Spielen von Top Paar am Flop
Einleitung |
von schiep |
In diesen Beispielhänden geht es um verschiedene Situationen, die das Spielen von Top Paar betreffen, wenn mehrere Spieler am Flop integriert sind.
Hand 1
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is CO with A
UTG calls, 2 folds, MP1 calls, 2 folds, Hero raises, 2 folds, BB calls, UTG calls, MP1 calls.
Flop: (8.50 SB) A


BB checks, UTG bets, MP1 calls, Hero raises, BB folds, UTG 3-bets, MP1 calls, Hero calls.
Turn: (8.75 BB) 5
UTG bets, MP1 calls, Hero calls.
River: (11.75 BB) 2
UTG bets, MP1 folds, Hero calls.
Final Pot: 13.75 BB
In dieser Hand halten wir AK und erhöhen aus später Position.
Postflop sind wir zu viert. Wir floppen Top Paar bei guten Gemeinschaftskarten. Das Board bietet keine Flush-Chancen. Den riskanten Einsatz von UTG (er setzt ohne Initiative) erhöhen wir natürlich, daraufhin erhöht dieser nochmals.
Die Frage, die sich nun stellt: Sollten wir cappen?
Dies ist natürlich immer sehr gegnerabhängig (gegen loose-aggressive ist das ein klarer Cap for Value), aber gegen Unknown würde ich davon abraten. Wir haben Preflop geraist und repräsentieren damit das Ass mit einem guten Kicker. Sofern wir nichts weiter über UTG wissen, sollten wir davon ausgehen, dass unser Gegner halbwegs vernünftig spielt und nicht mit Händen wie A9 oder schlechter so spielt. Oft hat er bereits ein 2-Pair (AT, A8) oder gar einen Drilling. Flushchancen sind ebenso nicht möglich. Wir sollten daher einfach, falls wir uns auf den weiteren Streets nicht verbessern, ab der 3. Erhöhung passiv weiterspielen (sofern wir am Turn oder River nicht zwei oder mehr Eröhungen mitgehen müssten).
Hand 2
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is CO with A
UTG raises, 3 folds, MP2 calls, MP3 folds, Hero 3-bets, 2 folds, BB calls, UTG calls, MP2 calls.
Flop: (12.50 SB) K


BB checks, UTG bets, MP2 calls, Hero raises, BB folds, UTG 3-bets, MP2 calls, Hero caps, UTG calls, MP2 calls.
Turn: (12.25 BB) 6
UTG checks, MP2 checks, Hero bets, UTG raises, MP2 folds, Hero calls.
River: (16.25 BB) 2
UTG bets, Hero calls.
Final Pot: 18.25 BB
Auch in der Hand halten wir AK in später Position und erhöhen diesmal den Einsatz von UTG.
Der Flop lässt kaum unfertige Hände zu. UTG bringt einen Einsatz, wir erhöhen, er erhöht nochmals. Nun sieht die Situation völlig anders aus. Wir haben nämlich fast immer eine bessere Hand als UTG, da Hände wie K7/K4/44 unwahrscheinlich sind. Daher müssen wir ohne besondere Reads ganz klar for Value cappen! Sollte er erneut am Turn einen Einsatz bringen, spielen wir passiv weiter; ansonsten würden wir selbstverständlich am Turn setzen (und gegen eine Erhöhung passiv bis zum Showdown gehen).
Hand 3
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is BB with A
UTG calls, 2 folds, MP1 calls, MP2 calls, 2 folds, BU calls, SB raises, Hero 3-bets, UTG calls, MP1 calls, MP2 folds, BU calls, SB calls.
Flop: (16.00 SB) A


SB bets, Hero raises, UTG calls, MP1 calls, BU calls, SB 3-bets, Hero calls, UTG calls, MP1 calls, BU calls.
Turn: (15.50 BB) 6
SB bets, Hero raises, UTG folds, MP1 calls, BU folds, SB calls.
River: (21.50 BB) 2
SB checks, Hero bets, MP1 calls, SB calls.
Final Pot: 24.50 BB
Wieder die gleiche Hand, nur diesmal befinden wir uns im Big Blind und erhöhen, nachdem SB erhöht hat. Dieser sei ein sehr aggressiver Spieler. Wir floppen zwar Top Paar, doch leider sind bei diesen Gemeinschaftskarten viele unfertige Hände möglich. SB setzt, wir erhöhen. Die drei nachfolgenden Spieler gehen mit, er erhöht nochmal. Der Pot ist riesig. Sollten wir cappen? Nun, sicherlich würden wir durch den Cap Value bekommen. Denn UTG hat oft nur einen Draw oder ein schlechteres Ass und die anderen können wir auch auf unfertige Hände setzen. Das Problem ist nur, dass durch den Cap höchstwahrscheinlich alle drei Gegner erneut mitgehen würden. Wir können unsere Hand damit also nicht schützen. Unser Plan ist ein anderer: Wir gehen die Erhöhung nur mit und erhöhen, falls eine gute Turnkarte fällt.
So sind wir in der Lage, sämtliche Gegner mit zwei doppelt so teuren Bets zu konfrontieren. Und sollte dennoch jemand auf die Idee kommen, mit sowas wie KT mitzugehen: Was solls, dann haben wir immerhin Geld von schlechteren Händen bekommen, die hätten aussteigen sollen.
Diese Spielweise, die man nur in großen Pötten anwendet, ist in dem Fall sinnvoll, weil wir unmittelbare Position auf unseren Gegner haben und weil SB äußerst aggressiv ist, also selbst mit einer unfertigen Hand am Turn setzen würde.
Hand 4
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is BU with Q
UTG raises, 2 folds, MP1 calls, MP2 folds, MP3 calls, CO folds, Hero calls, SB folds, BB calls.
Flop: (10.50 SB) J


