. Hier würde einen ein Raise also eher in eine unschöne Situation bringen, und wahrscheinlich nicht den Pot bereits Preflop gewinnen. Limpt man nur, man erwartet von diesen passiven Gegnern in der Regel keinen Raise Preflop, kann man sich in Ruhe für wenig Geld den Flop anschauen und dann in Position weiterspielen.
Szenario B: Beide Blinds sind sehr tight und passiv. Ein Raise First In ist in diesem Fall die beste Wahl. Beide Gegner werden sehr oft gegen diesen Raise folden. Sollte man doch gecallt werden, hat man gegen diese Gegner gute Chancen, die Hand am Flop durch eine Continuation Bet für sich zu entscheiden. Diese Gegner folden gern, falls sie nichts getroffen haben. Hat wider Erwarten einer der Gegner doch eine starke Hand, so ist die Sorge vor einem Reraise bei diesen Gegnern nicht so groß, da sie sich gerne zuerst den Flop anschauen. So hat man dann auch selber noch die Chance einen guten Flop zu treffen und von einer starken gegnerischen Hand ausbezahlt zu werden. Hier ist es also ein recht klarer Raise, trotz der nominell eher schwachen Starthand. Das Ziel ist es, den Pot schon Preflop zu gewinnen, die Situation lässt aber auch ein weiteres Spiel der Hand zu.
Die Hand Preflop direkt zu gewinnen, ist immer eine Möglichkeit die Hand für sich zu entscheiden, und sollte nicht vollends vernachlässigt werden. In jeder Situation ist analog zu dem obigen Beispiel zu prüfen, ob mit einem Raise, die Hand eventuell direkt Preflop zu gewinnen ist. Zu überprüfen ist aber auch, ob nicht etwa die Konstellation der Gegner einem Raise mit Steal Charakter eher widerspricht.
Das Table Image
Mit einem tight aggressiven Spiel vermittelt man auch ein ebensolches Table Image. Die Gegner sehen, wenn sie einen denn überhaupt beobachten, das man nur relativ wenige, starke Hände aggressiv spielt. Aufmerksame Gegner werden einem also mit einer gehörigen Portion Respekt entgegentreten, wohl wissend, dass man nur starke Hände spielt, und den Gegnern damit in der Regel auch nicht kampflos den Pot überlässt. Das ist der wünschenswerte Effekt eines tight aggressiven Spiels auf das mittel- bis langfristige Table Image.
Kurzfristig spielt man seine Hände natürlich nicht mit der immer gleichen Frequenz. Es kommt zu längeren Phasen der Inaktivität, wenn man einfach wenig spielbare Hände bekommt. Ebenso kommt es zu Phasen, in denen man sehr viele Hände in kurzer Zeit spielt. Auch wenn die Gegner oft keinen Blick für das mittel- bis langfristige Bild haben, das man abgibt, nehmen sie zumindest diese kurzfristigen Veränderungen wahr, und reagieren oft auch darauf.
Spielt man eine lange Zeit nur wenige oder gar keine Hände, so werden die eigenen Raises oft als stärker angesehen, als sie in Wirklichkeit sind. Geht man durch so eine Durststrecke mit wenigen spielbaren Händen, wird man dann, wenn sich plötzlich wieder starke Hände einstellen, oft Probleme haben auch Action mit diesen Händen zu bekommen. Dem kann man entgegen wirken, indem man in diesen Phasen hin und wieder auch Starthände aggressiv spielt, die man sonst in dieser Position nicht spielen würde. Dabei hat man selbstverständlich nicht das Ziel, einen großen Pot damit zu spielen, sondern einfach nur durch kleine Investitionen Preflop dafür zu sorgen, das ein ausgeglichenes Bild erscheint. Man raist zum Beispiel einmal einen Suited Connector wie 87s in Middle Position, oder ähnliches. Seid dabei aber vorsichtig, und lasst euch nicht in große Pötte mit unterlegenen Händen hineinziehen. Das ganze dient dazu ein ausgewogenes Image zu präsentieren, und nicht möglichst wild und unberechenbar zu spielen, und zu zeigen was für ein toller Kerl man ist. Der Erfolg solcher Manipulationen beruht darauf, das besonders die schwachen Gegner auf den niedrigen Limits zwar registrieren, dass man in einer bestimmten Zeit so und so oft geraist hat, aber nicht darauf achten, ob das in der „billigen“ Wettrunde Preflop oder in den teureren Wettrunden nach dem Flop geschah.
Spielt man im Gegensatz dazu eine relativ lange Zeit relativ viele Hände, so muss man damit rechnen, mehr Action zu bekommen als einem lieb ist. Bekommt man viele gute Hände und spielt sie dementsprechend, erweckt man bei den Gegnern leicht den Eindruck, man würde sie herumschubsen wollen, und über kurz oder lang werden sich die Gegner in der Regel zur Wehr setzen. Das ist selbstverständlich kein Grund, gute Starthände Preflop wegzuwerfen. Aber in solchen Phasen sollte man sich mit dem Spiel marginaler Hände möglicherweise etwas zurückhalten, um mit diesen nicht in unangenehmen Situationen in großen Pötten zu landen. Bekommt man in einer solchen Phase aber eine Strong Hand auf die Hand, bekommt man oft mehr Action als gewöhnlich. Man sollte dann auf keinen Fall passiver spielen, als noch die Hände zuvor, um sicherzustellen, dass man Action bekommt, sondern einfach ganz normal weiter aggressiv spielen. Niemand wird bei der fünften Hand, die ihr in Folge raist, erwarten, dass ihr Pocket Aces habt.
