Spielen von Flush-Chancen gegen einen Gegner & check-raise
Einleitung |
von arschholio |
Diesmal gibt es Beispiele zu zwei Themen. Wir floppen eine Flush-Chance und stehen gegen einen Gegner. Aggressive oder passive Spielweise? Außerdem werde ich versuchen, euch näher zubringen, wann man aus welchen Gründen den check-raise einsetzen sollte.
Definition von check-raise
Ein check-raise ist das Schieben (check), mit der Intention, einen Einsatz des Gegners zu erhöhen (raise). Man benutzt es meistens in Situationen, wo der Gegner die Initiative hat (also er war der Aggressor auf der letzten Straße) und eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Gegner aufgrund der Initiative setzt.
Hand 1
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is UTG with T
Hero calls, 6 folds, BU raises, 3 folds, Hero calls.
Flop: (6.00 SB) 4


Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Turn: (4.00 BB) 6
Hero bets, BU folds.
Hero geht nach SHC mit JTs aus früher Position mit. Ein Spieler in später Position erhöht, die Blinds steigen aus und wir gehen mit.
Wir floppen eine Flush-Chance und haben jetzt drei Möglichkeiten ihn zu spielen: Schieben und mitgehen und am River unverbessert folden. Oder wir check-raisen den Flop und setzen am Turn, auf weitere Gegenwehr gehen wir bis zum River mit. Die dritte Möglichkeit ist, am Flop nur zu schieben und mitzugehen und den Turn zu check-raisen.
Alle Möglichkeiten sind in verschiedenen Situationen optimal.
Wie immer führt der Weg zur perfekten Line über das Einschätzen der eigenen Hand, kombiniert mit den möglichen Händen des Gegners und der Vermutung, wie er die verschiedenen Hände bei diesen Gemeinschaftskarten spielen wird.
Klar ist, das wir mit der Flush-Chance an Flop und Turn mitgehen könnten aufgrund der Potgröße, aber nicht erhöhen können, um Geld in den Pot zu bekommen. Das geht bekanntermaßen erst ab 2 Gegnern (am Flop).
Wann macht es aber Sinn, ihn im 1-gegen-1 trotzdem aggressiv zu spielen?
Immer wenn wir gute Chancen haben, die Hand auch ohne Showdown zu gewinnen und wenn wir bessere Hände zum aussteigen bekommen können, so dass sich die extra Investition von 1-2 Small Bets lohnt.
Dies ist in dieser Hand gegeben: Die möglichen Hände beim Gegner ist hier am Flop nach seinem Einsatz sehr groß, seine Erhöhung vor dem Flop gegen einen Spieler kann mit einer großen Anzahl an Händen gemacht worden sein. Davon liegen wir gegen fast alle Hände hinten, trotzdem haben viele dieser Hände den Flop verfehlt.
Die beste Spielweise ist daher der check/raise am Flop (Wir können ja sicher sein, dass der Aggressor auf jedem Flop setzt, wenn wir checken), gefolgt von einem Einsatz am Turn. Damit könnte er viele bessere Hände weglegen.
Wenn der Gegner kein harter, passiver Fisch ist, wird ihm die Q Angst einflößen und er muss bessere Hände wie AK, AJ, AT, A9, KJ, KT, K9s, 77, 66, 55 am Flop, spätestens aber am Turn, weglegen.
Erhöht er, müssen wir mitgehen und am River unverbessert aussteigen.
Warum kein Einsatz am Flop?
Solche Einsätze werden von vielen Spieler prinzipiell erhöht, wenn sie Aggressor vorm Flop sind. Wir bekommen kaum bessere Hände zum aussteigen und sparen nur eine Small Bet, wenn wir erhöht werden, gegenüber der Situation, wenn unser check-raise erhöht wird.
Warum kein Schieben und Mitgehen am Flop und check/raise Turn?
Diese Spielweise ist bei diesem Board aus folgenden Gründen nicht gut:
- Der Gegner setzt oft nicht mehr am Turn, gerade A-Hoch Hände werden hier am Turn oft schieben und einen Einsatz am River aber mitgehen.
- Bettet der Gegner den Turn, hat er oft mindestens die Q und wir bekommen selten bessere Hände zum aussteigen.
- Wir zahlen 1 Big Bet mehr, um den River zu sehen, wenn nochmal erhöht wird, gegenüber check-raise Flop.
Hand 2
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP with A
UTG calls, 2 folds, Hero raises, 3 folds, BU 3bets, 2 folds, Hero calls.
Flop: (6.00 SB) 4


