Valuebets am River
Einleitung |
von Metzga25 |
In dieser Woche geht es um das Thema Valuebets am River. Es fällt immer wieder auf, dass manche Spieler sich des öfteren beschweren, dass die "Fische" auf ihrem Limit alles runtercallen und am River ihren 2 Outer noch treffen. Die Schwäche, dass die "Fische" jedes Pair runtercallen, müsst ihr in den Low Stakes einfach gnadenlos ausnutzen und eure Gegner "zu Tode" valuebetten.
Leider werden immer wieder solche Valuebets am River verpasst, da sich das Board unschön entwickelt hat und Hero aus Angst vor einem Raise auf check/call umsteigt und so oft eine Bet verpasst.
Hand 1
Villian: (50, 3, 0.9, 46)
Unser Gegner spielt also Preflop viel zu loose und bringt seinen Stats nach so ziemlich jede Madehand meist passiv zum Showdown. MP ist unknown.
Preflop: Hero is Button with A

1 folds, MP calls, CO calls, Hero raises, 2 folds, MP calls, CO calls.
Wir bekommen A9s und raisen hier standardmäßig gegen die 2 Limper.
Flop: (7.50 SB) 7


MP checks, CO bets, Hero raises, MP folds, CO calls.
Wir treffen hier idealerweise Toppair mit Ass als besten Kicker. Die passive Callingstation donkt hier den Flop. Dies sollte jedoch erst einmal kein Grund zur Sorge sein. Spielertypen wie CO sind passiv, aber jederzeit in der Lage, gerade am Flop, weake Pairs wie die 6,7, schlechtere 9 oder auch einen Straightdraw mit der 8 zu donken. Hero sollte sich also vorne sehen und raised einerseits for Protection, um MP zu kicken, als auch for Value.
Turn: (5.75 BB) K
CO checks, Hero bets, CO calls.
Hier kommt eine Overcard zu unserem Pair, dennoch haben wir hier eine klare Bet. Wenn CO nicht gerade den König als Beikarte hat, halten wir hier einfach noch meistens die beste Hand und sollten gegen mögliche 2 Pair Outs oder Straightdraws protecten. For Value ist die Bet natürlich auch, da Hero ja meistens noch vorne liegt.
River: (7.75 BB) J
CO checks, Hero bets, CO calls.
Mit dem Jack kommt eine weitere Overcard und der loose CO checked zu uns. Hier fällt immer wieder auf, dass viele Spieler aus Angst vor den 2 Overcards behind checken und sich freuen die Hand zu gewinnen. Dagegen sollten sie sich ärgern eine Bet verschenkt zu haben.
Hier ein paar Punkte die für eine Valuebet sprechen:
- Der Gegner ist sehr loose und wird hier keine Madehand mehr folden.
- Manchmal hat uns der Gegner zwar mit Händen wie bspw. J7, J6 oder J8 gerivered, jedoch wird sebst eine passive Callingstation ab und an sein 2 Pair am River donken, um einen check/behind von uns zu verhindern.
- Die Range von schlechteren Händen, die eine Riverbet noch callen bei diesem Gegnertypen, ist zu groß. Er wird hier Hände wie 44,55,88,86,87,98, jede 6,7,9 usw. callen, denn das ist ja seine Aufgabe als Callingstation. Er kann auch durchaus mit nur Ace High bspw. A8 noch eine Riverbet callen.
Insgesamt liegen wir gegen seine Range einfach noch in mehr als 55% der Fälle vorne und sollten uns diese Bet nicht entgehen lassen (auch wenn Hero ab und an gegen eine bessere Hand verliert).
Gegen einen check/raise müsste Hero hier folden, da die Callingstation hier fast immer ein Monster hat.
Hand 2
Hier spielen wir gegen einen anderen Gegnertypen. Der BB hat folgende Stats:
Villian: (40, 17, 2.1, 43)
Wir haben es also mit einem typischen LAG zu tun, der Preflop zu loose ist und zu viele Starthände spielt. Postflop gibt er uns sehr oft mit marginalen Händen zu viel Action und er ist zu Semibluffs und pure Bluffs in der Lage. Zusätzlich geht er mit zuvielen schwachen Händen zum Showdown. Also ein Gegner, gegen den es durchaus unangenehm zu spielen sein kann, aber mit diversen Schwächen, die wir ausnutzen sollten.
Preflop: Hero is SB with K

