Contibets in multiway Pots & Turnplay 3-handed
Einleitung |
von firsttsunami |
Dieses Mal habe ich ein Thema vorbereitet, mit einigen Beispielen, zu dem Thema "Contibets in multiway Pots". Im zweiten Teil geht es um einen Turn Spot mit einer marginalen Hand OOP gegen zwei Gegner.
Contibets in multiway Pots
Diese Woche beschäftigen wir uns mit dem Thema "Contibets in multiway Pots". Wenn der Tische relativ loose ist und die Gegner nicht raise oder fold spielen Preflop, sind wir oft mit Situationen konfrontiert, wo sich mehrere Spieler am Flop befinden und wir entscheiden müssen, ob wir gegen 4 Leute eine Contibet machen sollten mit AK, bei einem 89T 2-suited Board. Die Antwort lautet ganz einfach: Nein! Dieses Beispiel ist relativ einfach und es ist klar ersichtlich, dass eine Contibet in dieser Situation eine Verschwendung wäre.
Welche Faktoren sind wichtig, wenn wir uns überlegen, ob wir contibetten sollen oder nicht?
- Habe ich evtl noch die beste Hand und kann for Value betten?
- Habe ich einen so starken Draw, dass ich genug FE erzeugen kann, um 1-2 verbliebene Gegner, spätestens am Turn zum folden zu bringen?
- Habe ich einen Monsterdraw und kann sogar meinen Draw for Value spielen? (Dies ist bei einem Open ended Straightflush -Draw der Fall)
- Ist das Board so scary, dass ich die Hand spätestens am Turn UI gewinne? (2nd barrel gegen einen)
- Sind meine Gegner in der Lage, eine bessere Hand zu folden?
- Möchte ich die Turnkarte sehen?
- Kann ich mir mit einer Flop Contibet evtl Position kaufen?
- Habe ich soviele Outs, dass ich einen Flopraise callen muss oder kann ich bet/folden am Flop? (Umso eher wir eine Flopbet callen müssen, umso eher c/c)
- Bekomme ich mit einer Flopbet evtl eine Freecard am Turn?
Beispiel
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BU with Q
MP2 calls, MP3 calls, CO folds, Hero raises, SB folds, BB calls, MP2 calls, MP3 calls.
Flop: (8.40 SB) K


BB checks, MP2 checks, MP3 checks, Hero checks.
Wir sind hier in einer nicht so eindeutigen Situation und müssen uns am Button überlegen, ob wir mit unseren 5 discounted Outs den Flop gegen 3 Gegner betten, oder lieber gleich die Freecard nehmen, um am Turn hoffentlich zu improven.
Angenommen wir hätten Reads auf die Spieler, dass sie alle Callingstationartig sind und sich sehr passiv verhalten. In diesem Fälle wäre ein Bet genau das richtige. Wir haben hier zwar selten die beste Hand und werden am Turn oft noch 3-4 Handed sein, können uns dann aber oft eine Freecard nehmen und sehen beide Straßen für 1 SB, anstatt für 2SB (wenn wir improven und jemand bettet den Turn).
Wenn die Gegner jedoch aggressiv sind und wir zu erwarten haben, von Draws oder sogar von Midpairs geraised zu werden, dann ist es richtig, gleich am Flop die Freecard zu nehmen.
Wenn die Gegner Unknown sind, dann ist die Freecard am Flop auch besser, da man:
- selten die beste Hand hat
- bei sovielen Leuten sicher jemand den King protected
- sehr viele Draws möglich sind, die aggressiv gespielt werden
Wir bekommen also fast immer einen Raise am Flop und sollten deswegen gleich die Freecard nehmen.
Bei welchem Board sollte man keine Contibet machen?
Hero has A

7 

5 

Beispiel:
Preflop: Hero is SB with A
MP2 calls, MP3 calls, CO raises, BU folds, Hero 3-bets, BB folds, MP2 calls, MP3 calls, CO calls.
Flop: (13.00 SB) 8


Hero checks.
Hero checks and see what happens!
alternativ
Preflop: Hero is BU with J
MP2 folds, MP3 calls, CO calls, Hero raises, SB folds, BB calls, MP3 calls, CO calls.
Flop: (8.40 SB) A


