Donk Turn, Contibets & way ahead - way behind
Einleitung |
von firsttsunami |
Diese Woche wollen wir uns mit drei verschiedenen Themen auseinandersetzen. In der ersten Hand geht es um das Turnplay, ob man ohne Initiative checken oder betten sollte. Die zweite Hand soll dazu dienen, noch mögliche Probleme bei Continuation Bets gegen mehr als zwei Gegner auszuräumen. In der letzten Hand wollen wir näher auf einen way ahead - way behind Spot eingehen.
Hand 1
bet/call, donk/calldown
PartyPoker 1.00/2.00 Limit Hold'em (5 handed)
BB: (37/13/4.50/27) (115h)
Preflop: Hero is SB with A
1 folds, CO calls, 1 folds, Hero raises, BB calls, CO calls.
Flop: (6.00 SB) J


Hero bets, BB raises, CO folds, Hero calls.
Turn: (5.00 BB) A
Hero bets, BB raises, Hero calls.
River: (9.00 BB) 5
Hero checks, BB bets, Hero calls.
Final Pot: 11.00 BB.
Wir sind im SB und openraisen AQo gegen einen CO Limper. Zu AQo muss ich wohl in Sachen Equity nicht viel erwähnen. AQo ist sehr stark und wir liegen von der Equity weit vorne und raisen natürlich. Der BB called und der Flop gefällt uns eigentlich gar nicht. K8J 2suited in 
Der Pot ist nun 1:9 groß und wir müssen den Flop callen. Wir haben discounted ca. 5 Outs und benötigen demgemäß eigentlich nur Odds von 1:8. Selbst wenn wir nur den Gutshot hätten, müssten wir callen. Wenn wir unseren Straight machen, haben wir gute Implied Odds und bekommen, je nach Gegner und Hand, noch 1-x BB auf Turn und River.
Wir callen also den Flop und treffen das Ace am Turn. Wir entscheiden uns, den Turn erneut zu donken anstatt zu checkraisen.
Warum ist Donk Turn hier besser als check/raise Turn?
- Da das Board sehr drawheavy ist und der Gegner sehr viele Outs gegen uns haben könnte, möchten wir ihm keine Freecard geben.
- Wir möchten am Turn keine 3-Bet kassieren, da unsere Hand in Relation zum Board nicht übermäßig stark ist. Das A completed einen Straightdraw mit QT und der Gegner könnte bereits 2pair mit J8 oder KJ halten.
- Der Gegner wird auf einen checkraise "viele" Hände folden, die er gegen eine Donk noch downcallen wird. Wir erzeugen mit der Donk also weniger Foldequity gegen schlechtere Hände wie Lowpair J oder am Turn Midpair mit dem K. Wir bekommen somit öfter 2 BB wenn er am River noch called anstatt 1BB, wenn es check,bet,raise,fold geht. Andererseits könnte der Gegner sich eine Freecard nehmen mit seinem K oder J pair, da er einen checkraise befürchtet, aber den Showdown sehen möchte. Besonders aggressive Gegner könnten die Donk als Versuch interpretieren, den Pot zu klauen und setzen uns selber garnicht auf das Ace.
- Der Gegner ist sehr aggressiv mit seinen 4,5 AF und gegen sehr aggressive Gegner können wir mit der Bet einen Raise von einem Draw induzieren, seltener von einer worse Madehand. Falls der Gegner einen FD hat und die Donk als Stealattempt interpretiert, wäre es denkbar, dass er raist und wir somit + machen, da wir von der Equity deutlich vorne liegen.
Die Donk ist also dann gut, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Der Gegner ist aggressiv (sekundär wichtig).
- Das Board ist sehr drawheavy und der Gegner könnte deswegen sehr viele Outs gegen uns haben.
- Weil das Board drawheavy ist und der Gegner viele Outs haben könnte, ist die Gefahr einer Freecard sehr groß, wenn wir den Turn checken.
- Unsere Hand ist nicht so stark, dass wir es begrüßen würden, wenn 3 BB in den Pot wandern.
- Die Karte, die uns zur Madehand verholfen hat, hat anderen Händen eine bessere Hand beschert (QT in dieser Hand).
- Der Gegner foldet viele schlechtere Hände gegen einen checkraise oder macht CB, von denen wir aber im Falle einer Bet, sehr oft 2 BB kassieren werden.
Der Gegner raist nun erneut am Turn, aber da wir Toppair haben und zusätzlich Outs auf die Straight, können wir am Turn kaum folden und müssen downcallen. Toppair 2nd best Kicker ist etwas zu stark im Headsup, um es gegen diesen Gegner folden zu können. 🙂
Die Hand ist vom Threadersteller gut gespielt so und ist gleichzeitig ein schönes Exemplar für die Line bet/call bet/Calldown.
Hand 2
Contibets gegen > 2 Gegner
PartyPoker 1.00/2.00 Limit Hold'em (6 handed)
MP: (26/8/1.63/28)
CO: (62/0/0.58/38)
BB: (25/13/1.67/40)
Preflop: Hero is BU with J
1 folds, MP calls, CO calls, Hero raises, 1 folds, BB calls, MP calls, CO calls.
Flop: (8.50 SB) T


