Playing TAGs
Einleitung |
von Milamber |
Diesmal werden wir uns näher mit dem Prinzip tight agressive befassen. Wir müssen oft mit maximaler Agressivität spielen. Dennoch müssen wir, oft entgegen unserer vorherigen Aktionen einen guten Fold finden. Im zweiten Fall werden ich darauf eingehen, dass es in anderen Situationen allerdings auch richtig ist, sehr marginale Hände downzucallen. Im drittem Beispiel habe ich eine Tricky Wa/Wb Situation eingearbeitet.
Hand 1
SB: Fisch
BB: TAG
Preflop: Hero is CO with A
2 folds, Hero raises, BU folds, SB calls, BB calls.
Wir raisen ATs gemäß ORC und bekommen zwei Caller. Wir gehen 3 Handed zum Flop.
Flop: (6 SB) J


SB checks, BB checks, Hero bets, SB calls, BB raises, Hero ???
Am Flop treffen wir Mid Pair Top Kicker und betten, nachdem beide Gegner checken, natürlich, da wir uns hier auf keinen Fall eine Freecard erlauben dürfen. SB callt und BB checkraised. Nun stellen wir uns die Frage wie wir weiter spielen sollen. Wir könnten folden, da wir hier zu selten die beste Hand halten. Wir könnten downcallen, um billig zum Showdown zu kommen. Oder wir könnten uns entscheiden, unsere Hand weiter aggressiv zu spielen und zu 3-betten. Hier müssen wir sehen, mit welcher Hand unser Gegner so spielen würde.
Er checkraised hier im Endeffekt nur zwei Sorten von Händen, da wir davon ausgehen können, dass unser Gegner den Checkraise hier bewusst benutzt. Hätte er eine Hand, die nach FE verlangt, also es lieber hätte, den Pot gleich zu gewinnen, hätte er wohl gedonkt, damit wir für ihn protecten. Dadurch dass er checkraised, muss er also eine Hand haben, die entweder so stark ist, dass sie zwei Spieler, welche drawen könnten verträgt, oder aber er drawt selbst, wodurch wir noch die beste Hand halten könnten. Da sich hier einige Straightdraws ergeben, denken wir, dass unser Gegner hier mehrheitlich einen Draw hält. Wir 3-betten also um zu protecten. Nicht nur aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, dass unser Gegner hier einen Draw hält, sondern auch der Möglichkeit, dass unser zweiter Gegner noch drawen könnte.
Höchste Priorität ist hier also, dass wir SB zum folden bewegen. Wenn Der TAG jetzt perfekt spielen würde, so müsste er beide Handgruppen cappen, um seine Hand zu decepten. In der Praxis spielen aber gerade "TAGs" auf den unteren Limits alles andere als optimal. Der Tag callt hier.
Hero 3-bets, SB folds, BB calls.
Turn: (5.75 BB) 8
BB checks, Hero bets,BB raises, Hero ???
Am Turn check unser Gegner zu uns hin. Wir betten natürlich erneut, da wir Value aus seinen Draws extrahieren wollen und auf keinen Fall eine Freecard vergeben dürfen. Unser Gegner checkraised uns erneut. Nun fragen wir uns: Was ändert sein Checkraise am Turn an unserer Einschätzung seiner Hände. Sollte er einen Draw gehalten haben, könnte dieser nun durchaus eingetroffen sein: Q9s liegt durchaus in der Preflop Callingrange eines TAGs.
Es gibt also einen Draw ,er eingetroffen ist. Zusätzlich weiß der TAG, dass wir am Flop selten for freecard 3-betten, sondern der Raise oft for Protection ist. Ebenfalls weiß er, dass wenn er cappt, wir am Turn viele schlechtere Madehands folden. Also wäre es für ihn vollkommen richtig, wenn er davon ausgeht, dass wir ihn nicht sogenau readen können, zB. sein Set hier nur zu callen, um den Turn dann zu checkraisen. Was auch immer er am Flop gehalten hat, nun ist unsere Hand nichtmehr gut genug, um downcallen zu können und wir folden.
Hero folds
Quizfrage 1: Ändert sich unsere Line/unsere Einschätzung der Situation wenn wir AJ halten ? wenn ja/nein : Warum ?
