Aktualisiert am 06 Juli 26 von

c/f Turn, Continuation Bet Turn, 3barrel Bluff (against LAG)

Einleitung

von firsttsunami

Diese Woche, nachdem ich einen Monat abwesend war, euch nun aber wieder zur Verfügung stehe, möchte ich mich mit den o.g. Themen beschäftigen und häufig auftretene Situationen eingehend erläutern und begründen. Die einzelnen Themen sind zwar inhaltlich durch unsere zahlreichen Artikel abgedeckt, jedoch aber oft allgemein gehalten und ohne konkrete Definition einzelner Variablen (Gegnertyp, Board, eigene Handkarten). Da in vielen speziellen Situationen oft noch Hilflosigkeit herrscht, möchte ich mit dieser kleinen Anleitung etwas Licht ins Dunkle bringen.

Diese Woche gehen wir speziell auf den Gegnertyp loose-aggressive mit hohem WTS (45+) ein. Es werden allerdings noch weitere Kolumnen zu diesem Thema folgen. In der nächsten Kolumne dieser Art, werde ich auf den Spielertyp tight-aggressive eingehen.

Check/Fold Turn OOP mit Initiative

Hand 1

2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with A, 6
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) 9, 8, 4 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) T (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero folds.

Final Pot: 4.00 BB

Hier sind wir in der SB und raisen mit A6o. Wir verfehlen den Flop total und der Gegner called unsere Flopbet. Am Turn kommt nun eine T in . Diese Karte vervollständigt Straight- als auch Flushdraws. Unsere Equity sinkt bei dieser Karte enorm. Wir sollten uns auch vor Augen halten, dass ein Call im BB nach einem SB Openraise, oft Undercards sind und gerade ein LAG, der viele Highcardkombos raisen würde, hat hier das Board sehr oft getroffen.
Der Call des Gegners bedeutet entweder eine schwache Madehand (Calldown), starke Madehand (raise Turn) oder ist oft ein Draw, den er am Turn semibluffen wollte. Das Problem bei LAGs ist der hohe WTS. Gegen andere Gegner könnte man überlegen, zu betten, da die T eine gefährliche Karte ist und wir bessere Hände wie Lowpair oder Pockets zum folden bringen könnten, aber aufgrund des hohen WTS wird dieser Gegner in den seltensten Fällen eine Madehand folden. Sei es 33 oder lowest Pair mit der 4. Wir haben am Turn nur einen Idiotengutshot und Ace High. Wir müssen unsere Outs hier sehr stark discounten und unsere Outs reichen hier bei weitem nicht aus, um den Turn erneut zu betten. Es wäre in dem Falle ein pure Bluff und kein Semibluff. Da wir am Turn fast immer beat sind und ~0 Foldequity haben, ist c/f Turn hier die beste Option.

Hand 2

2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with J, 8
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) K, 4, 3 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) T (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero folds.

Final Pot: 4.00 BB

Hier raisen wir J8o aus der SB. Wir verfehlen den Flop erneut, aber der Flop ist insofern nicht schlecht, da der Gegner auch häufig nichts getroffen hat und wir mit einer Flopbet den Pot gewinnen können. Wir machen eine Continuation Bet und werden aber unerfreulicherweise gecalled. Am Turn kommt nun eine weitere Karte aus der playing-Zone. Wir könnten nun überlegen, ob wir erneut betten, um ein Ace High zum folden zu bringen.

Vorher müssen wir uns jedoch überlegen:

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Gegner ein Ace High hält?

Die Wahrscheinlichkeit ist hier sehr gering, da ein LAG fast jedes Ace SB vs BB 3-betten würde und ein Ax somit in seiner Range sehr selten vorkommt.

Da wir nun ein Ace ausschließen können, kommt eigentlich nur noch eine Madehand in Frage. Da der König dort liegt und der Gegner seine Outs stärker discounten muss, wird auch nicht jeder LAG den Flop mit garnichts callen und Trash oft am Flop schon folden.