BB checks, MP3 checks, CO checks, Hero checks.
Hier hat man eine ähnliche Situation wie bei Hand 1. Wir haben einen Gutshot und einen BD Flushdraw (sogar einen BD Royalflushdraw!!! =) Bei dem Board kassieren wir fast immer einen Raise oder bekommen 2-3 Caller. Daher lohnt es sich auch hier, ohne spezielle Reads, gleich am Flop die Freecard zu nehmen
In welchen Spots kann man 3-handed die Contibet sein lassen?
Preflop: Hero is SB with 7
MP2 folds, MP3 calls, CO folds, BU raises, Hero 3-bets, BB folds, MP3 calls, BU calls.
Flop: (10.00 SB) J

Der MP3 ist eine Callingstation und der Button ein LAG. Wir wollten eigentlich Headsup kommen mit dem LAG. Das hat leider nicht geklappt und wir stehen hier 3-handed bei einem absolut ekelhaften Board. Da dieses Baord die Range der Gegner so unheimlich gut trifft, haben wir selten die beste Hand und da der BU ein LAG ist, gibt es zu seinen Madehands, auch noch sehr viele Draws, die er for Freecard raisen könnte. Da die Callingstation sowieso keine 9 foldet und die Raisegefahr vom LAG so groß ist, kann man in diesem Spot ruhig check/folden am Flop.
Contibet als Draw?
Preflop: Hero is BU with A
MP2 calls, MP3 folds, CO raises, Hero 3-bets, SB folds, BB calls, MP2 calls, CO calls.
Flop: (12.40 SB) J


BB checks, MP2 checks, CO checks, Hero bets.
Hier ist es definitiv -EV, wenn wir den Flop nicht betten. Wir haben hier zwar selten die beste Hand, haben aber ca. 15 discounted Outs und sind somit even money und müssen soviel wie möglich raisen, da unser Draw so stark ist, dass wir weit mehr als 25% Equity haben. Wir können also for Value raisen und wollen außerdem einen Pot builden, um die Gegner an den Pot zu binden um einen größeren Pot zu gewinnen.
Es ist also ein grober Fehler, den Flop nicht zu contibetten. Hätten wir keinen Flushdraw, wäre eine Bet readabhängig aber in den meisten Fällen sollten wir auch mit Gutshot + 2 Overcards den Flop betten.
In welchen Spots macht eine Contibet 4-handed Sinn?
BU: TAG, wenig WTS und eher verhalten mit seiner Aggression
Preflop: Hero is CO with Q
MP2 calls, MP3 calls, Hero raises, BU calls, 2 folds, MP2 calls, MP3 calls.
Flop: (9.40 SB) 8


