Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Spiel von Überkarten

Einleitung

von schiep

In diesen Beispielhänden geht es um das Spielen mit Überkarten, welche sich nicht verbessern (das heißt, wir halten bis zum River nur Überkarten).

Hand 1

Wie liest man eine Beispielhand?

0.10/0.20 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with A, K
MP2 folds, MP3 calls, CO folds, BU raises, Hero 3-bets, BB folds, MP3 calls, BU calls.

Flop: (10.00 SB) 7, 5, 2 (3 players)
Hero bets, MP3 calls, BU calls.

Wir halten AKo und erhöhen den Einsatz vom Spieler vor uns als Small Blind. Am Flop erscheinen nur Blanks, also Karten, die selten jemandem weitergeholfen haben. Wir setzen natürlich gegen zwei - mit dem realistischen Gedanken, oft noch vorne zu liegen.

Turn: (6.50 BB) 5 (3 players)
Hero bets, MP3 folds, BU calls.

Unglücklicherweise sind beide mitgegangen. Doch solange keiner ein Pocket Paar hält, liegen wir meistens vorne, zumal die zweite 5 ebenfalls eine Blank ist. Also sollten wir, obwohl wir nur Überkarten halten, erneut setzen. In Relation zu der Textur der Gemeinschaftskarten und dem, was vor dem Flop passiert ist, ist unsere Hand nicht schwach!

River: (8.50 BB) 3 (3 players)
Hero bets, BU calls.

MP3 ist am Turn ausgestiegen, wir spielen nur noch gegen den Button. Am River hat sich unsere Hand immer noch nicht verbessert. Wir können allerdings noch vorne liegen, denn bei den Gemeinschaftskarten wird der Button, der vor dem Flop erhöht hat, kaum was getroffen haben, schieben und aussteigen kommt daher nicht infrage. Allerdings ist auch Schieben mit der Intention, einen Einsatz mitzugehen, nicht gut, weil er oft mit einem schlechteren Ass schieben und einem Pocket Paar setzen wird. Mit Ass Hoch wird er aber bei diesen Gemeinschaftskarten meistens mitgehen, wenn wir setzen. Im Endeffekt heißt das: Wir haben eine Valuebet (also einen Einsatz, weil wir davon ausgehen, dass uns oft genug schlechtere Hände ausbezahlen)! Nach einer Erhöhung können wir uns natürlich mit Überkarten verabschieden.
Demnach lautet die korrekte Spielweise: Setzen und auf weitere Gegenwehr weglegen.

Anmerkung: Dieser Einsatz ist hier nur deshalb korrekt, weil die Situation dafür perfekt ist (aufgrund des gegnerischen Preflopraises und der geeigneten Struktur der Gemeinschaftskarten). Valuebets mit Ass Hoch sind sicherlich kein Standard und bei Unsicherheiten sollte man sie eher vermeiden.

Hand 2

Wie liest man eine Beispielhand?

0.10/0.20 Fixed-Limit Hold'em (10 handed)

Preflop: Hero is MP2 with A, Q
4 folds, Hero raises, MP3 folds, CO calls, 2 folds, BB calls.

Flop: (6.50 SB) 4, 7, 5 (3 players)
BB checks, Hero bets, CO folds, BB calls.

Wir erhöhen AQo vor dem Flop aus mittlerer Position und zwei Spieler gehen mit.
Der Flop ist nicht sehr schön, da viele unfertige Hände möglich sind. Dennoch sollten wir setzen, da wir einfach oft die beste Hand halten.

Turn: (4.25 BB) 5 (2 players)
BB bets, Hero raises, BB calls.