Hand 2
SB: Fisch
BB: TAG
Preflop: Hero is BU with A
3 folds, Hero raises, , SB calls, BB 3-bets, Hero ???
Hier raisen wir first-in vom Button. Wir halten AQs und werden von SB gecallt. Der BB 3-bettet uns. Hier müssen wir uns nun zwischen einem Call und einem Cap entscheiden. Wir sollten hier cappen. Warum? Weil der Fisch sich hier selten Preflop aus der Hand vertreiben lassen werden wird und wir eine Hand halten, die im Schnitt besser ist als die 3-Betting-Range des TAGs.
Hero caps, SB calls, BB calls.
Flop: (12 SB) 7:spades:, 8

SB checks, BB checks, Hero bets,SB folds, BB raises, Hero ???
Am Flop checken beide zu uns hin. Wir betten, SB foldet und BB checkraised uns. Nun haben wir wieder die Frage : Wie spielen wir weiter? Hier allein nach odds und Outs zu agieren, ist definitiv falsch. Der Grund hierfür ist simpel: Oft halten wir die beste Hand ! Die 3-Bet Range des TAGs ist aufgrund unseres Late openraises und des Coldcalls des SB ziemlich weit. Welche Hände hätte er also hier PreFlop 3-betten können? Das ganze kann man mühsam ausrechnen. Für unser Beispiel werde ich eine eigene Einschätzung nehmen, die hier reichen sollte. Sagen wir, er 3-bettet folgende Hände:
88+,ATo+,A9s+,KQo,KQs.
Vorne liegen wir gegen seine Kinghigh und schlechteren Acehigh Hände. Wir liegen hinten gegen alle seine Pockets und natürlich gegen AKs und AKo. Wir liegen gleichauf mit AQ. Allerdings hat sowohl AQs als auch schlechtere acehigh Hands durchaus bis zu zwölf Outs gegen uns. Nun müssen wir uns überlegen, mit welchen Händen er diese Line am Flop spielt. Er spielt sie definitiv mit sämtlichen Flushdraws. Also mit A 




Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass er diese Line nicht als pure Bluff spielt. Diese Line würde er wohl kaum mit seinen Pockets spielen, höchstens mit einem Set.Mit einem Overpair wäre ihm Protection schlicht wichtiger und er würde protecten wollen. Sollten wir jetzt schlicht downcallen werden wir - wenn wir alle Outs, die gegen uns sind, beachten - zu etwa 27.374% vorne liegen. Der Call am Flop versteht sich quasi von selbst, da wir genügend Odds haben um auf unsere Outs zu drawen.
Wir Investieren etwa 2 BB ab Turn (unter der Annahme, dass unser Gegner den River immer bettet) in den Pot. Ohne unser Investment wird der Pot am River 10BB groß sein. Wir investieren 2 BB in den Pot und und müssen somit nur in 20% der fälle am River noch vorne sein. Manchmal wird unser Gegner natürlich nicht den River betten und wir checken mit der besten Hand behind. Machmal improven wir und raisen den Turn for Value. Manchmal können wir gut folden, wenn zB. der Flushdraw ankommt und wir deswegen zu oft geschlagen sind. Alles in allem kann man hier also downcallen, wenn wir nicht schlicht downcallen, sondern das Board betrachten und unsere Hand jedesmal neu bewerten.
Ziel ist es also wie immer, seine Hand perfekt einzuschätzen und gerade, unter der Annahme dass wir sehr gut spielen, die marginalen Situationen zu suchen.
Quizfrage 2: Nehmen wir an, dass wir eine Hand wie 55 Preflop geraist haben und Preflop nur gecallt wurden. Die Flop-Action läuft gleich.
Ändert sich unsere Line ? Welche Line sollten wir sonst spielen und wenn ja: warum ?
Hand 3
BU: Tricky TAG/LAG
Achtung!
Die hier beschriebene Line ist sehr genau an unseren Gegner angepasst. So eine Line als Default gegen Unknown oder auch nur einen nicht gut genug bekannten LAG einzuführen, ist stark minus EV!
