Aktualisiert am 12 März 26 von

Starke Draws - aggressiv oder passiv?

Einleitung

In dieser Woche geht es darum, wann man seine Chancen (Draws) auf Flush oder Straße aggressiv spielen kann und wann es besser ist, passiv zu bleiben.

 

Generell gilt, wenn man z.B. eine Möglichkeit auf einen Flush am Flop hat, dass dieser in etwa 33% der Fälle bis zum River kommt und es daher profitabel ist, am Flop zu erhöhen und cappen, wenn mehr als 2 weitere Spieler dabei sind, sollte man diesen am Flop aggressiv spielen.

 

Auf diese Situationen, in denen man quasi "for Value" erhöht, werde ich jedoch nicht eingehen. Vielmehr werde ich Situationen heraussuchen, wo eine Erhöhung am Flop eventuell nicht for Value ist, sondern man versucht, vielleicht auch ohne den Flush zu treffen, die Hand zu gewinnen.

Kurz gesagt: man will den Gegner dazu bringen eine bessere Hand zu passen.

Hand 1

Idealerweise haben wir dazu bereits eine erste Einschätzung getroffen, wie unsere Gegner spielen. In dieser Hand wissen wir zum Beispiel, dass CO ein absoluter Vollfisch ist, der quasi mit sehr vielen Händen Preflop mitgeht. Button scheint tight zu sein und könnte eventuell auch von PS.de sein.

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is BB with 6, 5
6 folds, CO calls, BU raises, SB folds, Hero calls, CO calls.

Der fischige CO limpt und der TAG erhöht. Da der TAG ebenfalls weiss, dass CO mit sehr vielen Händen mitgeht, werden die Hände, mit denen er erhöht und er damit den Fisch isoliert, eine relativ breite Spanne umfassen.

Grob geschätzt würde ich hier alle Paare besser als 55, A2s und besser (im folgenden als "+" bezeichnet), K9s+, Q9s+, J9s+, A7o+, KTo, QJo+ annehmen. Mit 56s haben wir eine Hand, die sich hier gut bei den Odds spielen lässt, da wir davon ausgehen können, dass der CO die Erhöhung mitgeht und nicht nochmal selber erhöhen wird.

Flop: (6.50 SB) 9, 8, 2 (3 players)
Hero checks, CO checks, BU bets, Hero raises, CO folds, BU calls.

Am Flop treffen wir eine Möglichkeit auf den Flush und eine Bauchschussstraßenchance (jede 7 macht eine Straße; Gutshot). Es ist also klar, dass wir weiterspielen. Als Anfänger könnte man nun auf die Idee kommen, den Flop selber anzuspielen (donken) und hoffen dass der Fisch und der Button mitgeht, so dass die Bet quasi for Value ist.

 

Wenn wir den Flop hier jedoch donken, wird uns der mitdenkende TAG oft keine starke Hand glauben, da wir ein Paar ja schieben würden und dann den Einsatz vom TAG erhöhen, um unsere Hand zu schützen und den CO mit 2 Bets zu konfrontieren (check/raise Flop for Protection).

Daher ist es gut, den Flop zu schieben und dann die Standardfolgebet vom Button zu erhöhen (check/raise Flop). So signalisieren wir eine starke Hand und können hier oft direkt oder gefolgt mit einem Einsatz am Turn den Pot gewinnen, auch ohne den Flush zu treffen. Aus seiner Range wird er viele Ass hoch Hände, K hoch Hände; Q hoch Hände, evtl auch 55, 66, 77 passen. Der Vorteil, hier oft ohne den Flush zu treffen, den Pot zu gewinnen, überwiegt gegenüber der Möglichkeit bzw. Gefahr, sich gegen eine bessere Hand zu isolieren. Zur Not haben wir ja auch noch viele Outs.

Turn: (5.25 BB) 8 (2 players)
Hero bets, BU calls.

Am Turn setzen wir unseren Semibluff fort. Der TAG wird oft mit Überkarten die Erhöhung am Flop mitgehen und am Turn dann passen, wenn er nichts getroffen hat. Gegen eine Erhöhung hätten wir immer noch einige Outs, aber, wie gesagt, oft genug wird der TAG hier Hände wie KQ, QJ evtl auch AK, AQ weglegen.

River: (7.50 BB) T (2 players)
Hero bets, BU folds.

