Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Wie machst du ein Sessionreview?

Einleitung

In diesem Artikel

  • Warum ist Reviewing für deine Entwicklung als Pokerspieler wichtig?
  • Reviewformen und Hilfsmittel
  • Methodik – Wie gehst du vor und was musst du wissen?

Warum ist Reviewing für deine Entwicklung als Pokerspieler wichtig?

Reviewing bezeichnet die Nachbetrachtung gespielter Hände bzw. Handhistories. Dies ist gewissermaßen die Butter auf dem Brot eines erfolgreichen Pokerspielers. Deine Gewinne resultieren langfristig daraus, dass du am Tisch die bestmöglichen Entscheidungen triffst. Zu diesen Entscheidungen zu gelangen, ist im Poker nicht einfach und bedarf einer Menge an Wissen und Fähigkeiten. Ideenaustausch über Lines, Moves, Patterns, Betsizing, Handselection, Spotwahl, Tablewahl und vieles mehr sind die Dinge, die dich langfristig zu einem erfolgreichen Pokerspieler machen.

Daher gilt: wenn du deine Winrate erhöhen willst, musst du bereit sein, intensiv an dir und deinem Spiel zu arbeiten. Dazu gehören neben gutem Zeitmanagement eine ausgeprägte Trainingsdisziplin sowie die Ausstattung mit Trainingsgelegenheiten.

PokerStrategy.com bietet dir mit dem Handbewertungsforum die Gelegenheit, deine Hände von professionellen Handbewertern analysieren zu lassen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass du selbst immer wieder deine Hände und deine Entscheidungen, vor allem aber die Gründe, warum du dich für eine bestimmte Spielweise entschieden hast, immer wieder analysierst, durchdenkst und ggf. neu bewertest.

Gerade wenn du erst seit kurzem Poker spielst, solltest du dir regelmäßig Zeiten für das Training lassen. Welche Anteile Spiele und Training einnehmen, bleibt natürlich dir überlassen. Für die Lernphase eignet sich eine grobe Teilung in 60% Spielphase und 40% Training. Schließlich solltest du auch beim Spielen immer mitdenken, lernen und dich fortwährend weiterentwickeln. Du kannst z.B. auch Sessions spielen und dabei auf ganz bestimmte Dinge achten (Themenfokus), die beim letzten Training wichtig waren, um so das Gelernte zur Anwendung zu bringen oder zumindest ein ausgeprägteres Bewusstsein für die themenbezogenen Problemstellungen zu schaffen.

Reviewformen und Hilfsmittel

Welche Arten von Reviews gibt es und welche Vorteile bieten sie?

Grundsätzlich gibt es folgende Arten von Reviews: Handreview, Handhistory-Review, (Video-)Sessionreview.

Handreview:

  • Intensive Besprechung einer Hand mit all ihren Details, insbesondere der gespielten Lines und des Betsizings unter Einbeziehung maximaler Information zu Gegnertyp, -range und -tendenzen
  • Fokussierung auf konkrete Entscheidungen zur Erkennung struktureller Leaks im Spiel von Hero

Handhistory-Review:

  • Intensive Betrachtung mehrerer an einem Tisch in Folge gespielter Hände unter Einbeziehung der Shortterm-History
  • Fokussierung auf Aspekte des Gameflows
  • Sammeln und notieren gegnerspezifischer Spielweisen (Readbuilding)

Sessionreview:

  • Ganzheitliche Verlaufsanalyse einer gespielten Session
  • Fokussierung auf Schlüsselhände (Key Moments)
  • Fortlaufendes Leakfinding in vermeintlich unwichtigen (Standard-)Situationen

Videoreview:

  • Intensive Analyse (Pausieren möglich) aller Aspekte des Spiels
  • Fokussierung auf Timingtells (Hero und Villain)
  • Ausmachen von Unsicherheiten in Betsizing und Linewahl (Mauszeiger-Beobachtung)
  • Analyse von Multitable-Spots (mit demselben Gegner an mehreren Tischen zugleich, möglicherweise simultan in einer Hand mit ihm)
Welche Hilfsmittel benötigst du für ein Review?

Auch wenn die meisten der in diesem Artikel getroffenen Aussagen für alle Reviewformen gelten, so liegt der Fokus vorliegend auf dem Handreview. Hierfür benötigst du eine Vielzahl an Hilfsmitteln, welche du lernen musst, in deinen Analysen zielgerichtet einzusetzen. Was du benötigst:

  • einen Taschenrechner für die Berechnungen deiner Handanalyse
  • ein Trackingtool (z.B. PokerStrategy.com Elephant, Holdem Manager) zur Bereitstellung der gegnerischen Statistiken bzw. der Handvisualisierung (Holdem Manager Handreplayer)
  • ein Equilator-Programm (z.B. PokerStrategy.com Equilator, Pokerstove)
  • ein Textverarbeitungsprogramm (z.B. Editor Notepad, OpenOffice) zur Dokumentation deiner Analyse mitsamt der getroffenen Rangeannahmen und Arbeitshypothesen
  • Ergänzend für Videoreviews ein Desktoprecording Tool (z.B. Camtasia Studio, Fraps)

Methodik – Wie gehst du vor und was musst du wissen?

Zielsetzung – Was möchtest du mit deinem Review erreichen bzw. herausfinden?

