Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Anpassung des Preflop-Spiels aufgrund von Reads

Einleitung

von Metzga25

In dieser Woche geht es darum Spots zu finden, in denen man sein Preflopspiel anhand von Reads oder den Pockertrackerstats anpasst und von den Standardcharts von PS.de auch mal abweichen kann.

Hand 1

Hier spielt Hero 3-handed gegen 2 absolute Fische, dabei ist der Button ein absoluter Maniac, der mit einer sehr breiten Range die Blinds attackieren wird. Der Big Blind ist eher ein passiver Fisch, der aber natürlich sehr geringe Defendingstandards hat. Er wird nahezu any 2 im Big Blind callen, denn er hat ja schon Geld investiert.

BU (64, 30, 1.9, 45)
BB (60, 5, 1.0, 38)

Preflop: Hero is SB with T, 9
3 folds, BU raises, Hero calls, BB calls.

Prinzipiell bekommen wir ja gelehrt, dass man im Small Blind entweder 3-bettet um u.a. Headsup zu kommen und dead Money vom Big Blind zu generieren oder eben zu folden. Hier haben wir aber einen Spot, bei welchem Hero einen Raise des Buttons coldcallen kann. Dafür spricht, dass Hero hier eine Hand ohne Showdownvalue hält, aber dafür mit diesem suited Connector eine sehr gute Playability hat. Zusätzlich wird der loose Big Blind in den meisten Fällen mit einsteigen und nur sehr selten 3-betten. Unsere Hand lässt sich Multiway bzw. 3-handed ausgezeichnet spielen, und wir haben sehr gute Implied Odds. Gegen den Maniac ist es hier ohnehin besser mit einer Hand ohne Showdownvalue nicht die Initiative zu haben. Man kann am Flop sofort entscheiden ob man weiterspielt und wenn man einen guten Flop hittet wird man meistens sehr gut von den beiden Fischen ausbezahlt. Wenn man den Flop verfehlt gilt natürlich hier: Keine Moves! Also einfach "Fit or fold" spielen.
Mit Händen die Showdownvalue haben, wie zum Beispiel Small Pairs oder Ax Händen (z.B.: A6o) sollte man natürlich weiterhin Preflop 3-betten in der Hoffnung den Maniac zu isolieren.

Hand 2

In dieser Hand spielt Hero im Blindbattle gegen einen sehr aggressiven LAG, der zusätzlich ein guter Handreader ist. Er spielt also etwas zu loose, denkt aber mit und kann durchaus mit seinem aggressiven Stil den weaken TAGS das Leben schwer machen.

SB (34, 21, 2.6, 39)

Preflop: Hero is BB with A, 6
4 folds, SB raises, Hero calls.

Flop: (4.00 SB) A, T, 4 (2 players)
SB bets, Hero raises, SB 3-bets, Hero calls.

Turn: (5.00 BB) Q (2 players)
SB bets, Hero calls.

River: (7.00 BB) J (2 players)
SB bets, Hero calls.

Im Blindbattle hätte Hero hier locker die Equity um gegen die SB-Open-Raising Range des LAGS Preflop mit A6o 3-betten zu können. Dennoch kann es gegen so einen Gegner Sinn machen, ein schlechtes Ass for Deception nur zu callen um dann bei den richtigen Flops extra viel Action bzw. Value zu generieren.
Wir defenden also Preflop unser Ass nur passiv mit einem Call und treffen nun am Flop idealerweise unser für den Gegner nicht so offensichtliches Top Pair. Nun sollten wir gegen diesen overaggressive Spieler aber auch nicht von vornherein WA/WB spielen, sondern können direkt den Flop raisen mit der Intention vom Gegner eine Bluff 3-Bet zu induzieren. Sprich unser Gegner ist sehr aggressiv und denkt auch mit. Folglich wird er davon ausgehen, dass wir Preflop jedes Ass 3-betten und setzt uns nach dem Flopraise eher auf einen Bluff oder ein weakes Underpair. Nun wird der aggressive Spieler sehr oft versuchen mit einem Rebluff, also einer 3-Bet am Flop gefolgt von einer Turn und Riverbet, uns von diesen Holdings runterzubluffen. Nach der Flop 3-Bet spielen wir dann WA/WB um diese Rebluffs nicht zu vertreiben und gegen mögliche bessere Hände natürlich nicht noch mehr zu verlieren. Natürlich treffen wir nicht immer das Ace und es besteht dann Postflop die Gefahr, die beste Hand zu folden. Hier kann man aber beispielsweise mit Pokerstove und Equityanalysen entscheiden, ob man bei unterschiedlichen Boardtexturen unimproved mit Ace high profitabel weiterspielen kann.

Hand 3

Kurz zur Erinnerung, dass man sein Preflopspiel nicht nur an seine Gegner anpassen soll, sondern auch auf die Blindstruktur achten sollte.

SB (35, 27, 2.2, 40) FoldedSBtoSTeal: 70
BB:
guter TAG mit (26, 19, 2.5, 38)

3.00/6.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is Button with K, 7
3 folds, Hero folds, SB folds.

K7o ist laut ORC einen Open-Raise am Button, aber eine sehr marginale Hand, die in diesem Spot besser gefoldet werden sollte. Zum einen haben wir hier einen aggressiven Small-Blind, der unsere loosen Open-Raises bestrafen kann, zusätzlich einen gut spielenden TAG, gegen den es ohnehin nicht sonderlich profitabel ist zu spielen v.a mit solch marginalen Händen. Zusätzlich haben wir hier eine ungünstige Blindstruktur (1/3 auf Party), bei der man ohnehin etwas tighter stealen sollte. Ab K9o würde ich hier dagegen wieder die Blinds attackieren. Wenn beispielsweise der Big Blind ein sehr schwacher Spieler wäre, würde ich meine Raising Standards wieder etwas heruntersetzen, da es grundsätzlich das Ziel sein sollte, mit spielbaren Händen möglichst oft die Konfrontation mit schwachen Gegnern zu suchen.