BB checks, MP checks, CO checks, Hero bets, BB folds, MP folds, CO folds.
Final Pot: 4.75 BB.
Wir befinden uns mit KJs in der Buttonposition und raisen preflop nach 2 Limpern. Da ein Limp in der Regel Schwäche signalisiert und CO's Limpingrange sehr groß ist, ist unsere Hand von der Equity her stark genug, um Preflop zu raisen. Wir treffen am Flop einen OESD, auf einem paired und 
Aber wieso ist es viel besser wenn wir am Flop eine Continuation Bet machen anstatt zu checken?
- Wir haben laut Equilator, gegen Random Hands, eine Durchschnittsequity von 35% und somit > avg Equity. Wir könnten also gegen 3 Mitspieler for Value cappen am Flop. In dieser Hand haben wir nur eine Equity von 25%, der Cap wäre aber dennoch profitabel, weil wir die Chance haben am Turn, eine Freecard zu bekommen.
- Wenn wir am Flop bereits einen Pot builden, binden wir unsere Mitspieler, durch die besseren Odds, die sie bekommen, an den Pot und gerade schlechte Spieler können sich bei großen Pötten oft nicht von marginalen Draws am Turn oder von schlechten Madehands trennen und werden viel öfter ausbezahlt.
- Wir haben, wenn auch nur eine geringe Chance, den Pot ohne Showdown zu gewinnen, falls 2 Leute folden und wir durch eine erneute Bet am Turn, den Pot für uns entscheiden.
- Wir können bessere Hände wie Pockets oder auch Hände wie AJ, die noch einige Outs gegen uns haben, zum Folden bringen.
- Wenn wir am Flop betten, besteht die Chance, dass alle Mitspieler am Turn zu uns checken und wir im Vergleich zur Flopfreecard und einer Bet von einem Mitspieler, 1SB sparen.
Wir sehen also, dass die Flopbet aus verschiedenen Gründen sinnvoll ist. Das Hauptargument ist allerdings, dass wir eine überdurschnittliche Gewinnerwartung haben und wir mit der Bet am Flop, statistisch gesehen, Geld verdienen.
Es ist wichtig dass dies die erste Frage ist, die ihr euch stellt, wenn ihr eine Entscheidung trefft.
Hat meine Hand eine überdurchschnittliche Gewinnerwartung (Equityedge)?
Wenn ihr diese Frage mit JA beantwortet, sind alle weiteren Überlegungen überflüssig und ihr solltet betten.
Da es natürlich nicht immer sinnvoll ist, eine Contibet gegen 3 oder mehrere Gegner zu machen, schauen wir uns nun 2 Boardstrukturen an, wo es besser ist, direkt am Flop eine Freecard zu nehmen mit unserer Hand (KJs)
Flop: (8.50 SB) 9


BB checks, MP checks, CO checks, Hero checks
Bei diesem Board haben wir nur einen Gutshot in einem 4-handed Pot. Die Foldequity ist sehr gering und wir haben durch die zusätzliche FH Gefahr, nur ungefähr 4-5 discounted Outs. Falls wir betten und geraised werden, müssten wir aufgrund der Potgröße (~1:11) am Flop callen, können aber aufgrund der Boardstruktur und den reverse Implied Odds nicht genau bestimmen, ob der Call gerechtfertigt ist. Manchmal haben wir halt garkeine Outs mehr, wenn die T ein FH macht mit T9 oder TT. In der Regel haben wir aber noch genügend Outs, aber wir fühlen uns dennoch nicht ganz wohl bei unserem Call im Vergleich zu einem Board, was rainbow und nicht paired ist. Q98 zB. Wir sollten bei diesem Flop also aufgrund von wenig Outs und mangelnder Foldequity, die Freecard nehmen anstatt zu betten.
Ein Board wo es sich auf jeden Fall lohnt, eine Freecard zu nehmen.
Flop: (8.50 SB) A


BB checks, MP checks, CO checks, Hero checks
Hier gilt wieder das gleiche Prinzip, nur dass wir auf diesem Board = 0 Foldequity haben und wir wahrscheinlich mit am meisten von der Freecard profitieren, falls wir die T treffen und somit zur Straight improven. Bei 3 Mitspielern ist es sehr, sehr wahrscheinlich, dass jemand das Ace hält oder die Q. Schlechte Spieler werden nichtmal die Q folden, also denkt nicht, dass ihr die Hand ohne Showdown gewinnen könntet.
Freecard nehmen und hoffen am Turn die T zu treffen.
Für viele ist die Hand/sind die Hände nicht besonders lehrreich, aber mir ist aufgefallen, dass bei einigen Spielern noch Unsicherheit in solchen Situationen besteht, die ich hiermit ausräumen möchte.
Hand 3
way ahead - way behind
Preflop: Hero is BB with 5