Das wichtigste, was du für ein Review benötigst (neben den o.g. Hilfsmitteln), ist ein Ziel. Aber woher nimmst du ein solches Ziel? Wie weißt du, wie du beim Reviewing vorgehst? Die Antwort auf diese Frage erhälst du im folgenden Abschnitt.

Offenes Reviewing:

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, wie oben beschrieben eine Hand als ganze zu analysieren, indem du versuchst, diverse Aspekte (Line, Betsizing etc.) der Hand aus deiner Sicht unter Einbeziehung aller zur Verfügung stehenden Informationen zu beleuchten und möglichst zu bewerten. Diese Form des "offenen Reviews" bietet maximalen Lerneffekt in der Breite des Themenspektrums, da sehr viele Aspekte zur Sprache kommen können. Wichtige Informationen über den oder die Gegner in der jeweiligen Hand, die miteinzubeziehen sind, sind folgende:

  • Spielertyp / Gegnerimage
  • seine Prefloprange
  • seine allgemeine Aggressivität postflop (wie spielt er Draws? Wie Bottom- oder Toppairs auf drawheavy Boards? Kann er bluffen und wenn ja, wie ist dann seine Betsize?)
  • konkrete Reads (Tendenzeinschätzung: wie oft floatet er oder spielt checkraise?), die auf die Situation anwendbar sind
  • die Boardstruktur
  • Stacksizes
  • das eigene Image
  • Historyaspekte

Poker ist ein komplexes Spiel, jede Hand besitzt einmalige Umstände. Als guter Spieler musst du jedoch Strukturelemente in jeder Hand wiedererkennen und diese darauf anwenden, so gut du kannst. Demnach ist es wichtig, dass du dir ein Repertoire an Strukturelementen aufbaust, welche die Eckpfeiler deines Spielverständnisses darstellen. Diese Struktur deines Spielsystems wird sich immer weiter verfeinern und dein Gefühl für die Strukturen anderer Spielersysteme schärfen, so dass die Anwendung auf konkrete Hände immer angepasster sein wird. Daher ist Training sehr wichtig, vor allem abseits des Tisches, da man hier vermehrt auf gegnerisches Verhalten und auf die Ausnutzung von Schwachstellen darin achten kann.

Für offene Reviews empfiehlt es sich, einen Reviewpartner hinzuzuziehen, mit dem man sich über Annahmen austauschen kann. In der Regel hat der Partner dann auch gänzlich neue Zugänge zu einer Hand, die einen selbst strukturell weiterbringen. Wichtig ist hier, dass man thematisch offen ist und nicht auf seinem eigenen Zugang zur Hand beharrt, da man sonst möglicherweise wichtige Lernchancen verschenkt. Poker bietet eine Vielzahl interessanter Aspekte: das ständige "was wäre, wenn..."-Denken sollte in Trainingseinheiten Überhand nehmen. Vor allem hier hat man die Zeit, alles sauber zu durchdenken, damit man am Tisch dann einen Vorbereitungs-, d.h. Zeit- und Skillvorteil hat.

Die Zielsetzung in sog. offenen Reviews ist also nicht von vornherein bestimmt, sie ergibt sich aus den konkreten Gegebenheiten der jeweiligen Hand. Der Fokus liegt dabei auf absoluter Verbesserung des Poker-Grundverständnisses, d.h. der eigenen Spielstärke insgesamt. Das können mathematische Zusammenhänge (wieviel Equity habe ich gegen Range x oder y? Wie oft hält Villain ein Toppair?) sein, ebenso aber auch Verständniskomplexe wie allgemeine Dynamiken (Float-, Checkraisefrequenzen) und Spielertendenzen (welche Hände callt er, welcher raist er? Betsizing?).

Geschlossenes Reviewing:

Gänzlich anders verhält sich dies bei thematisch „geschlossenen“ Reviews. Hier wird das ganze Review unter ein bestimmtes Thema gestellt und alle Hände (am besten im Vorhinein dafür ausgewählt) unter dieser Perspektivstellung analysiert. Dabei werden bestimmte Standardargumente (vgl. Begriff: "Strukturelemente") immer wieder neu ausgetauscht und in Beziehung zu einander gesetzt. Der Vorteil daran ist, dass man in einer vergleichbaren Situation am Tisch schneller die bekannten Argumente abwägen kann und tendenziell bessere Entscheidungen trifft. Beliebte Themen für solche Reviews sind "Blindbattle-Situationen", "PFA auf paired Boards", "Pocketpairs auf drawheavy Boards mit einer/zwei Overcards", "non-PFA gegen LAGs und Maniacs IP", "3-Bet-Pots OOP" und vieles mehr. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Prinzipiell solltest du dafür Themen wählen, die für eine Vielzahl von Situationen wichtig sind, in denen du dich am Tisch befinden wirst, um maximalen Nutzen davon zu haben.

Fragenorientiertes Reviewing:

Die dritte Variante des Reviews ist vermutlich diejenige, mit der du dich anfänglich am häufigsten beschäftigen solltest. Dabei handelt es sich um konkret fragenorientierte Reviews. Die Vorbereitung dafür ist einfach: Du markierst dir in deinem Tracking-Tool eine Hand, bei der du dir unsicher bist, wo dich etwas Bestimmtes interessiert oder du einfach nochmal etwas überprüfen möchtest. Dann notierst du dir die Frage, die du dazu hast, und schon kann es losgehen.

