c/c Flop c/r Turn vs c/r Flop bet Turn im HU & Balancing Flopplay IP
Einleitung
Diese Woche möchte ich euch eine Hand präsentieren, die das Thema c/c Flop c/r Turn vs c/r flop bet Turn behandelt. Ich werde hauptsächlich auf Unknown eingehen und am Rande auf spezielle Gegnertypen. In Hand 2 werde ich näher auf das Balancing der Flop 3-Bet IP eingehen.
Hand 1
c/c Flop c/r Turn vs c/r Flop bet Turn im Headsup
Da dieses Thema sehr komplex ist und es schwer ist, gegen Unknown (da wir seine Tendenzen nicht kennen) die richtige Line zu finden, werde ich eine Abwägung der Vor- und Nachteile beider Lines vollziehen. Ich möchte euch damit zum Denken anregen und beabsichtige, dass ihr selber eine Abwägung über Pro und Contra macht, bzw niederschreibt und erklärt, warum für euch welche Line besser erscheint. Diese Abwägungen sind beim Poker elementar und fundieren in der Regel unsere Entscheidung, wenn wir uns Abseits einer Standardsituation befinden. Da diese Situationen relativ häufig vorkommen, möchte ich euch die nötigen Gedanken mit an die Hand geben, dass ihr wisst, was man alles beachten muss und dass ihr "alle" Vor- und Nachteile in die Entscheidung miteinbeziehen könnt.
Grundsätzliches:
Die Entscheidung über die zwei möglichen Lines stellt sich eigentlich nur, wenn das Board nicht besonders drawheavy ist. Auf drawheavy Boards, besonders wo Flush und Straightdraws möglich sind, sollten wir den Flop check/raisen und den Turn leaden.
Die Gründe dafür sind:
- Wir werden lighter downgecalled, da der Gegner uns eher auf einen Draw readen wird.
- Eine Freecard am Turn ist teurer für uns, weil der Gegner selber mehr Outs gegen uns haben könnte und wir mit der c/r Flop Line am besten protecten können.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass das Board rainbow sein sollte und nicht zu sehr connected.
Nehmen wir folgende Beispielhand um näher auf den Sachverhalt einzugehen:
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is CO with K
2 folds, Hero raises, BU 3-bets, 2 folds, Hero calls.
Flop: (7.40 SB) J


Hero checks, BU bets. Hero?
Welche Vorteile hat die Line c/r Flop bet Turn gegenüber c/c c/r Turn?
- Wir übernehmen direkt die Intiative am Flop und können die Hand besser kontrollieren und stellen sicher, dass an Turn und River mindestens 1BB in den Pot wandert. Wenn wir den Turn checken, riskieren wir eine Freecard von einer marginalen Madehand (Pocketpair), die sonst aber downgecalled hätte. Wir lassen also manchmal Value liegen mit der c/c c/r Turn Line.
- Wir kriegen mehr Value, wenn der Gegner denkt, dass wir auf einer marginalen Hand sind und er deswegen versucht, uns am Turn via eines free SD raises von der Hand zu pushen. Grade gegen ps.de TAGs finde ich dieses Argument gut. Da in diesen Situationen normal ein c/c,c/r Turn propagiert wird, macht der Gegner evtl den Fehler und misreaded uns, woraus folgt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fehlentscheidung seinerseits größer ist.
- Wenn wir mit guten Madehands in 3-Bet Pots immer c/c, c/r spielen würden, müssten wir unsere Bluffs auch durch diese Line balancen. Wenn wir aber auch mit Madehands nach 3-Bet Preflop den Flop check/raisen, werden unsere Bluffraises am Flop günstiger.
- Wir induzieren eine Bluff 3-Bet IP vom Gegner. Grade LAGs denken in solchen Situationen zu oft, dass wir sie günstig von der Hand pushen wollen und reagieren mit Gegenaggression.
- Wir zahlen am Turn maximal 2 BB, um den Showdown zu sehen. Wenn wir den Turn check/raisen, laufen wir Gefahr, eine 3-Bet zu kassieren.
Was sind hingegen die Vorteile von c/c Flop c/r Turn im Vergleich zur obrigen Line?
- Wir inducen am Turn eine Bet von einer hopless Hand, die auf unsere Turnbet gefoldet hätte.
- Bei bestimmten Karten (zb. der T) können wir am besten gegen Hände wie AQ oder AK protecten.
- Wir zwingen den Gegner in einen tough Spot am Turn und gegen aggressivere und showdowngebundene Gegner bekommen wir so am meisten von Pocketpairs und gelegentlich auch Ace High.
- Wenn der Gegner gesehen hat, dass wir mit starken Händen diese Line spielen, können wir in zukünftigen Händen einen c/r als Bluff einstreuen. Der ist zwar teurer als der Flop c/r Bluff, erzeugt jedoch mehr Foldequity.
- Der Gegner könnte ein Pocketpair auf eine Scarecard am Turn folden, checkt aber nach einem check von uns behind und called den River.
Was sind Aussagen, wo sich Vor- und Nachteile weitesgehend aufheben?
- Mit der Line c/c, c/r verlieren wir Value, wenn sich das Board scary entwickelt. Sprich: Wir können manche Turnkarten (A oder Q) nicht mehr raisen. Wenn z.B. eine Q kommt und wir werden geraist, müssen wir downcallen und verlieren mehr gegen die Q. Wenn wir den Flop nur check/callen und c/c Turn bei einer Scarecard spielen, verlieren wir hingegen weniger gegen bessere Hände.
