Wie spielst du nach dem Flop?
Einleitung
In diesem Artikel
- Warum du setzt
- Warum du nicht setzt
- Wann Bluffs sich wirklich lohnen
Kommen wir zum harten Kern der Bigstack-Strategie, dem Spiel nach dem Austeilen des Flops. No-Limit Hold'em ist ein dynamisches, situationsabhängiges Spiel. Was du wann machst, hängt von vielen Faktoren ab. Was ist vor dem Flop passiert? Wie sehen die Gemeinschaftskarten aus? Wer sind meine Gegner?
Daher gehen wir in den Artikeln zum Spiel nach dem Flop nach der Bigstackstrategie einen anderen Weg. Dieser Artikel wird dir nicht sagen, was du wann machen sollst, sondern er wird dir erklären, warum du etwas machst.
Du lernst die grundlegenden Konzepte des Spiels nach dem Flop kennen und wirst nach Möglichkeit ein tieferes strategisches Verständnis gewinnen, das dich in die Lage versetzt, selbstständig die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Nach Lektüre dieses Textes solltest du in der Lage sein, in einer Spielsituation selbstständig Antworten auf die Fragen zu finden: Was will ich erreichen? Wie kann ich das erreichen?
Die daran anschließenden Artikel werden dieses Wissen verfeinern, dir die Mathematik des Pokerns näherbringen und zeigen, wie sich die Stärke und Spielweise eines Blattes in verschiedenen Ausgangssituationen radikal ändern kann.
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Warum setzt du?
In No-Limit Hold’em gewinnt der aggressive, aber auch denkende Spieler, der seine Aggressivität gezielt einsetzt. Jeder Einsatz und jede Erhöhung verfolgen ein bestimmtes Ziel.
Der erste Verwendungszweck für einen Einsatz ist ganz klar: Du hast ein starkes Blatt und willst dafür Geld in den Pot bekommen. Du willst, dass Spieler mit schlechteren Karten den Einsatz mitgehen und weiter in der Hand bleiben. Deine Einsätze sind in diesem Fall for Value.
Dieses so einfach klingende Prinzip wird oft missverstanden. Nehmen wir einen ganz klassischen Fehler. Du stehst am River mit einem irgendwie gemachten, nicht wirklich guten Blatt und denkst dir: „Der hat doch nichts.“ Du setzt, der Gegner geht mit und zeigt ein Blatt, das nah am Nichts, aber immerhin ein klein wenig besser ist als deines.
Hast du ein Blatt, das den ein oder anderen Showdown gewinnen kann, und du hast die Möglichkeit, am River kostenlos zum Showdown zu gehen, dann mach das auch. Auf Pokerenglisch: Hast du Showdownvalue, dann nimm dir den free Showdown, wenn du kannst.
Es geht nicht darum, ob du glaubst, dass dein Blatt besser ist als das deines Gegners. Es geht um die Frage, welche Karten er gegen einen Einsatz von dir weglegt bzw. mit welchen er mitgeht.
Nimm an, dein Gegner hat zu 80% ein schlechteres Blatt als du. Zu 20% hat er ein besseres. Normalerweise würde sich ein Einsatz also lohnen.
Jetzt nimm aber auch an, dieser Gegner wird die 80% schlechteren Blätter immer weglegen, wenn du setzt, und nur mit den besseren 20% mitgehen.
Ein Einsatz bringt dir in diesem Fall keinen zusätzlichen Gewinn, sondern nur zusätzliche Verluste, denn sobald dein Gegner den Einsatz mitgeht, hast du verloren.
Der zweite Verwendungszweck ist der Bluff. Du willst Gegner mit besseren Karten zur Aufgabe zwingen und so den Pot für dich holen.
Die auf den kleinen Limits am häufigsten auftretende Bluff-Form ist der Dark Tunnel Bluff. Ein Spieler feuert aus allen Rohren auf den Pot, ohne einen Plan für die nächsten Setzrunde zu haben oder auch nur einen Gedanken an den Gegner zu verschwenden. Er setzt und erhöht und hofft einfach nur, dass sein Gegner zuerst blinzelt.
Wann immer du einen Bluff in Erwägung ziehst, halte dich an fünf Regeln:
- Bläh mit Bluffs keine Pötte auf.
- Hab einen Plan B für den Fall, dass der Bluff nicht funktioniert.
- Bluff nur Spieler, die auch aufgeben können.