Die Wahrscheinlichkeit einer Madehand ist also sehr groß.

Die Frage ist nun: Können wir evtl eine 3 oder 4 am Turn zum folden bringen mit einer erneuten Bet?

Die Antwort lautet: NEIN!

Ein LAG mit ca 45 WTS wird hier keine 3 oder 4 folden, sondern callen. Und falls er mit any2 gecalled hat, bietet die T in noch einen Redraw auf Flush- und Straightdraw. Gegen andere Gegner wäre eine Bet zwecks Foldequity hier sinnvoll, aber gegen diesen Gegner sollten wir den Turn einfach check/folden.

Wichtige Faustregel:

Umso eher der Gegner geneigt ist, Ace High auch bei scary Boards downzucallen, umso eher sollten wir am Turn check/folden. Ist der Gegner am Turn bereit, sein Ace High bei einer erneuten Scarecard zu folden - umso eher sollten wir den Turn erneut betten.

Es ist sehr hilfreich, wenn man sich Notes zu seinen Gegnern macht, wie sie Ihr Ace High auf welchen Boards spielen. Mit dieser Informationen kann man nämlich viel Geld sparen.

Contiunation Bet Turn

Hier werde ich euch nun einige Situationen aufzeigen, wo es sinnvoll ist, den Turn erneut zu betten.

Hand 3

2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is MP3 with Q, 9
2 folds, Hero raises, 2 folds, BB calls.

Flop: (4.50 SB) K, 6, 2 (2 players)
BB checks, Hero bets, BB calls.

Turn: (3.25 BB) T (2 players)
BB checks, Hero bets, BB folds.

Final Pot: 4.25 BB

Wir raisen Q9s aus dem MP3 und bekommen einen Call vom BB. Wir verfehlen den Flop, machen aber standardmäßig unsere Contibet. Der Gegner check/called den Flop und am Turn kommt eine T. Da wir aus relativ früher Position geraised haben und sich nun einige Ace High Hände in seiner Range befinden, können wir davon ausgehen, dass der Gegner nach einem check/call Flop oft ein Ace High hält. Angreifbare Madehands wie Low- oder Midpair (außer dem K, mit dem er uns trappen möchte) würde ein LAG schon oft am Flop check/raisen und nicht check/callen. Ein zusätzlicher Vorteil der Turnbet ist, dass, falls der Gegner wirklich mit vermeintlichen 6 Outern wie J9 Q8 gecalled haben sollte, er uns am River nach einem CB Turn nicht mit einer Riverbet rausbluffen kann. Falls er ein kleines Pocket oder sein Lowpair nur check/called hat am Flop, haben wir außerdem noch ca. 10 Outs zum River und der Semibluff ist somit relativ kostengünstig.

Nun müssen wir wieder evaluieren: Ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Gegner sein Ace High gegen eine erneute Turnbet foldet -> CB Turn.

Beachtet allgemein, dass die Geneigtheit, sein Ace High zu folden, auch abhängig von der Position ist.

out of Position -> Wahrscheinlichkeit größer als In Position

Wir haben nun den Read, dass der Gegner, besonders oop, in der Lage ist, sein Ace High zu folden. Wir sollten den Turn deswegen erneut betten und nicht mit einer non-Showdownvalue-Hand CB spielen. Wenn der Gegner c/c c/r spielt, hat er oft eine Hand, gegen die wir nur noch wenig Outs haben und wir müssten folden.

Hand 4

2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with 7, 7
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) 4, 3, 2 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) 5 (2 players)
Hero bets, BB raises, Hero calls.

River: (7.00 BB) Q (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero calls.