2 folds, Button calls, 1 fold, Hero checks.
Flop: (2.50 SB) 2


Hero bets, Button calls.
Turn: (2.25 BB) K
Hero checks, Button bets, Hero calls.
River: (4.25 BB) 3
Hero checks, Button bets, Hero calls.
Final Pot: 6.25 BB
Wir haben K5o in der BB gegen einen Buttonlimper. Wir haben nun die Möglichkeit zu checken oder zu raisen. Die Entscheidung ist sehr marginal, da wir laut Equilator nur 3% über avg Equity liegen und K5o eine miese Playability hat und wir zudem oop sind. Wir entscheiden uns also für einen check und der Flop kommt 27A Rainbow. Eigentlich ein ganz gutes Board für uns, da nur eine Karte, das Ass, in der Playingzone liegt und diese Karte der Gegner selten halten wird, weil er Preflop nicht geraised hat. Da der Gegner dieses Board selten getroffen haben wird, entscheiden wir uns, den Pot mit einer Donkbet am Flop zu stehlen. Der Gegner callt am Flop. Wir improven am Turn, indem wir unseren King getroffen haben. Wir haben nun Middlepair mit schlechtem Kicker.
Wir haben nun 2 Entscheidungsmöglichkeiten:
a) Bet Turn
b) c/c Turn
Hero entscheidet sich nun den Turn zu checken.
Dieser Spot ist wieder sehr klassisch für c/c Turn.
Das Board enthält keine Draws am Flop und der Gegner callt unsere Flopbet. Der Gegner muss also fast immer eine Madehand halten. Er hat entweder ein kleines Pocket, die 2, die 7 oder doch ein Ace. Es ist auch möglich, dass der Gegner tricky ist und uns floaten wollte, da er weiss, dass wir selber selten das Ace haben und nur den Pot klauen wollen.
Was würde nun passieren, wenn wir den Turn betten würden?
- Der Gegner würde die beschriebenen Madehands fast alle folden.
- Der Gegner würde mit einem Ace, gegen das wir hinten liegen, callen oder raisen.
- Der Gegner ist Unknown und könnte uns mit einer schlechteren Hand aus dem Pot drängen, falls er raised.
Was passiert aber, wenn wir den Turn checken?
- Wir inducen eine Bluffbet vom Gegner, falls er uns gefloatet hat.
- Wir inducen Bets von schlechteren Madehands, die gegen eine Bet gefoldet hätten.
- Wenn wir durch unseren check Schwäche signalisieren und der Gegner CB macht, weitet sich seine Callingrange am River und er wird durch unseren Check viele Hände callen auf eine Riverbet, die er auf eine Turnbet aber gefoldet hätte. Die 7 zum Beispiel.
- Wir stehen am Turn, falls der Gegner raised, vor keiner schwierigen Entscheidung. Wir möchten mit dem check einem Raise aus dem Weg gehen, da wir nicht wissen, ob wir nicht die beste Hand gefoldet haben.
In diesem Spot besteht die Ausnahme, wenn wir gegen eine Callingstation spielen. Auch mit marginalen Händen sollten wir den Turn betten, da Callingstations mit viel Mist auch noch den Turn callen und wir nach einem Raise sicher sein können, hinten zu sein.
c/c Turn ist in solchen Situationen fast immer dann richtig, wenn der Gegner keine besseren, sondern nur schlechtere Hände foldet und der Gegner uns auch kaum mit schlechteren Händen ausbezahlt. Durch unseren check bekommen wir somit also mehr von schlechteren Händen und verlieren weniger oder genausoviel, gegen bessere Hände.
Wir haben also den Turn gecheckt und der Gegner bettet. Wir callen natürlich.
Am River bettet der Gegner erneut. Nun ist es wichtig, sich die Preflopaction zurück ins Gedächtnis zu rufen und festzustellen, dass der Gegner vom Button gelimpt hat. Ein Limp aus den späten Positionen signalisiert eigentlich immer, dass der Gegner sehr wenig Spielverständnis hat. Wir müssen diese Tatsache natürlich in unsere Riverentscheidung mit einbeziehen und da der Gegner unreasonable ist und nicht wie ein reasonable TAG, nur mit besseren Händen betten würde am River, sind wir verdammt den River zu callen. Der Gegner könnte hier 2x bluffen (unwahrscheinlich) oder mit einer schlechteren Madehand betten.
Midpair bei diesem trockenen Board gegen einen Unknown zu folden, wäre ein Fehler und sollte vermieden werden.