- Bluff nicht gegen mehrere Spieler.
- Bluff nur, wenn du auch etwas repräsentieren kannst und deine Gegner selten gut getroffen haben.
Wann immer du am River feststellst, dass du in den Setzrunden zuvor eine Menge Geld auf einen Bluff verbrannt hast und dein Gegner unter keinen Umständen mehr aussteigen wird, dann ist etwas schiefgelaufen. Bläh keine Pötte auf, wenn du nur bluffst.
Du solltest auch eine Rückversicherung haben, einen Plan B. Wie es schon im Kultfilm Rounders heißt: Als Pokerspieler musst du dir immer eine Hintertür offen halten. Deine Lage ist ungleich besser, wenn du einen Draw hast, wenn du dein Blatt irgendwie noch verbessern kannst.
„Ich setz mal und schau, was passiert“, ist kein Plan. Bluff lieber auf kleine Pötte bei wenigen Gegnern und geeigneten Gemeinschaftskarten. Die Karten sollten einerseits dir die Möglichkeit geben, ein gutes Blatt zu repräsentieren, den Gegnern aber selten etwas Spielbares gegeben haben.
Drawlastige, stark verbundene Gemeinschaftskarten sind die falschen Flops für einen Bluff. Ein Ass oder König und zwei niedrige Karten, die so überhaupt nicht zusammenpassen, sind die besten Flops.
Du musst etwas repräsentieren können, wogegen sich deine Gegner so wenig Gewinnchancen ausrechnen, dass ihnen die Lust am Weiterspielen vergeht. Ein Bluff ist sinnlos, wenn deine Gegner nicht aufgeben können.
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Du bist im BU
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Ein klassisches Beispiel für eine so genannte Continuationbet und eine gute Bluffchance. Nur wenige Blätter, mit denen deine Gegner vor dem Flop mitgegangen sind, haben auf diesem Flop etwas Spielbares getroffen. Zudem kannst du gut ein Toppaar Asse repräsentieren. Wenn sie keines der drei verbliebenen Asse halten, wird es schwer für sie.
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Du bist im BU
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Die Flopkarten sind stark drawlastig. Sie verbinden sich mit einer Menge möglicher Karten, mit denen deine Gegner vor dem Flop mitgegangen sind. Zudem kannst du kaum etwas repräsentieren. Bei sehr vorsichtigen Gegnern, kann man auch einmal setzen, aber auf diesem Flop wirst du immer Schwierigkeiten haben, deine Gegner zur Aufgabe zu zwingen.
Nicht immer ist eine gemachte Hand gleich ein Monster. Oftmals siehst du dich mit deinem Blatt noch vorn, aber weißt auch, dass es verwundbar ist und deine Gegner nur darauf lauern, eine gute Gemeinschaftskarte zu erwischen, um dir das Genick zu brechen.
Deine Gegner können dich nur überholen, wenn sie eine gute Gemeinschaftskarte am Turn oder am River treffen. Je höher die Wahrscheinlichkeit dafür ist, dass sie treffen, desto stärker musst du dein Blatt schützen.
Protection bedeutet, dass du die nächste Gemeinschaftskarte zu teuer machst. Hat ein Gegner ein Blatt, das deines überholen kann, muss er einen zu hohen Preis bezahlen.
In der Konsequenz heißt das: Hast du eine gute gemachte Hand und es sind viele Draws möglich, dann schütze deine Karten und mach die nächste Gemeinschaftskarte teuer.
Das Thema rührt an die mathematischen Grundlagen von Texas Hold’em, die du später näher kennen lernst.
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Du bist im BU
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Der Flop, den wir im letzten Beispiel noch als zu schlecht für einen Bluff befunden haben, ist gleichzeitig ein Flop, auf dem du deine gemachten Blätter unbedingt schützen musst. Es sind viele Draws möglich. Deine Gegner können einen Flushdraw, einen OESD, ein Paar und einen Gutshot haben. Mach die nächste Gemeinschaftskarte teuer.
Ein vierter Verwendungszweck lautet Information. Indem du setzt, kannst du herausfinden, wo du stehst, und dir so teure Entscheidungen in späteren Setzrunden ersparen.
Nimm an, du stehst mit drei Gegnern am Flop. Vor dem Flop hat niemand erhöht und die Gemeinschaftskarten haben dir ein mittelmäßiges Toppaar gebracht. Niemand hat die Initiative, es gab schließlich vor dem Flop keine Erhöhung. Du bist an der Reihe und setzt.
