Woche 28 (BSS): Pockets Jacks
Einleitung
Heute möchte ich auf ein Thema eingehen, das immer wieder im Forum kontrovers diskutiert wird: das Spielen von Jacks aus früher Position. Generell gilt beim Pokern, dass es oft mehrere profitable Spielweisen gibt, man also oft nicht von richtigem oder falschem Spiel reden kann. Beispielsweise spiele ich einen tight-aggressive Stil und mache damit Gewinne. Ebenso gibt es aber auch gute loose-aggressive Spieler - man kann nicht sagen welcher Spielstil "richtig" ist. Entsprechend sollen die folgenden Überlegungen dazu dienen, Euch die Idee hinter den alternativen Spielweisen klar zu machen. Welche Variante ihr dann in Eurem Spiel verfolgt müsst ihr selbst entscheiden.
Jacks - Stärke und Schwäche
JJ ist vor dem Flop eine relativ starke Hand. Höhere Pocket-Pairs (AA-QQ) sind natürlich überlegen, AK, AQ und KQ sind ungefähr gleich stark. Gegen alle anderen Hände haben wir einen ordentlichen Vorteil. Entsprechend ist JJ eine Hand die man spielen muss - ein Weglegen der Hand kommt hier nicht in Frage. Doch wie sollte man die Hand spielen? Es gibt immer wieder Spieler, die massive Overbets mit solchen Händen machen, d.h. sie setzen weit mehr als die Potgröße, um Hände wie AK preflop zu vertreiben. Damit gewinnt man auch oft die Blinds. Das Problem ist, dass eigentlich nur Hände mitgehen/erhöhen werden, die einen schlagen. Wir gewinnen also mit dieser Strategie kleine Pötte, verlieren aber große - keine Situation die wir anstreben. Entsprechend untersuchen wir hier die zwei Standardalternativen: Erhöhen oder Mitgehen.
JJ erhöhen
Wenn wir einen Blick in den SHC werfen, so stellen wir fest dass bei Jacks in früher Position "Raise/Call 20" steht. Aus früher Position empfiehlt der Chart also eine Erhöhung. Dies hat folgende Vorteile:
- Du hast die Initiative. Am Flop kannst Du eine Folgebet machen, welche die gezeigte Aggression aus der Wettrunde vor dem Flop in der aktuellen fortsetzt - eine sogenannte Continuation-Bet - die oft zum Erfolg führt.
- Du setzt, um Geld in den Pot zu bringen, da deine Hand eine hohe Gewinnwahrscheinlichkeit hat.
- Du zeigst besondere Stärke, da Du aus früher Position raist.
- Falls Du einen Drilling triffst, ist der Pot schon größer, so dass man den Gegner einfacher All-In setzen kann.
- Deception: Das Verschleiern der eigenen Hand. Wenn wir aus früher Position nur mit Pocket-Pairs mitgehen, können Gegner diesen Read ausnutzen.
Wie man sieht, spricht einiges für eine Erhöhung. Um besser zu verstehen, welche Situationen aufkommen können, untersuchen wir unterschiedliche Szenarien:
- Alle Gegner legen weg. Oft gewinnt man durch die Erhöhung die Blinds direkt. Kein schlechtes Ergebnis, aber auch kein großer Gewinn.
- Einer geht mit. Hier machen wir standardmäßig eine Continuation-Bet. Nehmen wir den Pot direkt mit ist das ein gutes Ergebnis. Das Problem ist, dass wir in eine marginale Situation kommen wenn mitgegangen wird. Wir müssen stets vor unserem Gegner agieren, sind also out-of-position (OOP), und wissen oft nicht wo wir stehen.
- Mehrere gehen mit. Hier muss man oft auf die Continuation-Bet verzichten und die Hand aufgeben. Selbst bei ordentlichen Gemeinschaftskarten kommen wir analog zum Szenario davor in eine marginale Situation.
- Wir bekommen eine erneute Erhöhung. Hier liegen wir mit JJ meist hinten. Ein Mitgehen aufgrund der Chance einen Drilling zu treffen ist oft nicht mehr möglich. Gehen wir trotzdem mit haben wir am Flop wieder eine unschöne Situation.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man durch die Erhöhung oft die Blinds gewinnen kann. Selbst bei einem Caller haben wir noch eine gute Chance den Pot mit der Continuation-Bet für uns zu entscheiden. Wir gewinnen also meist kleine Pötte. Das Problem ist, wenn wir am Flop gecallt werden. Wir wissen nicht genau wo wir liegen, der Pot ist schon einigermaßen groß und wir müssen OOP weiterspielen. Das führt letztlich zu schwierigen Entscheidungen. Ganz wichtig dabei: ich sage nicht, dass dies unprofitabel ist. Mit guten Reads kann man auch hier noch sehr profitabel weiterspielen. Persönlich bevorzuge ich aber Spielweisen, die es mir ermöglichen einfache Entscheidungen zu treffen. Zum einen vermeidet man so kostspielige Fehler, zum anderen ist dies einfacher wenn man an mehreren Tischen gleichzeitig spielt.