Insgesamt sind besonders die typischen schwachen Gegner auf den niedrigen Limits wenig aufmerksam, was das Table Image angeht. Verhält man sich möglichst unauffällig werden sie einem kaum Beachtung beimessen, sondern sich weiter einzig und allein auf ihre eigenen Karten konzentrieren. Und das ist letztendlich das Wünschenswerte. Bleibt unauffällig, haltet euch bei der Benutzung der Chatbox zurück. Und kommt auf keinen Fall auf die Idee, schwache Gegner zu beschimpfen oder zu beleidigen.
Initiative
Besonderes Augenmerk bei der Betrachtung des kurzfristigen Images während einer einzelnen Hand gilt der Initiative. Mit Initiative meine ich, derjenige zu sein, der Preflop den Ton angibt. Damit ist also derjenige gemeint, der Preflop als letzter raist. Diesem Faktor kommt bei der Vorbereitung des Postflop Spiels eine besondere Rolle zu.
„Check to the Preflop Raiser.“ - Obwohl diese „Regel“ oft vollkommen falsch ist, halten sich doch viele der schwachen Gegner auf den niedrigen Limits fest daran. Das bedeutet: Hat man selber Preflop geraist, werden sehr oft alle Gegner in der Wettrunde am Flop zu einem checken. Man hat also durch den Raise Preflop auch oft am Flop das Privileg, als erster zu handeln. Das hat zwei ganz konkrete Vorteile: Zum einen hat man durch eine Continuation Bet am Flop so die Möglichkeit die Hand direkt für sich zu entscheiden. Zum anderen hat man die Möglichkeit in Position auch einfach eine Freecard zu nehmen. Prinzipiell bekommt man also mehr Respekt vom Gegner entgegengebracht, hat man Preflop die Initiative ergriffen. Die Gegner vermuten oft eine starke Hand hinter dem Preflop Raise. Dadurch ist die Initiative ein wichtiger Faktor im Verlauf der Hand, der immer bedacht werden will.
Tight aggressives Preflop Spiel in der Praxis
Ihr kennt jetzt die grundlegenden Ziele des Preflop Spiels, sowie die Ziele, die man mit bestimmten Starthänden oder Gruppen von Starthänden verfolgt. Dieses Wissen findet sich dann in der Auswahl und im situationsbezogenen Spiel der Starthände wieder.
Wann immer ihr eine No Limit Holdem Hand spielt, wird Preflop der gleiche Gedankengang ablaufen: Ihr betrachtet die spezifischen Stärken und Schwächen eurer Starthand, ermittelt, ob ihr entweder den Pot direkt Preflop gewinnen könnt, oder aber ob und wie ihr eine Erfolg versprechende Situation für das Postflop Spiel erzeugen könnt. Dabei betrachtet ihr eure Position, die Konstellation der Gegner, gegnerische Aktionen vor euch und wahrscheinliche Aktionen hinter euch, und euer Table Image. Als Synthese aus all dem entscheidet ihr dann, ob ihr callt bzw. checkt, raist oder foldet.
Diesen Gedankengang arbeitet man immer ab, wenn man eine No Limit Holdem Hand spielt. Das ganze klingt aber komplizierter als es ist. Vieles wird mit der Zeit eher instinktiv ablaufen. Bevor es aber soweit ist, rate ich euch dringend, eher weniger Tische zu spielen, und zu üben, wirklich alle Faktoren in das eigene Spiel mit einfließen zu lassen.
Auswahl der Starthände
Ihr kennt jetzt die generellen Stärken und Schwächen bestimmter Starthände, und wisst um die Wichtigkeit der Position. Es geht jetzt daran, eine Range von Starthänden festzulegen, die prinzipiell abhängig von der Position spielbar sind. Das ist im Endeffekt etwas sehr individuelles, abhängig von den persönlichen Fähigkeiten und dem eigenen Stil. Anders als bei Fixed Limit gibt es bei No Limit keine „optimale“ Preflop Strategie. Man kann mit verschiedensten Spielstilen und Handranges eine annähernd gleich gute Winrate erzielen. Und jeder wird im Laufe seiner No Limit Holdem Karriere für sich eine eigene Hand Range für das Preflop Spiel finden. Alle guten Preflop Strategien orientieren sich aber an den hier vorgestellten Konzepten, insbesondere der Position.
Vorsicht: Die im Folgenden beschriebene Auswahl an Starthänden ist das Ergebnis umfangreicher Literaturstudien über No Limit Holdem und persönlicher Erfahrung. Der wesentliche Motor der meisten Hände bei No Limit Holdem sind die Implied Odds. Diese sind mathematisch nur schwer beschreibbar und in der Praxis, ob ihrer komplexen Natur, einfach nicht auf die Schnelle berechenbar. Alle „Empfehlungen“ hier fußen also im Wesentlichen auf persönlichen Erfahrungen und den Erfahrungen Anderer. Geht vorsichtig damit um. Was für mich funktioniert, muss nicht zwangsläufig für euch funktionieren.
