Aktualisiert am 12 März 26 von

Draws in Multiway Pötten

Einleitung

In der Einsteiger-Sektion wird geraten, mit starken unfertigen Händen (Draws), also OESDs (Open-ended-Straightdraw = Oben-unten-Straßenchance) und Flushchancen, soviel zu erhöhen wie möglich, bzw. einmal zu setzen und danach mitzugehen.

Dies ist natürlich eine Vereinfachung und von Fall zu Fall kann die optimale Spielweise abweichen.

Es folgen 2 typische Situationen:

Hand 1

Wie lese ich eine Beispielhand?

Preflop: Hero is BB with A, 4
2 folds, UTG+2 calls, MP1 calls, MP2 folds, MP3 calls, 2 folds, SB calls, Hero checks.

Flop: (5.00 SB) Q, 8, 6 (5 players)
SB bets, Hero calls, UTG+2 calls, MP1 raises, MP3 folds, SB calls, Hero 3-bets, UTG+2 calls, MP1 calls, SB calls.

Turn: (8.50 BB) 9 (4 players)
SB bets, Hero calls, UTG+2 calls, MP1 raises, SB calls, Hero calls, UTG+2 calls.

River: (16.50 BB) 4 (4 players)
SB checks, Hero checks, UTG+2 checks, MP1 bets, SB calls, 2 folds.

Final Pot: 18.50 BB

Hero hat A4s und schiebt im Big Blind. Der Flop ist gut, er bringt den Nutflushdraw, also die höchst mögliche Flushchance. Außerdem liegt noch kein Paar in den Gemeinschaftskarten, so dass keine Full Houses möglich sind.

Solch starke unfertige Hände materialisieren sich in mehr als 1/3 der Fälle bis zum River. Daraus ergibt sich, das man versuchen sollte, wenn man 2 oder mehr Gegner hat, soviel Geld wie möglich am Flop in den Pot zu kriegen, außerdem aber so viele Gegner wie möglich drin zu halten.

Hier setzt der Small Blind vor uns, er hat also meist ein Paar, dass er selten weglegen wird. Würden wir erhöhen, isolieren wir uns gegen die bessere Hand, wovon wir wenig haben, da wie ja die Leute hinter uns noch drin halten wollen.
Wenn noch viele hinter einem sind, ist es also besser, mit draws erstmal nur mitzugehen. Hinter uns geht noch einer mit und einer erhöht.
Wir sind jetzt also mit 3 Gegnern in der Hand, die alle wahrscheinlich nicht mehr aussteigen werden, nachdem sie schon mindestens eine Bet gezahlt haben. Daher sollte man jetzt erhöhen, um den Pot so groß wie möglich zu bekommen.

Am Turn treffen wir nicht und der SB setzt erneut in. Eine Erhöhung macht hier natürlich wieder keinen Sinn, es gilt das selbe wie am Flop.
Da wir jetzt schon am Turn sind und der Draw nur noch in weniger als 1/5 der Fälle ankommt, können wir nicht mehr profitabel erhöhen und gehen auch die Erhöhung nur mit.

Am River kommt die 4, wir haben ein Paar und der Pott ist schon sehr groß. Wir können aber sicher sein, hier nie gegen beide die beste Hand zu haben und sollten daher schieben und wegwerfen.

Hand 2

Wie lese ich eine Beispielhand?

Preflop: Hero is CO with A, 4
2 folds, UTG+2 calls, MP1 calls, 2 folds, Hero calls, BU calls, SB folds, BB checks.

Flop: (5,50 SB) Q, 8, 6 (5 players)
BB bets, UTG+2 calls, MP1 calls, Hero raises, BU folds, BB 3-bets, UTG+2 calls, MP1 calls, Hero caps, BB calls, UTG+2 calls, MP1 calls.

Turn: (10,75 BB) 9 (4 players)
BB checks, UTG+2 checks, MP1 checks, Hero checks.

River: (10,75 BB) 4 (4 players)
BB bets, UTG+2 calls, 2 folds.

Final Pot: 12,75 BB

Hier ist die Situation ähnlich, die richtige Spielweise aber anders.

Es sind neben dem Better (derjenige der gesetzt hat) bereits 2 Gegner mitgegangen. Jeder Einsatz, der jetzt in den Pot geht, ist unmittelbar profitabel für uns. Hier ist auch noch ein Gegner hinter uns, trotzdem sollte man erhöhen.
Da es hier nur noch ein Gegner ist, den wir mit der Erhöhung vertreiben könnten (was wir ja eigentlich nicht wollen), sollte man trotzdem erhöhen, da wir bereits schon 3 Kunden haben, die nicht mehr aussteigen werden (nur wenige Spieler steigen noch am Flop aus, nachdem sie schon eine Bet eingezahlt haben).

Nachdem der Big Blind nochmal erhöht hat und 2 Leute mitgegangen sind, können wir wiederum "for Value" cappen. Das heißt, wir können erhöhen, da wir einen Vorteil haben. Unsere Chance kommt in mehr als 1/3 der Fälle bis zum River an. Da noch 2 Spieler involviert sind, die nicht aussteigen, haben wir also einen Vorteil. Langfristig machen wir damit Gewinn.

Ein weiterer Vorteil dieser Spielweise zeigt sich am Turn: Da wir hier In Position sind, also als letzter dran sind, haben wir die Chance, eine Freecard zu nehmen, also als letzter zu schieben und können so den River umsonst sehen, was in unserem Interesse ist, weil es am Turn nicht mehr "for Value ist" gegen 3 Gegner zu setzen.

Mit Draws gegen mehrere Gegner sollte man am Turn grundsätzlich versuchen, möglichst billig wegzukommen, also zu schieben bzw mitzugehen.

Auch hier haben wir am River zu selten die beste Hand, nachdem 2 Gegner vor uns schon gefallen an ihrer Hand signalisiert haben.

Fazit

Haben wir also eine starke unfertige Hand, also einen Draw, können wir immer dann gegen viele Gegner erhöhen, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Vorteil: Sind schon genug Gegner (am Flop mit einer Flushchance mind. 2) in die Hand involviert und steigen höchstwahrscheinlich nicht aus, sollten wir erhöhen, da wir einen Vorteil haben und so 'for Value' erhöhen können um Geld in den Pot zu bekommen.
  • Freecard: Haben wir Position und es ist wahrscheinlich, dass nach unserer Erhöhung die Gegner am Turn zu uns schieben, sollten wir erhöhen, um eine Freecard zu bekommen, also kostenlos den River zu sehen.