Induzieren eines Overcalls am River
Einleitung |
von schiep |
In diesen Beispielhänden möchte ich euch einen Zug näher bringen, bei dem man am River, nachdem ein Gegner schon gesetzt hat, nur mitgeht, anstatt zu raisen.
Dadurch animieren wir Gegner hinter uns dazu, ebenfalls mitzugehen. Wir induzieren einen so genannten Overcall.
Mit welchen Händen kann man diesen Zug machen?
Man spielt dies oft mit Händen, die man in einer 1-gegen-1-Situation geraist hätte, um mehr Geld in den Pot zu bekommen.
Was bringt uns dieser Zug?
- Wenn wir vorne liegen, bekommen wir mindestens das gleiche Geld in den Pot wie bei einer Erhöhung.
- Wenn wir hinten liegen, vertreiben wir die Gegner hinter uns nicht und riskieren keine weitere Erhöhung vom Gegner vor uns.
- Der Spieler, der gesetzt hat, könnte bluffen. Daher würden wir von ihm mit einer weiteren Erhöhung kein Geld mehr bekommen, da er dann seine Karten weglegen würde.
Hand 1
Hervorragend sind für diesen Zug Straßen geeignet, bei der man nur eine der eigenen Karten benutzt.
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP3 with J
UTG calls, UTG+1 folds, UTG+2 calls, 2 folds, Hero calls, 2 folds, SB calls, BB checks.
Flop: (5.00 SB) Q


SB bets, BB calls, UTG calls, UTG+2 calls, Hero calls.
Turn: (5.00 BB) K
SB checks, BB bets, UTG calls, UTG+2 calls, Hero calls, SB calls.
River: (10.00 BB) 9
SB checks, BB checks, UTG checks, UTG+2 bets, Hero calls, SB calls, 2 folds.
Final Pot: 13.00 BB
In dieser Hand treffen wir ein mittleres Paar am Flop. Zum Erhöhen ist unsere Hand zu schwach. Wir haben aber noch gute Möglichkeiten, unsere Hand zu verbessern und der Pot ist 9 SB groß, also gehen wir mit.
Am Turn haben wir einen Open-Ended-Straight-Draw mit der Zehn und sicher noch Outs für Drillinge, also müssen wir noch einmal mitgehen.
Am River treffen wir unsere Straße und der Spieler in UTG+2 setzt. Obwohl AT unwahrscheinlich ist, bei UTG+2's Spielweise, ist es hier besser, nur mitzugehen.
Denn würden wir erhöhen, werden die anderen Gegner oft aussteigen und mit UTG+2 müssen wir uns den Pot teilen. Im Schnitt sollten wir daher mehr Geld in den Pot bekommen, wenn wir nur mitgehen.
Hand 2
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP3 with A
UTG folds, UTG+1 calls, UTG+2 folds, MP1 calls, MP2 folds, Hero raises, 3 folds, BB calls, UTG+1 calls, MP1 calls.
Flop: (8.50 SB) K


BB checks, UTG+1 checks, MP1 checks, Hero bets, BB calls, UTG+1 calls, MP1 calls.
Turn: (6.25 BB) T
BB checks, UTG+1 checks, MP1 checks, Hero bets, BB folds, UTG+1 calls, MP1 calls.
River: (9.25 BB) 3
UTG+1 checks, MP1 bets, Hero calls, UTG+1 calls.
Final Pot: 12.25 BB
Auch in dieser Hand ist es in den meisten Fällen besser, einfach nur zu mitzugehen. Die 3 ist eine Karte, die den anderen Spielern kaum geholfen haben wird und wir liegen noch oft vorne.
In einer 1-gegen-1-Situation ist es möglich, den Zug des Gegners mit einer Erhöhung zu bestrafen. Oft hat er nur schlechtes Paar und will vermeiden, dass wir schieben.
Aber wir sind zu dritt und wollen möglichst vermeiden, dass der erste Spieler in früher Position aussteigt. Und manchmal hat der Spieler in mittlerer Position eben doch Hände wie 43s, K3s oder eine slowgeplayte Hand wie KT/K8 und könnte nochmal erhöhen. Durch das Mitgehen stellt das für uns keine Gefahr dar und wir bekommen oft gleiche Geld in den Pot, wie mit einer Erhöhung.
Wann ist eine Erhöhung vorzuziehen?
Die Gründe, die für eine Erhöhung sprechen, sind vielfältig (meist kombiniert anzutreffen):
1. Unsere Hand ist so stark, dass wir eine eine weitere Erhöhung vom Gegner begrüßen würden, weil wir gerne nochmals erhöhen möchten.
2. Der Pot ist sehr groß bzw. die nachfolgenden Gegner sehr schlecht, so dass sie oft mit schlechteren Händen zwei Erhöhungen mitgehen würden.
3. Es haben sich viele unfertige Hände, die am Flop und Turn möglich gewesen wären, am River nicht verbessert. Dadurch steigt die Chance, dass bestimmte Gegner sowieso aussteigen würden, sei es nun eine oder seien es zwei Erhöhungen.
4. Wir könnten mit eine Erhöhung bessere Hände hinter uns zum Folden bekommen. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Spieler, der gesetzt hat, ein schlechter, aggressiver Spieler ist und, z.B. bei einer gefährlich aussehenden Karte, am River setzt.
Hand 3
Zu dem zuvor genannten 4. Punkt ein kleines Beispiel:
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP1 with 7
3 folds, Hero raises, MP2 folds, MP3 calls, CO folds, BU calls, SB folds, BB calls.
Flop: (8.50 SB) T