Early Position
In Early Position spielt man im Allgemeinen nur Hände, die sich auch out of Position gut spielen lassen. Das sind Strong Hands und sehr starke Medium Strong Hands. Namentlich: AA, KK, QQ, AK und AQ, suited oder unsuited. Diese Hände raist man in Early Position First In eigentlich immer. Zusätzlich raist man in aller Regel JJ und TT First In, um die Anzahl der Gegner möglichst klein zu halten, und so die Chancen, den Pot Postflop unimproved zu gewinnen, zu erhöhen. Zusätzlich hat man mit diesen Händen ja auch immer die Möglichkeit ein Set zu treffen, und den Pot mit dieser sehr starken Hand zu gewinnen.
Mit allen anderen Pocketpairs kann man in Early Position limpen. Diese Hände sind per se zwar nicht so stark. Man trifft am Flop aber mit Odds von 7.5:1 ein Set oder besser, so dass sich das Spiel in unraised Pots von den Implied Odds her auch out of Position fast immer lohnt. Je nach Implied Odds callt man auch Raises mit den mittleren bis kleinen Pocketpairs.
Das Spiel in Early Position gestaltet sich also sehr einfach. Man bleibt einfach tight und konservativ. Da noch viele Gegner mit potentiell starken Händen hinter einem sitzen, ist das die am meisten Erfolg versprechende Strategie. So lassen sich zumindest halbwegs optimale Situationen für das Postflop Spiel herstellen.
Middle Position
In Middle Position kann man dann beginnen, vermehrt auch nominell schwächere Starthände zu spielen. Ein Teil der Gegner hat schon vor einem gehandelt, so dass man bereits weiß, ob dort eine starke Hand zu vermuten ist. Außerdem wird hier die Position für das Postflop Spiel besser sein als noch in Early Position.
Zusätzlich zu den Händen aus Early Position raist man gewöhnlich noch AJ und KQ suited oder unsuited gegen wenige Limper oder First In, sowie mittlere Pocket Pairs (99-77) First In. Gegen wenige Gegner gewinnen die mittleren Pocket Pairs stark an Wert, da ein einzelner oder zwei Gegner oft den Flop verpassen, und man so die Hand öfters auch unimproved gewinnen kann. Man limpt oder callt Raises mit passenden Implied Odds mit kleinen Pocket Pairs. Zusätzlich sind auch Suited Connectors oder One Gappers akzeptabel, um in Hände mit Limpern vor einem einzusteigen.
An marginalen Händen kann man teils schwächere Top Pair Hände spielen, wenn die Gegner hinter einem sehr tight sind, die Wahrscheinlichkeit somit groß ist, dass der Großteil der Gegner foldet. Man sollte aber vorsichtig damit sein, da man mit Händen wie KJ oder AT sehr leicht dominiert wird. Dies ist insbesondere auch eine Maßnahme, um ein ausgewogenes Image zu präsentieren.
Late Position
In Late Position hat man auf Grund der überlegenen Position die größte Freiheit, was die Auswahl der Starthände angeht. Man hat Informationen über die Qualität der Hände der meisten Gegner, und nur noch wenige Gegner mit einer potentiell starken Hand hinter einem werden noch handeln.
Die typischen Hände für einen First In Raise sind hier: alle Pocket Pairs, alle Top Pair Hände, suited oder unsuited, Suited oder Unsuited Aces bis A8.
Man limpt in der Regel mit drawing Hands, Suited Connectors bis 54s, Suited One Gappers bis 75s, Suited Two Gappers bis 96s, kleinen Suited Aces und offsuited Connectors bis 76o, falls bereits Limper in die Hand eingestiegen sind. Überlegt euch dabei aber immer, ob nicht mit einem Raise große Chancen bestehen, den Pot mit so einer eher marginalen Hand schon Preflop zu gewinnen, und somit ein Raise dem Limpen vorzuziehen wäre. Behaltet auch die Implied Odds im Auge, ob sich der Limp überhaupt lohnt. Sind noch keine Gegner in die Hand eingestiegen, ist man also First In, sollte man einen Großteil dieser Hände raisen. So entscheidet man entweder die Hand direkt Preflop für sich und stiehlt die Blinds (Fold Equity), oder aber man stellt seine Hand stärker dar, als sie ist, und vergrößert so die Chancen, die Hand Postflop auch unimproved gewinnen zu können.
Marginale Hände spielt man in dieser Situation in aller Regel um den Pot direkt Preflop zu gewinnen, also normalerweise First In um die Blinds zu stehlen. Dazu zählen Hände wie suited Kings bis K6s, suited Queens bis Q7s. Diese Hände sind allesamt sehr schwach, und benötigen, um gewinnbringend gespielt zu werden, ein ausreichendes Maß an Fold Equity. Das heißt, man muss die Hand ausreichend oft Preflop für sich entscheiden können. Da die Blinds nur einen sehr kleinen Teil der möglichen Gewinne und Verluste späterer Wettrunden ausmachen, sollte man hier im Zweifelsfall immer lieber vorsichtig zu Werke gehen. In aller Regel steht in diesen Situationen ein nur kleiner Gewinn einem deutlich größeren potentiellen Verlust gegenüber.
Ihr seht: Die Grenzen zwischen starken, schwachen und marginalen Händen verschwimmen hier je nach Situation. Entscheidend im Umgang mit schwächeren Händen ist, sich immer zu überlegen, wie wahrscheinlich es ist, die Hand bereits Preflop für sich entscheiden zu können (Fold Equity), und wie die Implied Odds aussehen. Viele Hände sind theoretisch in Late Position spielbar. Wie genau, muss je nach Situation ermittelt werden.
