Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Slowplay II

Einleitung

von arschholio

Jeder Poker-Anfänger kommt nach einer Zeit darauf, dass es besser sein kann, seine starken Hände absichtlich langsam zu spielen, um die Gegner in der Hand zu halten und erst am Turn oder River zu setzen und zu erhöhen.

In der Anfängersektion wird einem davon konsequent abgeraten, was auch seine Berechtigung hat. Es gibt zwei Gründe, nicht slowzuplayen, wovon einer oder eine Kombination von beiden in den meisten Fällen greift. Hand 1 und 2 behandeln zwei solche Situationen. Hand 3 zeigt einen der wenigen Spots, wo es wirklich besser ist, zu slowplayen.

Hand 1

Wie liest man eine Beispielhand?

Grund 1 nicht zu slowplayen: man läßt Geld liegen, wenn man mit seiner Erhöhung bis zum Turn oder River wartet.

Preflop: Hero is BU with 7, 7
1 folds, UTG+1 calls, 1 folds, MP2 calls, MP3 calls, CO calls, Hero calls, SB calls, BB checks.

Flop: 2, K, 7 (5 players)
SB bets, BB calls, UTG+1 calls, 1 folds, MP3 calls, CO calls, Hero raises, SB calls, BB calls, UTG+1 calls, MP3 calls, CO calls.

Turn: 4 (5 players)
SB bets, BB calls, UTG+1 calls, 2 folds, Hero raises, SB calls, BB calls, UTG+1 calls.

River: Q (4 players)
SB checks, BB bets, UTG+1 calls, Hero raises, SB calls, BB calls, UTG+1 calls.

Hier steigt Hero mit 77 nach SHC als Kartengeber in die Hand ein. Wie fast immer mit kleinen Pocket Paaren spielt man in Pötten mit vielen Gegnern fit or fold: wenn man sein Drilling nicht trifft, steigt man aus.

Hier trifft Hero allerdings sein Drilling bei Gemeinschaftskarten, wie sie besser nicht sein könnten: absolut trocken, d.h. es sind weder Straßen- noch Flush-Chancen möglich. Wir haben die zweibestmögliche Hand, können aber aufgrund dem Geschehen vor dem Flop nahezu 100% sicher sein, die beste Hand zu halten, die auch nur noch selten überholt wird.

Die Bedingungen für ein Slowplay sind damit theoretisch gegeben, wir haben eine fast unschlagbare Hand, die nicht besonders geschützt werden muss durch Erhöhungen. Es geht nur darum, möglichst viel Geld reinzukriegen.

Trotzdem sollte man hier schon am Flop erhöhen, und nicht bis zum Turn oder sogar bis zum River warten. Der Grund ist einfach: Dieser Zug wird im Durchschnitt das meiste Geld in den Pot bringen.
Hero hat hier die optimale Position, er ist Kartengeber und trifft seine Entscheidung als letzter und das gesamte Feld ist schon mitgegangen. In der Regel wird niemand, der schon einen Einsatz am Flop gezahlt hat, für eine weitere, in dem dann schon recht großen Pott, aussteigen. Somit binden wir die Gegner an dem Pot, blähen ihn auf und ketten sie an den Pot, da sie so aufgrund der Potgröße auf späteren Straßen noch weitere Bets mit Händen zahlen, die schon (fast) tot gegen uns sind, also jede 1-Paar Hand.

Außerdem wird gerade auf den niedrigen Limits sehr häufig sowieso irgendjemand nochmal den Turn donken (also setzen, obwohl er nicht die Initative hat), worauf wir erneut erhöhen können. So kriegen wir das maximale Geld am Turn und Flop rein.

Der dritte Grund für die Erhöhung am Flop ist, dass wir damit viel weniger Stärke zeigen. Gehen wir den Flop nur mit und erhöhen bei diesen trockenen Gemeinschaftskarten gegen das gesamte Feld am Turn, zeigt das unheimlich viel Stärke und aufmerksame Gegner könnten dann von Händen loskommen, die sie auf eine Flloperhöhung passiv bis zum Showdown weitergespielt hätten.

Hand 2

Wie liest man eine Beispielhand?

Grund 2 nicht zu slowplayen: Unsere Hand muss beschützt werden vor Händen, die uns noch überholen können.

Preflop: Hero is BB with 7, 8
3 folds, MP3 calls, CO calls, BU calls, SB calls, Hero checks.

