Gemischte Hände - Balancing Calldowns & c/r River ohne Initiative
Einleitung |
von firsttsunami |
In dieser Woche möchte ich euch in Hand 1 ein Thema vorstellen, was es bisher,
glaube ich, noch nicht gegeben hat. Es geht darum, dass wir mit starken
Händen im Headsup, oop und ohne Initiative, am Turn nur check/callen
und den River for value check/raisen.
In Hand 2 ist auch eine Abweichung vom Standard zu sehen.
Normalerweise betten wir den River, nachdem der Gegner am Turn behind gecheckt
hat. Ich werde also näher darauf eingehen, wie wir mit diesem Check am besten umgehen.
Hand 1
Balancing Calldowns
Durch einen check/call am Turn und check/raise am River kann der Gegner dadurch:
-
Unsere Range schlechter definieren, da wir nach einem check/call Turn oft low-midpair oder A High halten.
-
Den River erneut als Bluff betten.
-
Mutmaßlich eine Valuebet platzieren.
-
Weniger loose valuebetten, da auf unseren check am River häufiger ein Raise folgt und in Relation seltener ein Call oder gar ein Fold.
Wichtig: Dieser Move eignet sich nur in Situationen, wo beide Gegner Reads aufeinander haben. Als gutes Beispiel dafür ist eine Headsup-Situation, wo beide Gegner schon etwas länger gegeneinander spielen und beide Informationen übereinander sammeln konnten.
Unter anderem sollte gesagt sein, dass mit starken Händen keine Hände gemeint sind, die gut genug sind, um den Turn zu cappen. Mit Händen wie 2pair Set etc kommt ein c/c Turn natürlich nicht in Frage, da wir von schlechteren Händen eine 3-Bet induzieren möchten, um den maximalen Value auf den Bigstreets rauszuholen.
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with Q

3 folds, BU raises, SB folds, Hero calls.
Flop: (4.40 SB) 9


Hero checks, BU bets, Hero calls.
Turn: (3.20 BB) Q
Hero checks, BU bets, Hero calls.
River: (5.20 BB) J
Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Final Pot: 9.20 BB
Wir haben in der BB Q8 defendet. Wir nehmen nun an, dass wir auf BU einen Read haben und wissen, dass er thin valuebettet und relativ loose Calldowns macht. Er hat also etwas zuviel WTS und hat hier und da schon einen schlechten Call gemacht. Die beiden genannten Faktoren begünstigen diese Line.
Eher ungeeignet ist die Line also gegen eher "passive" Gegner mit weniger WTS. Gegen Gegner, die hier Midpair behind checken, sollten wir den River lieber donken und den River nicht check/raisen.
Habe die Hand dev gezeigt und er findet die Hand sehr geeignet für diese Line. Danke übrigens für die Hilfe bei beiden Themen.
Der River ist in dieser Hand interessant. Einerseits bietet er Händen, die UI sind, eine gute Chance erneut zu bluffen, weil wir A High, eine 5 oder 6 oft folden müssen und andererseits kann ihm der J auch selber geholfen haben und folden wird er diesen sicher nicht auf einen River check/raise.
Der Nachteil dieser Line ist natürlich, dass wir manchmal Value verlieren, wenn der Gegner geneigt ist, auf einen c/r am Turn low oder Midpair downzucallen, dieses aber am River bet/foldet oder behind checkt. Wenn der Gegner aber die o.g. Eigenschaften besitzt, dann wird er am River aber auch bet/callen mit mid, oder sogar lowpair und der verpasste Value wird durch Bluffinduce zusätzlich kompensiert. Der Gegner wird bei guten Karten den River manchmal bluffen, in der Hoffnung dass wir lowpair oder A High nun endlich folden werden
Wie ich oben erwähnte, sollte man an einem 6 max Table ganz standardmäßig spielen und keine Experimente wagen. Die Gegner haben selten sehr gute Reads auf uns, wenn sie selber 3-4 Tische spielen. Da das Handreading im Headsup eine viel größere Bedeutung hat, ist es deswegen umso wichtiger, dem Gegner die Reads auf uns zu erschweren und die Informationen über uns so wenig wie möglich zu konzentrieren.
Hand 2
c/r River ohne Initiative
Gegner: thinking TAG
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is SB with A

2 folds, CO raises, 1 folds, Hero 3-bets, CO calls.
Flop: (6.40 SB) T


Hero bets, CO raises, Hero calls.
Turn: (5.20 BB) K
Hero checks, CO checks.
River: (5.20 BB) 5
Hero checks, CO bets, Hero raises, CO calls.
Final Pot: 9.20 BB
In dieser Hand war natürlich der Plan, den Turn zu check/raisen. Die Frage ist aber erstmal, was unser Gegner für eine Range hat nach seinem Flopraise.
Mit ziemlicher Sicherheit können wir sagen, dass er eine Madehand hat. Es sind kaum Draws möglich und mit starken Draws wie 89 (OESD) würde er tendenziell den Turn raisen.
Am Turn nimmt sich der Gegner eine Freecard. Nun können wir ziemlich sicher sein, dass er eine Madehand hat. Mit einem Daw oder einem Bluff würde er sehr häufig den Turn betten. Er hat sehr oft ein low oder midpair am Turn, womit er nicht geraised werden möchte, da der K in unserer Range liegt und dieser auch einige Draws möglich macht, die wir semibluffen könnten am Turn.
Eine plausible Range ist also:
- die 7
- die T
- Pocketpair ala 88 99
Wenn wir den River nun betten, wird er sehr häufig nur callen. Wenn wir aber checken, dann wird er meistens davon ausgehen, dass wir oft die 7, ein kleines Pocketpair oder A High halten. Nun wittert er Value gegen selten A High, die 7, kleine Pocketpairs und wird deswegen oft eine Bet platzieren, da wir üblicherweise mit Midpair+ (gegen manche Gegner auch lowpair) den River betten nach einem cb Turn vom Gegner.
Wir können uns relativ sicher sein, dass er Hände wie 88 99 und eine T nicht folden wird auf einen check/raise, da unsere Line gut als Bluff interpretiert werden könnte.
check check/raise wird für viele TAG's sehr verwunderlich aussehen und die meisten werden die genannten Hände nicht weglegen und wir haben 1BB mehr extrahiert.
Quizhand
a) c/c Turn c/r River?
b) c/r Turn bet River?
5.00/10.00 Fixed-Limit Hold'em (6 handed)
Preflop: Hero is BB with J

2 folds, CO raises, 2 folds, Hero calls.
Flop: (4.40 SB) 9


Hero checks, CO bets, Hero calls.
Turn: (3.20 BB) T
Hero checks, CO bets.
Final Pot: 4.20 BB
Auflösung
Hier sollten wir auf jeden Fall den Turn check/raisen. Umso niedriger unser Pair, umso eher müssen wir den Turn check/raisen. Umso höher unser Pair, umso eher cc c/r River.
Wenn schon hohe Karten am Turn offenliegen, dann hat der Gegner weniger Outs gegen uns, wird den check/raise seltener callen und dadurch, dass nicht mehr soviel Overcards kommen können, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass er am River bet/foldet oder behind checkt.
Weitere Overcards könnten ihn also scaren und außerdem ist das Board sehr drawheavy und er wird viele schlechtere Madehands downcallen. Wenn z.B eine Q oder ein K am River kommt, dann wäre ein c/r River auch nicht geeignet. cc cr River empfiehlt sicher also eher, wenn wir ein Pair Q-A halten. Die Struktur des Boards mit T9, forciert außerdem einige Hände wie KJ KQ den Turnraise zu callen, da sie noch einige Outs gegen uns haben.