JJ mitgehen
Ich habe mich daher entschieden mit JJ meistens nur mitzugehen (ich schreibe meistens, da ich auf meinem Limit das Spiel öfter variiere, um Gegner, gegen die ich oft spiele, zu verwirren - auf den Micro-Limits ist das nicht nötig). Die Vorteile des Erhöhens sind hier Nachteile, die allerdings nicht so tragisch sind wie es auf den ersten Blick scheint.
Durch das Mitgehen aus früher Position kann ein aufmerksamer Gegner uns relativ einfach auf ein Pocket-Pair readen. Eigentlich wollen wir unserem Gegner es gerade nicht ermöglichen uns auf einen engen Bereich möglicher Hände - unsere sogenannte Handrange - zu setzen. Man kann dies aber entschärfen, indem man sein Spiel hier und da variiert. Hin und wieder erhöht man mit Pocket-Pairs, hin und wieder geht man andere Hände nur mit, hin und wieder macht man Action am Flop (Drilling...) ohne dass man einen Drilling getroffen hat. Dies ist auf den Micros aber gar nicht notwendig! Selbst auf NL100 werdet ihr so oft ausbezahlt da die Gegner einfach nicht über eine Hand nachdenken. Auf NL5/NL10 schauen 95% der Gegner sowieso nur auf ihre eigenen Karten und überlegen nicht, was ihr Gegner halten könnte. Entsprechend kann man den Punkt Deception vernachlässigen.
Ein Kritikpunkt ist, dass man mit dem Mitgehen von JJ die Möglichkeit aufgibt, mehr Geld in den Pot zu bekommen. Hier stimme ich voll und ganz zu. Durch das Mitgehen gebe ich einen Teil meiner Preflop Equity auf. Ich werde nie die Blinds direkt mitnehmen; oft komme ich sogar in multi-way Pot Situationen. Die Idee hier ist, dass man einen Teil seines Vorteils vor dem Flop gegen die Chance auf hohe Implied Odds "eintauscht". Wenn ich 20 Mal mit meinen Jacks limp/fold spiele gebe ich (angenommen wir würden die Hand mit einer Erhöhung immer direkt gewinnen) 20*1,5 = 30 BB auf. Wenn ich aber nur einmal einen Drilling treffe und etwas Action bekomme mache ich oft weit mehr Gewinn. Das Konzept wird in ähnlicher Form auch von loose-aggressive Spielern angewandt, die schwächere Starthände spielen (und damit vor dem Flop "Fehler" machen), diese aber dadurch (über-)kompensieren dass sie Postflop schwer lesbar sind und oft große Pötte gewinnen. Wir machen durch das Limpen also auch einen "Fehler" indem wir Equity aufgeben, aber wir erhoffen uns größere Pötte wenn wir unseren Drilling treffen.
Ein letzter Punkt der für mich für das Mitgehen spricht, ist, dass wir im Vergleich zum Erhöhen einfache Entscheidungen bekommen. Wenn alle bis auf den BB folden gewinnen wir meistens durch eine Bet/einen Raise den Pot direkt am Flop. Selbst mit Callern können wir, falls nur Undercards am Flop erscheinen, eine Bet machen und nehmen den Pot meist mit. Wenn wir gecallt werden können wir immer noch leicht weglegen, da der Pot relativ klein ist. In einem multiway Pot mit Overcards können wir ganz einfach "hit or fold" spielen. Treffen wir unseren Drilling geben wir Action, treffen wir nichts lassen wir die Hand los. Selbst bei einer Preflop Erhöhung können wir so gut wie immer mitgehen aufgrund der Chance einen Drilling zu treffen und haben auch ein entsprechend einfaches Postflop Spiel.
Der einzige Nachteil ist, dass wir beim Treffen unseres Drillings einen kleinen Pot haben und eigentlich unseren Gegner All-In setzen wollen. Von sehr guten Gegnern werden wir hier nicht den Stack bekommen. Allerdings erlebe ich es immer wieder, wie sich viele Gegner mit Händen wie TPTK oder 2 Pair All-In setzen lassen - selbst in einem Pot, in dem vor dem Flop nicht erhöht wurde (unraised Pot). Die Gegner sehen ihre Hand, die sie als gut empfinden und denken einfach nicht nach warum wir auf einmal soviel Action machen.
Fazit
Ich persönlich habe mich entschieden, die Jacks aus früher Position mitzugehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich davon in Zukunft nicht Abstand nehme, da ich davon ausgehe, dass ab NL200 die Spieler zumindest etwas über die Gegner nachdenken. Bis einschließlich NL100 war diese Spielweise für mich aber definitiv profitabel und vor allem relativ einfach.