Spiel nach Reads
Einleitung |
von arschholio |
Dieses Mal wollen wir uns mit dem wichtigen Thema Reads beschäftigen. Gerade beim Multitabling sind Reads, richtig angewandt in den passenden Spots, ein wichtiges Werkzeug eines Pokerspielers. Beispiele, wie man diese Statistiken anwenden kann, besprechen wir heute in zwei Beispielhänden.
Hand 1
Preflop: Hero is SB with K
Hero raises, BB calls.
Flop: A


Hero bets, BB calls.
Hier haben wir eine klassiche Blind Defense Situation, wir raisen K4s aus dem SB und der BB callt. Wir treffen midpair und der BB callt.
Turn: (3.25 BB) 6
Hero ?
Wie sollte man diese Hand weiterspielen?
Das hängt stark von den Reads ab.
a) Villain: 40, 10, 0.5, 45 ist eine passive Calling Station.
Diese und viele andere Gegner callen im BB gegen SB raise fast 100% und fast 100% am Flop. Wir sind also am Turn noch großer Favorit gegen seine Range.
Wir können aber sicher sein, dass gegen diesen Gegner Bluffinduce wenig Value hat, er wird nur mit besseren Händen betten wenn wir checken.
Außerdem wird er jedes Pair downcallen und jeden marginalen Draw am Turn noch callen.
Daher ist das richtige Spiel Bet Turn und Bet River, dabei spielen die Karten die fallen keine Rolle:
Turn: (3.25 BB) 6
Hero bets, BB calls.
River: (9.25 BB) A
Hero bets, BB calls.
Results: BB shows 33.
Viele würden hier intuitiv den River c/c spielen. Dies ist aber gerade gegen solche Gegner falsch, weil wir ihnen so die Chance geben würden schlechtere Hände behind zu checken und bessere Hände zu valuebetten.
Werden wir an Turn oder River geraist, sollten wir gegen diesen passiven Gegner folden.
b) Villain 25, 20, 3, 38 ist ein aggressiver TAG
Hier ändert sich die Situation. Der Gegner weiß, dass wir viel aus dem SB raisen und dementsprechend oft das Board verfehlt haben. Außerdem geht er davon aus, das wir oft noch mit trash den Turn barreln.
Er weiß außerdem, dass ein check hier am Turn von uns häufig ein c/c mit einer schwachen madehand oder ein c/r ist, er wird daher mit einem Draw oder sogar einem Pair oft behind checken. Daher hat gegen diese Sorte von Gegnern eine Bet einen größeren Bluffinduce Effekt als ein Check.
Man sollte also erneut den Turn betten, in der Hoffnung entweder von einem kleinen Pair wa/wb downgecallt zu werden (das einen Value-checkBehind am Turn machen könnte, um einen c/r zu verhindern) oder aber einen Pure- oder Semibluffraise zu inducen.
Darauf sollten wir dann natürlich downcallen. Es sind nämlich überhaupt wenige Hände in Villains Range die uns nach dem raise schlagen. Bessere Kings und Aces wären Preflop ge3bettet worden und würden hier auch oft WAWB Bluffinduce spielen. Wir haben also gute Chancen vorne zu liegen.
Turn: (3.25 BB) 6
Hero bets, BB raises, Hero calls.
River: (9.25 BB) A
Hero checks, BB bets, Hero calls.
Results: BB shows 9
Das A am River ist eine gute Karte, weil es ihm nicht geholfen haben kann, daher easy c/c.
c) Villain: 50, 5, 1, 38 ist ein Fisch.
Auf den Gegner haben wir einen Read, der sich aus PT Stats schwer erschließen lässt: er ist einer jener schlechten Spieler, die oft betten, wenn man checkt aber selten raisen. Ein unreasonable Gegner, der gerne blufft.
Er callt sicher fast jeden Flop.