Hand 4

SB: TAG
BB: etwas rockiger TAG mit (21, 17, 2.1, 32) FoldedBBtoSteal: 65

Preflop: Hero is BU with 6, 5
3 folds, Hero raises, SB folds, BB calls.

Flop: (4.50 SB) A, J, 3 (2 players)
BB checks, Hero bets, BB folds.

Final Pot: 2.75 BB

Hier haben wir im Gegensatz zu Hand 3 eine etwas andere Situation. Hero hält eine Hand die im ORC nicht aufgelistet ist und somit eigentlich nicht die Equity hat um am Button damit zu raisen. Dennoch kann es bei einer günstigen Blindstruktur (1/2 besser 2/3) sinnvoll sein zu raisen. Wir haben hier einen TAG als Gegner der ohnehin in ca. 80% der Fälle seinen Small Blind folden wird und einen fast "Rock" im Big Blind der seinen Big Blind zu wenig verteidigt. Wir werden also oft mit einem Raise direkt die Blinds einsammeln. Das alleine reicht aber noch nicht, um hier looser zu werden. Was zusätzlich für den Raise spricht, ist, dass der Big Blind Postflop relativ tight ist und oft direkt, wie hier am Flop foldet, und wir so oft bessere Hände direkt zum folden bringen. Called der Big Blind hier diesen Flop sollten wir jedoch die Hand aufgeben. Zusätzlich wird der Gegner uns selten auf 56s setzen, so dass unsere Hand gut disguised ist, wenn man den Flop mal gut hittet und der Gegner auch.

Hand 5

Hier haben wir einen der wenigen Spots, in denen es viable ist, im Small Blind zu completen und von der Standard First-In "Raise or Fold" Strategie abzuweichen.

BB (60, 15, 2.3, 42)

Preflop: Hero is SB with 6, 5
4 folds, Hero calls, BB checks.

Flop: (2.00 SB) J, T, 7 (2 players)
Hero checks, BB bets, Hero folds.

Wir spielen hier gegen einen absoluten Postflopmaniac mit einem hohen WTSD. 65s reicht von der Equity nicht um zu raisen und v.a haben wir gegen diesen Gegner wenig Foldequity, sowohl Preflop als auch Postflop (im Gegensatz zu den vorhergehenden Gegnern). Dennoch ist 65s eine Hand, mit der es sich lohnt gegen einen so schwachen und überaggressiven Gegner zu spielen. Mit Initiative ist diese Hand gegen diesen Gegnertypen Out of Position aber schwer zu spielen, da wir uns quasi zu einer Kontibet am Flop verpflichten, aber nur selten hier direkt den Pot gewinnen werden. Dagegen werden wir oft einen Raise kassieren. Daher ist es bei einer günstigen Blindstruktur (1/2 besser noch 2/3) eine Option hier First-In zu completen. Der Gegner ist zwar Postflop ein Maniac aber Preflop wird er unseren Limp gar nicht so oft mit einem Raise bestrafen, und wenn doch, ist dies auch nicht so tragisch, da wir ja wieder eine Hand mit guter Playability und hervorragenden Implied Odds haben. Vor allem können wir gegen diesen Spieler "Fit or Fold" am Flop spielen. Wenn wir einen guten Flop treffen, können wir auch erwarten, dass der Maniac uns sehr gut ausbezahlen wird. Man kann hier dann auch auf die Standardbet im unraised Pot verzichten wenn man den Flop komplett verfehlt, außer man hat natürlich den Read, dass Villain auch direkt am Flop folden kann.

Hand 6

Noch kurz eine Situation, bei der es Sinn macht, nach einem Limper overzulimpen. Prinzipell sollte man ja außerhalb der Blinds nach einem Limper Raise or Fold spielen. An einem Tisch wie diesen, mit vielen loose-passive Spielern, kann man aber durchaus nach einem Limper bereits mit Händen die eine gute Playability haben, aber nicht stark genug zum isolieren sind, mitlimpen. Dazu zähle ich suited Connectors und kleine Pockets. In den meisten Fällen werden wir hier einen Multiway Pot bekommen und müssen keinen Raise nach uns befürchten (Hier ist nur der SB Preflop aggressiv). Wir haben dann eine schöne Multiway Hand, bei der wir einen guten Pay-off erwarten können, wenn wir treffen.

MP2 unknown
CO (40, 3, 1.0, 40)
BU (54, 5, 0.7, 43)
SB (38, 21, 2.0, 42)
BB unknown

Preflop: Hero is MP3 with 9, 8
MP2 calls, Hero calls, CO folds, BU calls, SB calls, BB checks.

Flop: (5.00 SB) A, 7, 5 (5 players)
SB bets, 4 folds.

Final Pot: 3.00 BB

Fazit

In diesen Händen haben wir gesehen, wann es Sinn macht, vom Preflop standard play abzuweichen und entsprechend der Gegner zu adapten. Wir können die Playability einer Hand ausnutzen, wie in Hand 1, 5 oder 6 und spielen passiver oder looser als gewöhnlich. Oder wir nutzen Deception wie in Hand 2 aus, um mehr Value zu erhalten. Mit Reads auf tighte Gegner ist es von Vorteil, in bestimmten Situationen seine Raising standards herabzusetzen, da die Fold Equity erhöht ist.