Flop: 3 T, 6 (5 players)
SB checks, Hero bets, MP3 calls, CO calls, BU calls, SB calls.

Turn: T (5 players)
SB bets, Hero raises, MP3 calls, CO calls, 1 folds, Sb calls.

River: 5 (4 players)
SB checks, Hero bets, MP3 calls, CO raises, SB calls, MP3 folds, Hero calls.

Hier hat Hero 78s im Big Blind und kann kostenlos den Flop sehen.
Der Flop bringt einen Monsterdraw (Flush-Draw + Gutshot) und Hero setzt daher. Gegen 2 oder mehr Gegner ist jeder Einsatz, der am Flop in den Pot geht, unmittelbar profitabel für uns, daher sollte man mit starken Draws am Flop selbst setzen und erhöhen.

Interessant ist der Turn. SB setzt auf einmal und wir haben die Möglichkeit, mit unserer starken Hand, die wahrscheinlich vorne liegt, nur mitzugehen, um die hinter uns drin zu halten, oder den Turn erhöhen.

In diesem Fall kommt ein Slowplay nicht in Frage, weil es noch viele Karten im Deck gibt, die unsere Hand gefährden können. Die Gegner hinter uns können gut einen höheren Flushdraw halten, außerdem können für jedes Paar 4 Karten kommen, dass ihnen zum Full House verhilft.
Daher sollte man hier seine Hand mit eine Erhöhung schützen und sich sein Geld abholen, solange es noch wahrscheinlich ist, die beste Hand zu halten.

Am River kommt eine Karte, die meist niemandem geholfen hat und wir setzen natürlich. Nachdem der Spieler in mittlerer Position mitgegangen ist, erhöht allerdings der Spieler in später Position völlig unerwartet, der den Turn nur mitgegangen ist.
Man kann ihn hier schwerlich auf eine Hand setzen, jedoch zeugt dieser Zug von sehr großer Stärke (wie gesagt, viele Micro-Spieler slowplayen bis zum River), so dass wir gepaarten Gemeinschaftskarten nicht mehr erhöhen können, da uns FullHouses und höhere Flushs schlagen.

Hand 3

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is BB with A, 2
3 folds, MP3 calls, CO calls, BU calls, SB calls, Hero checks.

Flop: 3 T, 6 (5 players)
SB checks, Hero bets, MP3 calls, CO calls, BU calls, SB calls.

Turn: 9 (5 players)
SB bets, Hero calls, MP3 calls, CO calls, 1 folds.

River: 5 (4 players)
SB bets, Hero raises, MP3 calls, 1 folds, SB calls.

Hier sehen wir kostenlos den Flop mit A2s und floppen wieder einen starken Draw und setzen daher am Flop. Wir machen wieder den Flush am Turn und der Small Blind setzt wieder.

Hier ist die Situation eine andere als in Hand 2. Wir haben die bestmögliche Hand, und wenn nicht gerade ein Drilling unterwegs ist, haben die Gegner nur noch wenig bis keine Möglichkeiten mehr, uns einzuholen. Schützen müssen wir unsere Hand also nahezu nicht. Erhöhen wir hier am Turn, konfrontieren wir das ganze Feld mit 2 Einsätzen, was alle 1Paar Hände vertreiben wird, die wir aber gerne noch drinhalten wollen.
Ebenso schlechtere Flushdraws werden sich für eine Bet gerne den River angucken, für 2 aber oft aussteigen (Nur der K und vielleicht Q-Hoch Flushdraw würden oft auch 2 Bets bezahlen).

Hier ist daher die bessere Wahl am Turn nur mitzugehen, um die Leute hinter uns dazu zu animieren, in der Hand zu bleiben. Improven sie am River, kriegen wir noch extra Geld von ihnen. Erhöhen wir erst am River, ist es außerdem wahrscheinlicher, noch Geld von mittleren bis guten gemachten Händen zu bekommen, als wenn wir schon den Turn erhöhen, wo auch noch der Flush ankam, da viele so kurz vor dem Showdown von ihrer Hand nicht mehr loslassen können.

Fazit

Also ihr habt gesehen, erhöht man nicht mit einer starken Hand und läßt dadurch Geld liegen, sollte man nicht slowplayen. Muss man seine Hand noch schützen, sollte man auch erhöhen und nicht mitgehen. Außerdem sollte man auch eher vom Slowplay absehen, wenn der Pot groß ist, da da die Gegner öfter auch mit marginalen Händen mitgehen.