3 folds, Hero raises, BB calls.
Alle Gegner folden zu uns im Small Blind und wir raisen standardmäßig mit KTo.
Flop: (4.00 SB) Q


Hero bets, BB calls.
Wir treffen second Pair auf einen sehr drawlastigen Board und machen unsere Contibet.
Turn: (3.00 BB) 4
Hero bets, BB calls.
Hier entscheidet sich Hero für eine Bet.
Hauptargumente für eine Bet:
- Das Board bietet sehr viele Draws und wir sollten keine Freecard verteilen.
- Unser Gegner ist sehr aggressiv und wir werden hier oft den Raise am Turn bekommen, haben aber gegen einen Raise hier einen easy Calldown, da dieser Spieler hier pure bluffen oder viele Draws semibluffen kann.
- Wir können, wie man gleich sehen wird, bei den meisten Riverkarten nochmal for Value betten.
River: (5.00 BB) 3
Hero bets, BB calls
Am River kommt mit dem 3 
Zuerst Hände, die bei BB eher unwahrscheinlich sind:
- Starke Madehands wie Toppair mit der Queen oder besser -> diese Hände hätte er wohl spätestens am Turn geraised. Bei so einem drawheavy Board wird ein LAG kein Slowplay bis zum River machen.
- Reine Trashhands: Entweder hätte er damit mit einem Raise am Flop oder Turn versucht, als pure Bluff den Pot zu gewinnen oder er hätte damit schon gefoldet.
- Drawing Hands: Der Gegner ist sehr aggressiv und hätte in der Regel Straight oder Flushdraws spätestens am Turn gesemibluffed. Daher ist das 3.
in diesem Fall auch eher eine Blank, also eine Karte vor der Hero kein Angst haben muss.
Nun die Handrange von Villian:
Nachdem man die obengenannten Hände zumeist ausschließen kann, bleiben eigentlich nur noch weake Madehands.
Also zum Beispiel eine 9, eine T mit schlechterem Kicker, eine am Turn getroffene 4 oder auch Ace High. Da unser Gegner sehr showdownbound ist, wird er diese Hände meistens noch callen.
Check/Call for Bluffinduce sollte Hero hier nicht spielen, da der LAG mit den weaken Madehands oft behind checken wird, da er auch oft weiß, dass wir hier kaum schlechtere Hände callen werden. Vor allem, da wir aus unserer Rangeanalyse festgestellt haben, dass es kaum Hände gibt, mit denen er am River auf einmal bluffen wird (damit hätte er ja meist bereits am Flop oder Turn gemoved).
Einen Raise am River müsste Hero hier callen. Der Gegner ist einfach zu aggro und unreasonable, um für eine Bet den Pot hier aufzugeben.
Hand 3
Gegner ist hier ein TAG, der Postflop ein wenig zu passiv ist, mit folgenden Stats:
Villian: (24, 18, 1.7, 40)
Preflop: Hero is SB with A

3 folds, Hero raises, BB calls.
Open Raise mit A6s, nachdem alle Spieler zu uns im SB gefoldet haben.
Flop: (4.00 SB) 8