BB checks, Hero bets, MP3 calls, BU calls, BB calls.
Turn: (6.25 BB) 2
BB checks, Hero bets, MP3 calls, BU folds, BB calls.
River: (9.25 BB) A
BB bets, Hero raises
Final Pot: 15.25 BB
Wir setzen in der Hand voraus, dass der Spieler im Big Blind ein Maniac ist und der Spieler in mittlerer Position einer, der durchaus in der Lage ist, sich von marginalen Händen wie ein mittleres Paar zu trennen.
Unter diesen Bedingungen ist eine Erhöhung am River gut, denn der Maniac kann am River praktisch auf irgendwelche zwei Karten als Bluff setzen und MP3 sieht sich gezwungen, die T, oder Pocket-Paare (88, 99) wegzulegen. Der Pot am River ist so riesig, dass es sich lohnt, diesen Zug zu versuchen. Sollte der Spieler in mittlerer Position aussteigen und der Maniac nochmals erhöhen, müssen wir allerdings mitgehen, weil wir gegen einen solchen Gegnertypen oft genug vorne liegen.
Fazit
Wie wir soeben gesehen haben, ist es in bestimmten Situationen vorteilhafter, mit einer guten Hand am River mitzugehen, anstatt zu Erhöhen.
Dieser Zug hat den Vorteil, einer unschönen Erhöhung vom Gegner aus dem Weg zu gehen, wobei man trotzdem das gleiche Geld, wie bei einer Erhöhung, in den Pot bekommt.
Quiz
Hand 1
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP2 with A
UTG folds, UTG+1 raises, 2 folds, Hero 3-bets, MP3 folds, CO calls, 2 folds, BB calls, UTG+1 caps, Hero calls, CO calls, BB calls.
Flop: (16.50 SB) T


BB checks, UTG+1 bets, Hero raises, CO calls, BB calls, UTG+1 3-bets, Hero caps, CO calls, BB calls, UTG+1 calls.
Turn: (16.25 BB) 4
BB checks, UTG+1 checks, Hero bets, CO calls, BB folds, UTG+1 calls.
River: (19.25 BB) 2
UTG+1 bets, Hero?
Hand 2
Wie liest man eine Beispielhand?
Preflop: Hero is MP2 with 5
UTG calls, UTG+1 folds, UTG+2 calls, MP1 raises, Hero calls, 4 folds, BB calls, UTG calls, UTG+2 calls.
Flop: (10.50 SB) Q


BB checks, UTG checks, UTG+2 checks, MP1 bets, Hero raises, 2 folds, UTG+2 calls, MP1 3-bets, Hero caps, UTG+2 calls, MP1 calls.
Turn: (11.25 BB) 7
UTG+2 checks, MP1 bets, Hero raises, UTG+2 calls, MP1 calls.
River: (17.25 BB) A
UTG+2 checks, MP1 bets, Hero?
Hand 3
Wie liest man eine Beispielhand?
MP1: LAG/Maniac
Preflop: Hero is MP3 with T
UTG calls, 2 folds, MP1 raises, MP2 folds, Hero 3-bets, 3 folds, BB calls, UTG calls, MP1 calls.
Flop: (12.50 SB) 8


BB checks, UTG checks, MP1 bets, Hero raises, BB folds, UTG calls, MP1 calls.
Turn: (9.25 BB) 7
UTG checks, MP1 checks, Hero bets, UTG calls, MP1 calls.
River: (12.25 BB) A
UTG checks, MP1 bets, Hero?
Auflösung
Hand 1
Erhöhen/Mitgehen am River ist hier die richtige Spielweise. Der Spieler in früher Position sollte keine vernünftige Hand halten, die uns schlägt - dieser Einsatz dient meist dazu, uns vom Schieben abzuhalten. Es bedeutet wohl, dass er kleinere Pocket-Paare wie QQ hält. Außerdem treffen hier die oben genannten Punkte 2 und 3 zu: Der Pot ist groß, sollte CO also sowas, wie AT, halten, wird er oft 2 Erhöhungen callen. Außerdem sind unfertige Hände möglich, die sich nicht verbessert haben. Es hätte für ihn in dem Fall also keine Rolle gespielt, ob er ein oder zwei Erhöhungen zahlen muss - er wäre ausgestiegen.
Hand 2
Ebenfalls klare Erhöhung am River. Hände wie AQ sind wahrscheinlicher bei unserem Gegner als AA. Da der Pot riesig ist, wird UTG2 oft 2 Erhöhungen zahlen - wie er es ja auch am Turn gemacht hat.
Hand 3
Klarer Fall von Mitgehen. Der Einsatz vom Spieler in mittlerer Position ist zwar oft ein Bluff, aber davon auszugehen, dass wir mit einer Erhöhung in genügend Fällen eine bessere Hand hinter uns zum Folden bringen würden, wäre zu optimistisch. Nicht selten hat der Spieler in früher Position eine schlechtere Hand, wofür er gerne eine Erhöhung bezahlen wird.