Mit diesem Einsatz erreichst du drei Dinge:
- Es geht vielleicht ein schlechteres Blatt mit und du machst Profit.
- Es geben Blätter auf, die dich hätten überholen können. Du schützt dein Blatt.
- Wenn jemand erhöht, kannst du bequem aussteigen und weißt, dass du geschlagen bist.
Würdest du in der Situation nicht setzen, würdest du deine Hand nicht schützen. Du würdest versäumen, Geld von schlechteren Blättern in den Pot zu ziehen. Und nicht zuletzt würdest du keinen Dunst haben, wo du stehst, wenn jemand setzt.
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Du bist in MP1
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In dieser Situation ist dein Toppaar eine gute, aber doch nur mittelstarke gemachte Hand. Besonders weil viele Draws möglich sind, solltest du einen Einsatz vor dir unbedingt erhöhen. Du musst deine Karten schützen und dazu eine bessere Idee davon kriegen, wie stark die Blätter deiner Gegner sind.
In der gezeigten Beispielhand erhöht der Spieler im Big Blind aber ein weiteres Mal. Das ist für dich das sichere Zeichen, dass du geschlagen bist. Du steigst deshalb ohne Zögern aus.
Warum setzt du nicht?
Es gibt viele gute Gründe, einmal nichts zu setzen bzw. zu erhöhen, z.B. wenn du so absolut nichts auf der Hand hast. Es gibt aber noch drei andere gute Gründe mit Namen Potcontrol, Bluffinduce und Slowplay.
Stehst du am Flop, weißt du schon ungefähr, um was für einen Pot du spielen möchtest. Hast du ein Monsterblatt, willst du einen großen Pot spielen und bestenfalls All-In kommen. Hast du ein schwaches Blatt, magst du keine großen Einsätze sehen und spielst lieber um einen kleinen Pot.
Man sagt: Große Pötte sind für große Blätter da, kleine Pötte für kleine Blätter. Wenn du nicht wirklich starke Karten hältst, dann ist ein Ziel deiner Taktik, den Pot nicht ausufern zu lassen. Du möchtest nicht um jeden Preis mit einem Toppaar All-In gehen. Mit einem mittelprächtigen Paar möchtest du zwar keine großen Einsätze zahlen müssen, aber doch billig zum Showdown kommen, weil du ab und zu das beste Blatt hältst.
Das nennt man Potcontrol. Ein Beispiel für Potcontrol ist der folgende Standardspielzug:
Du erhöhst vor dem Flop, ein Gegner geht mit. Du hast Position auf ihn, z.B. bist du in später Position und dein Gegenspieler im Big Blind. Am Flop hast du ein Toppaar, der Gegner schiebt, du setzt, er geht mit. Am Turn ändert sich nicht viel. Der Gegner schiebt wieder und du schiebst ebenfalls. Am River setzt dein Gegner und du gehst mit.
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Du bist im CO
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Diese Spielweise bietet sich an, wenn keine nennenswerten Draws
möglich sind und du in Position bist. Im Beispiel lassen die
Gemeinschaftskarten allenfalls einen Gutshot als Draw zu. Du
musst dein Blatt auf diesem Turn nicht schützen.
Wenn du schiebst, passiert das Folgende:
- Hat dein Gegner ein besseres Blatt, gibst du ihm dafür weniger Geld. Du hältst den Pot klein.
- Hat
dein Gegner ein schlechteres Blatt, vielleicht einen Gutshot, ein
schlechteres Paar Asse, ein Paar Achten oder ein anderes Paar wird er
vieles weglegen, wenn du setzt. Schiebst du, signalisiert das Schwäche
und er wird womöglich noch etwas am River setzen, als Bluff oder weil
er glaubt, das beste Blatt zu halten. Setzt er nicht, wird er aber
vielleicht eher einen Einsatz von dir mitgehen.
Potcontrol ist in Position immer einfacher als ohne Position auf seinen
Gegner zu haben. Das ist ein Grund dafür, dass du immer in Position
spielen willst. Sie bildet einen natürlichen Gegenpol zur Protection. Du erinnerst dich: Protection heißt, ein verwundbares Blatt zu schützen, indem man Gegnern einen zu hohen Preis für die nächste Gemeinschaftskarte vorgibt.