Am Turn paaren sich die Gemeinschaftskarten. Der Big Blind setzt.
Für aussteigen ist unsere Hand etwas zu stark, zumindest gegen einen unbekannten Gegner. Denn er könnte hier gut auf eine unfertige Hand setzen, um uns zum aussteigen zu bringen. Die zweite 5 nutzt er dabei als "Scarecard". Eine Möglichkeit wäre vielleicht, einfach passiv bis zum Showdown weiterzuspielen, um Bluff-Einsätze zu induzieren. Aber dafür muss sichergestellt sein, dass unser Gegner am River, ohne sich verbessert zu haben, erneut setzen wird. Das ist aber oft nicht der Fall.
Es bleibt also nur ein sogenannter Raise for Freeshowdown übrig, das heißt, wir sollten erhöhen, um am River zu schieben, nach einer weiteren Erhöhung am Turn vom Big Blind sollten wir aussteigen.

Dies hat folgende Vorzüge:

  • Sollte der BB auf eine unfertige Hand setzen, extrahieren wir das Maximum an Geld.
  • Eventuell setzt der BB als pure Bluff. Dass solche Hände nach der Erhöhung aussteigen, ist aus unserer Sicht in Ordnung.
  • Mit viel Glück schmeißen wir schlechte gemachte Hände raus, wie z.B. K4o. Der Punkt ist jedoch zu vernachlässigen, da dieser Fall äußerst unwahrscheinlich ist.

Jedoch ist dieser Zug nicht gegen jeden Gegner geeignet. Gegen einen aggressiven Spieler sollten wir nur passiv bleiben, denn er könnte mit einer unfertigen Hand am Turn nochmal erhöhen und wir legen die beste Hand weg. Außerdem wird so einer am River oft unverbessert auf seine nicht angekommene Chance bluff-setzen. Das Induzieren von Bluffs hat also mehr Wert gegen diesen Gegnertyp.
Meiner Ansicht nach ist aber auch gegen einen unbekannten Spieler eine passive Spielweise nicht verkehrt, nur ich denke, die Vorteile des Free-Showdown-Raises überwiegen. Wenn man hingegen standardmäßig aussteigt in dieser Situation, so ist das ein Fehler.
Es sei denn, unser Gegner ist passiv: In dem Fall können und sollten wir direkt aussteigen, weil er schlichtweg zu selten blufft.

River: (8.25 BB) 8 (2 players)
BB bets, Hero folds.

Am River setzt der BB erneut. So gut wie jede denkbare unfertige Hand hat sich nun verbessert. Daher müssen wir ganz klar aussteigen!

Hand 3

Wie liest man eine Beispielhand?

0.10/0.20 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with A, J
MP2 folds, MP3 calls, 3 folds, Hero raises, MP3 calls.

Flop: (4.50 SB) 9, 6, 4 (2 players)
Hero bets, MP3 calls.

Turn: (3.25 BB) 3 (2 players)
Hero bets, MP3 calls.

Mit AJo erhöhen wir als BB, der Spieler, der vorher in die Hand eingestiegen ist, geht mit. Selbstverständlich setzen wir am Flop mit unserer oft noch vorne liegenden Hand. Selbiges gilt für den Turn, denn bei diesen Gemeinschaftskarten sind viele unfertige Hände möglich und eine Freecard wollen wir daher nicht vergeben. Lästigerweise geht unser Gegner zwei Mal mit.

River: (5.25 BB) K (2 players)
Hero checks, MP3 bets, Hero calls.

Am River fällt der König, glücklicherweise nicht in . Da, wie erwähnt, der Gegner viele unfertige Hände halten könnte, die nun nicht angekommen sind, dürfen wir uns von unserer Hand nicht verabschieden. Ein Einsatz ist aber auch nicht korrekt, da bessere Hände meist mitgehen werden (schlechtere werden hingegen aussteigen). Deswegen ist schieben, mit der Intention ein Einsatz mitzugehen, die korrekte Spielweise, insbesondere deshalb, weil der Gegner den König als Scarecard nutzen könnte, um uns herauszubluffen.

Fazit

Heute haben wir gesehen, dass es oft besser ist, nicht sofort davon auszugehen, man liegt hinten, nur weil man nichts getroffen hat. Man muss seine weitere Spielweise abhängig von den Gemeinschaftskarten und den Gegner machen und dann erst eine Entscheidung treffen.