Da dies die Hauptvariante konkreten Trainings ist, wirst du im folgenden Abschnitt erfahren, wie du deine Analysen dokumentierst und ihre Ergebnisse, d.h. deine Lernfortschritte sicherst, damit du sie nicht wieder vergisst und durch konkrete Formulierung für zukünftige Situationen anwendbar machst. Vorher ist es jedoch wichtig, dass du bestimmte mathematische Grundlagen kennst, die fürs Reviewing wichtig sind, um überhaupt zu irgendwelchen korrekten Ergebnissen zu kommen. Insbesondere wirst du eine Methode kennenlernen, mit der du die Gegnerrange mathematisch erfassen kannst. Diese soll dir dabei helfen, möglichst präzise Aussagen über Gegnerranges und ihre jeweiligen Stärken zu treffen, auf Basis derer du deine Entscheidungen fällst.

Mathematische Grundlagen und Range-Breakdown

Für die meisten Fragen, die du an eine Hand konkret stellst, gibt es eine mathematische Antwort. Die Diskussion über Annahmen ist im Poker etwas, bei dem man selten Sicherheit erlangen wird. Hier ist die Erfahrung, die man auf einem bestimmten Limit, am besten mit dem Gegenspieler der Hand selbst gemacht hat, ausschlaggebend, um möglichst hohe Reliabilität zu gewährleisten.

Hast du jedoch einmal eine Annahme (Arbeitshypothese) getroffen, bist du in der Lage, damit zu arbeiten und das Ergebnis mathematisch auszuwerten. Hierzu benötigst du eine Reihe von mathematischen Grundlagen. Diese kannst du sehr anschaulich erwerben und verbessern durch das Studium der folgenden Artikel- und Videoreihe:

Mathematical Concepts for No-Limit Hold'em (1)

Insbesondere die Berechnung und der Vergleich jeweiliger Erwartungswerte (EVs) unterschiedlicher Aktionen sind im Handreview wichtig, da hier die einzige Möglichkeit besteht, dies ausführlich und präzise zu tun. Am Tisch hast du dafür zu wenig Zeit. Mit steigender (Trainings-)Erfahrung wirst du aber immer präziser werden. Daher solltest du gerade zu Beginn sehr viel Zeit investieren, dir die wichtigsten Konzepte hierzu anzueignen.

Vorliegend soll es darum gehen, Handranges zu bestimmen, d.h. sie in ihre Bestandteile zu zerlegen, um so ein besseres, präziseres Verständnis dafür zu entwickeln, welches dir bei Postflopsituationen helfen wird. Als mathematische Grundlage hierfür dient das Grundprinzip der Kartenkombinatorik im Hold'em: Das Spiel bietet 52 Karten, die insgesamt 1326 unterschiedliche Handkombinationen (Abk.: "Hh") bilden können (Merkregel: "Die komplette Range trifft dich am Freitag, den 13. (13), und zwar doppelt (26)" = 13+26 = 1326."). Kombinierst du beispielsweise jedes As mit jedem anderen As, ohne dabei Kombinationen doppelt zuzulassen, erhältst du genau 6 Handkombinationen. Bei den suited Händen gibt es jeweils pro Handkategorie (Bsp. Aks) 4 mögliche Kombinationen, bei den offsuited Händen sind es jeweils 12 Handkombinationen. In Übersicht sieht das dann folgendermaßen aus:

  • 100% = 1326 Hh
  • davon Pocketpairs: 5,88% = 78 Hh (6 * 13 Hh)
  • davon suited Hände: 23,53% = 312 Hh (4 * 78 Hh)
  • davon offsuited Hände: 70,59% = 936 Hh (12 * 78 Hh)

Demnach ist etwa nur jede zwanzigste Hand ein Paar, jede vierte nur ist suited und etwa 70% aller Hände sind offsuited. Offsuited Hände gibt es dreimal so häufig wie suited Hände und auf vierzehn offsuited Hände kommt ein Paar. Dies ist sehr wichtig für das Verständnis darüber, wie sich gegnerische Handranges zusammensetzen. In der Regel zeigt einem das Tracking-Tool einen bestimmten Wert (z.B. VPIP, PFR, 3-Bet, ATS) an. Als Pokerspieler musst du jedoch dann die Fähigkeit besitzen, diesen Werten konkrete Ranges mit konkreten Händen (d.h. Handkombinationen), die sie enthalten, zuzuordnen. Manche Spieler mögen Ax-Hände lieber, andere spielen eher suited Connectors (SC). An dieser Stelle ist es wichtig zu wissen, dass es dreimal so viele Ax-Hände wie SC gibt.

Um methodisch Handranges zu bestimmen (herunterzubrechen: "Handrange-Breakdown"), gehst du folgendermaßen vor:

  • 1. Du markierst alle Pocketpairs, die du Villain gibst, beginnend von oben ("welche Pockets sind noch enthalten?", im Beispiel wären dies alle: 78 Hh - 22+)
  • 2. Du markierst alle suited Hände, die du Villain gibst, und gehst dabei Highcard für Highcard vor, beginnend mit dem As, und gehst dabei jeweils vom höchsten bis zum niedrigsten Kicker (im Bsp.: 174 Hh - 22+, A2s+, KTs+, QTs+, J9s+, T8s+, 98s, 87s, 76s).

  • 3. Du markierst alle offsuited Hände, die du Villain gibst, und gehst dabei wieder Highcard für Highcard und Kicker für Kicker vor (im Bsp.: 306 Hh - 22+, A2s+, KTs+, QTs+, J9s+, T8s+, 98s, 87s, 76s, A9o+, KTo+, QJo, JTo, T9o).

