Abweichen vom Standard-Zug bet/3-bet Flop
Einleitung |
von schiep |
Wenn wir am Flop mit einem Gegner stehen, die Initiative haben und eine gute Hand halten, ist es Standard, am Flop zu setzen und eine Erhöhung vom Gegner nochmals zu erhöhen und, sofern er mitgeht, am Turn zu setzen. Doch was Standard ist, sollte noch lange nicht immer angewendet werden. Dieses Mal gehen wir auf Situationen ein, wo von diesem Standard abgewichen wird.
Was ist bet/3-bet Flop?
Dieser Ausdruck bezeichnet folgenden Zug am Flop: man setzt, also bettet. Erhöht der Gegner unser Gebot, erhöhen wir noch ein drittes Mal, also 3-betten.
Hand 1
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP3 with A
5 folds, Hero raises, CO calls, 3 folds.
Flop: (5.50 SB) A


Hero bets, CO raises, Hero calls.
Turn: (4.75 BB) 2
Hero checks, CO bets, Hero raises.
Nun einmal ein ganz typisches Beispiel: Wir halten AK und erhöhen gemäß dem SHC. Der Spieler nach uns geht die Erhöhung mit und alle anderen steigen aus. Der Flop könnte für uns nicht besser sein, es sind keinerlei unfertige Hände möglich und wir haben mit unserem Top-Paar fast immer die beste Hand. Zum Glück steigt unser Gegner nicht aus, sondern erhöht. Wir sollten allerdings nicht 3-betten, selbst gegen einen unbekannten Gegner nicht.
Keine 3-Bet hat folgende Gründe:
- Auf dem Flop gibt es keine unfertigen Hände. Das heißt, es ist sehr unwahrscheinlich, dass unser Gegner erhöht, um eine kostenlose Karte am Turn zu bekommen. Sollte er demnach ein Ass mit einem anderen Kicker halten, wird er am Turn erneut setzen. Auf eine direkte Erhöhung am Flop hätte er hingegen nur passiv weitergespielt. Wir extrahieren damit also das meiste Geld.
- Bei dem Flop ist ein Bluff von unserem Gegner sehr wahrscheinlich. Er wird also meistens auf eine 3-Bet aussteigen, den Turn allerdings erneut bluffen. Durch Mitgehen und der Turn-Erhöhung bekommen wir von ihm also mehr Geld.
Nicht infrage kommt der Zug gegen:
- Maniacs: Denn sie könnten mit einer 7 oder als Bluff cappen oder würden mit einem Ass am Turn erneut erhöhen, sodass wir nochmal erhöhen können. Wir würden ohne die direkte Erhöhung Geld liegen lassen.
- Gegner, die eine 7 oder Pocket-Paare am Flop erhöhen, um einen billigen Showdown zu bekommen. Sie erhöhen also, um am Turn zu schieben und einen Einsatz am River zu bezahlen.
- Passive Gegner: Sie könnten ein Ass erhöhen und damit am Turn schieben (weil sie plötzlich Angst vor einem besseren Ass haben) bzw. liegen wir nach der Erhöhung am Flop ohnehin oft hinten.
Hinweis
Würde der Flop 2 Karten der gleichen Farbe enthalten oder wären Chancen auf eine Straße möglich, so könnte man immernoch über diese Spielweise nachdenken. Allerdings müsste man dafür wissen, dass unser Gegner mit einer solchen Chance am Turn nicht schiebt, sondern nochmal setzt. Gegen einen unbekannten Gegner sollten wir daher direkt Gas geben und 3-betten.
Damit ihr ein kleines Gefühl für die Flop-Textur bekommt, bei denen eine Abweichung vom Standard sinnvoll sein kann, poste ich noch zwei Hände:
Hand 2
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP3 with A
5 folds, Hero raises, CO folds, BU calls, 2 folds.
Flop: (5.50 SB) Q


Hero bets, BU raises, Hero calls.
Turn: (4.75 BB) 4
Hero checks, BU bets, Hero raises.
Hand 3
Preflop: Hero is SB with K
8 folds, Hero raises, BB calls.
Flop: (4.00 SB) K


Hero bets, BB raises, Hero calls.
Turn: (4.00 BB) 6
Hero checks, BB bets, Hero raises.
Hand 4
Ein Gegenbeispiel zu diesem Thema:
Preflop: Hero is CO with Q
6 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds.
Flop: (5.50 SB) T


Hero bets, BU raises, Hero 3-bets.
Wir halten QTs und erhöhen gemäß dem SHC als Spieler in einer späten Position. Der BU geht mit, die Blinds steigen aus. Am Flop treffen wir Top-Paar, der BU erhöht. Hier sollten wir allerdings (ohne einen spezielle Beobachtung) 3-betten.
Die Gründe für diese Erhöhung sind:
- Bei dieser Flop-Textur ist die Bluffwahrscheinlichkeit geringer als beispielsweise bei A73, weil der Flop weniger angsteinflößend wirkt. Demzufolge wird unser Gegner häufig bis zum Showdown mitgehen, weil er nur ein Paar hat - und sei es die 2 (die er wohlgemerkt oft gegen ein Schieben, gefolgt von einer Erhöhung seines Einsatzes, weggelegt hätte).
- Sollte am Turn eine hohe Karte, wie ein Ass oder ein König erscheinen, müssten wir setzen, damit der Gegner sich keine Freecard mit einer 5 oder gar mit einer schlechteren T nimmt. Dadurch verdienen wir weniger Geld gegenüber einer 3-Bet am Flop.
- Die Wahrscheinlichkeit, bei dem Flop hinten zu liegen, ist nicht so gering wie in den vorherigen Beispielhänden. KT oder AT sind mögliche Hände, demzufolge verlieren wir mit direkter Aggression gegen diesen speziellen Hände natürlich weniger Geld.
Hand 5
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is UTG+2 with A
2 folds, Hero raises, 2 folds, MP3 3-bets, 4 folds, Hero caps, MP3 calls.
Flop: (9.50 SB) K


Hero bets, MP3 raises, Hero 3-bets.
Diese Hand sieht ähnlich aus wie Hand 3 , allerdings mit dem Unterschied, dass vor dem Flop gecappt wurde. Und das macht einiges aus, denn nun ist ein Bluff nahezu ausgeschlossen und AK eine plausible Hand bei unserem Gegner. Genau von dieser Hand wollen wir eine weitere Erhöhung bekommen, woraufhin wir dann den Turn schieben können, mit der Intention seinen Einsatz zu erhöhen und dadurch maximal ausbezahlt werden.
Sollte unser Gegner hingegen so passiv sein, dass er AK ganz sicher nicht cappen würde, so wäre es gut, seine Erhöhung nur zu bezahlen und am Turn zu schieben, mit der Intention zu erhöhen.
Fazit
Dieses Mal habt ihr gelernt, dass es Situationen gibt, in denen es von Vorteil ist, vom Standard abzuweichen.
Wir sollten vom Standard bet/3-bet Flop abweichen, wenn:
- Die Turnkarte in den meisten Fällen ungefährlich ist (kaum Überkarten möglich).
- Wenig unfertige Hände möglich sind.
- Die eigene Hand stark ist.
- Der Gegner zu passiv ist, um schlechtere Hände zu cappen.
- Der Gegner selten erhöht, um sich eine Freecard zu nehmen oder billig zum Showdown zu kommen (am Turn schieben und am River mitgehen).