Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Raise Flop in 2 Variationen & River Bluff check/raise

Einleitung

von arschholio

Diese Woche behandeln wir den Move Raise Flop. In Hand 1 geht es um einen Spot gegen einen LAG. In Hand 2 stehen wir in ähnlicher Situation einem TAG gegenüber. Hand 3 behandelt einen River Spot, bei dem analyisiert werden soll, ob sich hier ein Bluff lohnt.

Hand 1

SB (33,22,2.9, 40)

5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with J, 9
3 folds, Hero raises, SB 3-bets, BB folds, Hero calls.

Flop: (7.00 SB) 9, 7, 9 (2 players)
SB bets, Hero raises

Der Gegner ist ziemlich laggy, nicht sehr gut und hat keine guten Reads auf uns.

Unserem Flopraise wird er hier daher garkeine Stärke einräumen, sondern uns auf einen Bluff, Freecard Raise oder Semibluff readen, eventuell eine schwache madehand (pocket oder die 7).
Er wird fast immer glauben, uns entweder von dieser Hand auf irgendeiner Street runterraisen zu können oder zumindest 6 outs zu haben.
Auf die 9 kann er uns gar nicht readen, weil die meisten Gegner die eben erst am Turn oder River raisen würden.

Gerade gegen aggressivere oder welche, die relativ SD Bound sind, hat ein Flopraise daher fast nur Vorteile.

Manchmal wird er auf die Turnbet so folden und wir gewinnen 1SB weniger als wenn wir ihn noch den Turn hätten barreln lassen.

Viel häufiger, werden wir aber:

  • von A-(oder K-) High einen Calldown inducen, das sonst meist c/c Turn + River (-1SB für uns im Vergleich) oder bet/fold (-2SB für uns) Turn gespielt hätte
  • von Draws und Trash Semibluffs bzw. vermeintliche Re-pure-bluffs inducen
  • von starken Händen das Maximum rausholen, weil wir entweder seine 3-Bet nur callen, um den Turn erneut zu raisen oder seinen C/R am Turn 3 betten können

Flop: (7.00 SB) 9, 7, 9 (2 players)
SB bets, Hero raises, SB calls.

Turn: (5.50 BB) 5 (2 players)
SB checks, Hero bets, SB raises, Hero 3-bets, SB calls.

River: (11.50 BB) K (2 players)
SB checks, Hero bets, SB folds.

Final Pot: 13.50 BB

mit einem Flushdraw oder als Bluff wäre es für Hero hingegen folglich unsinnig den Flop zu raisen, da wir viel zu wenig Stärke zeigen und keine Fold Equity generieren.

Hand 2

Die folgenden zwei Hände sind wieder sehr readspezifisch und gegen unknown, schlechte und Durchschnittsgegner so nicht profitabel spielbar.

Die Gegner werden hier jeweils auf ps.de Tags oder sonstige Winning-TAGs höherer Limits gesetzt, die folgende Vorraussetzungen erfüllen:

  • Sie sind nicht sehr SD Bound
  • Sie sind zu toughen Folds fähig
  • Sie wissen, dass wir auch ein TAG sind
  • Sie haben gute Handreading Skills
  • Sie sind zu dünnen Valuebets fähig

Stats könnten so aussehen: 25, 20, 2.7, 34

5/10 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BU with Q, J
3 folds, Hero raises, SB 3-bets, BB folds, Hero calls.

Flop: (7.00 SB) 9, 8, 4 (2 players)
SB bets, Hero raises, SB calls.

Turn: (5.50 BB) 3 (2 players)
SB checks, Hero bets, SB calls.

River: (7.50 BB) 7 (2 players)
SB checks, Hero bets, SB folds.

Final Pot: 8.50 BB

Die Standardline für einen TAG (nicht für PS.de Leute), sowohl mit guten Madehands, als auch als Bluff/Semibluff Line In Position, ist in der Regel den Flop nur zu callen um den Turn zu raisen.

Dieser Move ist teurer als Raise Flop, Bet Turn, bringt daher i.d.R. mehr Value für Madehands und generiert mehr Fold Equity mit Draws.

Ein Flopraise wird von den meisten als Schwäche gewertet und verleitet zu calldowns mit schwachen Händen wie A High. (siehe Hand 1)

Folglich ist es gegen viele Gegner in einigen Spots gut, mit Madehands schon den Flop zu raisen um eben diese Calldowns (oder Rebluffs) zu inducen, wenn wir den Gegner oft auf A High sehen müssen.

Hier haben wir einen TAG als Gegner und ein halbwegs koordiniertes Board ohne Highcard.