Blinds
Sitzt man in den Blinds, hat man einen großen Vorteil. Man agiert entweder als letzter oder als vorletzter in der Preflop Wettrunde. Man hat also einen deutlichen Informationsvorsprung. Aber in allen folgenden Wettrunden muss man als erster oder zweiter agieren. Man ist in aller Regel also für den Rest der Hand out of Position. Dieser Nachteil ist so gravierend, dass man nur relativ wenige Hände gewinnbringend spielen kann.
Hände die man gewöhnlich First In oder gegen Limper raist, sind AA-TT, AK und AQ, suited oder unsuited, AJ suited und KQ suited. Mit allen anderen Händen wiegt der positionelle Nachteil so schwer, dass man Preflop eher passiv agiert und auf einen guten Flop hofft.
Günstig zu spielen sind besonders im Small Blind in unraised Pots Drawing Hands, wie Suited Connectors, Suited One oder Two Gappers oder Unsuited Connectors. Da man nicht den „vollen Preis“ bezahlen muss, um den Flop zu sehen, verbessern sich die Pot Odds und man kann viele Flops mit spekulativen Händen in unraised Pots sehen. Diese sehr günstigen Pot Odds wiegen auch den positionellen Nachteil etwas auf, wenn man in der Lage ist, diese Hände auch Postflop out of Position vernünftig zu spielen. Hierfür eignen sich Suited Connectors, Suited One Gappers, Suited Two Gappers, Offsuited Connectors, kleine Suited Aces.
Es wird sicherlich auch noch einen Artikel zum Spiel in den Blinds geben: Blind Stealing und Blind Defense. Generell spielen diese Themen aber eine eher untergeordnete Rolle beim No Limit Holdem Spiel an Full Ring Tischen. So bleibt es hier bei allgemeinen Empfehlungen: Spielt besonders tight in den Blinds wegen der besonders schlechten Position. Und nutzt die besonders guten Pot Odds im Small Blind um viele Drawing Hands in unraised Pots zu spielen.
Einfluss der Gegner auf das Preflop Spiel
Umgang mit Raises
Wann immer ihr mit einem gegnerischen Raise, Reraise oder All-In konfrontiert seid, gilt es die wahrscheinliche Hand Range des Gegners für diese Aktion zu ermitteln, und eure eigene Hand mit dieser Range zu vergleichen. Dabei bedient man sich am besten des von Pokertracker bereitgestellten PFR%. Dieser gibt an, wieviel Prozent aller Starthände der Gegner Preflop raist. Kann man nicht auf diesen Wert zurückgreifen, muss man die wahrscheinlichen Hände für den gegnerischen Raise auf Grundlage der Beobachtungen, die man bis jetzt über den Gegner gemacht hat, einfach schätzen. Seid ihr euch unsicher, gebt dem Gegner eher eine etwas tightere Range. Dann seid ihr auf der sicheren Seite. Sind mehrere Gegner beteiligt, ist also der Raise z.B. schon von einem anderen Gegner gecallt worden, müsst ihr selbstverständlich für alle beteiligten Gegner die wahrscheinlichen Hand Ranges bestimmen.
Der PFR% gibt aber nur an, wieviel Hände der Gegner insgesamt raist, und berücksichtigt nicht verschiedene Positionen. Die Range des Gegners aus Early Position ist, genau wie eure eigene, aber in den meisten Fällen enger als die in Late Position. Als Faustregel nehmt für einen Raise aus UTG zwei Drittel des PFR% als Range, und für einen Raise vom Button das Doppelte. Die Raises von den anderen Positionen liegen dazwischen. Beachtet aber, dass in Late Position und später Middle Position in aller Regel deutlich mehr geraist wird als in Early Position oder früher Middle Position.
Beispiel: Ein Gegner mit einer PFR von 5% raist aus UTG. Die erwartete Range an Händen wären also ca. die Top 3% aller Hände, also in etwa: AA, KK, QQ, AKs, AKo und AQs. Raist derselbe Gegner vom Button, entspräche die erwartete Hand Range den Top 10% aller Hände, also in etwa: AA-88, AK-AT (suited und unsuited), KQ-KJ (suited und unsuited).
Für einen Reraise eines Gegners kann man eine ähnliche Faustregel heranziehen. Die Reraising Range entspricht danach in etwa einem Viertel der PFR%. Die Reraising Range ist oft unabhängig von der Position, da in der Regel nur die aller stärksten Hände enthalten sind. Der Gegner aus dem obigen Beispiel hätte also eine Reraising Range entsprechend der Top 1.25% aller Starthände, also in etwa: AA und KK und gelegentlich QQ. Bei der Bestimmung der Reraising Range gilt erfahrungsgemäß, dass Gegner eher mit Pocket Pairs reraisen, als mit starken Top Pair Händen wie AK.
Beim Vergleichen der eigenen Hand mit den wahrscheinlichen Händen der Gegner ist dann zusätzlich noch die eigene Position zu berücksichtigen, und die wahrscheinlichen Reaktionen aller Gegner, die noch handeln müssen.