Stereotype Beispiele für SH-Preflopranges seien an dieser Stelle für drei häufige Spielertypen gegeben (Nit, LAG, TAG). Vergleiche innerhalb der Ranges die Verhältnisse zwischen den Handkategorien. Daraus resultieren wichtige Erkenntnisse für das Postflopspiel:

  • Wie viel % der Range sind Pocketpairs?
  • Wie viel % der Range sind Ax-Hände?
  • Wie viel % der Range bestehen rein aus Broadwaykarten?
  • Wie viel % der Range sind reine suited Connectors?
  • Wie viel % der Range sind offsuited Connectors?
Nit-Range
Gesamte Range 6,18% 82Hh (TT+, AJs+, KQs, AQo+, KQo)
Pocketpairs TT+: 30Hh
A high AJs+, AQo+: 36Hh (12Hh + 24Hh)
K high KQs, KQo: 16Hh (4Hh + 12Hh)
Kategorien
Pocketpairs 37% (30Hh/82Hh)
Ax 44% (36Hh/82Hh)
Broadways 100% (82Hh/82Hh)
Reine SCs 0%
Offsuited Connectors 0%

LAG-Range
Gesamte
Range
28,81% 382Hh (22+, A2s+, K9s+, Q9s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 65s, 54s, A7o+, K9o+, QTo+, JTo, T9o)
Pocketpairs 22+: 78Hh
A high A2s+, A7o+: 132Hh (48Hh + 84Hh)
K high K9s+, K9o+: 64Hh (16Hh + 48Hh)
Q high Q9s+, QTo+: 36Hh (12Hh + 24Hh)
J high J9s+, JTo+: 20Hh (8Hh + 12Hh)
T high T8s+, T9o+: 20Hh (8Hh + 12Hh)
9 high 97s+: 8Hh
8 high 86s+: 8Hh
7 high 75s+: 8Hh
6 high 65s: 4Hh
5 high 54s: 4Hh
Kategorien
Pocketpairs 20% (78Hh/382Hh)
Ax 35% (132Hh/382Hh)
Broadways 50% (190Hh/382Hh)
Reine SCs 14% (52Hh/382Hh)
Offsuited Connectors 6% (24Hh/382Hh)

TAG-Range
Gesamte Range 16,89% 224Hh (55+, A7s+, KTs+, QTs+, JTs, T9s, 98s, 87s, 76s, ATo+, KJo+, QJo, JTo)
Pocketpairs 55+: 60Hh
A high A7s+, ATo+: 76Hh (28Hh + 48Hh)
K high KTs+, KJo+: 36Hh (12Hh + 24Hh)
Q high QTs+, QJo+: 20Hh (8Hh + 12Hh)
J high JTs, JTo: 16Hh (4Hh + 12Hh)
T high T9s: 4Hh
9 high 98s: 4Hh
8 high 87s: 4Hh
7 high 76s: 4Hh
Kategorien
Pocketpairs 26,7% (60Hh/224Hh)
Ax 33,9% (76Hh/224Hh)
Broadways 74,1% (166Hh/224Hh)
Reine SCs 7,1% (16Hh/224Hh)
Offsuited Connectors 0%

Hier siehst du exemplarisch, wie sich bestimmte Ranges zusammensetzen. Jeder Spieler hat je nach Spot modifizierte Ranges. Für deine Analysen musst du versuchen, diese Modifikationen möglichst präzise anzunehmen. Deine Tracking-Stats (positionsbezogener PFR- / 3-Bet-Wert etc.) zusammen mit dem Gesamtbild, das du von deinem Gegenspieler hast, sollten dafür als Näherungsquelle ausreichen. Wenn du genaue Reads auf ihn hast, umso besser. Wichtig für diese Form des mathematischen Handrange-Breakdowns (vgl. Handreading) ist, dass es aufgrund methodischer Prinzipien unmöglich ist, dass eine Hand postflop in Villains Range ist, die preflop nicht enthalten war. Es gilt also:

"Villains Range wird mit jeder seiner Aktionen im Verlauf der Hand immer enger und niemals weiter!"

Zur weiteren Auswertung mit mathematischer Methode kannst du dir anschauen, wie Villains Range das Board getroffen hat (die sog. Hitting-Case-Analyse), um so ihre relative Stärke zu bestimmen. Im Vakuum (ohne eigene Hand) empfiehlt es sich, als Bezugspunkt für die relative Stärke der Handrange ein Toppair mit gutem Kicker zu nehmen. Hast du eine konkrete Hand, ist diese selbverständlich der Bezugspunkt. Die Fragen, welche du dir bzgl. der Stärke einer Handrange stellen solltest, sind folgende:

  • Wie viel % der Range sind besser als Toppair? (Nut-Teil)
  • Wie viel % der Range sind paired? (Paired-Teil)
  • Wie viel % der Range bieten vier oder mehr Outs in Relation zu einem Toppair? (Restequity)
  • Wie viel % der Range machen den Rest aus? (Trash-Teil)

Je nach Boardstruktur und Situation kann es für deine Analyse (vor allem für die Bestimmung von Valuebets) sinnvoll sein, konkreter zu fragen:

  • Wie viel % der Range bieten einen Flushdraw?
  • Wie viel % der Range bieten Straightdraws (OESDs, Gutshots)?
  • Wie viel % der Range bestehen jeweils aus Top-, Middle- und Bottompair?