Der River ist nochmal interessant. Wir haben leider keines unserer Outs getroffen und können die Hand nur gewinnen, wenn wir den TAG zum passen bringen. Der Pot ist mittlerweile relativ groß und der Bluff muss nur in einem von 8 Fällen klappen. So dass ein letzter Einsatz durchaus lohnt, v.a weil die T den TAG auch etwas Angst machen sollte, da nun Straßenmöglichkeiten wie QJ, JT, 76 ankommen bzw zumindest ein Paar haben. Ich denke, oft genug wird hier ein Ass hoch oder ein anderer Flushdraw auf eine Riverbet passen.

Final Pot: 8.50 BB

Vorsicht: Die Spielweise sollte man natürlich nur gegen die passenden Gegnertypen spielen. Es macht keinen Sinn, wenn der Button hier ein Maniac wäre, der sowieso kein Ass hoch, K hoch weglegt und uns nur mit weiteren Erhöhungen konfrontiert.

Gegen obigen tighten Button wird unsere Spielweise aber profitabel, da wir Hände wie A9 (also Toppaar), 98 (2 Paar) oder 88 (Set) genauso spielen und er uns auf keine genaue Hand setzen kann bzw. uns oft eine starke Hand glauben muss und somit eben bereits erwähnte Hände wie Ass hoch, K und Queen hoch passen wird.

Hand 2

Hier nun eine Hand, bei der es besser ist, passiv zu spielen. Der Einfachheit ist MP wieder der tighte Button von Hand 1 und der Big Blind ein Fisch. Prinzipiell würd ich aber die Hand gegen jeden Gegnertypen so spielen.

Wie liest man eine Beispielhand?

Preflop: Hero is SB with A, K
5 folds, MP3 raises, 2 folds, Hero 3-bets, BB calls, MP3 caps, Hero calls, BB calls.

Die Erhöhung des TAGs können wir natürlich im Small Blind weiter erhöhen (3-betten) mit AKs, der Fisch geht trotzdem mit und der TAG capped. Es ist schwierig, den Fisch auf eine Hand zu setzen, er kann gleichfarbige und zusammenhängende Karten wie 98s (suited Connectors) oder kleine Paare mitgehen, manche gehen auch mit jedem Ass mit. Den TAG kann man in etwa auf TT,JJ,QQ,KK,AA, AKo, AKs evtl AQs setzen (manche cappen natürlich looser, aber Fullring halte ich das für eine plausible Annahme).

Flop: (12.00 SB) 2, 3, 5 (3 players)
Hero checks, BB checks, MP3 bets, Hero calls, BB calls.

Am Flop treffen wir erneut eine Chance auf den Flush und den Gutshot (jede 4 macht uns die Straße). Zusätzlich haben wir 2 Überkarten, also eigentlich einen stärkeren Draw, wie in Hand 1, so dass man intuitiv meinen könnte, dass man diesen Draw erst Recht aggressiv spielen soll.

Aus folgenden Gründen ist es jedoch besser passiv zu bleiben. Von den Händen, die der TAG halten kann, wird er bei dem Board nichts passen, wir haben hier also keine Chance ein Paar wie JJ, QQ zum passen zu bringen und auch AK wird er erstmal wegen des Gutshots und der Potgröße nicht weglegen. Im Gegenteil, wenn wir hier check/raisen wird er uns das Maximum für unseren Draw mit einer weiteren Erhöhung am Flop oder Turn mit seinem Überpaar zahlen lassen. Daher spielen wir hier passiv.

Turn: (7.50 BB) T (3 players)
Hero checks, BB checks, MP3 bets, Hero calls, BB folds.

Auch die T ist keine Karte, bei der TAG auf eine Erhöhung passen wird, daher bleiben wir weiterhin passiv.

River: (9.50 BB) A (2 players)
Hero bets, MP3 calls.

Am River treffen wir eines unserer Outs und wir sollten hier direkt setzen. Unsere Spielweise deutet auf Ass hoch hin, da wir jedes hohe Paar am Flop oder Turn aggressiver gespielt hätten. Er wird aufgrund der Potgröße mit KK, QQ, JJ aber den Einsatz noch bezahlen, hätte aber wohl selber am River nicht mehr gesetzt, wenn wir geschoben (gechecked) hätten.

Auf eine Erhöhung würde ich nur noch mitgehen, da ich den wenigsten TAGs auf den niedrigen Limits zutraue, mit AQ hier nochmal am River zu erhöhen, gegen AK gibt es einen Splitpot und gegen AA, TT sind wir zurück.

Final Pot: 11.50 BB