Pocketpairs on Overcard Flops
Einleitung |
von Milamber |
Diese Woche wollen wir uns auf vielfachen Wunsch hin mit dem Pocketpair bei Overcards Flop Problem stellen.
Zunächst: In solchen Situationen ist unsere Hand immer dann umso spielbarer je weniger Spieler mit uns am Flop sind. Unsere Hand hat also HU eine wesentlich höhere Equity und auch Playability als wenn wir 4-handed am Flop sind.
Ich werde nun ein paar Situationen durchgehen in die wir tagtäglich mit unseren Pocketpairs kommen und wie wir diese Probleme am besten lösen.
Hand 1
Preflop: Hero is MP2 with 9
Hero raises,2 folds, BU calls,SB folds, BB calls.
Preflop raisen wir 99 aus MP2 und bekommen einen coldcaller aus dem CO sowie einen caller aus dem BB. Wir gehen 3-Handed zum Flop.
Flop: (6.5 SB) K


BB bets, Hero ???
Am Flop donkt der Unknown BB in uns hinein. Nun müssen wir eine Entscheidung treffen. Natürlich gibt es die Möglichkeit, dass uns der BB bereits geschlagen hat und wir folden sollten. Wäre der BB hier ein guter Spieler, sollten wir einen Fold stark in Betracht ziehen. Da BB hier aber unknown ist, könnte er allerlei donken: So zum Beispiel mit dem Flushdraw oder Mid/Lowpair. Gegen so jemanden haben wir natürlich keinen easy Fold am Flop. Nachdem wir nun also einen Fold ausgeschlossen haben, müssen wir uns überlegen, ob wir hier nur callen oder raisen. Was einen Call allerdings unmöglich macht, ist der dritte Spieler, der sich noch mit in der Hand befindet und nach uns dran ist. Wenn wir hier nur callen würden erlauben wir einem meist 6 Outer einen billigen Call, was für uns auf Dauer zu teuer wäre.
Im Grunde bleibt uns hier also nur ein Raise.
Hero raises, BU folds, BB calls.
Turn: (5.25 BB) 9
BB bets, Hero raises, BB calls.
River: (9.25 BB) 4
BB checks,Hero bets, BB calls.
Final Pot: 11,25 BB
Am Turn treffen wir dann unser Set und unser Gegner donkt erneut. Nun haben wir natürlich einen easy Valueraise gefolgt von einer Valuebet am River.
Wie sieht meine Linie aus, wenn wir am Flop HU sind?
Wir haben also nach unserem Raise Preflop nur einen call aus dem BB bekommen:
Flop: (6.5 SB) K


BB bets, Hero ???
Gegen einen Fold bleiben die Argumente gleich. Der BB hat hier einfach zuoft einen Draw oder eine schlechtere Madehand mit der er uns bluffen möchte.
Allerdings ist nun, aufgrund der HU Situation das Agrument gegen Call Weggefallen. Wir haben hier nun also die Möglichkeit sowohl zu raisen und den Turn zu betten als auch den die Flopdonk nur zu callen.
Meine Line lautet in diesem Fall wie folgt:
Flop: (6.25 SB) K


BB bets, Hero calls
Ein Call ist hier zunächst das beste. Zwar könnten wir mit einem Flop-Raise eine Hand zum Folden bringen, die pureblufft und dabei 6 Outs gegen uns hat, allerdings sind wir meiner Meinung nach zu oft noch vorne, wodurch wir eine auf Value ausgelegte Line wählen können. Wir callen also die Flopdonk und raisen den Turn. Es gibt allerdings Turns, die wir lieber nicht raisen möchten. A
Wir spielen: call Flop, raise most Turns
Hand 2
Diese Hand ist ein Gegenbeispiel zu Hand 1
Preflop: Hero is CO with J
MP2 calls, MP3 calls, Hero raises, 1 folds, SB calls, BB calls, MP2 calls, MP3 calls.
Flop: (10 SB) K


SB, checks, BB checks, MP2 bets, MP3 folds, Hero ???
Diese Hand hatte ich bereits einmal in meinen Lehrreichsten Beispielhänden, allerdings passt sie so gut hierein, dass ich sie nochmals hervorgekramt habe. Damals kamen wir hier auf einen Fold und ich möchte nochmals die genauen Unterschiede beleuchten, wieso ich in Hand 1 raise und hier folde.
Der einzige wirkliche Unterschied ist wohl das wir hier in einem 5-Handed Pot sind und MP2 hier in viel mehr Gegner reindonkt. Natürlich könnte hier die Donk ein Flushdraw sein und ich könnte hier durch einen Raise eine bessere Madehand zum folden bewegen. Aber alles in allem bin ich zu oft behind und werde am River sogar noch öfter behind sein. Insofern haben wir hier einen guten fold.
Eine Donkbet in viele Gegner bedeutet also alles in allem mehr Stärke als eine Donkbet in weniger Gegner und muss somit auch anders behandelt werden.
Hero folds
Hand 3
Preflop: Hero is MP2 with Q
Hero raises,4 folds, BB calls.
Flop: (4,5 SB) K


