Aktualisiert am 12 März 26 von

Spiel nach Reads aus vorherigen Händen #2

Einleitung



Ich baue diesmal das Thema von letzter Woche noch weiter aus. Es geht darum, wie man seine Spielweise anpassen kann aufgrund der Reads aus vorherigen Händen.
Je höher man kommt und umso besser die Gegner werden, desto mehr Informationen sollte man sammeln und desto stärker muss man versuchen Situations/History-abhängig zu spielen und die gegnerischen Tendenzen zu exploiten.

Hauptteil

Die folgenden Hände hab ich ähnlich vor einer Woche in einem 2/4$ Coaching gespielt. Isoliert betrachtet ist jede der Spielweisen zweifelhaft, selbst mit den Stats des Gegners; mit meinem Gegnereindruck und der sich mit jeder Hand aufbauenden History werden die Entscheidungen aber +ev.

Es war ein recht normaler Tisch mit 2 Vollfischen, 2 Semifischen und einem weiteren TAG, auf den ich Position hatte. Da er einen deutschen Nickname hatte, erschien es mir sehr wahrscheinlich das er von PS.de kommt.

Wir hatten schon einige Zeit gespielt und keiner von uns ist durch irgendwelche Moves aufgefallen. Wenn wir zusammen in einer Hand waren, ist nichts sonderliches passiert.

Ich gehe aber zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass der Gegner gemerkt hat, dass ich ein TAG bin, da er inzwischen Stats von mir haben muss (wenn er nicht schon welche hatte) und ein Hecht im Karpfenteich eben auffällt. Ich hatte also sicher ein solides Image.

Ich hatte in einige Situationen vorher beobachtet, dass er recht schnell folds finden kann und nicht groß floatet, was angesichts der passiven Donks am Tisch auch eine angebrachte Anpassung war.

Es folgte dann innerhalb von 20 Minuten zufällig 4 mal ein direktes Aufeinandertreffen in genau der gleichen Ausgangssituation. Jeweils hat der Gegner aus dem SB geraist und ich den BB passiv defendet.

Es folgen die 4 Hände mit den Begründungen warum sie jeweils so gespielt wurden:

Hand 1

Preflop: Hero is BB with 4, 5.
4 folds, SB raises, Hero calls.

Flop: 2, J, 7 (2 players)
SB bets, Hero raises, SB folds.

Meine Strategie zu diesem Zeitpunkt ist es zunächst mal 100% zu defenden und fast jeden Flop zu raisen. Mit meinem tighten Image und seiner weaken Tendenz werde ich ihn hier sicher immer spätestens am Turn zum folden bringen, wenn er nicht getroffen hat, was meistens der Fall sein wird angesichts seiner recht großen SB-Range.
Das klappt auch in diesem Fall.
Direkt in der nächsten Hand waren wir wieder in der gleichen Situation gegeneinander:

Hand 2

Preflop: Hero is BB with J, 3.
4 folds, SB raises, Hero calls.

Flop: A, T, A (2 players)
SB bets, Hero raises, SB 3-bets, Hero calls.

Turn: 5(2 players)
SB bets, Hero raises, SB folds.

Nachdem ich in gerade der letzten Hand schon den Flop geraist habe, würde ich es hier eher nicht versuchen, zumal das Board auch nicht sonderlich gut zum bluffen ist.
Da ich aber einen Flushdraw habe, semibluffe ich natürlich trotzdem. Viele K und Q high Hands (und schlechtere) wird er oft weglegen.
Nachdem er 3bettet, wird es interessant.
Das A ist natürlich in seiner Range, aber noch einiges anderes.
Gerade aufgrund der Tatsache, dass ich ihn in eben der Hand davor am Flop in dieser Situation schonmal geraist habe, kann es nämlich gut sein, dass er mich auf einen Bluff setzt und mit Trash reblufft.
Außerdem denkbar wäre, das er eine schwache Madehand hat (Pocket, T), die er protecten will, da er mich auf einen Draw setzt.
Drittens könnte er selbst nur einen Flushdraw halten.
Alle diese Hände kann ich noch zum folden bringen, daher wäre es ein Fehler die Hand schon aufzugeben und ich raise erneut den Turn um maximale Stärke zu zeigen- die Line die ich mit dem A auch spielen würde.

Hand 3

2 Orbits später bin ich wieder gegen ihn in der Hand und wieder in der Blinddefense.

Preflop: Hero is BB with 7, 5.
4 folds, SB raises, Hero calls.

Flop: Q,K, 4 (2 players)
SB bets, Hero raises, SB folds.

Jetzt widerum gefällt mir ein Raise gut.
Auch auf die Gefahr hin, dass er langsam kapiert, dass ich ihn bluffe, glaube ich hier viel FE zu haben und selten gereblufft zu werden. Wird er auch sicher jedes Pair zum SD bringen, glaube ich seine unpaired Hands raus zu bekommen.
Ich habe ja in der letzten Hand gezeigt, dass ich mich von einer 3Bet nicht verscheuchen lasse und in der Lage bin weitere Action zu geben. Das Risiko wird er nicht direkt nochmal eingehen wollen und warten bis er hittet.

Hand 4

Preflop: Hero is BB with 8, 9.
4 folds, SB raises, Hero calls.

Flop: 3, T, 7 (2 players)
SB bets, Hero raises, SB calls.

Turn: 8(2 players)
SB checks, Hero bets, SB calls.

River: 5(2 players)
SB checks, Hero bets, SB calls.

SB shows A4

In meiner letzten Konfrontation mit ihm treffe ich einen OESD am Flop.
Hier möcht ich wieder ungern bluffen und würde Trash wahrscheinlich mucken, da ich erwarte, dass er nach der History hier nichtmal K high weglegt. Da ich aber einen OESD und somit gegen A-high 14 Outs habe und ich zumindest FE gegen Q und J high Hände habe, raise ich wieder den Flop.
Aufgrund unser History kann ich natürlich jedes getroffene Pair Doppelvaluebetten.

Völlig ohne Reads oder ohne History hätte ich diese Hände wohl in der Regel anders gespielt. Das hätte aber hier viel Value verschenkt. 🙂