MP2 checks, MP3 checks, Hero bets.
Diese Situation ist etwas unterschiedlich zu den Situationen mit QJ und JT 4-handed. Entscheidend ist hier unsere Position und die mögliche Range vom BU (TAG). Die beiden Spieler oop sind uns unbekannt, sie scheinen aber aufgrund der Tatsache, dass die nur gecalled haben Preflop, eher passive Spieler zu sein. Wir haben in diesem Spot zwar auch selten die beste Hand und bekommen einen Raise reingedrückt, haben aber einen stärkeren Draw als nur einen Gutshot und haben die Chance, uns durch eine Contibet Position zu erkaufen. Wären wir mit der Hand first to Act, hätten wir wohl eher einen check/call als eine Bet und einen Call auf einen Flopraise.
Hierbei interessant ist vorallem die Coldcalling Range von einem TAG am Button. Seine Range könnte folgendermaßen aussehen:
89s+ 22-88 (99 wäre wohl eher eine 3bet als ein Coldcall)
Wir sehen, dass der BU hier oft einen suited Connector oder ein Pocketpair gecoldcallt hat. Wenn er JTs oder 89s hat, bekommen wir wohl einen Raise, hat er aber ein Pocketpair unter 88, dann kriegen wir ihn hier oft zum folden und können uns Position erkaufen und dadurch die Hand profitabler weiterspielen. Wir zahlen hier lieber gelegentlich 1 SB mehr, wenn wir geraised werden und BU z.B. nicht foldet, als mit unserem mittelstarken Draw die Chance auf den BU zu verschenken, wenn wir nur check/callen würden. Selbst wenn BU auf unsere Bet foldet und jemand check/raised uns, wird dieses Mehrinvestment durch unsere Position ausgeglichen, da wir am Button mehr Implied Odds haben und durch unseren Informationsvorteil grundsätzlich Geld sparen bzw weniger Geld verlieren als Oop. Mit unseren 25% Equity am Flop performen wir u.a. ganz gut und das Mehrinvestment von 0,5 SB ist sehr marginal, im Vergleich zu dem Mehrprofit, den wir durch unsere Position (BU last to act) an Turn und River noch erzielen können.
Boards, wo man immer eine Contibet macht
Generell macht man auf jedem Board eine Contibet gegen mindestens 2 Gegner, solang das Board nicht (siehe oben) 3connected und 2 oder sogar 3 -suited ist. Tendenziell kann man sagen:
- je mehr Gegner und umso mehr Draws möglich sind: c/c oder c/f Flop
- je weniger Gegner und umso weniger Draws möglich sind: bet/call oder bet/fold Flop
Die Begründung für diese Tendenz liegt in der zur Verfügung stehenden bzw vorhandenen Foldequity. Da wir gegen 2 oder 3 Leute mit Q High am Flop fast immer hinten liegen, gibt die Foldequity den Ausschlag für eine Bet. Haben wir garkeine FE und wird die Bet deswegen zur -EV bet, können wir am Flop aufgeben.
Wichtig: Zur Grundlage der FE-Berechnung, ist immer die Potgröße maßgeblich entscheidend.
Weitere Beispiele anhand von Equilator-Analysen:
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is MP3 with 8
MP2 folds, Hero raises, CO calls, BU calls, 2 folds.
Flop: (7.40 SB) A


Hero bets, CO calls, BU calls,
Turn: (4.70 BB)
Hero check/folds
Final Pot: 4.70 BB
Wir haben hier 88 im MP3 geraised und der Flop trifft uns leider garnicht. Die beiden Spieler sind unbekannt und oft werden wir geraised oder bekommen zumindestens einen Call.
Equilatorergebnis gegen 2 Random Hands:
2,303,227 games 22.110 secs 104,171 games/sec
Board: Ad Kd 9s
equity win tie pots won pots tied
Hand 0: 36.271% 35.96% 00.34% 828184 7796.33 { 8c8d }
Hand 1: 31.890% 30.89% 01.02% 711504 23503.83 { random }
Hand 2: 31.839% 30.84% 01.02% 710313 23518.83 { random }
Wir haben über avg Equity und müssen deswegen for Value betten!
Je nach Read auf die Ranges vom CO und vom BU, verschiebt sich unsere Equity zum negativen hin und wenn wir beiden folgende Range geben:
BU + CO = 77-22,ATs-A9s,KTs+,QTs+,JTs,T9s,98s,KJo+,QJo
6,713,487 games 13.328 secs 503,713 games/sec
Board: As Ks 9d
equity win tie pots won pots tied
Hand 0: 36.744% 34.78% 01.96% 2335136 131649.67 { 77-22, ATs-A9s, KTs+, QTs+, JTs, T9s, 98s, KJo+, QJo }
Hand 1: 36.363% 34.40% 01.96% 2309562 131649.67 { 77-22, ATs-A9s, KTs+, QTs+, JTs, T9s, 98s, KJo+, QJo }
Hand 2: 26.893% 26.60% 00.29% 1786039 19451.67 { 8c8d }
Wir liegen hier unter der avg Equity und haben so gut wie keine Foldequity. Die Potgröße und die Initiative erfordert aber eine Continuation Bet. Wenn wir gecalled werden, können wir unsere Hand am Turn weglegen. Wenn wir geraised werden, können wir gleich am Flop folden.
Wie sieht das ganze aus, wenn wir noch eine random Hand dazuaddieren:
1,600,945 games 24.391 secs 65,636 games/sec
Board: Ad Kd 9s
equity win tie pots won pots tied
Hand 0: 23.654% 23.48% 00.17% 375939 2746.50 { 8c8d }
Hand 1: 25.488% 24.30% 01.19% 389068 18985.00 { random }
Hand 2: 25.430% 24.24% 01.19% 388029 19092.00 { random }
Hand 3: 25.428% 24.25% 01.18% 388153 18932.50 { random }
Wir sind nun 4-handed am Flop und spielen gegen 3 Gegner. Wir sind fast immer hinten und haben keine Foldequity. Wir liegen knapp unter der avg Equity und da wir 0 FE haben, können wir unsere Hand also gleich am Flop check/folden.
Position ist hier nicht so wichtig, da wir ein Pocketpair haben und nur 1-2 Outs zum improven.
Turnplay 3-handed
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with 7
MP2 folds, MP3 calls, CO calls, 2 folds, Hero checks.
Flop: (3.40 SB) 7