BB checks, Hero bets, BB calls.
Hier befinden wir uns wieder HU am Flop und haben eine Overcard. Die Flopbet ist nun ziemlich klar: Wir Contibetten, da unser Gegner checkt. Sollte unser Gegner ein Fisch sein, werden wir hier schlicht flop/Turn und River for value betten können. Auf Boards bei denen wir keine Value mehr in einer Riverbet sehen oder Angst vor einem Checkraise haben müssen, also z.B. bei einem Board wie:
Flop: K



können wir dann natürlich den River behind checken.
Oft wollen wir mit unseren Pocketspairs im HU gerne zum Showdown.
Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Kann ich auf allen Streets Valuebetten? Wenn nicht: Bette ich, wenn ich IP bin, lieber den Turn for FreeSD oder checke ich behind und induce somit einen Bluff am River welchen ich dann calle?
Hierzu nehmen wir uns eine weitere Hand.
Hand 4
Preflop: Hero is MP2 with K
Hero raises,4 folds, BB calls.
Wir raisen erneut KK und bekommen einen Caller aus der BB. Wir gehen also HU und IP zum Flop.
Flop: (4,5 SB) A


BB checks, Hero bets, BB calls.
Der Flop ist diesmal Acehigh, sprich unser Gegner kann keine Overcard am Flop gecallt haben. Nun Fragen wir uns : Bet Turn for Free SD oder checkbehind ? Hier der dazugehörige Turn:
Turn: (4,5 SB) 4
BB checks, Hero ???
Nun müssen wir den Gegner genauer eingrenzen. Ist unser Gegner ein absoluter Vollfisch, so sollten wir den Turn nahezu immer betten, da uns unser Gegner mit nahezu jeder Hand am Flop gecallt haben wird. Ist unser Gegner am Flop allerdings ~TAG:
Wie könnte unsere Line dann aussehen? In diesem Fall können wir hier wohl gut behindchecken und den River dann callen bzw selber for value betten!
Einen Flushdraw hätte unser Gegner wohl oft gecheckraised (auch wenn dies hier nicht unbedingt perfekt ist). Somit steht er hier oft mit einem kleinen Ace, einem Pocketpair oder einem 7 da. Diese Hände könnte er aber durchaus gegen unsere Turnbet folden.
Wenn wir jetzt also behind checken, wird er einige seiner busted draws am River betten, manchmal anderweitig purebluffen und viele schlechtere Madehands in uns "valuebetten". Valuebettet er uns nicht, haben wir trotzdem seine callingrange extrem geöffnet wodurch wir öfter von schlechten madehands gecallt werden.
Hand 5
Eindeutiger ist der Checkbehind hier:
Preflop: Hero is MP3 with K
MP2 raises,Hero 3-bets,4 folds, MP2 calls.
Flop: (7,5 SB) A


MP2 checks, Hero bets, MP2 calls.
Unser Gegner hat hier sehr oft ein Pocketpair oder ein Ace, welches er nicht am Flop checkraisen möchte aus Angst entweder dominated zu sein oder aber ein Pocket zu vertreiben.
Hier können wir am Turn wunderbar behindchecken um
- Einen Checkraise zu vermeiden
- Eine Bet gegen ein Ace zu sparen
- Ein pocketpair zu einer "Valuebet" am River zu verleiten
- Die Callingrange unseres Gegner zu erweitern
Hand 6
Zu guter letzt : Wenn wir am FLop eine Donk von unserem Gegner im HU bekommen, wir aber durch einen raise auf irgendeiner Street nur schlechtere Hände zum folden bekommen würden UND nicht Protecten müssen so spielen wir natürlich Wa/Wb:
Preflop: Hero is MP3 with K
MP2 calls,Hero raises,4 folds, MP2 calls.
Flop: (7,5 SB) A


MP2 donkbets, Hero calls Wa/Wb down
Fazit
Wir sehen also, dass die Situationen, in die wir mit Overcards am Flop kommen können, sehr verschieden und zahlreich sind. Genauso unterschiedlich sind unsere Lösungsansätze. Bei mehreren Overcards können wir oft am River behind checken oder auf guten Boards den Turn behindchecken, um einen Bluff zu inducen.
Gegen gewisse Gegner können wir Overcards auch komplett ignorieren und sollten schlicht alle drei Streets Valuebetten.