Mit diesen Frageinstrumenten bekommst du mittels mathematischer Werte sehr schnell ein Gefühl dafür, welche Ranges welche Boards hitten und wie oft jemand dann weiterspielen kann und wie oft er für Stacks spielen kann. Für das Handreading ist dies immens wichtig. Behalte im Kopf, welche Range dein Gegner hält und schränke sie im Verlauf der Hand, basierend auf seinen Aktionen, immer weiter ein und begründe damit deine Entscheidung, die du am Tisch triffst.

Dokumentation – Wie führst du ein Review sauber dokumentiert durch?

Grundsätzlich ist es wichtig, dass zu Beginn der Dokumentation wichtige Spezifikationen (I) zur Hand auftauchen, am besten eine Übersicht über den kompletten Handverlauf (Link zur Hand im PokerStrategy Handconverter, wahlweise Screenshot vom Hand-Replayer mit HUD-Stats); im mindesten sollten alle Informationen gegeben sein, die für die Analyse wichtig sind. Dies sind in der Regel: eigene Hand, Tischsituationsdetails (eigene Position, Villains Position, Stacksizes), HUD-Stats und Notes zu Villains Spieltendenzen.

Ferner sollte vor Analysebeginn eine Zielsetzung bzw. eine konkrete Fragestellung für das Review benannt werden, die als Analysegegenstand (II) definiert wird. Hast du dies getan, kannst du mit der eigentlichen Analyse beginnen.

Im Verlauf der Analyse (III) ist es wichtig, dass du jegliche Annahme, die du triffst, schriftlich fixierst und dies nach Möglichkeit auch mathematisch ausdrückst, indem du bspw. Range-Annahmen festhälst und aufschreibst (inkl. Angabe der Range-Prozente bzw. Handkombinationen, welche die Range umfässt). Bedenke, dass jede Aktion deines Gegners Informationen bietet. So solltest du nicht nur überlegen, mit welcher Range er bettet, sondern auch, ob du im Sinne des Handreading Hände aus seiner Range herausnehmen kannst, wenn er checkt. Auch beim Betsizing lassen sich Annahmen treffen, um Villains Range einzuschränken (in der Form: "mit den Händen xyz würde Villain größer bzw. kleiner betten, daher fallen sie aus seiner Range heraus").

Nutze also jede Information, um die Range deines Gegners so stark wie möglich einzuschränken, um dann ausgehend von diesen Annahmen deine Spielweise mathematisch zu begründen, zu überprüfen und ggf. als schlecht zu erweisen. Halte Zwischenergebnisse immer als "Statements" fest, um sie später für das Analyse-Fazit nutzen zu können. Im Verlauf der Hand sollten demnach immer wieder Analyse-Annahmen auftauchen, die entweder Villains Range einschränken oder Angaben zu Equity (EQ) und Foldequity (FE) enthalten. Als Schreibweise für diverse Analyse-Komponenten solltest du etwas nehmen, das einheitlich ist. Für benötigte Equity oder Foldequity kannst du bspw. *EQ und *FE benutzen (* = benötigt). Notiere zu jeder Annahme in Worten eine Beschreibung (ggf. Annahmekürzel) und, wieso du sie triffst.

Beispielsweise für die jeweiligen Ranges auf den Streets: "PFR-Range: xyz", "Flop-Callingrange: xyz", "Turn-Checkraisingrange"; wahlweise kannst du die Streets auch abkürzen:

  • mit PF (Preflop), F (Flop), T (Turn) und R (River).
  • Ferner empfiehlt sich eine einheitliche Schreibweise der Spieler-Aktionen "bet" (b), "call" (c), "raise" (r), "fold" (f), "checkbehind" (cb), "check/fold" (c/f) "checkraise" (c/r), "check/call" (c/c), "coldcall (cc)",
  • für diverse wichtige Analysekürzel "All-In" (AI, push), "Small/Big Blind" (sb/bb), die Positionen (UTG, MP, CO, BU, SB, BB).

Diese Kürzel sind keineswegs verbindlich, wichtig ist nur, dass es übersichtlich ist und du immer weißt, was jeweils gemeint ist. Am besten sollte es jeder Fremde auch direkt erkennen, daher verwende am besten die etablierten Kürzel.

Fazit – Wie sicherst du Reviewergebnisse und Lernfortschritte?

Am Ende deiner Dokumentation verfasst du auf Basis der getroffenen Annahmen und mathematischen Analysen ein Fazit (IV) zur Hand, das sich auf die anfänglich definierte Analyse-Fragestellung bezieht. Je komplexer die getroffenen Annahmen zur Hand, desto komplexer fällt auch das Fazit aus. Z.B. in der Form "Wenn Villain xyz, dann xyz. Wenn Villain aber yxz, dann yxz usw." Das bedeutet, du formulierst für diverse Annahmen die jeweiligen Ergebnisse. Wenn Annahmen unklar sind, sollte an dieser Stelle notiert werden, welchen Einfluss sie auf die Entscheidung in der Hand hat und wie groß ggf. der Einfluss auf den Erwartungswert (IV-A) der jeweiligen Entscheidungen hat.