Der Gegner weiß, dass wir mitdenken, folglich werden wir nur schon den Flop raisen, wenn wir eben von A-High downgecallt werden wollen.

Das macht dies zu der perfekten Bluffline. Sie bietet gegen diese speziellen Gegner sogar mehr Fold Equity bei geringeren Kosten.

Bei diesem Board werden wir mit einem Turnraise meist auf einen FreeSD Raise oder einen Semibluff (mit TJ,76s Flushdraw) gereadet.

Ein Raise am Flop hingegen sieht stark nach einem etwas schwächeren Pair aus (kleines pocket, 8, 4, oder manche TAGs raisen auch ihre 9 hier schon am Flop, weil sie viele Turns 'nicht mehr raisen können'), mit dem wir eben absichtlich Schwäche zeigen, um von A-high downgecallt zu werden.

Villain wird sich hier also auf 6 (bzw. 4) outs sehen mit Overcards (die er meist hat), aber mit A-High nicht zum SD gehen. Folglich generieren wir mit der folgenden Turnbet viel Fold Equity und da viele mit ihrem A high da noch einmal callen, auch ausreichend mit einer erneuten Riverbet.

Die Line ist natürlich gut gebalanced, weil wir sowohl mittlere Madehands, als auch Monster (raise/call, raise) hier am Flop raisen würden.

Welche Hand wir hier selbst halten, ist eher sekundär, solange sie kein SD Value hat. Es geht hier vor allem um das Prinzip und illustriert außerdem eine Weisheit, die im Poker elementar ist: Man gewinnt dann, wenn man seinen Gegnern immer genau einen Schritt voraus ist. 🙂

Hand 3

BU: TAG

5/10 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)

Preflop: Hero is BB with 5, 6
3 folds, BU raises, SB folds, Hero calls.

Flop: (4.33 SB) 7, 8, J (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.

Turn: (4.17 BB) 3 (2 players)
Hero bets, BU raises, Hero calls.

River: (8.17 BB) K (2 players)
Hero checks, BU bets, Hero raises, BU folds.

Final Pot: 11.17 BB

Hier defenden wir den BB mit 56s und floppen einen OESD, der standardmäßig gecheck/raist wird.

Unser TAG-Gegner raist den Turn. Er hat hier eine recht große Range:

  • als Valueplay: Overpairs und Monster, aber vor allem alle Hände, die einen Jack enthalten (J7s+, J9o+)
  • als Semibluff: 9T und selten Gutshots und jede Hand mit zwei oder zwei
  • als FreeSD raise: Ax Hände

Der River bringt eine Overcard und lässt den Flushdraw vom Flop ankommen.
Der Gegner bettet erneut.


Was ist jetzt seine Range?

  • A-high Hände sind unwahrscheinlicher geworden, da diese meist behind gecheckt hätten wegen ihres SD Values. Manchmal betten sie aber auch in der Hoffnung die 7 oder 8 rauszukriegen. Diese Hände bringen wir mit einem c/r sicher zum folden.
  • Overpairs sind denkbar, aber da es nur 3 Hände (QQ-AA) sind, machen die einen geringen Teil seiner Range aus. AA wird i.d.R nicht folden, je nachdem wie tough der Gegner ist, ist es aber denkbar, für QQ besteht recht gute Chancen.
  • Jx Hände können hier oft noch eine Dünne Valuebet machen gegen andere Jacks, die 7 oder 8. Wir haben einige Fold Equity gegen diese Art von Händen.
  • Draws wie alle Hände mit zwei barreln hier ganz sicher noch den River und folden auf den check/raise.

Da

1. der Flush oder Twopair mit dem K für unsere Spielweise absolut logisch sind

und

2. wir diese Line fast nie als Bluff spielen (was der Gegner weiß)

und

3. der Gegner sowohl einen busted Draw (mit mehr SD Value) halten kann, als auch eine dünne Valuebet machen kann, ein guter Handreader ist und zu einem toughen Fold fähig ist,

ist dieser Bluff wohl in mehr als den benötigten 18% der Fällen erfolgreich und damit +EV.

Fazit

In den ersten beiden Händen haben wir zwei Auslegungen der Line raise Flop gesehen. Einmal gegen einen LAG, um loose Calldowns mit marginalen Holdings zu erzwingen, andererseits gg. einen thinking TAG, der weiß, wir machen dies, um genau das obige zu implizieren und wird somit unimproved Ace High spätestens am River folden, was wir ausnutzen können und bluffen.
Die dritte Hand hat einen Spot aufgezeigt, mit dem wir unsere value check/raises am River balancen können.