Calldown versus Laydown
Einleitung |
von arschholio |
Diesmal geht es darum, wann man einen Calldown machen sollte, nachdem man geraist wurde, obwohl man eher glaubt hinten zu liegen, und wann einen Laydown.
'Calldown' nennt man das check/callen bis zum Showdown.
Hand 1
Preflop: Hero is UTG+2 with K
Hero raises, BB 3 bets, Hero caps.
Flop: 7

BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls
Turn: J
BB bets, Hero raises, BB 3bets, Hero?
Hero raist aus UTG+2, kriegt eine 3bet aus dem BB und cappt.
Am Flop werden wir gecheck/raist. Hier kommt der Standardmove HU IP zum tragen: Call Flop, Raise Turn. Diese Line spielt man also nicht nur, wenn in einen reingebettet wird, sondern auch wenn man gecheck/raist wird und eine starke Hand hat, um das
Maximum an Value rauszuholen.
Nun werden wir ge3-bettet und können uns nicht mehr in den meisten Fällen vorne sehen. JJ und AA sind zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich, wir liegen aber noch gegen QQ vorne und andere Hände, die der Gegner overplayt.
Da ein Cap also nicht in Frage kommt, ist die Frage ob wir einen Calldown machen oder folden.
Dafür muss man sich fragen, in wie vielen Fällen man vorne liegen muss um profitabel downzucallen und aufgrund der Spielweise des Gegners abschätzen, ob das gegeben ist.
Nach Villains Raise ist der Pot 11,25 BB groß. Für einen Calldown zahlen wir 2BB, am SD ist der Pot dann 14,25 BB groß.
um even Money zu sein, müssen wir nach der 3Bet am Turn also nur in 2/14,25 Fällen vorne sein.
Diese 14% haben wir hier auf jeden Fall.
Quizfrage 1: Wie würden wir den Turn spielen, wenn ein Ass gekommen wäre?
Hand 2
Preflop: Hero is BB with Q
UTG calls, BU calls, SB calls, Hero raises, all call.
Flop: Q

SB checks, Hero bets, UTG raises, BU calls, SB calls, Hero 3 bets, UTG calls, BU calls, SB calls.
Turn: 7
SB checks, Hero bets, UTG calls, BU calls, SB raises, Hero?
Wir halten AQs im BB nach 4 Limpern. Man hat fast immer die beste Hand, daher sollten so viele Bets wie möglich Preflop in den Pot wandern. Also raist man SHC konform.
Der Flop bringt uns Top Pair Top Kicker auf einem Drawheavy Board.
Wir haben meist die beste Hand und betten daher den Flop. Einer callt, UTG raist und einer coldcallt.
Hier haben wir die erste Entscheidung zu treffen. Richtig ist es, den Flop zu 3-betten.
Der Raise von UTG kann eine schlechtere Q, die T, 9 oder ein Flush- oder Straightdraw bedeuten. In den meisten Fällen haben wir die beste Hand und müssen auf diesem Board straight forward spielen. Wir holen uns so am Flop Value von allen Drawing Hands ab und erhalten die Initiative aufrecht. Den Flop nur zu callen und den Turn anzuchecken würde den Gegnern erlauben, billig zu drawen, was wir nicht wollen.
Der Standardmove OOP HU am Flop (Bet/3bet Flop, Bet Turn) gilt also auch hier, da wir relativ zum Flopraiser OOP sind.
Am Turn kommt die 7. Hero muss betten. Es besteht nach wie vor die Chance, die beste Hand zu haben und der Pot ist groß. Wir können daher nicht checken und eine Freecard ermöglichen. Zwei callen und SB check/raist uns.
Wir haben Top Pair, Top Kicker und der Pot ist schon sehr groß. Was tun?
Der Pott ist nach dem Raise 15BB groß. Wir sind hier allerdings nicht HU, d.h. wir können nicht sicher sein, auch für 2BB den Showdown zu sehen.
Obwohl wir wahrscheinlich trotzdem sehr gute Odds für einen Calldown bekommen, ist es an dieser Stelle einfach zu unwahrscheinlich, dass wir noch vorne liegen.
SB zeigt hier extreme Stärke, indem er auf diesem Drawheavy Board das gesamte Feld check/raist, inclusive des PFA und Flop3-Bettors. Wir können sicher annehmen, das er mindestens TwoPair hat. Könnten wir ihn darauf setzen, müssten wir callen, weil wir dagegen einige Outs haben. Viel öfter hat er aber eine Hand, gegen die wir drawing Dead sind.
Um abzuschätzen, ob man oft genug vorne liegt, muss man darauf achten was der Gegner vorher gemacht hat. SB callt am Flop 2Bets cold und die 3. auch noch. Dieses Spiel deutet schon stark auf einen Draw hin oder ein Monster das er slowplayt (Set, Straight). Gegen die Straight oder ein Set sind wir drawing Dead.
- Wir liegen gegen SB angesichts seiner Spielweise fast sicher hinten.
- Wir haben meist keine Redraw Outs.
- Wir wissen noch nicht einmal, ob wir gegen die anderen Gegner vorne sind.
- Wir wissen nicht, wieviele Bets wir noch für den SD zahlen müssen.
All dies macht den Fold hier korrekt.
Quizfrage 2: Was machen wir bei dieser Action?
Turn: SB checks, Hero bets, UTG calls, BU raises, Hero ???
Hand 3
Preflop: Hero is BB with Q
UTG+1 calls, BU calls, Hero raises, all call.
Flop: Q


