Stop-Loss-Limits - Rettungsanker setzen
Einleitung
In diesem Artikel
- Stop-Loss-Limits schwächen schlechte Tableselection ab
- Stop-Loss-Limits helfen bei der Tiltvermeidung
- Bei 5 Buy-ins oder 100 Big Bets Verlust ist die Session gelaufen
Als Pokerspieler hat man zwei Funktionen inne. Auf der einen Seite steht der Sportler, der jedes Mal aufs Neue an den Tischen gegen andere Spieler antritt. Auf der anderen Seite steht der Manager.
Der Manager sorgt dafür, dass der Sportler trainiert und seine Technik weiterentwickelt. Er sucht die Gegner aus, verwaltet die Einnahmen oder auch die Verluste. Er kümmert sich darum, dass die Karriere vorangeht.
![]() |
Sich selbst als Pokerspieler zu managen, hat nicht nur etwas mit Geduld oder Disziplin zu tun, sondern ist auch wesentlich eine Frage des Handwerks. Das wichtigste Werkzeug in deinem Arsenal ist das Bankrollmanagement.
Sein Nutzen: Ein solides Bankrollmanagement führt dazu, dass du nur die Limits spielst, auf denen du auch einmal verlieren kannst, ohne dich dabei zu billig zu verkaufen. Du kannst verlieren, ohne zu weit zurückzufallen, kommst aber auch gut voran, wenn du gewinnst.
Ein anderes Werkzeug, das dich beim langfristigen Vorankommen unterstützt, ist das Setzen von Stop-Loss-Limits.
Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Wertpapier- und Devisenhandel. Wenn der Kurs unter eine bestimmte Marke, das Stop-Loss-Limit, fällt, dann werden deine Papiere oder Devisen sofort zum Verkauf freigegeben.
Du kaufst dir Aktien und hoffst, dass der Kurs und damit ihr Wert steigt. Er fällt aber. Irgendwann wird dir die Sache zu heikel und du verkaufst die Aktien für das nächstbeste Angebot, um die Verluste nicht noch weiter zu vergrößern.
Das Prinzip kann man auch auf Poker anwenden. Ein Stop-Loss-Limit zu setzen, heißt dann: Wenn du Verluste einspielst und deine Verluste überschreiten irgendwann einen bestimmten Betrag, dann brichst du das Spiel ab. Ein No-Limit-Spieler würde z.B. sagen: Wenn ich drei Buy-ins verliere, gehe ich vom Tisch.
Was ist der Nutzen eines Stop-Loss-Limits?
Der Nutzen eines Stop-Loss-Limits ist, dich aus einer Situation herauszuholen, in der du oft dazu verdammt bist, weitere Verluste anzuhäufen. Im Devisenhandel verhindert es, dass du zu lange in einer Handelsposition bleibst, die du so schnell wie möglich abstoßen solltest, nur weil du hoffst, dass sich der Kursverlauf doch noch umkehrt.
![]() |
Im Poker kann es z.B. sein, dass du etwas bei der Tischauswahl übersehen hast. Vielleicht ist die Spielerkonstellation und –reihenfolge am Tisch unprofitabel. Oder es ist ein Spieler am Tisch, von dem du weißt, dass er ein Fisch ist, aber du kommst mit seiner Spielweise nicht klar.
Deine Verluste müssen einen Grund haben und einer kann sein, dass der Tisch selbst nicht profitabel ist. Ein Stop-Loss-Limit zu setzen, ist ein Mittel, die Auswirkungen zu begrenzen, wenn du einmal einen richtig schlechten Tisch erwischst.
Du kannst aber auch Pech gehabt haben. Du hast sauber gespielt, aber es läuft einfach nicht. Deine Draws kommen nicht an, deine made Hands werden andauernd überholt. Dadurch gelangst du in die klassische Ausgangssituation für das Entstehen von Tilt.
Der Tilt ist nichts, was du einfach so ausschalten kannst. Jeder ist auf irgendeine Weise anfällig dafür. Du kannst ihn kontrollieren, z.B. indem du dich aus Situationen heraushältst, in denen die Entstehung von Tilt in dir geradezu provoziert wird.
Es gibt Leute, die sagen: Einfach weiterspielen! Aber wieso sollte man das tun, wenn die Wahrscheinlichkeit mehr und mehr steigt, dass man gar nicht mehr in der Lage dazu ist? Die größten Verluste im Poker werden nicht von schlechten Spielern, sondern von Tiltern angehäuft.
Ein Stop-Loss-Limit zu setzen, neutralisiert diese Situationen. Du läufst nicht mehr Gefahr, dich auf einmal ganz unten in der Pokernahrungskette wiederzufinden, weil du vorher schon vom Tisch gegangen bist.
Um das Vorangegangene zusammenzufassen, liegt der Nutzen eines Stop-Loss-Limits darin, …
-
... die negativen Auswirkungen zu begrenzen, wenn du einen wirklich schlechten Tisch erwischt hast - einen Tisch mit zu guten Gegnern, unprofitabler Spielerkonstellation oder Gegnern, mit deren Spielweise du nicht klarkommst.
-
… dich aus Situationen herauszuholen, die sehr offensiv die Entstehung von Tilt provozieren.
Du begrenzt nicht einfach deine Verluste aus Angst, noch mehr zu verlieren. Etwas knabbert gerade massiv an deiner Winrate und deiner Bankroll. Das neutralisierst du, indem du bei Erreichen deines Stop-Loss-Limits vom Tisch gehst.