Hier wissen wir am Turn gar nicht, wo wir stehen, wenn wir geraist werden. Der Gegner kann locker ein A in seiner Range halten (sehr niedriger PFR) und wir müssten einen unangenehmen calldown am Turn machen, wenn wir geraist werden. Gegen einen solchen und schlechten Gegner hat ein check immer mehr Bluffinduce Value als eine Bet.
Eine Freecard riskieren wir quasi nicht, weil er legliche Draws und Madehands sowieso betten wird und häufig inducen wir eine Doppelbet von trash oder einem draw, dass am Turn oder River gefoldet hätte. Stark protecten müssten wir eh nicht, weil keine Overcards möglich sind und ein flushdraw im HU gar nicht so wahrscheinlich ist.
Turn: (3.25 BB) 6
Hero checks, BB bets, Hero calls.
River: (9.25 BB) A
Hero checks, BB bets, Hero calls.
Results: BB shows 9
Hand 2
Preflop: Hero is SB with 6
MP calls, Hero raises, MP calls.
Flop: 5


Hero bets, MP calls.
Turn: (3.25 BB) Q
Hero bets, MP calls.
River: (3.25 BB) 9
Hero ?
Hier raisen wir 66 und werden wieder Preflop und am Flop gecallt.
Den Turn sollten wir gegen fast jeden Gegner betten um Value von den vielen möglichen Draws und der 4 und der 5 zu bekommen.
Am River haben wir eine schwere Entscheidung, die wieder absolut Readabhängig ausfallen sollte.
a) Villain: 40, 10, 0.5, 45 ist eine passive Calling Station. (selber Gegner wie bei 1a. )
Dieser Gegner ist nicht in der Lage, eine 4 oder 5 am River zu folden, wird aber nur bessere Hände valuebetten und nicht bluffen, es gilt das selbe wie in 1. Valuebet/Fold ist die richtige Spielweise gegen diesen Gegnertyp.
River: (3.25 BB) 9
Hero bets, MP raises, Hero folds.
b) Villain 20, 12, 1, 32 ist weak-tight
Hier hat eine Bet am River wenig Sinn. eine 4 oder 5 hätte dieser Gegner bei 2 Karten in der playing Zone wahrscheinlich am Turn gefoldet oder tut das auf unsere Riverbet.
Da wir sicher sein können, dass der Gegner weder ein schlechteres Pair valuebettet, noch einen busted draw blufft, können wir hier checken, auf den FreeSD hoffen, auf eine Bet seinerseits aber folden.
River: (3.25 BB) 9
Hero checks, MP bets, Hero folds.
c) villain: 50, 5, 1, 38 ist ein Fisch. (selber Gegner wie aus 1c. )
Wieder gilt: Auf den Gegner haben wir einen Read, der sich aus PT Stats schwer erschließen lässt, er ist einer jener schlechten Spieler, die oft betten wenn man checkt aber selten raisen. Ein unreasonable Gegner, der gerne blufft.
Gegen diesen Gegner sollten wir c/c River spielen. Er könnte erstens glauben, eine Valuebet mit der 4 oder 5 zu haben, zweitens wird er fast immer seinen busted straight oder flushdraw bluffen, drittens wollen wir einen raise verhindern, weil es ein bluff sein kann.
River: (3.25 BB) 9
Hero checks, MP bets, Hero calls.
Wieso nicht c/c turn wie in 1c)?
Hier ist 1. ein Bluffcall aufgrund des Board und der Tatsache, dass es nicht SB vs. BB ist, unwahrscheinlicher und wir müssen 2. mehr protecten, weil fast sicher viele 6 und mehr outer gegen uns unterwegs sind.
Fazit
In diesen zwei Händen konnten wir sehen, was uns Reads in bestimmten Situationen für einen Vorteil verschaffen. Ich hoffe, ihr könnt nun etwas besser einschätzen, wie Reads angewandt werden können. Ein einfacher b/f wird so mal zu einem b/c oder c/c.