Es kann vorkommen, dass du nach Verfassen des Analyse-Fazits merkst, dass dich eine alternative Annahme interessiert und du gerne nachrechnen möchtest, welchen Einfluss sie hat. Anstatt hier eine komplett neue Analyse durchzuführen, fügst du einfach eine Annahme B in deine Analyse ein und rechnest von neuem. Diesen Analysezweig kannst du dann als Teil B deines Fazits anschließen.

Zum allgemeinen Charakter des Analyse-Fazits zählt auch, dass hier wichtige Lernergebnisse (IV-B) des Reviews festgehalten werden. Hier notierst du alles, was dir während der Analyse als neu aufgefallen (Spielverständnisgewinn) ist. Dies können unzählige Feinheiten sein. Bspw. dass eine bestimmte Range viel häufiger Ax-Hände enthält, als du bisher angenommen hast. Dass diese Range entsprechend viel seltener bestimmte Boards hittet. Ferner könntest du hier merken, welchen Einfluss das auf seine Postflopranges hat usw.

Lernergebnis-Dokumentationen solltest du nicht unterschätzen. Man vergisst sehr schnell Informationen, die einem in der Analyse auffallen; sie sind für die Entscheidung in der Hand nicht unbedingt zentral, aber ungemein wichtig für deine allgemeine Weiterentwicklung als Pokerspieler. Daher nimm dir hier besonders Zeit, um alles festzuhalten, was für dich neu war und möglicherweise Einfluss auf deine zukünftigen Spielweisen haben sollte.

Handreview - Beispiele

In Abschnitt 4 folgen nun zwei Beispiele solcher Dokumentation, welche dir zeigen sollen, wie eine Gesamtanalyse in etwa aussehen kann. Die Unbegrenztheit von Analysebeispielen kann hier nicht erschöpft werden, daher seien exemplarisch zwei eher mathematisch orientierte Beispiele gezeigt, von denen das zweite mit komplexeren Annahmen arbeitet, um Analysezweige darzustellen.

AJo – Korrekter Call gegen SSSler-Push (CO vs. BB) – NLHE 6max
I Hand-Details

Texas Hold'em No-limit, Big Blind $0.50 (NL50)

Hero (CO) $54.83
Villain (BB) $9.25 VPIP 18, PFR 18, ATS 30, 3-Bet 12.8, AF inf, Hands 2,4k, keine Notes

Preflop: Hero is CO with AJo
Hero raises to $1.50, 2 folds, BB raises to $9.25

II Analyse-Ziel

Fragestellungen für diese Hand sind folgende:

  • 1. Ist der Call mit AJo gegen das All-In vom Shortstack-Spieler korrekt?
  • 2. Kann man hier auch schon mit ATo callen?
  • 3. Was ist das schlechteste Paar, das man hier callen kann?
III Analyse-Verlauf

1. Bestimmung der Preflop-Pushingrange von Villain:

  • Da er gegen einen CO-Raiser 3-bettet, wird er minimal tighter 3-betten als gegen einen BU-Raise, aber deutlich looser als gegen einen UTG- oder MP-Raiser. Seine Range wird auf "12,22% - 162 Hh" (22+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo) geschätzt.

2. Bestimmung der benötigten Equity für den zu tätigenden Call:

  • Pot = "Openraise:" 3bb + "SB:" 0,5bb + "Push" 18,5bb = 22bb
  • Zu callender Betrag = "Push" 18,5bb - "Openraise" 3bb = 15,5bb; Endpot: "Pot" 22bb + "zu callender Betrag" 15,5bb - "Rake" 1,8bb = 35,7bb
  • Benötigte Equity (*EQ) = 15,5bb / 35,7bb = 0,4342

Für den Call werden 43,42% Equity benötigt

3. Bestimmung der Equity von AJo gegen Villains Pushingrange:

  • EQ(AJo, [22+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo]) = 44,14%

AJo hat ausreichend Equity für den Call, da 44,14% > 43,42%

4. Bestimmung der Equity von ATo gegen Villains Pushingrange:

  • EQ(ATo, [22+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo]) = 39,53%

ATo hat nicht genügend Equity für den Call, da 39,53% < 43,42%)

5. Bestimmung des schlechtesten callbaren Paares:

  • EQ(55, [22+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo]) = 44,64% 55 kann man noch callen, da 44,64% > 43,42%
  • EQ(33, [22+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo]) = 38,96% 33 kann man nicht mehr callen, da 38,96% < 43,42%
  • EQ(44, [22+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo]) = 41,8% 44 kann man nicht mehr callen, da 41,8% < 44,42%

Statement: Das schlechteste Paar, mit dem man hier callen kann, ist 55.

IV Analyse-Fazit

Unter der Voraussetzung, dass Villain im vorliegenden Spot folgende Range (22+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo) pusht, ist..