BB checks, UTG bets, MP1 raises, MP3 calls, Hero folds
UTG erhöht, zwei weitere Spieler gehen mit. Wir halten QJs, gehen als Button mit und treffen prompt Top Paar bei Gemeinschaftskarten, die kaum unfertige Hände zulässt. UTG setzt, MP1 erhöht und schließlich geht der MP3 mit. Wir sollten ohne besonderes Wissen der Gegner aussteigen. Unsere Beikarte ist zwar eigentlich gut, aber wir müssen die Situation davon abhängig machen, was vor dem Flop passierte. Nicht selten sind wir bereits dominiert von KJ oder AJ (die Erhöhung vor dem Flop kam aus einer frühen Position); MP1, der sich traut, den Einsatz zu erhöhen, hat sehr oft bereits ein 2-Paar oder ein Drilling. Und selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass wir noch vorne liegen, haben wir oft Überkarten gegen uns, die an Turn und River noch kommen könnten.
Hand 5
Wie lese ich eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP3 with A
UTG calls, UTG+1 folds, UTG+2 calls, MP1 calls, MP2 folds, Hero calls, 3 folds, BB checks.
Flop: (5.50 SB) A


BB checks, UTG bets, UTG+2 folds, MP1 raises, Hero 3-bets, 2 folds, MP1 calls.
Turn: (6.25 BB) 6
MP1 checks, Hero bets, MP1 calls.
River: (8.25 BB) 2
MP1 checks, Hero bets, MP1 folds.
Final Pot: 9.25 BB
Wir haben A9s und befinden uns in mittlerer Position. Drei Gegner steigen vor uns ein, also gehen wir nach dem Starting Hands Chart mit. Wir treffen unser Ass bei Gemeinschaftskarten, die eine Flushchance bieten. UTG setzt und MP2 erhöht. Nichtsdestotrotz können wir die Hand nicht weglegen, denn dafür ist unsere Beikarte in dieser Situation zu gut (keiner hat vor dem Flop erhöht). Da wir unsere Hand schützen und Geld von Flushchancen extrahieren müssen, erhöhen wir nochmals.
Fazit
Grundsätzlich gilt: Wenn der Flop viele unfertige Hände zulässt, dann sollten wir eher gewillt sein, weiter zu erhöhen. Denn da die Möglichkeit besteht, dass unsere Gegner nur unfertige Hände halten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine bessere gemachte Hand haben.
Quiz
Hand 1
Preflop: Hero is BB with J
5 folds, MP3 calls, 2 folds, SB calls, Hero checks.
Flop: (3.00 SB) 5


SB bets, Hero ?
Hand 2
Preflop: Hero is BB with 9
UTG calls, 3 folds, MP2 calls, 3 folds, SB calls, Hero checks.
Flop: (4.00 SB) 9


SB bets, Hero ?
Hand 3
Preflop: Hero is UTG+1 with J
UTG folds, Hero calls, 5 folds, BU calls, SB calls, BB checks.
Flop: (4.00 SB) J


SB bets, BB raises, Hero ?
Auflösung
Hand 1
Erhöhen. Der SB könnte hier auf jede mögliche Flushchance setzen, vielleicht auch ein kleineres Pocket Paar. Wir liegen zu oft vorne, um hier auszusteigen; und da Mitgehen nicht infrage kommt (wir müssen unsere Hand beschützen), müssen wir erhöhen.
Hand 2
Aussteigen. Diese Hand unterscheidet sich von voriger Hand deshalb, weil es sehr viele Überkarten auf den kommenden Straßen gibt, die hier schaden können. Zudem gibt es noch einen zusätzlichen Gegner.
Hand 3
Ebenfalls aussteigen. Manchmal liegen wir noch vorne, aber in Anbetracht des nicht so großen Pots nicht oft genug. Auch haben wir Überkarten gegen uns.