Hero checks, BU bets, Hero calls.
Turn: (4.00 BB) 6
Hero checks, BU bets, Hero calls.
River: (4.00 BB) J
Hero checks, BU bets, Hero raises, Bu calls.
Hier erhöhen wir A9s gemäß SHC nachdem ein Spieler eingestiegen ist. BU erhöht unseren Einsatz, der Spieler in früher Position steigt aus und Hero ist wieder ohne Position mit einer Flush-Chance am Flop.
In dieser Hand ist es nicht gut, am Flop oder Turn Aggression zu zeigen. Die Hand sieht zwar ähnlich aus wie die erste, die Bedingungen, die in Hand 1 für Aggression vorhanden waren, sind hier aber nicht gegeben.
Die möglichen Hände beim Gegner sind nämlich ganz andere und es sind viel weniger Hände denkbar, die wir zum weglegen bekommen können.
Diese Erhöhung vom Gegner nach einer Erhöhung zur Isolation (wir erhöhen, obwohl schon ein Spieler eingestiegen ist - isolieren ihn also) von uns, wird i.d.R. nur von Premiumhänden gemacht.
Mit diesen möglichen Händen hat er bei diesem Flop also fast immer getroffen, oder hält zumindest eine Hand, die er nicht weglegen wird.
AQ ist fast die einzige denkbare Hand, die aussteigen könnte und selbst die wird nicht immer vor dem Flop so erhöht.
QQ und JJ wird man hier sehr selten rausschmeissen können.
Hingegen werden die meisten seiner wahrscheinlichen Hände nochmal am Flop erhöhen, oder am Turn und uns so voll zur Kasse bitten: AA,KK,AK,(KQ).
Ein Check/Raise hat hier also keinen Wert.
Deshalb spielen wir passiv weiter.
Am River kommt der Flush an.
Dies ist eine der Situationen, in denen man check/raist.
Was sollte gegeben sein für einen Check/Raise am River?
Hero hat nicht die Initiative, sich am River verbessert und wir können den Gegner auf Hände setzen, die folgendes wahrscheinlich machen:
- Wir haben die beste Hand.
- Der Gegner wird selten schieben.
- Er wird eine Erhöhung meist mitgehen.
- Er wird einen Einsatz selten erhöhen (sonst ist setzen und erhöhen besser).
Dies ist hier gegeben, alle plausiblen Hände, außer QQ und AQ (die aber am Turn oft geschoben hätten), wird er hier setzen müssen und auch unsere Erhöhung auszahlen.
Einen Einsatz von Hero, wenn der Flush angekommen ist, wird er hingegen selten erhöhen.
Hand 3
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is UTG with T
Hero calls, 2 folds, MP calls, 2 folds, BU raises, 3 folds, Hero calls, MP calls.
Flop: (6.00 SB) 8


Hero checks, MP checks, BU bets, Hero raises, MP folds, BU calls.
Turn: (4.00 BB) 6
Hero bets, BU calls.
River: (4.00 BB) T
Hero bets, BU raises, Hero calls.
Hier steigt Hero mit QTs in früher Position in die Hand ein, ein Spieler in mittlerer Position geht mit und ein Spieler in später Position erhöht. Der Flop bringt uns Top-Paar mit guter Beikarte. Diese Hand ist sehr verwundbar, jeder J,K,A macht höhere Paare wahrscheinlich und es sind Straßen- und Flush-Chancen möglich. Wir müssen sie also schützen (Protection).
Dies erreicht man in dieser Hand, aufgrund der Position zum Aggressor vorm Flop, mit einem Check/Raise.
Es ist wahrscheinlich, das der Spieler in mittlerer Position nicht setzen wird und dass der Spieler in später Postion auf jedem Flop setzen wird. Also schieben wir und erhöhen den Einsatz von Button, um MP mit 2 Bets zu konfrontieren.
Am Turn setzen wir natürlich, weil wir davon ausgehen müssen vorne zu liegen, nachdem wir keine Gegenwehr am Flop bekommen haben.
Am River kommt die zweite T und eine Flush-Chance an. Wir müssen selbstverständlich setzen, wir schlagen jetzt sogar zu passiv gespielte Überpaare. Der Gegner erhöht, worauf wir mitgehen. Oft hat er sicher den Flush, oft auch eine T, manchmal schlechtere als unsere, oft besser. Ein weitere Erhöhung kommt also nicht in Frage, ebensowenig aber aussteigen.
River: (4.00 BB) 6
Hero bets, BU raises, Hero calls.
Wir würden hier jeden River, der keine Überkarte bringt, setzen, um von Ass Hoch oder Pocket Paaren noch ausbezahlt zu werden.
Eine Erhöhung müssen wir bei dem großen Pot auch jeweils mitgehen, auch wenn wir dann meistens hinten liegen.