Nun kommt es oft vor, dass du ein Blatt hast, dass du gerne zu Showdown bringen möchtest, aber nicht um jeden Preis, das andererseits aber auch verwundbar ist, besonders wenn viele Draws möglich sind.
Es ist ein ständiges Abwägen. In den Strategieartikeln der Bronze-Sektion und höher werden wir dieses Thema genauer unter die Lupe nehmen. Zunächst einmal nur zwei Standardspielzüge, wie du aktiv Potcontrol betreiben kannst.
Diesen Spielzug kennst du bereits. Ihn spielst du meist mit Paaren bei nicht zu drawlastigen Gemeinschaftskarten. Meist hast du auch vor dem Flop erhöht und bist am Flop der Aggressor.
Je eher dein Gegner einen Draw halten kann, solltest du am Turn noch einmal setzen. Schätzt du die Lage eher so ein, dass er entweder gar nichts mit wenigen Verbesserungsmöglichkeiten hat oder mit einem starken Blatt trickreich spielt, dann schieb lieber am Turn und geh bei ungefährlicher Riverkarte einen Einsatz mit.
Dieser Spielzug stammt ursprünglich aus dem Fixed Limit. Statt am Turn zu schieben und am River einen Einsatz mitzugehen oder selbst zu setzen, setzt du am Turn und schiebst am River in der Absicht, dir dann den Showdown kostenlos anzusehen.
Der Vorteil dieser Spielweise ist, dass am Turn die letzte Gelegenheit ist, aus gegnerischen Draws noch Geld einzusammeln und manchmal kriegst du sogar bessere Blätter zur Aufgabe. Wenn du am Turn schiebst, dann auch um deinem Gegner die Möglichkeit für einen Bluff am River zu geben. Manchmal willst du das aber nicht.
Wenn dein Gegner auch gut möglich am Turn einen Draw halten kann, solltest du lieber setzen und am River schieben.
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Du bist im CO
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Zu setzen ist vor allen Dingen dann sinnvoll, wenn deine Gegner
Position auf dich haben oder wenn du keine kostenlose Riverkarte
vergeben willst. In diesem Beispiel ist zwar der Flushdraw angekommen,
aber dein Gegner muss ihn nicht zwingend halten. Aber jetzt gibt ihm
jede einzelne Herz-Karte einen Flushdraw.
Du musst also setzen, um dein Blatt dagegen zu schützen. Du hast auch wenig Lust, deinen Gegner zu einem Bluff zu animieren, denn bei solchen Gemeinschaftskarten willst du nicht derjenige sein, der Einsätze mitgeht und rätseln darf.
Erhöht dein
Gegner dann, kannst du davon ausgehen, geschlagen zu sein, und aussteigen.
Die gleiche Spielweise würdest du auch wählen, wenn der Flush am Turn
nicht angekommen wäre, sondern zum Beispiel der Turn die Kreuz Zehn
wäre. Wenn dein Gegner erhöht, kannst du ebenfalls sicher aufgeben.
Wann immer du vor dem Flop erhöhst, Kundschaft findest und als Aggressor in die späteren Setzrunden gehst, bietet sich dir die Möglichkeit für eine so genannte Continuationbet. Durch deine Erhöhung vor dem Flop kannst du ein stärkeres Blatt repräsentieren, als du es tatsächlich hast. Setzt du dann am Flop und hast eigentlich nur einen Bluff, wird er häufiger funktionieren.
Nicht immer ist es klug, direkt am Flop eine Continuationbet zu setzen, nachdem man vor dem Flop erhöht hat. Wenn dein Gegner ungern aufgibt, wenn er vielleicht auch gut etwas getroffen haben kann, du aber auch noch Verbesserungsmöglichkeiten hast, solltest du am Flop nicht setzen. Hast du etwas auf der Hand, das auch einen Showdown gewinnen kann, dann setz lieber auf eine harmlose Turnkarte oder eine, die dein Blatt verbessert.
Du kannst als Aggressor mit einer Continuationbet viele Pötte attackieren, aber nicht jeden.
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Wie du siehst, macht einen guten Flop für eine Contibet als Bluff aus,
dass er nur wenigen Blättern weiterhilft. Er bietet wenig
Drawmöglichkeiten und wenig Chancen für starke gemachte Hände. Auf
einem guten Flop kannst du ein starkes Blatt repräsentieren, während
dein Gegner selten die Karten hat, um einen Bluff von dir auffliegen zu
lassen, selbst wenn er sich sicher ist, dass du bluffst.