Beispiel 1: No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
UTG ($49.50)
Hero ($52.00)
Preflop: Hero is UTG+2 with A

UTG raises to $2, 1 folds, Hero …
Szenario A: UTG hat einen PFR von 3%. Das bedeutet er raist aus UTG in etwa mit den Top 2% aller Starthände, sprich maximal AA, KK, QQ, AKs und AKo. Gegen diese Range liegt man deutlich hinten. Trotz einer eigenen sehr guten Starthand muss man folden.
Szenario B: UTG hat einen PFR von 6%. Das bedeutet er raist aus UTG in etwa mit den Top 4% aller Starthände, sprich in etwa AA-JJ, AKs, AKo, AQs, AQo. Gegen diese Hand Range liegt man gleich auf. Das spräche rein intuitiv eher für einen Call, um einen vorteilhaften Flop abzuwarten. Hier ist aber ein Reraise die bessere Wahl. Zum einen repräsentiert man so eine sehr starke Hand und hat gute Chancen, den Pot Preflop direkt zu gewinnen. Zum anderen schließt man damit praktisch alle anderen Gegner, es sei denn sie haben eine sehr starke Hand, die noch hinter einem sitzen aus der Hand aus. Man will auf keinen Fall, dass hier noch mehr Gegner in die Hand einsteigen und man somit die Position verliert und auch noch nach dem Flop gegen mehrere Gegner spielen muß.
Beispiel 2: Die Hand aus Beispiel 1 setzt sich wie folgt fort:
No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
UTG ($49.50)
Hero ($52.00)
Preflop: Hero is UTG+2 with A

UTG raises to $2, 1 folds, Hero raises to $6, 7 folds, UTG raises to $16, Hero …
UTG raist erneut. Man muss also die Range von UTG weiter einengen. Realistisch kommen hier nur noch AA und KK in Frage, so dass man jetzt einen leichten Fold hat.
Beispiel 3: No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
UTG ($49.50)
Hero ($52.00)
Preflop: Hero is BB with A

UTG raises to $2, 7 folds, Hero …
Dieselbe Hand wie in Beispiel 1, nur in anderer Position. Der Gegner hat hier erneut einen PFR von 6%, und dementsprechend eine Range von ca. AA-JJ, AKs, AKo, AQs, AQo. Hier würde man im Gegensatz zu obigem Beispiel aber oft nur callen, denn: Man hat keine Position auf den Gegner und out of Position hält man den Pot lieber möglichst klein, um schwierige Situationen in großen Pötten zu vermeiden. Des Weiteren ist man bereits sicher Heads-Up und braucht keine Gegner mehr aus der Hand zu „vertreiben“.
Beispiel 4: No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
UTG ($49.50)
Hero ($52.00)
Preflop: Hero is MP2 with 9

UTG raises to $2, 3 folds, Hero …
Der Gegner in UTG hat in diesem Fall wiederum eine PFR von nur 3%. Dagegen liegt man mit 99 natürlich weit hinten. Dennoch hat man hier wegen der Implied Odds einen leichten Call und spielt rein auf Set Value. Man kann sich gegen einen derart tighten Gegner recht sicher sein, dass er eine sehr starke Hand hat, die er auch nach dem Flop aggressiv weiterspielen wird, und man somit auch ausbezahlt wird, falls man sein Set am Flop trifft. Dass eventuell noch weitere Gegner in die Hand einsteigen, ist ein weiterer Bonus, da so die Wahrscheinlichkeit ausbezahlt zu werden noch steigt, sich die Implied Odds also noch verbessern
Fazit: Wie aus den Beispielen leicht ersichtlich, bestimmt man, sobald man mit einem Raise konfrontiert ist die Hand Range des Gegners und vergleicht dann die eigene Hand mit dieser Hand Range. Unter Einbeziehung der Position, der gewünschten Gegnerkonstellation für das Postflop Spiel und der Implied Odds trifft man dann die Entscheidung über das weitere Spiel der Hand.
Ist man gegenüber der Range der Gegner ein Favorit, reraist man in der Regel, um zum einen einfach Value zu bekommen und um zum anderen Postflop möglichst in Position gegen so wenige Gegner wie möglich spielen zu müssen. Kann man dies nicht erreichen, ist man zum Beispiel in den Blinds oder sind bereits so viele Gegner in die Hand eingestiegen, dass man die Zahl der Gegner nicht mehr effektiv reduzieren kann, callt man oft nur, um einen vorteilhaften Flop abzuwarten. Das ist allemal besser, als nur marginal vorteilhaften Situationen in großen Pötten gegen viele Gegner ausgesetzt zu sein.
Liegt man gegenüber der Range des Gegners hinten, ist zu bestimmen, ob, um bei den gegebenen Odds zu gewinnen, die Implied Pot Odds ausreichend groß sind, um einen Call zu rechtfertigen. Im Zweifelsfall gibt hier die Position den Ausschlag. In Position spielt man auch mit nur marginalen Vorteilen. Out of Position ist in grenzwertigen Situationen oft der Fold die bessere Wahl.
Umgang mit Limpern
Limper, die vor einem in die Hand eingestiegen sind, haben in aller Regel keine starke Hand. Man muss annehmen, dass sie ansonsten geraist hätten. Eine Idee von der Hand Range mit denen ein Gegner limpt, bekommt man wenn man die von Pokertracker bereitgestellten VP$IP und PFR betrachtet.
