Upswings und Downswings
Einleitung
In diesem Artikel
- Welchen Einfluss das Glück hat
- Wie du dich verhältst, wenn es besser läuft, als erwartet
- Was du machst, wenn du in einem Downswing steckst
Dieser Artikel richtet sich hauptsächlich an Einsteiger, die gerade die ersten Stufen der „Pokerkarriereleiter“ in Angriff nehmen. Er beschreibt, wie sich der Glücksfaktor beim Pokern auswirkt, was man realistisch an Ergebnissen erwarten kann und wie man mit Up- und Downswings umgehen sollte.
Der Glücksfaktor bei No-Limit Holdem
In jeder beliebigen Hand kann man absolut korrekt spielen und trotzdem verlieren. Dies ist keine selten auftretende Ausnahme, sondern passiert sehr häufig. Jeden Tag, an dem man spielt, immer und immer wieder. Umgekehrt kann man eine Hand völlig falsch spielen und trotzdem viel Geld gewinnen. Die kurzfristigen Ergebnisse hängen also nicht nur von der eigenen Spielweise, sondern auch ganz erheblich vom Glück ab.
Trotzdem zahlt es sich aus, besser als die Gegner zu spielen. Langfristig wird man ziemlich genau soviel gewinnen, wie es einem gemäß der eigenen Spielstärke im Vergleich zu den Gegnern „zusteht“. Man wird immer wieder Hunderte, manchmal auch Tausende von Händen spielen, in denen man verliert (ein Downswing). Manchmal wird man aber auch über einen gewissen Zeitraum sehr viel mehr gewinnen als im Durchschnitt (ein Upswing). Wenn extreme Ereignisse eintreten, ist es besonders wichtig, sich richtig zu verhalten. Darum wird es in den nächsten beiden Abschnitten des Artikels gehen.
Verhalten bei einem Upswing
Ein Upswing ist natürlich ein tolles Erlebnis. Es macht Spaß, schnell Geld zu gewinnen und seine Bankroll wachsen zu sehen. Die Euphorie, die möglicherweise entsteht, führt aber leicht zu Fehlern. Es ist wichtig, dass ihr die beiden folgenden Dinge beachtet:
Auch wenn es momentan gut läuft, ist es wichtig, immer besser zu werden. Sucht nach Fehlern. Postet Hände, bei denen ihr nicht wisst, ob ihr gut gespielt habt, in den Beispielhandforen. Lest weitere Artikel und Bücher. Nutzt die Foren um euch weiter zu bilden.
Ein Upswing bezieht sich immer auf die Vergangenheit. Die Ergebnisse zukünftiger Hände sind davon unabhängig. Nur weil die letzten 1000 Hände besonders gut liefen, ist nicht davon auszugehen, dass die nächsten 1000 genauso gut laufen werden. Haltet euch deshalb an das Bankrollmanagement. Auch wenn ihr in einer Phase der Euphorie glaubt, das nächste Limit sicher schlagen zu können, wartet unbedingt so lange, bis eure Bankroll wirklich ausreicht. Geduld ist eine der wichtigsten Tugenden des Pokerspielers.
Verhalten bei einem Downswing
Zunächst möchte ich klären, was ich unter dem Begriff überhaupt verstehe. Ein Downswing ist eine Phase, in der man mehr als 5 Buy-Ins verliert. Kleinere Verluste sind zwar unerfreulich, kommen aber sehr oft vor und sind kein Grund zur Beunruhigung.
Wenn ihr in einem „richtigen“ Downswing mit einem Verlust von über 5 Buy-Ins steckt, ist es sehr wichtig, nicht den Kopf zu verlieren und sich an Folgendes zu halten:
Ein Downswing bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihr schlecht spielt! Möglicherweise ist alles OK und ihr hattet „nur“ Pech. Ein großer Verlust ist aber immer ein Warnsignal. Möglicherweise haben sich Leaks (sich wiederholende Fehler) eingeschlichen. Sucht nach Fehlern, postet Hände, bei denen ihr nicht wisst, ob ihr gut gespielt habt, in den Beispielhandforen. Lest weitere Artikel und Bücher. Stellt Fragen im Forum, falls ihr etwas nicht versteht.