- Wenn wir die Initiative am Turn haben, induzieren wir einen Semibluff und bekommen so mehr Value. Das ist nicht richtig, da er einen Draw sowieso betten wird am Turn und wir so oder so dann 2 BB kassieren.
Wie kann ich errechnen, was die bessere Line ist?
Um dies zu tun, müssten wir die 3-betting Range genau kennen. Nehmen wir an, dass Villain folgende 3betting Range hat:
ATo+, KJo+, 44+, A8s+, KTs+, QJs+
Wir müssten nun genau die Frequenz der einzelnen Hände errechnen und überprüfen, in welchem Verhältnis die Aktionen b/f, cb und bet/call stehen. So könnte man eine präzisere Aussage über die richtige Line treffen, das große Problem ist aber, dass wir am Flop schon entscheiden müssen, welche Line wir wählen und die Turnkarte den Erfolg der Line maßgeblich beeinflusst.
Spielen gegen verschiedene Gegnertypen
Gegen aggressive LAGs, die sehr showdownbound sind, ist meines Erachtes c/c, c/r Turn die bessere Line, da diese Gegner selten eine Madehand folden können und wir von Madehands mit dieser Line am meisten Value extrahieren.
Gegen Maniacs würde ich hingegen den Flop check/raisen und den Turn bet/3betten.
Gegen TAGs ist es etwas defiziler und deswegen würde ich mich freuen zu hören, welche Line Ihr warum gegen einen TAG auswählt.
Hand 2
Balancing Flopplay IP
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is CO with J
2 folds, Hero raises, 2 folds, BB calls.
Flop: (4.40 SB) J


BB checks, Hero bets, BB raises, Hero 3-bets, BB calls.
Turn: (5.20 BB) 7
BB checks, Hero bets, BB calls.
River: (7.20 BB) 2
BB checks, Hero bets, BB calls.
Final Pot: 9.20 BB
Wir openraisen JT gem. Chart vom CO und bekommen von einem PS.de TAG einen Call vom BB. Wir treffen das Board soweit gut mit Toppair und einem Gutshot und machen unsere Contibet. Wir werden gecheckraised und haben nun zwei Entscheidungsmöglichkeiten:
a) 3bet Flop, bet Turn (bei Flopcap Calldown)
b) call Flop, raise gute Turnkarten
Wie an der Hand schon unschwer zu erkennen ist, ist es in diesem Spot besser, den Flop gleich zu 3-betten, anstatt den Flop zu callen und den Turn erneut zu raisen. Gleiches gilt, wenn wir zb QJ halten würden. Die Hand würde sich gegen Unknown genau so spielen.
Aber insbesondere hat die 3-bet am Flop gegen einen ps.de TAG noch ein paar wesentliche Vorteile:
Die 3bet IP ist von vielen PS.de TAGs schlecht gebalanced, da wir aus den Artikeln gelernt haben, man soll mit starken Madehands wie z.B. Toppair, einen check/raise am Flop callen, um den Turn bei einer guten Karte erneut zu raisen. Viele ps.de TAGs spielen meines Erachtens zu selten die 3-Bet am Flop IP mit einer relativ starken Madehand (Toppair ist im Headsup sehr stark). So werden sie leicht zu readen und man kann sehr oft von einem Draw oder einer mittelstarken Madehand ausgehen. Das bedeutet natürlich auch, dass wir nach der 3-Bet IP fast immer oder viel öfter auf einen Draw gemisreadet werden, als auf Toppair mit dem J. Um selber nicht so durchsichtig zu spielen und schlechte Calldowns von any paired Hands zu forcieren, ist es deswegen gut, auch mit starken Madehands den Flop IP zu 3-betten.
Von den Balancing Problemen der Ps.de TAGs mal abgesehen, möchte ich euch nun erklären, warum wir den Flop 3-betten und nicht den Turn erneut raisen:
- Da Gegner allgemein die 3-Bet IP eher als Schwäche (Draw oder mäßige Madehand) interpretieren werden, werden wir von einer 7 oder einer 8 noch sehr oft 2 BB bekommen an Turn und River (je nach Boardentwicklung). Wenn wir den Turn hingegen erneut raisen, wird eine 8 oder eine 7 fast immer folden.
- Viele Turnkarten können wir garnicht mehr raisen und wir verschenken Value, wenn wir deswegen am Turn auf Calldown umsteigen müssen.
- Wenn seine Callingrange im BB nicht zu loose ist, liegen wir aufgrund unseres relativ schwachen Kickers nur gegen J9 und J6(s) vorne. Gegen J8 J7 QJ KJ aber hinten. Das heisst, dass wir gegen einen besseren J weniger verlieren. Eine 3-Bet am Turn wäre ekelhaft, wir müssten aber dennoch downcallen.
- Wir balancen unser Flopplay mit marginalen Madehands und Draws, worauf hin der Gegner uns nicht mehr so leicht auf eine bestimmte Hand setzen kann.
- Das gilt nicht gegen ps.de TAGs, sondern eher für LAGs: Einige LAGs werden hier den Flop mit der 7 oder der 8 cappen, weil sie unser Play als weak einstufen und sich noch vorne sehen. Wir können davon ausgehen, dass ein showdowngebundener LAG seine 7 oder 8 nicht auf einen Turnraise folden würde. Ich wollte damit nur sagen, dass wir nach dem Flopcap den selben Value haben, als würden wir den Flop callen und den Turn erneut raisen
Eine Merkregel, die wir daraus ziehen können:
Umso stärker unser Kicker, umso mehr Value hat call Flop raise Turn, je Schwächer unser Kicker, desto eher sollten wir den Flop IP 3-betten.
Ich hoffe, die Hände haben euch wiedermal gefallen.