Playing Overcards against a Flop Donk
Einleitung |
von schiep |
In diesen Beispielhänden geht es um das Spielen von Overcards in einer Heads-Up-Situation, wenn man selber Preflopaggressor war und der Gegner am Flop donkbettet.
Hand 1
SB: Unknown
Preflop: Hero is BB with A
4 folds, SB raises, Hero 3-bets, SB calls.
Flop: (6.00 SB) 4


SB bets, Hero calls.
Turn: (4.00 BB) K
SB bets, Hero raises, SB calls.
River: (8.00 BB) J
SB checks, Hero checks.
Wir halten ATo und 3-betten den Raise vom SB, weil wir eine klare Equityedge haben. Am Flop donkbettet er; wir callen ersteinmal und verlagern unsere Entscheidung auf den Turn. Der Grund: Das Board ist sehr drawlastig, der Gegner könnte also durchaus mit einer drawing hand 3-betten. Außerdem haben wir dadurch die Option, bei einer guten Scarecard den Turn for Freeshowdown zu raisen.
Am Turn fällt ein König - das ist eine gute Karte. Wir raisen also aus diesen zwei Gründen:
- Aufgrund der Scarecard könnte er eine bessere Hand folden, zum Beispiel ein besseres Ass (AJ, AQ) und eventuell kleinere Pocket Pairs oder eine 5, 4.
- Wir könnten hier gut noch vorne liegen. Es sind am Flop nämlich zahlreiche drawing hands möglich. Indem wir raisen, ziehen wir von solchen Draws das meiste an Value heraus.
Dies ist ein guter Spot für einen Freeshowdownraise, meiner Meinung nach so gut, dass er auch gegen Unknown angewendet werden kann. Gegen sehr aggressive Gegner ist Call Turn, Call River eine etwas bessere Option und gegen sehr passive Callingstations sollten wir einfach am Turn folden.
Hand 2
Preflop: Hero is MP3 with A
MP2 raises, Hero 3-bets, 4 folds, MP2 calls.
Flop: (7.50 SB) 6


MP2 bets, Hero ?.
Wir halten AKo als MP3 und 3-betten selbstverständlich den Raise vom MP2; der Flop ist eigentlich ungefährlich und gut für uns. Der Gegner donkbettet.
Es gibt verschiedene, plausible Lines - welche zu wählen ist, hängt vom Gegner ab. Im folgenden wird angenommen, dass die Turn- und Riverkarten Blanks sind, also nichts an der Situation ändern.
A) Gegner aggressiv - Call Flop, Call Turn, Call River:
Diese Line spielen wir gegen einen sehr aggressiven Gegner, um Bets von King High oder von einem schlechteren Ass zu induzieren. Und wir entgehen dem Risiko, gebluffraist zu werden. Denn angenommen wir würden den Flop raisen und den Turn leaden, dann könnten uns er ja beispielsweise mit einem Flushdraw check/raisen, woraufhin wir eine schwierige Entscheidung hätten.
B) Gegner passiv - Call Flop, Fold Turn:
Um diese Line zu spielen, brauchen wir einen äußerst aussagekräftigen Read, dass unser Gegner am Flop nur mit einem Pocket Pair oder einer 6 donken würde - und praktisch nie mit Händen wie Ace High oder einem Flushdraw. Unser Gegner muss demnach sehr passiv sein.
Hier als default, also gegen Unknown, am Turn zu folden, wäre hingegen ein großer Fehler und die schlechteste Lösung! Dafür liegen wir schlichtweg zu oft vorne bei diesem Board.
C) Gegner weder passiv noch aggressiv - Raise Flop, Bet Turn, Checkbehind River:
Dies spielen wir, wenn wir die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gegner eine schlechtere Hand hält, als hoch genug einstufen können. Außerdem sollte er nicht so aggressiv sein, dass er mit einem Flushdraw oder gar nur mit Overcards am Flop 3-bettet oder am Turn raist. Am River checken wir behind, weil unser Gegner keinen allzu hohen Went To Showdown-Wert hat, wir also keine Valuebet mit Ace High haben.
D) Gegner weder passiv noch aggressiv, Callingstation - Raise Flop, Bet Turn, Bet River:
Ähnlich wie bei c), nur diesmal betten wir den River for Value. Der Gegner muss hier also ein Showdownmonster sein, der zudem gerne mit Händen wie AJ am Flop donkbettet.
Ohne besonderen Reads spielen wir je nach Tendenz entweder die Line A) oder C).
Warum nicht Call Flop, Raise Turn for Freeshowdown ?
Einfach deshalb, weil am Turn normalerweise keine bessere Hand folden wird. Auch das Argument, dass 6-Outer folden könnten, trifft hier nicht ganz zu, da der Gegner ja als MP2 geraist hat und von daher oft auf einem schlechteren Ass sitzt, was er auf einen Turnraise meist foldet. Folglich haben wir in der Regel nur drei Outs gegen uns, wogegen es sich nicht zu protecten lohnt.
Wenn wir unseren Gegner ganz sicher auf einen Flushdraw readen könnten, dann wäre diese Line perfekt, da wir dadurch das Maximum an Value extrahieren. Aber eben das können wir nicht. Der potenzielle Flushdraw alleine reicht hier nicht, um einen Freeshowdownraise zu rechtfertigen (dazu müsste es auch plausible Straightdraws geben wie in der Beispielhand zuvor).