  • 1. ...der Call mit AJo korrekt.
  • 2. ...der Call mit ATo nicht korrekt.
  • 3. ...das schlechteste Paar mit dem man callen kann 55.
4.2 Turnplay: Semibluff mit OESD, FD und Overcard +EV – NLHE 9max?
I Hand-Details

Texas Hold'em No-limit 9-max, Big-blind $0.50 (NL50)

 
MP2: VPIP 54, PFR 14, ATS 17, AF 3.7, weniger als 150 Hände;
Note: ist mit zwei A-High-Bluffs aufgefallen

Preflop: Hero is SB with Ks5s, Villain is MP2 with
MP2 calls, 2 folds, BU calls, Hero calls, BB checks

Flop: ($2) Qs3s4c (4 Players)
Hero checks, BB checks, MP2 bets $1,50, BU calls, Hero calls, BB folds

Turn: ($6,50)6h (3 Players)
Hero checks, MP2 bets $5,50, BU folds, Hero raises $26,50 (All-In), MP2 calls

River: ($59,50) 9d (2 Players)
MP2 wins

II Analyse-Ziel

Die Fragestellungen in dieser Hand sind folgende:

  • 1. Ist das Semibluff-Checkraise All-In am Turn profitabel?
  • 2. Wenn ja, ist der Semibluff auch profitabel, wenn Hero und Villain 5bb deeper sind?
III Analyse-Verlauf

1. Bestimmung von Villains Openlimpingrange preflop:

  • Bisher ist Villain als Donkey aufgefallen, der sehr gern Flops sieht und postflop in der Lage ist, zu bluffen.
  • Da Villain jedoch auch in der Lage ist, einen bestimmten Teil seiner Range zu openraisen, wird davon ausgegangen, dass Topteile der Range wegfallen.
  • Da er aus MP vermutlich weite Teile seiner Range spielt, aber nicht die maximale Range, werden auch Teile der Bottomrange wegfallen.
  • Daher wird seine Range auf "36,95% - 490Hh" (TT-22, AJs-A2s, K2s+, Q8s+, J8s+, T7s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, AJo-A2o, K7o+, Q9o+, J9o+, T8o+, 98o) geschätzt.

2. Bestimmung von Villains Bettingrange am Flop:

  • Da er bisher gezeigt hat, dass er bluffen kann, wird er vermutlich nicht nur jede Menge bluffen, sondern auch viele marginale Hände betten.
  • Daher lässt sich die Range, die er bettet, im Vergleich zur Prefloprange nur um die Hände einschränken, die völlig verfehlt haben, also alle mittleren Karten, die verfehlt haben und keinen Flushdraw halten.
  • Ungewiss ist, ob er alle Paare bettet. Aus methodischen Gründen ist es jedoch sinnvoll, nur dann Hände aus der Range zu nehmen, wenn dies sehr plausibel ist. In diesem Fall ist Villain sehr aggressiv bis donkeylike. Daher wäre das Herausnehmen der Paare unplausibel.
  • Ferner wird davon ausgegangen, dass er die meisten Highcard-Hands betten wird (A high und K high) sowie Händen, die einen OESD oder Gutshot haben.
  • Villains Bettingrange am Flop wird demnach auf "29,79% - 395Hh" (TT-22, AJs-ATs, As9s, As8s, As7s, A6s-A2s, K9s+, K4s-K3s, Q8s+, JsTs, Js9s, Js8s, Ts9s, Ts8s, Ts7s, 9s8s, 9s7s, 8s7s, 8s6s, 76s, 65s, AJo-A2o, K9o+, Q9o+, Jto) geschätzt.

3. Bestimmung von Villains Bettingrange am Turn:

  • Nachdem der Turn keinen Flushdraw ankommen lässt, wird davon ausgegangen, dass Villain mit großen Teilen seiner Range weiterbetten wird.
  • Er wird davon ausgehen, dass HERO die meisten FDs am Turn foldet, ebenso viele schwache Paare.
  • Ebenso wird Villain vermutlich auch mittelstarke made Hands erneut value-/protectionbetten gegen die zahlreichen Draws und weak made Hands.
  • Möglicherweise wird Villain nur die Hände nicht betten, die marginalen Showdownvalue haben, und sich mit seinen Draws eine Freecard nehmen.
  • Von seinen Draws wird er nur die stärkeren Flushdraws betten und Combo-Hände wie 65s, die Paar und Flushdraw bzw. OESD haben.
  • Daher wird seine Range auf "17,19% - 228Hh" (TT-33, AJs-ATs, As9s, As8s, As7s, A6s-A2s, KQs, Q8s+, JsTs, Js9s, Js8s, Ts9s, Ts8s, Ts7s, 9s8s, 9s7s, 8s7s, 8s6s, 76s, 65s, A6o-A5o, KQo, Q9o+) geschätzt.

4. Aufstellen der EV-Formel für den Checkraise-Push "EV=Pot*Pfold + (1-Pfold) * (Equity*Win – (1-Equity)*Loss)":

  • "Win" entspricht dem Pot nach Villains Bet zuzüglich des noch seinerseits zu callenden Betrags, wenn HERO gepusht hat, ergo WIN = $12 + $21 = $33
  • "Loss" entspricht dem Betrag, den Hero mit seinem Checkraise investiert und im Verlustfall nicht wiederbekäme, ergo Loss = $26,5
  • EV(push) = Pfold * $12 + (1-Pfold) * (EQ*$33 - (1-EQ)* $26,5)

5. Bestimmung von Villains Callingrange auf den Push zur Bestimmung von "Pfold" und "EQ":

  • Da Villain vermutlich sehr loose zum Showdown geht, wird er immer noch einige Hände callen, neben den Sets insbesondere Toppaare und die meisten Paare mit Draw.
  • Flushdraws wird er vermutlich nur callen, wenn er noch ein Paar dazu hat oder randomisiert, weswegen einige zu discounten sind.
  • Daher wird seine Range, mit der er HEROs All-In callt, auf "11,76% - 156 Hh" (TT-33, As9s, As8s, As7s, A6s-A5s, KQs, Q8s+, JsTs, 9s7s, 8s7s, 8s6s, 65s, KQo, Q9o+) geschätzt
  • Berechnung der Foldequity: Pfold = (228Hh - 156 Hh) / 228 Hh = 0,3158 Hero hat 31,58% Foldequity
  • Berechnung der Equity mit Ks5s gegen Villains Callingrange auf den Push: EQ = 0,3866 Für den Fall dass Villain callt, hat Hero 38,66% Equity