Beispiel: Ein Gegner mit einer VP$IP von 16% und einer PFR von 8% limpt Preflop. Man betrachtet also, um herauszufinden mit welchen Hände der Gegner potentiell limpt, die besten 16% aller Starthände abzüglich der Top 8%, die er ja in der Regel raist. Es ergibt sich also in etwa eine Range von: 99-22, A9s-A6s, KJs–KTs, QJs–QTs, JTs, KJo–KTo, QJo.
Man kann so keine exakten Ranges festlegen, hat aber zumindest eine Idee davon, welche Hände der Gegner prinzipiell limpen könnte, und wie die eigene Hand dagegen abschneidet.
Sind bereits Limper in die Hand eingestiegen, muss man den eigenen „First In Raise“ gegen diese Limper dann größer wählen als ohne Limper, um die Anzahl der Gegner effektiv zu reduzieren. Die meisten Starthände spielen sich halt doch gegen möglichst wenige Gegner Postflop am besten. Die Formel für die Größe eines Raises in unraised Pots lautet dem entsprechend: 4 BB + 1BB pro Limper (BB = Big Blind).
Für das Spiel spekulativer Starthände ist die Anwesenheit möglichst vieler Limper allerdings durchaus von Vorteil. Je mehr Limper bereits in die Hand eingestiegen sind, desto besser sind die Implied Pot Odds, falls man am Flop eine starke Hand trifft. Ebenso reduziert eine große Zahl Limper die Wahrscheinlichkeit eines Raises hinter einem. Viele Gegner sind von einer großen Anzahl Limper einfach derart beeindruckt, dass sie auch starke Hände nicht mehr in einer solchen Situation raisen.
Beispiel: No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
UTG ($49.50)
UTG+1 ($32.70)
MP1 ($79.64)
Hero ($52.00)
Preflop: Hero is MP2 with 6

UTG calls $0.50, UTG+1 calls $0.50, 1 folds, MP1 calls $0.50, Hero …
65s ist eine Hand die man normalerweise nicht aus MP2 spielt. Da hier aber bereits drei Limper in die Hand eingestiegen sind, die alle über relativ große Stacks verfügen, kann man hier, so fern nicht besonders aggressive Spieler hinter einem sitzen, ebenfalls mit einem Call in die Hand einstiegen. Beachten muss man in solchen Situationen, dass zum einen die Implied Odds ausreichend groß sind, und dass zum anderen keine all zu aggressiven Spieler noch hinter einem sitzen, die dann mit großer Wahrscheinlichkeit raisen.
Limper haben allerdings eine sehr unangenehme Eigenschaft. Besonders die schwachen Gegner auf den niedrigen Limits werden auch gegen einen Raise nicht mehr vor dem Flop folden, sobald sie einmal Geld in den Pot einbezahlt haben. Das kann dazu führen, dass manche Hände, die eigentlich zum Standard Repertoire in einer bestimmten Position gehören, gegen viele Limper nicht mehr spielbar sind.
Beispiel: No-Limit Hold'em, $0.50 BB (10 handed)
UTG ($47.32)
UTG+1 ($18.70)
MP1 ($79.64)
MP2 ($39.50)
CO ($10.99)
Hero ($105.76)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.50, UTG+1 calls $0.50, 1 folds, MP1 calls $0.50, MP2 calls $0.50, 1 folds, CO calls $0.50, Hero …
In dieser Situation erwartet man in aller Regel von zu vielen Limpern einen Call, falls man raist, als dass man die Hand noch raisen könnte. Mit ATo will man nach dem Flop ja möglichst Heads Up spielen, oder den Flop gar nicht erst sehen. Dieses Ziel ist hier nicht zu erreichen. Die beste Lösung hier lautet also einfach Fold und auf eine bessere Gelegenheit warten.
Abschätzen der Post-Flop Gegner Konstellation
Wann immer man in eine Hand einsteigt, beeinflussen auch die noch möglichen gegnerischen Aktionen und die dadurch entstehende Konstellation für das Postflop Spiel die Entscheidung, wie mit der jeweiligen Starthand umzugehen ist. Eine ähnliche Situation hab ich schon in der Beispielhand in Kapitel 2.2 gezeigt.
Wiederum über die von Pokertracker bereitgestellten Werte VP$IP und PFR kann man sich ein grobes Bild davon machen, mit welcher Wahrscheinlichkeit Gegner, die noch handeln müssen, hinter einem limpen, einen Raise callen, oder selber Raisen oder Reraisen. Hier kann man aber keine Faustregel angeben. Es ist einfach Erfahrungssache dies abzuschätzen. Generell gelten natürlich die Prinzipien: Gegner mit hoher VP$IP callen gern und Gegner mit hoher PFR raisen gern. Wie es um den einzelnen Gegner bestellt ist, erfährt man am besten, indem man ihn individuell am Tisch beobachtet.
In den früheren Kapiteln ging es darum, dass man sich mit bestimmten Starthänden bestimmte Konditionen für das Postflop Spiel wünscht. Nachdem alles andere bedacht ist, muss man immer auch überprüfen, ob die Zusammensetzung der Gegner der wünschenswerten Situation nicht im Wege steht.
Die „richtige“ Größe von Raises
Der Orientierungspunkt für die Größe von Raises bei No Limit Holdem ist immer die aktuelle Potsize. Ein Preflop Raise um die Größe der Potsize hat sich als guter Mittelweg herausgestellt, um zum einen ein Maximum an Value herauszuholen, aber auch um die Gegnerzahl effektiv zu reduzieren.
