Dreißig Anfängertipps (2)
Einleitung
In diesem Artikel
- Welche grundlegenden Konzepte du verinnerlichen solltest
- Warum Nachbereitung und Planung wichtig sind
- Setze dich nicht unter Druck und sei auch mit kleinen Erfolgen zufrieden
Fünfzehn weitere Punkte gibt es heute, sie komplettieren die dreißig Anfängertipps. Versuche jeden der hier genannten Punkte so gut wie möglich zu verinnerlichen.
16. Resümieren
Hast du eine Session beendet, kontrolliere dein Spiel. Schaue dir knappe Spots an und versuche im Nachhinein zu erklären, warum du die entsprechende Line gewählt hast und ob eine andere nicht besser gewesen wäre.
Mache dies in Situationen, in denen du dir unschlüssig warst. Mache es dort, wo es nur einen knappen Equity-Unterschied gab. Und mache es vor allem auch, wenn es gut läuft.
Ein kleiner Upswing bedeutet nicht, dass eine Nachbearbeitung des eigenen Spiels unnötig ist und erst wieder erfolgt, wenn es runter geht. Denn dadurch entgehen dir wichtige Erfahrungswerte.
17. Denke ergebnisunabhängig
Ich weiß, es ist so leicht gesagt. Natürlich bist du zufrieden, wenn du einen Flip gewinnst. Verlierst du den Flip, bist du nicht erfreut.
Dies ist auch richtig so, du musst dich über Niederlagen nicht freuen, aber sie akzeptieren. Du musst deine Hände gut spielen und weniger Fehler als deine Mitspieler machen, dies ist dein Ziel.
Nur nach dem Ergebnis zu schauen, das bringt dich nicht weiter. Genau aus diesem Grund werden in den Handbewertungsforen gar keine Ergebnisse mitgepostet.
Der Ausgang der Hand ist egal, entscheidend sind deine gewählte Line sowie die Range, die du deinem Gegner gibst.
Wie die Hand letztlich ausging, mag für deinen Geldbeutel von Interesse sein, aber nicht für dein eigenes Spiel.
18. Überschätze die Stats nicht
Stats sind ein wichtiger Faktor, um deinen Gegner grob einzuschätzen.
Aber bitte achte dabei auf das Wort „grob“. Mehr als einen Hinweis werden dir diese Werte anfangs nicht geben, entscheide dich nicht für hanebüchene Spielzüge, weil dein Gegner an irgendeiner Stelle einen komischen Wert aufweist.
Sei dir zudem bewusst, dass viele Stats erst nach größerer Samplesize überhaupt aussagekräftig werden. Gerade Werte wie der Went-to-showdown oder der Agression Factor können dich auf eine falsche Fährte führen, sofern noch nicht ausreichend Hände dafür in Betracht gezogen worden sind.
Auch wer nichts auf 4-Bets foldet, geht nicht zwangsweise loose broke, wenn er nur 1% 3-bettet. Versuche dir ein Gesamtbild des Gegners zu machen, aber überschätze niemals einzelne Stats.
19. Bankrollmanagement
Es gibt unzählige Bankrollmanagements (BRM). Zwanzig Stacks, vierzig Stacks, sechzig Stacks. Möglich ist vieles, aber nur eines ist wichtig: Halte dich daran!
Hast du die Möglichkeit aufzusteigen, dann tue es. Hast du jedoch die untere Grenze erreicht, dann scheue dich nicht abzusteigen. Dies ist jedem vernünftigen Pokerspieler, der nicht gerade mit Fortuna höchstpersönlich verheiratet ist, schon mal passiert. Und den meisten deutlich häufiger.
Siehe es nicht als persönliche Niederlage, denn das ist es nicht.
Denke wieder an die Grundsätze, habe Spaß, habe Geduld, sei konzentriert, bringe dein A-Game. Wenn dir das Limit einen vor den Latz haut, dann tanke weiter unten Selbstbewusstsein und komme gestärkt zurück.
Dies ist der einzige Weg, veranstalte kein Harakiri und setze im wahrsten Sinne des Wortes alles auf eine Karte, denn es wird auf Lange Sicht garantiert schief gehen.
20. Straight Forward
Langsam kommen ein paar spielerische Aspekte hinzu. Spiele straight forward, spiele das, was du kannst.
Wenn du weißt, dass du betten solltest, dann tue es. Fange nicht an, Aces zu limpen. Verzichte nicht auf Contibets, wenn du stark getroffen hast. Haue nicht unnötige und unangebrachte Bluffs heraus, weil in deinem Horoskop steht „neue Wege führen zum Erfolg“.
Ein nachhaltiges, vernünftiges, idealerweise ausbalanciertes Spiel, dies wird dich zum Erfolg führen. Und wenn auf deine 3-Bet mit Aces jedes Mal gefoldet wird, dann ist es halt so.
Spiele vernünftig, geduldig und konzentriert, nur so wirst du es langsam nach oben schaffen.
21. Alternative Lines
Hier siehst du eine Mischung aus Punkt 20 und Punkt 4.
Auch wenn du nicht die waghalsigsten tricky Plays auspacken sollst, so kannst du selbstredend nachdenken und versuchen, einen idealen Weg zu finden.
Siehst du ein Checkraise als gute Alternative zu einer Contibet an, dann versuche es. Möchtest du einen 3-Barrel-Bluff durchziehen, weil du berechtigte Annahmen hast, dass dies eine erfolgreiche Line ist, dann tue es.
Erneut: Scheue keine Fehler, sondern probiere aus. Begehst du jedoch solche Pfade, ist eine Nachkontrolle besonders wichtig.
22. Betarten
Beschäftige dich mit Betarten. Du solltest in jeder Situation wissen, warum du setzt.