Das Stop-Loss-Limit nachziehen
Es kommt auch vor, dass du an einem Tisch zunächst gut durchstartest und Gewinne einfährst. Aber auch dann gilt das Gesagte aus dem vorherigen Abschnitt. Bei Gewinnen solltest du deshalb dein Stop-Loss-Limit nachziehen.
Ein Beispiel: Ein No-Limit-Spieler hat sich eine Grenze von drei Buy-ins gesetzt. Wenn ich die verliere, sagt er sich, gehe ich vom Tisch. Er gewinnt aber erst einmal vier Buy-ins.
Um jetzt sein Stop-Loss-Limit zu erreichen, müsste er schon ganze sieben Buy-ins verlieren. Die Frage ist: Muss er wirklich erst sieben Buy-ins verlieren, um zu merken, dass etwas absolut falsch läuft? Und wie gut muss er sein, dass er vier oder fünf Buy-ins in Folge verlieren und immer noch völlig unbeeindruckt sein A-Game abliefern kann?
Wenn du gewinnst, dann zieh dein Stop-Loss-Limit nach. Du sagst dir: Wenn ich $150 verliere, war es das für heute. Du gewinnst aber erst einmal $100. Dann ziehst du die Verlustgrenze um diesen Gewinn nach oben und dein Stop-Loss-Limit liegt dann bei - $50 statt bei - $150.
Das solltest du immer dann machen, wenn deine Gewinne eine nennenswerte Höhe erreicht haben. Du wirst nicht nach jedem kleinen Pot dein Limit nachziehen. Es zu machen, ist unabdingbar, weil die im Abschnitt zuvor genannten Gründe auch dann greifen, wenn du zunächst Gewinne eingefahren hast.
Machst du es nicht, musst du erst einmal eine noch größere als zuvor festgelegte Menge Geld verlieren, bevor du dich an den Kopf fasst und fragst, warum du nicht schon früher vom Tisch gegangen bist.
Wo sollte dein Stop-Loss-Limit liegen?
![]() |
Ein Stop-Loss-Limit setzt man nicht nur für einen Tisch, sondern auch für eine ganze Session. Dementsprechend musst du unterscheiden. Du kannst einen schlechten Tisch erwischen, den verlassen, aber noch andere gut weiterspielen.
Dein Stop-Loss-Limit für einen einzelnen Tisch ist ein anderes und meist geringer als das für eine ganze Session.
Nimm dir einmal die Zeit und überleg, welche Verlustspiele du schon erlebt hast. Bei welchen Beträgen, würdest du jetzt im Nachhinein sagen, hättest du besser aufhören sollen?
Es gibt Profispieler, die einen No-Limit-Tisch schon verlassen, wenn sie zwei Buy-ins verloren haben, die aber erst nach neun Buy-ins Verlust eine komplette Session abbrechen.
In der Praxis haben sich einige grobe Faustregeln etabliert. Für No-Limit und Pot Limit liegt das Stop-Loss-Limit bei drei Buy-ins für einen Tisch und bei fünf Buy-ins für eine ganze Session, wenn du nicht gerade extremes Multitabling betreibst. Die Grenze verschiebt sich ebenfalls weiter, wenn du die Shortstackstrategie spielst.
Spielst du SNGs, dann mach keine neuen Tische mehr auf, wenn du bisher acht Buy-ins verloren hast. In Fixed Limit beträgt die untere Verlustgrenze für einen Tisch 50 Big Bets und für eine Session 100 Big Bets.
Diese Zahlen sind natürlich kein Muss und nur ein Anreiz zum Nachdenken. Der wesentliche Punkt ist, dass du dir überhaupt angewöhnst, vernünftige Stop-Loss-Limits zu setzen und dich auch wirklich daran hältst. Wie auch ein solides Bankrollmanagement sind sie ein mächtiges Werkzeug, wenn richtig angewandt.
Du wirst damit nicht besser spielen und an den einmal gemachten Verlusten kannst du auch nichts mehr ändern, doch sie verhindern Verlustexzesse und beeinflussen so deine Winrate und deinen Kontostand positiv und zwar über die Gesamtheit aller Einzelspiele hinweg.
Fazit
Ein Pokerspieler, der nicht nur aus Spaß, sondern auch auf Erfolg spielt, kommt nicht daran vorbei, sich irgendwann auch seiner Funktion als sein eigener Manager bewusst zu werden. Der Spieler in dir will immer mal wieder Dinge tun, die unvernünftig oder schlicht dumm sind. Er sieht nur das eine Spiel und will aus diesem das Maximum holen. Er kann seine halbe Bankroll verspielen bei dem Versuch, das Blatt noch zu wenden und allen zu zeigen, dass er der Bessere ist.
Der Manager aber sieht alle Spiele und ihn interessiert, dass du am Ende eines Monats das Maximum aus allen Spielen der vergangenen vier Wochen geholt hast.
Manchmal machst du das beste aus einem Spiel, wenn du es einfach abbrichst. Salopp gesagt: Du wirst dein Lebtag Sessions erleben, in denen du nur auf die Fresse kriegst. Du kannst bleiben und dich weiter vermöbeln lassen. Du kannst dir auch sagen, dass du zu schön für diesen Mist bist, und die Tische verlassen. Das Geld gewinnst du so oder so zurück. Nur nicht heute.
Wenn du das nächste Mal an die Tische gehst, denk daran, dir vorher ein Stop-Loss-Limit zu setzen. Schreib die Zahl am besten auf einen Zettel und leg ihn neben die Tastatur. Es fällt nicht immer leicht, sich daran zu halten. Versuch es. Es rettet dir auf lange Sicht eine Menge Geld.
| LINKS | |||||||
|
|||||||