Hero bets, MP3 calls, CO calls.
Turn: (3.20 BB) J
Hero?
Wir haben 76o in der BB und haben uns über ein Freeplay gefreut. Wir treffen nun Midpair bad Kicker auf einem connected und 2suited Board. Wir haben zusätzlich einen Gutshot, was unserer Hand ein bisschen mehr Equity verleiht. Die Gegner sind Unknown und haben nur gelimpt. Wir sind zwar oop, aber da die Gegner viel wahrscheinlicher ein kleines Pocket haben oder häufiger 2 Facecards (QJ KJ JT etc), liegen wir oft genug vorne und müssen unsere Hand mit einer Bet protecten.
Nun kriegen wir leider 2 Calls von den Gegnern und am Turn kommt ein J. Der J ist keine gute Karte, da nun Hände wie T9 eine Straight haben und schlechte Gegner in dieser Situation auch gerne 1SB mit Händen wie J9 oder Jt investieren. Die Odds rechtfertigen dies zwar nicht, aber ihr wisst ja wie vertraut manche Gegner mit den Regeln sind. Wir können uns nun entscheiden, zwischen bet for protection, weil wir uns immer noch vorne sehen, oder einem check/call. Dieser Spot ist nicht so einfach, da wir auf einen Raise nicht folden können aufgrund der Outs auf 2pair und Gutshot. Wir werden die Riverkarte auf jeden Fall sehen, obgleich wir check/callen oder bet/callen. Wenn wir betten und mit einem Raise konfrontiert werden, ist der Plan am River auf eine weitere Bet UI zu folden.
Gegen aggressive Gegner ist ein Check am Turn auf jeden Fall besser, da sie erstens häufiger bluffen, mit schlechteren Händen betten und die Gefahr eines Semibluffs auch höher ist, als gegen "passive" Gegner. Der J bietet viele Semibluffmöglichkeit und manche LAGs sind in der Lage, ihren Flushdraw oder sogar schlechtere Madehands am Turn zu raisen. Gegen Unknown und tendenziell eher passive Gegner, die am Flop auch mit 22 oder A High callen, sollten wir den Turn eher erneut for protection betten. Es ist natürlich möglich, dass wir schon gegen eine 8 hinten liegen, aber normalerweise sind wir nach 2 Calls am Flop am Turn noch oft vorne (je nach Karte, der J suckt). Eine 8 hätte man ja auch selber for protection geraised, hätte jemand in uns rein gebettet.
Der Vorteil von einem Check ist, dass wir den River auf jeden Fall für 1BB sehen und manchmal ohne Investment aus der Hand kommen, wenn CO bettet und BU raised. Der Nachteil ist allerdings, dass wir eine Freecard auf sehr viele Outs der Gegner riskieren.
Vorteil der Bet ist, dass wir maximal protecten. Nachteil ist, dass wir geraised werden können und 2BB am Turn zahlen müssen.
Meines Erachtens ist eine Bet in diesem Spot wesentlich besser, da unsere Hand sehr verwundbar ist und wir noch oft genug vorne liegen + Outs haben, um die Bet profitabel zu gestalten. Eine Freecard wäre besonders ekelhaft und wenn wir die Initiative am Turn abgeben und am River kommt sehr häufig eine Overcard, müssen wir auf eine Bet folden und legen evtl sogar die beste Hand weg.
Nach der Abwägung der Vor- und Nachteile, ist bet/call definitiv der bessere Weg gegen Unknown, als check/call Turn.
Entschuldigt dass die 2. Hand nun etwas abgespeckt war. Dafür habe ich mir bei Hand 1 aber viel Mühe gegeben. Viel Spaß beim lesen wünscht euch
Firsttsunami