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Alle drei Beispiele tragen die Überschrift: Sehr drawlastig. Trifft das
zu, kommt das Setzen einer Continuationbet am Flop eigentlich nur in Frage, wenn du nur einen
Gegner hast.
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Du bist in MP2
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Auf diesem Flop gibst du am besten auf. Sind deine beiden Gegner nicht
extrem tight, dann lohnt sich eine Bluffcontibet überhaupt nicht. Sehr
viele Blätter haben hier etwas getroffen und du kannst kaum etwas
repräsentieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Spieler aufgeben,
sinkt auf so einem Flop dramatisch.
Kommt am Turn ein Ass oder König, möglichst nicht in Pik, kannst du immer noch setzen.
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Du bist in MP2
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Dieser Fall ist grenzwertig. Weißt du von einem der Gegner, dass er
etwas loosere Tendenzen hat, solltest du hier aufgeben. Weißt du das
nicht oder glaubst du, beide Gegner sind eher tight, kannst du auch
setzen. Der Flop sieht gut aus und du hast noch ein paar Outs auf ein
gutes Toppaar mit dem Ass und dem König.
Du kennst bereits den Spielzug „Du setzt am Flop, schiebst am Turn und gehst am River einen gegnerischen Einsatz mit.“ Du hast ihn als Mittel für Potcontrol kennen gelernt. Doch er ist auch Mittel zur Bluffinduce, zum Provozieren von gegnerischen Bluffs.
Dadurch, dass du am Turn schiebst, repräsentierst du ein schwaches Blatt. Dein Gegner kann gut glauben, dein Einsatz am Flop wäre nur eine typische Continuationbet gewesen und jetzt würdest du deinen Bluff aufgeben. Gerade diese Vorstellung reizt nicht alle, aber doch eine Menge Spieler zu einem Bluffversuch am River. „Der hat doch nichts“, sagen sie sich.
Hand in Hand mit diesem Bluffinduce geht das Thema Slowplay. Wann immer du dein Blatt schwächer darstellst, als es tatsächlich ist, betreibst du Slowplay, du spielst deine Karten „langsam“.
Indem du dein Blatt unterrepräsentierst, animierst du Gegner dazu ein schwächeres Blatt zu überspielen oder überhaupt erst einmal etwas Spielbares zu treffen. Du triffst z.B. am Flop ein Full House. Es gibt nicht viele Karten, die dein Gegner jetzt weiterspielen wird. Indem du auf einen Einsatz verzichtest, gibst du ihm die Chance, entweder am Turn etwas Spielbares aufzugreifen oder schon am Flop eine Dummheit zu begehen.
Slowplay ist etwas, das du mit absoluter Vorsicht einsetzen solltest. Es kommt nur dann in Frage, wenn du dein Blatt nicht schützen musst oder kannst. Du gibst deinem Gegner einen billigen Blick auf die nächste Gemeinschaftskarte. Es ist nur logisch, dass du das nur machen kannst, wenn dir fast egal sein kann, was kommt.
Slowplaye nicht gegen viele Gegner und slowplaye nicht bei drawlastigen Gemeinschaftskarten. Tu es auch nicht, wenn dein Gegner passiv ist. Tu es nur dann, wenn du dir sicher bist, dass dein Gegner die Einladung annimmt, sein Blatt zu überspielen.
Im Normalfall ist Slowplay die schlechtere Alternative. Es gibt auf den unteren Limits nämlich eine Regel, die du niemals vergessen solltest: Deine Gegner werden eher einen Einsatz mitgehen, als selbst zu setzen. Grund dafür ist der schon früher erwähnte Umstand, dass der normale Spieler auf den unteren Limits zu passiv und zu loose spielt.
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Du bist im BU
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Ein gutes Beispiel für eine Situation, in der ein Slowplay Sinn ergibt.
Der Flop ist nicht drawlastig. Er sieht ungefährlich aus und es liegt
ein Ass. Du brauchst dein Blatt nicht zu schützen und kannst am Flop den Einsatz auch erst einmal nur mitgehen, wenn du der Meinung bist, dadurch langfristig mehr Geld zu machen als mit einer direkten Erhöhung.