Ist es dein Ziel, zu bluffen und somit eine bessere Hand zu einem Fold zu bewegen? Oder bettest du for Value, möchtest also Payout von einer schwächeren Hand bekommen?
Dies mag marginal klingen, aber viele Spieler beschäftigen sich nicht ausreichend mit dieser Thematik und wissen gar nicht, warum sie überhaupt setzen. Bluff oder Value, das ist hier die Frage. Du solltest es wissen!
23. Betsizes
Und wenn du schon weißt, warum du bettest, dann solltest du auch wissen, wieviel.
Betsizes sind entscheidend, denn sie beeinflussen deine Winrate enorm. Du gibst deinen Gegnern Odds, daher musst du wissen, wie diese aussehen sollten und welche Betsizes du dafür verwenden musst.
Dies sind Basics, es ist absolut grundlegend, dich damit ausgiebig zu beschäftigen.
24. Odds
Wie eben angesprochen, sind Odds ein wichtiges Element im No-Limit Hold’em. Grundlagen dazu findest du hier.
Welche Odds bekommst du, wenn dein Gegner setzt? Welche benötigst du, um einen Flushdraw zu callen? Was für Odds benötigst du, wenn du ein All-In callen sollst, sprich zwei oder gar drei Streets mit einberechnen musst?
Dies mag nicht einfach klingen, doch mit solchen Situationen wirst du von Anfang an konfrontiert werden.
25. Drawing Hands
Um drawing Hands wirst du nicht herum kommen. Daher sollte es dein Ziel sein, dich von Anfang an damit zu beschäftigen.
Der Begriff Implied Odds muss dir dabei geläufig sein, Informationen dazu findest du hier.
Für das grundsätzliche Spiel mit spekulativen Händen helfen dir folgende Artikel:
Wie spielst du Draws?
Der Semibluff
Im ersten Augenblick mag dies alles viel erscheinen, aber es ist elementar, sich von Beginn an damit auseinanderzusetzen.
26. Plane die Theorie
Daran anknüpfend: Stelle dir einen Plan zusammen, wie du dir die Grundlagen erarbeitest.
Es nützt nichts, alle Artikel durchzulesen und dann abzuhaken. Arbeite dich Stück für Stück voran und verstehe, was du da liest.
Gefällt dir etwas nicht oder siehst du etwas anders, gib uns Feedback im Forum. Beteilige dich aktiv am Geschehen, dann wirst du die wesentlichen Punkte auch verinnerlichen.
Spiele eine Session, bearbeite diese nach und dann lass etwas Theorie folgen. Es wird dauern, damit bist du wieder bei der Geduld. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
27. Akzeptiere Aggression
Achte darauf, was deine Gegner machen und wie häufig sie es machen. Merke dir einen Grundsatz: Eine Bet bedeutet noch nicht viel, aber wenn dein Gegner raist, dann unterschätze dies nicht.
Bluffbets gibt es häufig, Bluffraises deutlich seltener.
28. Suche Gleichgesinnte
Versuche, auf deinem Weg einen Partner zu finden. Dieser Partner sollte die gleichen Ziele haben wie du, motiviert euch gegenseitig, erarbeitet zusammen die Theorie, besucht Coachings.
Idealerweise schaut ihr euch bei User-2-User-Coachings gegenseitig über die Schulter.
Dies wird dir viele Probleme nehmen, denn es macht Spaß und zwingt dich zu einem konzentrierten A-Game ohne Tilt.
29. Sei zufrieden mit Fortschritten
Ein Schritt für deine Bankroll, drei Schritte für dich.
Verwalte dich gut, setze dir realistische Ziele und sei zufrieden, wenn du diese erreichst. Ein Limit-Aufstieg ist etwas schönes, darüber kannst du dich freuen. Egal auf welches Limit du es geschafft hast.
Schaue nicht immer ganz nach oben, mache dir zwar bewusst, dass du noch viel zu lernen hast, aber kleine Erfolge müssen auch gefeiert werden. Denke daran, habe Spaß am Spiel und belohne dich bei Erfolgen auch mal selber.
Strebst du nur nach ganz oben und lässt kleine Erfolge einfach bei Seite liegen, wirst du auch nicht sonderlich zufrieden sein.
30. Das Peter Principle
Das Peter Principle besagt, dass du solange aufsteigst, bis du nicht mehr mithalten kannst.
Es heißt nicht, dass du gewisse Limits oder Ziele niemals erreichen kannst, aber vielleicht bist du noch nicht soweit. Auch wenn deine Bankroll stimmen mag, zu einem weiteren Sprung nach oben fehlt dir eventuell Wissen, Erfahrung, Geduld, Coolness.
Coolness in dem Sinne, dass du trotz gescheiten Bankrollmanagements auf scared Money sitzt, sprich, du überlegst doch wie viel Geld dort an deinem Tisch von dir ins Spiel gebracht wird.
Es kann viele Gründe haben, dass ein Sprung nach oben scheitert, versuche zu ergründen, woran es liegt, und sollte dies keinen Erfolg bringen, dann begnüge dich vorerst mit dem Erreichten.
Nicht jedem ist es vergönnt, auf den höchsten Limits zu spielen.
Zusammenfassung
Ich hoffe, du hast nun eine nette Übersicht erhalten, was so alles berücksichtigt werden muss, um dauerhaft ein guter Pokerspieler zu werden.
Bei dir mag der eine Punkt vielleicht kein Problem sein, dafür ein anderer umso mehr hervorstechen. Wie bereits gesagt, wichtig ist nur, dass du deine Fehler erkennst und daran arbeitest, dann wird dir auf deinem Weg nach oben kaum etwas im Wege stehen.
| LINKS | |||
|
|||