Kaum jemand glaubt von sich selbst, auf Tilt zu sein. Trotzdem spielt man oft nach großen Verlusten anders (schlechter!). Geht deshalb kein Risiko ein und macht eine Pause. Am besten mindestens bis zum nächsten Tag.
Sich während eines Downswings an diesen Punkt zu halten, ist noch viel schwieriger als während eines Upswings. Jeder verspürt den Drang, verlorenes Geld so schnell wie möglich zurückzugewinnen. Es ist aber notwendig, auf ein niedrigeres Limit zu wechseln, wenn die Bankroll zu klein wird. Es ist keine Schande, während eines Downswings ein (oder mehrere) Limits niedriger zu spielen. Es ist eine Schande, seine Bankroll zu verlieren, weil man höher gespielt hat, als man es sich leisten konnte!
Realistische Gewinnerwartung bei No Limit Holdem
Um euch zu helfen, die finanziellen Ergebnisse zu beurteilen, gebe ich in diesem Abschnitt eine grobe Orientierung, wie viel ihr theoretisch auf verschiedenen Limits gewinnen könnt.
Die so genannte „Winrate“ misst man bei No Limit Holdem in Big Blinds pro 100 Hände (BB/100). Ein Big Blind entspricht, wie bekannt sein sollte, dem großen Zwangseinsatz in der Preflop Wettrunde. Spielt man also beispielsweise 100 Hände NL $10 (5c / 10c Blinds) mit einer Winrate von 6 BB/100 gewinnt man 60 Cent. Bei 300 Händen wären es $1.80. Um eure Winrate selbst auszurechnen, teilt einfach den Betrag eures Gewinns multipliziert mit 100 durch die Anzahl der gespielten Hände.
Pro Tisch und Stunde spielt man rund 65 Hände. So kann man leicht von der Winrate ausgehend eine realistische Gewinnerwartung für einen bestimmten Zeitraum errechnen. Sobald ihr eine Software wie Pokertracker besitzt, könnt ihr euch dort eure Winrate für die verschiedenen Limits anzeigen lassen. (Pokertracker zeigt die Winrate in PTBB / 100 Händen an, gesprochen Pokertracker Big Bets. Pokertracker wurde im Original für Limit Holdem entwickelt, und rechnet darum in Big Bets, die ja dem doppelten des Big Blind entsprechen. 1 PTBB entspricht also 2 Big Blinds).
Halbwegs aussagekräftig wird die Winrate aber erst ab mindestens 20 000, wenn nicht sogar 60 000 gespielten Händen!
Ihr solltet zunächst mit jeder positiven Winrate zufrieden sein. Generell gilt: Eine Winrate von mehr als 10 BB / 100 Hände (5 PTBB / 100 Hände) ist ein gutes Ziel. Auf den niedrigen Limits ist mit einiger Erfahrung auch noch einiges mehr zu holen. Sehr gute Spieler erzielen hier Winrates von 20 BB / 100 Hände (10 PTBB / 100 Hände).
Die obigen Werte bedeuten nicht, dass ihr diese unbedingt erreichen werdet oder erreichen müsst. Auch eine niedrigere Winrate ist gut. Außerdem spielt Glück und Pech eine so große Rolle, insbesondere wenn ihr nur wenige Hände auf den jeweiligen Limits spielt, dass euer Ergebnis stark von den Werten abweichen kann (in beide Richtungen, also auch nach oben).
Zusammenfassung
Wie schnell sich eure Spielstärke und eure Bankroll weiter entwickeln, hängt von der Zeit ab, die ihr investiert, von eurem Talent, den Fähigkeiten, die ihr mitbringt und letztendlich auch vom Glück. Der richtige Umgang mit Up- und Downswings gehört natürlich auch dazu.
Ich hoffe, dass ihr den Glücksfaktor nicht unterschätzt. Wenn ihr auf einem Limit längere Zeit nicht voran kommt und möglicherweise auch Verlust macht, ist das kein Weltuntergang. Haltet euch an die Empfehlungen in diesem und den anderen Artikeln und arbeitet weiter an der Verbesserung eures Spiels. Mit der Zeit werdet ihr, bei entsprechendem Einsatz, immer weiter vorankommen, spielerisch und finanziell.