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Du bist im BU
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In diesem Beispiel hast du zwar mit dem Flush ein starkes Blatt
getroffen, doch jede höhere Pik-Karte hat einen Draw auf einen besseren
Flush. Mit einem Flush musst du am Flop direkt Gas geben
und versuchen, alles Geld sofort in die Mitte zu stellen.
Putting it together…
Deine Spielentscheidungen nach dem Flop versuchen eine Balance zu finden, zwischen ...
- ... deinem natürlichen Gewinnstreben, immer das meiste herauszuholen, wenn du vorne liegst.
- ... dem Bestreben, den Pot zu kontrollieren und den Preis für deine schwächeren Blätter im Rahmen zu halten.
- ... dem Bestreben, mit verwundbaren Blättern die nächste Gemeinschaftskarte teuer zu machen.
| Value | ||
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| Protection | Potcontrol |
Je schwächer dein Blatt ist, desto wichtiger wird Potcontrol. Je stärker dein Blatt ist, desto wichtiger wird Valuemaximierung. Je verwundbarer dein Blatt ist, desto wichtiger wird Protection.
Das Spiel mit gemachten Händen ist relativ simpel. Hast du das beste Blatt, dann setze oder erhöhe. Je schwächer dein Blatt ist, desto mehr solltest du auf Potcontrol achten, den Pot klein halten und bei zu viel Action oder Gegenwehr schlicht aussteigen.
Dein Blatt muss umso stärker sein, je mehr Gegner du hast. Gab es vor dem Flop keine Erhöhung oder du bist eine Erhöhung mitgegangen, solltest du schon wirklich gute Karten vorweisen, um größere Action zu machen.
Slowplaye nur mit sehr starken Karten. Je drawlastiger die Gemeinschaftskarten sind und je verwundbarer dein Blatt ist, desto stärker achte auf Protection und lass deine Gegner nicht zu günstig die nächste Gemeinschaftskarte sehen.
Versuch immer, eine Balance zwischen Potcontrol und Protection zu finden. Du brauchst ein marginales Blatt nicht schützen, wenn es auch so schon gut hinten liegen kann.
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Du bist in MP3
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Dein Einsatz
am Flop ist Standard. Nachdem beide Spieler am Turn schieben, solltest
du noch einmal setzen. Es kann durchaus Flushdraws
geben, die nun mitgehen. Auch schlechtere gemachte Hände könnten noch
einen Grund finden, um mitzugehen. Zudem behältst du die Initiative.
Wenn du schiebst, hast du keine Kontrolle mehr und weißt auch nicht wo
du stehst.
Doch dann kommt eine Erhöhung vom Spieler im Big
Blind. Dieser
Spielzug am Turn gegen mehrere Gegner demonstriert sehr viel Stärke. Er
wird häufig den Flush haben. Damit siehst du mit deinen zwei Paaren
natürlich nicht mehr so gut aus. Es ist nur richtig, daraufhin
auszusteigen.
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Du bist in MP2
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Die beste Spielweise bei dieser Turnkarte ist, zu setzen und auf eine
Erhöhung hin auszusteigen. Dein Gegner wird zu selten mit einem
schlechteren Blatt als deinem erhöhen. Du kannst aber auch nicht
schieben, denn sogar ein Blatt wie 2

Geht dein Gegner deinen Einsatz nur mit, dann gibst du am River
entweder direkt auf oder machst einen kleinen Einsatz und steigst auf
eine Erhöhung hin aus.
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Du bist im BU
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In diesem Beispiel erhöhst du am besten. In den Gemeinschaftskarten
liegen einige Draws, auch ein wahrscheinliches Ass hat hier noch einen
Gutshot. Fällt am Turn ein höhere Karte als eine Neun, z.B. ein König
oder eine Dame, dann dürftest du dich auch nicht mehr wirklich wohl mit
deinen Karten fühlen.
In einer solchen Situation ist es immer besser,
direkt zu erhöhen. Erhöht der Gegner weiter, weißt du sicher, dass du
geschlagen bist. Geht er nur mit, kannst du je nach Turnkarte
weiterentscheiden.
Für ein perfektes Drawspiel benötigst du einen Einblick in die mathematischen Konzepte Outs, Odds und Pot Odds, die du noch kennen lernst.
Generell gilt, dass du in Runden, in denen vor dem Flop niemand erhöht hat oder in denen du eine Erhöhung mitgegangen bist, Draws fast immer passiv spielst. Mit starken Draws wie Flushdraws und OESD kannst du moderate Flop-Einsätze mitgehen. Schwache Draws wie einen Gutshot kannst du meist gleich wegwerfen.