Hero bets, UTG+1 calls, BU calls.
Turn: 5
Hero bets, UTG+1 folds, BU raises, Hero?
Hier sind wir 3-handed am Flop und treffen TPTK. Unsere Bet wird von beiden Spielern gecallt. Am Turn kommt eine 5 und wir werden geraist. Der Pott ist deutlich kleiner als in 1. und 2., nämlich nur 7,75BB.
Trotzdem ist ein Calldown hier richtig.
BU zeigt nämlich hier viel weniger Stärke als der Gegner in 1 oder besonders 2. Er callt den Flop und raist den Turn, nachdem es nur noch HU ist.
Dies kann er mit einer viel größeren Menge an Händen machen als die Gegner in den ersten beiden Beispielen. Er hat nur einen Gegner, der bisher auch keine Stärke gezeigt hat, außer 2 Contibets zu machen. Dadurch wird Villain eher geneigt sein zu Semibluffen, z.B. mit dem aufgepickten Flushdraw und auch mit schlechteren Händen valueraisen, weil er sich vorne sieht, z.B. mit einerm schlechteren Toppair.
Da hier keine Straights möglich sind und Sets unwahrscheinlicher als in 2., hat der Gegner, wenn wir hinten liegen, meist Two Pair.
Dagegen haben wir noch einige Outs, gegen Q5 z.B. haben wir 9, gegen T7 sind es 8.
Wenn man potentiell Outs hat, muss man nur in weniger Fällen vorne liegen, als wenn man glaubt, keine zu haben, falls man hinten ist. Gegen Q5 z.B. haben wir 9 Outs, gegen T7 haben wir 8.
Die recht gute Chance, vorne zu liegen, kombiniert mit den wahrscheinlich vielen Outs, falls man hinten ist, machen hier den Calldown korrekt.
Quizfrage 3: Angenommen, UTG+1 hätte den Turn geraist und BU ge3-bettet, wie sieht dann die richtige Spielweise für den Rest der Hand aus und warum?
Quizauflösung
Frage 1
Ein Raise kommt dann nicht mehr infrage. Darauf folden bei einem A Turn kleinere Pockets als unseres, was wir nicht wollen und bessere Hände 3-betten uns, was uns auch nicht gefällt, da wir folden müssten ohne zu wissen, ob wir nicht aus der Hand geblufft wurden. Wir sind WAWB ab Turn. Liegen wir vorne, hat der Gegner nur wenig Outs gegen uns und andersrum.
Der Pot ist am Turn 7,25BB groß nach Villains Bet. Für einen Calldown müssen wir uns in 2/10,25, also in 19,5%, der Fälle vorne sehen.
Da Villain schon am Flop eine Madehand angezeigt hat (mit A High wäre meist c/c gespielt worden) und wir gegen QQ,TT,99,88 vorne liegen, ist ein Calldown gerechtfertigt.
Man muss generell flexibel genug sein sich umzuentscheiden, nachdem man Call Flop Raise Turn geplant hat, wenn eine schlechte Turnkarte kommt.
Frage 2
Der Raise von BU an dieser Stelle zeigt etwas weniger Stärke, als wenn SB das gesamte Feld check/raist. Trotzdem sollten wir folden, auch er callt 3 Bets am Flop nur, um am Turn zu raisen, obwohl das Board drawheavy ist und Hero eine starke Hand anzeigt. Wir liegen nicht oft genug vorne, obwohl der Pot groß ist.
Frage 3
Dann haben wir einen leichten Fold. Wir liegen schon gegen den Raiser oft hinten, der 3. Bettor hat aber fast immer ein Monster, da ihn der starke call Flop, raise Turn Move von UTG+1 unbeeindruckt lässt und er over the Top kommt.
Der Pot ist auch nicht sehr groß und wir müssten 3 Bets zahlen, um zum Showdown zu kommen und wir können sehr gut noch mit weiteren Bets und Raises am Turn und River konfrontiert werden.