Final Pot: 9.00 BB

Wir halten in dieser Hand 77 im SB und openraisen. Wir bekommen einen Call und treffen einen erfreulichen Flop. Wir haben ein Overpair und machen natürlich eine Continuation Bet am Flop. Der Gegner callt uns und am Turn kommt eine Karte, die einer 6 oder einem Ace eine Straight bereitet. Manche Spieler würden den Turn jetzt check/callen in der Angst, von einer Straight geraised zu werden aber das einzig richtige ist in dieser Hand, den Turn erneut zu betten und auf einen Raise downzucallen.

Warum müssen wir in diesem Spot auf jeden Fall betten?

Der Gegner (s.o.) hat nach einem Call ganz selten nur ein Ace, dieses würde er 3-betten. Wir sind also selten gegen eine Straight mit dem Ace hinten. Wir liegen praktisch nur gegen eine Straight mit der 6 hinten. Er könnte einen Gutshot gecalled haben, wobei LAGs in diesem Spot sehr oft den Flop raisen werden. Seine Range reduziert sich somit auf 6 Outer oder evtl Madehands wie Toppair, die er am Turn vor hat, zu raisen.
Ein LAG wird in diesem Spot viele Hände semibluffen oder for free Shodown raisen. Gelegentlich wird er auch einen pure Bluff starten mit any2 (Bluffcall am Flop). Wir provozieren also einen Raise von einer schlechteren Hand und bekommen dadurch von ihm 2BB anstatt nur 1 bei c/c Turn. Wir verpassen außerdem oft eine Valuebet, falls er eine Madehand am Turn raisen wollte, die aber aufgrund der Straight nur noch downcalled und evtl nach einem check von uns, eine Freecard am Turn nimmt. Wir haben nach einem Turnraise keine toughe Entscheidung (da wir selber auch noch Outs auf die 6 haben) und einen leichten Calldown.

Bitte in solchen Spots gegen einen LAG nicht den Turn checken, sondern eine Continuation Bet machen!

3rd Barrel Bluff

Man sollte 3barrel Bluffs, z.B. mit busted Draws, gegen LAGs mit viel WTS nur ganz selektiv einsetzen und wirklich richtige Spots für eine erneute Bet am River auswählen. Da LAGs bekanntlicherweise sehr ungerne Madehands folden, muss das Board wirklich sehr, sehr scary sein, um genügend Foldequity für eine Bluffbet am River zu erzeugen.

Hier ein Beispiel, wo eine 3rd barrel gegen einen LAG einsetzbar ist:

Hand 5

2.00/4.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is SB with Q, J
4 folds, Hero raises, BB calls.

Flop: (4.00 SB) 9, T, 4 (2 players)
Hero bets, BB calls.

Turn: (3.00 BB) 5 (2 players)
Hero bets, BB calls.

River: (5.00 BB) A (2 players)
Hero bets, BB folds.

Final Pot: 6.00 BB

Wir haben QJo in der SB geraised und treffen einen OESD + 2 Overcards am Flop. Wir betten den Flop und bekommen einen Call. Am Turn kommt ein möglicher Flushdraw an, aber wir betten mit unserem starken Draw natürlich erneut, um z.B. weake Draws wie Gutshots zum folden zu bringen und da wir mit Q high keinen Showdownvalue haben, kommt quasi nur eine Bet in Frage. Der Gegner called erneut. Der erneute Call am Turn deutet nun oft auf einen Redraw mit einer einzelnen -Karte hin oder ist eine weake Madehand wie z.B. ein Pocket oder eine 4. Am River kommt nun das Ace in und durch den Call Preflop wissen wir wieder, dass der Gegner fast nie ein Ace halten wird und deswegen, trotz seines hohen WTS, fast jede Madehand ohne einen Flush wegwerfen wird. Der Pot ist 5BB groß und der Gegner muss nur in 1/5 Fällen (20%) folden, damit die Bet profitabel ist. Da er in viel weniger als in 4/5 Fällen eine Flushkarte halten wird und auch selten ein Ace halten wird, sollten wir den River erneut betten.