Jag keinen Draws hinterher! Stehst du mit einem Flushdraw am Turn, wirst du in nicht einmal 20% der Fälle am River den Flush treffen. Du verbrennst dein Geld, gehst du trotzdem am Turn große Einsätze mit.
Hast du vor dem Flop erhöht, kannst du mit vielen Draws auch am Flop weiter aggressiv spielen, sofern du nur einen oder zwei Gegner hast. Du setzt z.B. mit einem starken Draw fast immer eine Continuationbet am Flop.
Spielst du aggressiv mit einem Draw, ist das aber letztlich immer noch ein Bluff. Man nennt das dann Semibluff. Du kannst nämlich noch gewinnen, auch wenn der Bluff nicht durchgeht, du aber dein Blatt verbesserst.
Dennoch gilt auch für das aggressive Spiel mit Draws, dass es nur dann überhaupt sinnvoll ist, wenn die Gegner aussteigen können. Gegen viele Spieler oder solche, die aus Prinzip jeden Einsatz mitgehen, kannst du nicht bluffen und deshalb Draws auch nicht aggressiv spielen.
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Du bist im SB
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Hier hast du dich am Flop aufgrund der Menge der Gegner nur für eine
passive Spielweise entschieden. Aufgrund des Geldes, das MP1 und du
noch haben, kannst du den Einsatz locker mitgehen.
Am Turn triffst du deinen Draw. Nun solltest du selbst aktiv werden.
Würdest du schieben, würden deine Gegner aus Angst vor dem Flush nur
selten etwas setzen. Aber gerade auf den kleineren Limits gehen sie oft
noch einen Einsatz mit, u.a. weil dein Einsatz für sie wie ein Bluff
aussehen mag.
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Du bist im CO
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In diesem Beispiel hast du einen starken Flushdraw und zusätzlich noch
Überkarten (König und Bube), die deinen Draw noch etwas besser machen.
Normalerweise solltest du gegen vier Gegner einen Semibluff
unterlassen. Du wirst selten alle zur Aufgabe zwingen.
Doch in dieser speziellen Situation kannst du
dennoch setzen. Wesentlicher Grund dafür ist, dass du in Position bist,
also alle deine Gegner vor dir agieren müssen. Hinzu kommt, dass dir
viele Karten am Turn oder River weiterhelfen. Geht jemand deinen
Einsatz mit, wirst du dennoch häufig eine gute Karte treffen und die
Hand für dich entscheiden können.
Zusammenfassung
Dieser Artikel hat dir einen Überblick über alle wichtigen Konzepte für das Spiel nach dem Flop gegeben. Natürlich kann einer allein nicht das ganze Thema abdecken. Dafür gibt es noch weiterführende Artikel.
Was du mitnehmen solltest, ist das Zusammenspiel von Potcontrol und Protection. Du willst mit einem mittelstarken Blatt nicht um große Pötte spielen. Du willst aber auch deinen Gegnern keine günstigen Gemeinschaftskarten schenken, mit denen sie dich noch überholen können.
Ebenfalls solltest du verstanden haben, dass ein Einsatz nur dann Profit bringt, wenn er entweder dein Blatt vor Draws schützt oder schlechtere gemachte Hände mitgehen. Kannst du am River kostenlos zum Showdown kommen und dein Blatt reißt dich nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin, dann nutz die Gelegenheit.
Generell gelten auch am Flop, am Turn und am River, die gleiche Regeln wie für das Spiel vor dem Flop:
- Du spielst tight und bist in der Lage, marginalen Situationen aus dem Weg zu gehen.
- Du spielst aggressiv und gestaltest das Spiel aktiv, anstatt ständig Einsätze nur mitzugehen.
- Du spielst Position und achtest wie schon vor dem Flop darauf, nach Möglichkeit in Position auf deine Gegner zu sein.
In den folgenden Artikeln werden wir weiter ins Detail gehen und unter anderem für spezielle Spielsituationen untersuchen, was die beste Spielweise mit diesem oder jenem Blatt ist. Der erste Text aus dieser Reihe nimmt sich der Mathematik des Pokerns an, die insbesondere für das Spiel von Draws wichtig ist.
Gehe zum Artikel: Mathematik des Pokerns - Odds und Outs