Preflop: Hero is CO with Q
2 folds, Hero raises, BU 3-bets,2 folds Hero calls.
Preflop openraisen wir KQo und werden von einem Preflop TAG, Postflop Tricky LAG isoliert. Wir cappen hier nicht, da wir uns keinen Egde gegen seine Range geben. Wir callen und gehen OOP ohne Initiative zum Flop.
Flop: (7.5 SB) 2


Hero checks, BU checks.
Wir checken und entscheiden uns, diese Situation Wa/Wb zu behandeln. Wir könnten durchaus hinten liegen. In diesem Fall könnten wir drei bis in seltenen Fällen fünf Outs haben. Genauso gut könnten wir aber drawing Dead sein gegen ein Set mit der Neun oder dem King. Wir checken und unser Gegner checkt behind. Unser Gegner ist tricky aber ein durchaus guter Spieler. Er wird also hier am Flop nicht mit Händen behind checken, die er am Turn callen wird. Mit diesen Händen hätte er wahrscheinlich den Flop gebettet. Paradebeispiel ist 99. Mit dieser Hand würde er definitiv den Flop betten, um mich von einer Hand wie TT/JJ wegzubekommen.
Turn: (5.75 BB) 2
Hero ???
Nun fragen wir uns natürlich: Wie sollten wir hier weiterspielen. Das Problem ist, dass der von mir skizzierte Spieler recht tricky ist und es hier keine Hands gibt, die er downcallen wird.
In diesem Fall spielen wir weiterhin check/call und das aus folgenden Gründen:
- Der Gegner foldet allerlei Hands, die Trash sind und er aus irgendwelchen Gründen am Flop nicht gebettet hat.
- Der Gegner raist seine Monster, gegen die wir meist wenig bis keine Outs haben und wir können nicht folden, weder auf den Turn Raise direkt noch am River.
Aus diesen Gründen spielen wir hier erneut check/call, um einerseits einen Bluff zu inducen, also weitere Bets von Händen einzusammeln, die gegen eine Bet von uns gefoldet hätten, andererseits um BB zu sparen, sollte unser Gegner auf einem Monster alla AA/KK/99 sitzen.
Checkt er nun nochmals behind haben wir am River natürlich eine klare Valuebet und callen einen Raise.
Quizfrage 3: Wie spielen wir diese Hand gegen einen LAG der uns oft auf einen Bluff setzt und aggressiv spielt ? Wie Ändert sich die Hand gegen einen Tag der gerne marginale Calldowns einstreut ?
Auflösung
Frage 1
Im Grunde ändert ein TPTK hier am Turn nicht viel an der Situation. Wir liegen oft hinten und unser Gegner müsste als TAG schon für seine argen Tiltmoves bei ums bekannt sein, um hier downzucallen.
Frage 2
Ich gebe zu, dass ich das Beispiel vielleicht etwas zu knapp gewählt habe. Ich wollte zeigen, dass man hier im HU durchaus mit einer Hand wie 55 auf den checkraise call Flop raise Turn spielen kann.
Er callt hier in dieser situation eine weitere Range an suited connectors. Hätten wir zb eine Hand wie 77 auf einem 86s 2 Board, so ist es auf diesen checkraise ein klarer call Flop raise Turn, da uns unser Gegner mit Madehands schlicht donken würde, um protection und Fold Equity zu erhalten. Der checkraise sieht mir hier zusehr nach value aus, dh. er will hier oft beide checkraisen und vollführt seinen Move trotz des Folds des dritten spielers aus, weil er sich FE erhofft.
Frage 3
Hier wollte ich darauf hinaus, dass in dieser Situation auch durchaus andere Lines sinnvoll sind. Zum Beispiel können wir gegen einen TAG hier easy bet/calldown bzw bet Flop, bet/fold turn spielen, wenn der TAG zu marginalen Calldowns mit Pockets/Acehighs neigt. Gegen einen LAG, der bet any Flop und Turn spielt, ceck/callen wir den Flop und check/raisen den Turn. Ob wir gegen eine 3-bet dann noch downcallen ist gegnerabhängig, aber bei einem LAG würde ich immer eher zu einem calldown tendieren.