In unraised Pots gilt die Faustregel, dass ein Preflop Raise 4 Big Blinds + 1 Big Blind pro Limpern groß sein sollte. Dieser Wert liegt leicht über einem Raise um Potsize. Gerade bei den typischen schwachen Gegnern auf den niedrigeren Limits ist dies aber gut, da sie ohnehin zu viel Callen. Man wird also selten zu viele Gegner vertreiben oder nicht genug Value bekommen.
Auch in raised Pots kann man aus eben diesem Grund generell immer um Potsize raisen. Zur Wiederholung: Ein Raise um Potsize entspricht allen Einsätzen die bereits im Pot sind, zuzüglich des doppelten Betrages den man callen müsste um nur mitzugehen.
Es gibt seltene Fälle, in denen man selber eine sehr starke Hand hat und gegen einen einzelnen Gegner mit einer vermutlich sehr schwachen Hand antritt. In diesen Situationen kann es besser sein, eher weniger zu raisen, um nicht Value zu verlieren, in dem man den Gegner aus der Hand vertreibt. Dies ist aber immer nur in Einzelfällen korrekt. Generell gilt: Lieber einen relativ kleinen sicheren Pot Preflop gewinnen, als in schwierigen Situationen in großen Pötten nach dem Flop festzustecken.
Anpassung an Shorthanded Tische
Das Spiel und die Dynamik an Shorthanded Tischen zeichnet sich durch einige Besonderheiten gegenüber dem an Full Ring Tischen aus. Diese betreffen im Wesentlichen die Zusammensetzung der Gegner.
Typische SH Konditionen
An Shorthanded Tischen finden sich naturgemäß weniger Spieler als an Full Ring Tischen. Das bewirkt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein beliebiger Gegner eine starke Hand hat, sinkt. Das bedeutet, dass man generell mehr Fold Equity hat, die Hand also leichter Preflop für sich entscheiden kann, weil einfach weniger potentiell starke Gegner da sind. Des Weiteren sinkt die Wahrscheinlichkeit, von stärkeren Händen dominiert zu werden.
Dementsprechend steigt der Wert schwächerer Starthände, besonders in früheren Positionen. Dazu trägt auch bei, dass man auch nach dem Flop generell mit weniger Gegnern zu rechnen hat, als an Full Ring Tischen. Sind von vorn herein schon weniger Gegner am Tisch, lässt sich durch geschicktes Preflop Spiel die Anzahl der Gegner natürlich weitaus besser auf das gewünschte Maß reduzieren. Schwache Spieler lassen sich leichter isolieren und die Chancen die Hand bereits Preflop für sich zu entscheiden steigen.
Da an Shorthanded Tischen, im Vergleich zu Full Ring Tischen, das Geschehen wegen der geringeren Spielerzahl einfach schneller abläuft, ziehen sie ganz besonders loose aggressive schlechte Spieler an, die auf besonders viel „Action“ aus sind. Diese oft extrem loosen Spieler spielen viele nominell sehr schwache Starthände, ohne besonders auf die eigene Position am Tisch zu achten. Spielen die Gegner also viele eher schwache Starthände, braucht man selber natürlich auch nicht all zu starke Hände um diese Gegner zu schlagen. Somit steigt auch hierdurch der Wert nominell schwächerer Starthände an diesen Tischen.
Die so eben erwähnten Gegner spielen nicht nur mehr nominell schwächere Starthände, sondern spielen diese auch deutlich aggressiver. Gerade Shorthanded wird man wesentlich mehr Bluffs und Semibluffs erleben. Um gegen solche Gegner nicht mit marginalen Händen in großen Pötten zu spielen, empfiehlt es sich, eher tighter zu spielen. Gegen besonders aggressive Gegner wartet man also eher auf sehr starke Hände, da einem gegen diese Gegner die Waffen, wie Semi-Bluffs und Continuation Bets, oft wenig nützen.
Man sieht also: Es gibt an Shorthanded Tischen generell Gründe, sowohl looser als auch tighter zu spielen. Gegen einen Tisch voller unbekannter Gegner sollte das Preflop Spiel dementsprechend nicht wesentlich anders gestaltet werden, als an Full Ring Tischen. Man hat lediglich vier Positionen weniger bei der Auswahl der Starthände zu bedenken.
Hat man aber gute Reads auf die Gegner, sei es durch Pokertracker Statistiken oder durch eigene Beobachtungen, handelt man entsprechend der gegnerischen Ranges, hat aber den Vorteil, wesentlich weniger potentielle „Störenfriede“ in der Hand zu haben.
Das Spielgeschehen läuft aber an Shorthanded Tischen wesentlich schneller ab. Man hat einfach weniger Zeit, eine bestimmte Situation zu durchdenken. Somit sollte man sich erst an das Shorthanded Spiel wagen, wenn die wichtigsten Entscheidungen bereits zu einem guten Teil „automatisiert“ sind und teilweise instinktiv ablaufen. Aus eben diesem Grund ist es auch zu empfehlen, die Zahl der Tische, die man spielt, beim Umstieg auf Shorthanded zunächst wieder zu reduzieren, bis man sich an das erhöhte Tempo gewöhnt hat.