6. EV-Berechnung: EV(push) = Pfold * $12 + (1-Pfold) * (EQ*$33 – (1-EQ)*$26,5)

  • Einsetzen der Werte Pfold und EQ: EV(push) = 0,3158 * $12 + (1-0,3158) * (0,3866*$33 – (1-0,3866)*$26,5)
  • Zusammenfassen:

    EV(push) = $3,7896 + 0,6842 * ($12,7578 – 0,5394*$26,5)
    EV(push) = $3,7896 + 0,6842 * ($12,7578 - $14,2941)
    EV(push) = $3,7896 + 0,6842 * (-1,5363)
    EV(push) = $3,7896 - $1,0511
    EV(push) = $2,74 Das Checkraise hat einen positiven Erwartungswert von etwa $2,74

7. EV-Berechnung für den Fall, dass Villain 5bb deeper ist (unter der Annahme, dass die Ranges konstant bleiben):

  • Modifizierter Handverlauf:

    Turn: ($6,50) Qs3s4c6h (3 Players)
    Hero checks, MP2 bets $5,50, BU folds, Hero raises $29 (All-In), MP2 calls

    River: ($64,50) Qs3s4c6h9d (2 Players)
    MP2 wins Pot $64,5

  • Bestimmung von modifiziertem WIN und LOSS:
    Win = $12 + $23,5 = 35,5
    Loss = $29
  • Aufstellen der modifizierten EV-Formel: EV(push) = Pfold * $12 + (1-Pfold) * (EQ*$35,5 – (1-EQ)*$29)
  • Einsetzen von Pfold und EQ: EV(push) = 0,3158 * $12 + (1-0,3158) * (0,3866*$35,5 – (1-0,3866)*$29)
  • Zusammenfassen:
    EV(push) = $3,7896 + 0,6842 * (13,7243 – 0,6134*$29)
    EV(push) = $3,7896 + 0,6842 * (13,7243 - 17,7866)
    EV(push) = $3,7896 + 0,6842 * (-$4,0623)
    EV(push) = $3,7896 + (-$2,7794)
    EV(push) = $1,0102   Trotz um 5bb größerer effektiver Stacks hat das Play einen positiven Erwartungswert von $1,01)
IV Analyse-Fazit

Unter der Voraussetzung, dass die gemachten Annahmen bzgl. Villains Ranges stimmen, ist das Checkraise am Turn korrekt und hat einen sehr guten Erwartungswert. Selbst die Vergrößerung des effektiven Stacks um 5bb konnte daran nicht viel ändern, was daran liegt, dass die Equity gegen Villains Callingrange am Turn noch sehr hoch ist. Sollte seine Range dort deutlich tighter werden, wird der Erwartungswert vermutlich stark sinken. Bis zum Zeitpunkt der Hand lässt sich jedoch über die Ranges von Villain nur spekulieren. Aufgrund der hohen Equity von K5s am Turn wird der EV vermutlich niemals richtig schlecht.

Zusammenfassung

In diesem Artikel hast du erfahren, welche Formen von Reviews es gibt und welche Vorteile sie im Einzelnen bieten und welche Hilfsmittel du benötigst, um sie durchzuführen. Der letzte Abschnitt mit den Handanalysen soll exemplarisch zeigen, wie du deine Reviews angehen kannst. Dass du aus Zeitgründen nicht immer ausführlich dokumentierst, sondern nur in Kurzform Range-Werte in Form von Zwischenergebnissen festhälst, ist sinnvoll. Es ist jedoch wichtig, dass du weißt, wie du prinzipiell beim Reviewing vorgehen solltest, wenn du konkrete Fragen an eine Hand hast. Also entweder in Form einer mathematischen Analyse oder einer ausführlichen Annahmendiskussion.

Wichtig ist, dass du dir für dein Pokerstudium immer genügend Zeit lässt, Reviews durchzuführen, sei es allein, mit Freunden, Coaches oder einer Gruppe von anderen Pokerspielern, aber auch durchführen zu lassen von den zahlreichen Handbewertern, die PokerStrategy.com dir zur Verfügung stellt. Nutze diese Ressourcen und verbessere dein Spiel nachhaltig. Markiere dir während oder kurz nach deinen Sessions die Hände, bei denen du etwas wissen, klären oder diskutieren möchtest und halte sie für eine Reviewsession fest oder stelle sie direkt zur Diskussion ins Forum. Auch kannst du Reviews allgemein zum Training nutzen, indem du bestimmte spieltheoretische Problemstellungen in den Fokus stellst und dabei konkretes Handmaterial zur Anschauung verwendest.

Unabhängig von der konkreten Form, in der du deine Reviews durchführst, ist es immer wichtig, dein eigenes Spiel weiterzuentwickeln, ständig neue Ideen zu verarbeiten und Impulse in das eigene Spiel, d.h. die Struktur der gedanklichen Prozesse mitaufzunehmen, die maßgeblich sind für die Entscheidungsfindung am Tisch. Dies ist die Butter auf dem Brot eines Pokerspielers. Lass sie dir nicht nehmen.