Hero bets, BB calls.
Auf einem sehr drawheavy Board treffen wir unser Bottom Pair und hoffen, mit einer Contibet den Pot direkt einzusammeln.
Turn: (3.00 BB) J
Hero bets, BB calls.
Am Turn kommt der Flushdraw an. Dennoch sollte Hero betten, um eventuell eine 8 zum folden zu bringen. Zusätzlich könnte der Big Blind mit nichts als Bluff den Flop gecalled haben, da er weiß, dass wir hier oft check/fold am Turn spielen, wenn wir selber nichts getroffen haben.
River: (5.00 BB) 6
Hero bets, BB calls.
Am River haben wir nun Trips.
Folgende Gründe sprechen für eine Bet:
Aus dem bisherigen Handverlauf lässt sich erkennen, dass unser Gegner eine Madehand halten muss. Entweder hat er ein Pair bspw. mit dem King oder aber einen mittelmäßigen Flush. (In der Regel hätte der TAG einen starken Flush wohl am Turn geraised).
Wenn wir nun checken, wird er wohl jeden Flush, beziehungsweise jede bessere Hand, for Value betten. Mit marginalen Händen, wie zum Beispiel einen Paar mit dem King, wird er jedoch oft behind checken, da er selbst Angst vor dem Flush hat. Eine Bet hätte er aber im Blindwar auf alle Fälle wohl gecalled. Zusätzlich muss man auch keine große Angst vor einen Raise haben, da dieser spezielle Spielertyp wahrscheinlich nur den Nutflush oder ein Fullhouse raisen wird.
Kurz gesagt: Wenn Hero selber bettet, gewinnen wir 1 Bet mehr gegen schlechtere Hände und verlieren gegen bessere Hände meist genausoviel.
Gegen diesen speziellen Gegner könnte Hero gegen einen Riverraise sogar einen Fold finden. Gegen sehr aggressive, unreasonable Spieler, Maniacs oder generell Spielertypen, die zu Riverbluffraises fähig sind, müsste Hero aber Bet/Call River spielen.
Fazit
Auch wenn das Board sich sehr unschön für unsere Hand entwickelt hat, ist es dennoch oft sinnvoll selber for Value zu betten um noch extra Bets am River einzusammeln. Dies soll jetzt natürlich keine Anregung sein jedes Pair stur durchzubetten, es gibt auch oft Situationen in denen ein check/call oder check/behind besser ist. Versucht einfach anhand eurer Reads und dem Handverlauf die Range eures Gegners einzuengen und entscheidet dann ob für eine Valuebet genügend oft schlechtere Hände callen oder ob check/call for Bluffinduce eventuell auch check/fold oder check/behind den höheren Erwartungswert haben.
Quiz
Hand 1
UTG: (42, 28, 1.8, 41)
Preflop: Hero is SB with K

UTG raises, 2 folds, Hero 3-bets, 1 folds, UTG calls.
Flop: (7.00 SB) Q


Hero bets, UTG raises, Hero 3-bets, UTG calls
Turn: (6 BB) 5
Hero bets, UTG calls.
River: (8 BB) J
Hero ?
Hand 2
BU: (50, 3, 1.1, 39)
Preflop: Hero is CO with A

1 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds
Flop: (5.5 SB) J


Hero bets,BU calls.
Turn: (3.20 BB) 2
Hero bets, BU calls.
River: (5.20 BB) J
Hero?
Auflösung
Hand 1
Hier hat Hero eine klare Valuebet und müsste einen Raise callen. Der LAG hat hier oft ein schlechteres Two Pair oder nur ein Pair. Er wird hier jedes Pair callen. Die Zehn ist unwahrscheinlich, außer er hat ausgerechnet AT. Einen Raise müsste Hero callen, da der aggressive LAG bei so einem scary Board zu Bluffraises fähig ist oder einfach nur ein schlechteres 2 Pair raisen kann.
Hand 2
Hier sollte Hero check/call spielen. Es sind viele busted Draws möglich und kaum eine schlechtere Hand wird hier am River callen. Unser Gegner ist zwar passiv aber solche Spieler sind durchaus in der Lage, busted Draws zu bluffbetten, wenn man zu ihnen checkt.