Starthandauswahl an Shorthanded Tischen
Obwohl man an Shorthanded Tischen etwas looser sein kann in der Auswahl der Starthände, sollte man es doch nicht übertreiben. Auch das Shorthanded-Spiel ist immer noch normales Poker. Viele unerfahrene Spieler machen den Fehler, sich von der aggressiven Dynamik eines solchen Tisches mitreißen zu lassen, und selbst viel zu viel Hände in schlechter Position zu spielen. Macht diesen Fehler nicht!!!
Eine typische Range an Händen, deren Spiel man generell in Erwägung zieht, wäre bei einem tight aggressiven Spielstil folgende:
Under The Gun
Wie vom Spiel auf Full Ring Tischen her gewöhnt, bleibt man hier relativ tight in der Auswahl der Starthände.
Hände mit denen man gewöhnlich raist: AA-77, AK – AJ + KQ (suited oder unsuited).
Hände mit denen man gewöhnlich callt / limpt: 66-22, Suited Connectors bis 54s an passiven Tischen, so dass die Wahrscheinlichkeit eines Raises hinter einem gering ist.
Middle Position
Hände mit denen man gewöhnlich raist: AA-55, AK – AT (suited oder unsuited), KQ – KJ (suited oder unsuited).
Hände mit denen man gewöhnlich callt / limpt: 44-22, Suited Connectors bis 54s an passiven Tischen, so dass die Wahrscheinlichkeit eines Raises hinter einem gering ist.
Cut Off und Button
Analog zum Spiel an Full Ring Tischen wird man auch hier in Late Position deutlich looser in der Auswahl der Starthände. Nur noch wenige Gegner mit potentiell starken Hände sitzen hinter einem.
Hände mit denen man gewöhnlich raist: AA-22, AK – A8 (suited oder unsuited), KQ – KT (suited oder unsuited), QJs – QTs, QJo, JTs.
Hände mit denen man gewöhnlich callt / limpt: Suited Connectors bis 54s, Suited One Gappers bis 75s, Suited Two Gappers bis 96s. Natürlich nur, wenn die Implied Odds stimmen.
Zusätzlich bietet sich eine breite Range an Händen für Steal Raises an, um die Hand direkt Preflop für sich zu entscheiden, und „nur“ die Blinds zu stehlen. Dazu gehören: Alle oben genannten Hände zuzüglich A7s – A2s, K9s – K6s, Q9s – Q7s, Suited Connectors und One Gappers. Genau wie beim Spiel an Full Ring Tischen gilt es auch hier abzuschätzen, wie wahrscheinlich es ist, die Hand bereits Preflop mit einem Steal Raise gewinnen zu können, und dann dementsprechend zu entscheiden.
Blinds
Für das Spiel in den Blinds gilt generell das gleiche wie an Full Ring Tischen. Der positionelle Nachteil wiegt so schwer, dass man sich an eine eher tighte Range an Händen hält.
Hände mit denen man gewöhnlich raist: AA-TT, AK – AJ + KQ (suited oder unsuited). Mit allen anderen Händen, die man in Late Position geraist hätte, nimmt man im Big Blind das Freeplay, bzw. completed im Small Blind nur.
Completen im Small Blind kann man mit der gewohnt breiten Range an Händen, wegen der hervorragenden Pot Odds: Suited Connectors, Suited One Gappers, Suited Two Gappers, Offsuited Connectors, kleine Suited Aces.
Spielentwicklung und Auswertung
Ich möchte allen, die ihr Preflop Spiel auf erwachsene Beine stellen wollen, empfehlen, nicht zu versuchen, gleich vom Einsteiger Starting Hands Chart völlig wegzugehen. Ein Erfolg versprechender Weg, das eigene Preflop Spiel zu verbessern, ist es schrittweise vorzugehen. Nehmt euch eine Handgruppe vor, deren Spiel ihr weiterentwickeln wollt. Mit einem „offeneren“ Preflop Spiel, kommen auch viele neue Situationen nach dem Flop auf euch zu. Es wäre ärgerlich, wäret ihr dadurch überfordert, und würdet deshalb Geld verlieren. Man sollte das eigene Lerntempo immer der eigenen Komfortzone angemessen gestalten.
Zusätzlich empfehle ich euch, alles, was ihr neu ausprobiert, möglichst mit Pokertracker auf seine Tauglichkeit zu überprüfen. Des Weiteren solltet ihr Hände, bei denen ihr euch unsicher seid, unbedingt in den Beispielhandforen posten. Viele Fehler und Schwachstellen im eigenen Spiel entdeckt man erst im Dialog mit anderen. Nutzt alle Angebote zur Auswertung eures Spiels, die euch die Plattform Pokerstrategy.de bietet.
Nachwort
Ein „perfektes“ Preflop Spiel bei No Limit Holdem kommt nicht über Nacht. Es bedarf sehr viel Zeit und Übung, es zu entwickeln. Mit diesem Artikel habt ihr eine gute Grundlage, um nach und nach daran zu feilen. Vieles, was hier geschrieben steht, mutet auf den ersten Blick vielleicht sehr theoretisch und vielleicht auch wenig verständlich an. Ein guter Weg, Einblick in die No Limit Holdem Praxis zu bekommen, ist das regelmäßige Besuchen der Live Coachings. Dort könnt ihr sehen, wie Profis dieses theoretische Wissen in die Praxis umsetzen. Nutzt des Weiteren die Diskussions- und Beispielhand Foren, um euer Spiel zu überprüfen, und euch im Dialog mit anderen No Limit Holdem Spielern fortzubilden.