Suited Connectors Teil 3 - Postflop
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Suited Connectors Teil 3 - Postflop
von MiiWiin
Heute wollen wir die Betrachtung der suited Connectors abschließen und uns damit beschäftigen, welche Möglichkeiten uns postflop zur Verfügung stehen. Die Grundlagen des Spiels mit suited Connectors sowie das Preflopplay wurden in den vorherigen zwei Teilen bereits besprochen. Jetzt geht es darum, wie wir mit einem sehr starken Draw spielen oder wie wir unimproved den Pot eventuell auch ohne jeglichen Hit gewinnen können.
Die Erwartungen an den Flop
Wir wissen, was wir von einem suited Connector zu erwarten haben. Wir haben uns angeschaut, welche möglichen Draws wir aufgreifen können. Sollten wir preflop optimal gespielt haben, so befinden wir uns recht häufig in einer Heads-up-Situation als Preflop-Aggressor oder aber in einem Multiwaypot, in dem wir natürlich am besten in Position agieren dürfen.
Was wollen wir nun treffen? Ein strong made Hand, sprich eine fertige Straight oder einen made Flush würden wir natürlich favorisieren. Jedoch wissen wir, dass dies nur in den seltensten Fällen zutrifft (einen made Flush trifft man in ca. 1% der Fälle). Selbstverständlich können wir auch 2Pair oder Trips treffen, so wie das mit any two Cards der Fall ist. In diesen Fällen ist natürlich reines Valueplay die beste Variante.
Wesentlich häufiger treffen wir jedoch „nur“ einen Draw. Auf der einen Seite sagen wir „nur“, da wir letztlich eine Verbesserung unserer Hand benötigen, sollten wir bis zum Showdown weiter spielen. Auf der anderen Seite muss uns klar sein, dass ein 2-suited Board in unserer Farbe (oder ein OESD) als „getroffen“ gilt, auch wenn wir wissen, dass wir nur in einem von drei Fällen bis zum River unsere benötigte dritte Flush-Karte auf dem Board antreffen werden.
Führt man sich diese Punkte vor Augen, so wird einem recht schnell klar, warum wir so häufig über die notwendige Aggressivität geredet haben und warum es so dermaßen wichtig ist, sich etwas Foldequity zu versprechen.
Outs, Odds und Foldequity
Diese drei Punkte sind die grundsätzlich entscheidenden Faktoren, wenn wir einen Draw spielen wollen.
Zuerst müssen wir die Stärke unseres Draws einstufen, so wie wir es in Teil 1 bereits getan haben. Wir haben dort gesehen, dass es sehr unsaubere Draws gibt, die gerade mal 6 wacklige Outs haben, es aber auch Draws gibt, die uns 13-15 gute Outs bescheren.
Zu diesen Outs müssen wir uns aber in vielen Fällen auch noch Foldequity versprechen. Das heißt, unsere Gegner müssen recht häufig eine bessere Hand folden. Wir bewegen uns damit in Richtung des Semibluffs, der bekanntermaßen auf diesen zwei Faktoren beruht. Bei Draws, die 12 oder mehr Outs vorweisen können, ist eine All-In-Situation meistens profitabel für uns. Haben wir jedoch weniger Outs zur Verfügung (Standard sind 8 [OESD] oder 9 [Flushdraw]), wird die Foldequity entscheidender.
Wir wissen, dass ein Bluff dadurch definiert ist, dass eine bessere Hand als unsere einen Fold findet und wir mit der aktuell schlechteren Hand den Pot direkt gewinnen. Genau dieser Punkt ist bei Draws allgemein erfüllt, da wir meistens absolut keinen Showdownvalue haben. Es lohnt sich daher auch aus diesem Grunde, sehr aggressiv zu spielen. Mit einem Middlepair beispielsweise würde ein „Bluff“ uns eher Schmerzen bereiten, wenn wir davon ausgehen müssten, sogar häufig die beste Hand zu folden.
Definitionsgemäß bietet ein Semibluff zusätzlich die Möglichkeit, auf späteren Streets zu improven. Wir haben also einige Outs auf unserer Seite. Eben diese benötigen wir dringend, sollte unser Gegner auf unsere 3-Bet pushen. Denn genau dann kommen wir wieder zu einem der wichtigsten Themen im Pokern: den Outs and Odds.
Selbstverständlich spielen die Odds vermehrt dann eine Rolle, sollten wir uns entscheiden, einen Draw passiv zu spielen. Dies sollte wie erwähnt meist nur in Multiwaypötten der Fall sein. Aber genau die gleiche Problematik haben wir auch im Heads-up als Preflop-Aggressor zu bewerkstelligen. Wer hier mathematische Fehler begeht, schiebt zu häufig als Underdog sein Geld in die Mitte und begeht damit langfristig Fehler, die ihm einen Haufen Geld kosten können. Hierzu werden wir uns unten ein Beispiel anschauen.
Aggressiv oder passiv?
Diese Frage stellt sich natürlich vornehmlich in Multiwaypötten (raised oder unraised). Wir wissen, dass wir neben unseren Outs auch Foldequity benötigen, um einen Draw profitabel spielen zu können. Da die Foldequity natürlich in Multiwaypötten aufgrund der vermehrten Gegner deutlich sinkt, lohnt sich hier in den meisten Fällen eher eine passive Spielweise.
Da in kleineren Pötten auch davon ausgegangen werden kann, am Turn und am River weitere Entscheidungen treffen zu müssen, spielen hier natürlich auch die implied Odds eine wichtige Rolle. Was können wir in den zukünftigen Wettrunden noch erwarten, sollten wir unseren Draw treffen?
Klar ist: Je mehr Gegner im Pot sind und je looser diese postflop agieren, desto höher können wir uns unsere implied Odds anrechnen. Ganz wichtig ist hierbei natürlich die Position, da wir somit am Turn selbst die Kontrolle haben. Wir können als Letzter betten, sollten alle zu uns checken. Wir können raisen, wenn gebettet wurde und der Pot bereits eine interessante Größe angenommen hat (hier immer daran denken, dass wir bei einem ankommenden Flush am Turn nicht nur Value extrahieren wollen, sondern auch vor einer 4. Flushkarte am River protecten müssen!) und wir verhindern auf jeden Fall, dass eine Freecard gewährt wird.
Sollten wir solche Situationen antreffen, so bietet es sich an, seinen Draw passiv zu spielen, das bedeutet auf eine Bet am Flop hin nur zu callen oder bei bislang keiner vorhandenen Aggression selber nur zu checken und sich eine Freecard zu gönnen.
Beispiele
Wir haben letztes Mal bereits das Preflopplay angeschaut und analysiert, deswegen führen wir diese Hände heute fort, ohne jedoch erneut auf die Preflop-Aspekte einzugehen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 Handed)
Stacks & Stats
BU ($25) (22/16/3.0/23/512) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
MP ($25)
UTG ($25) (40/8/1.0/29/780) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is CO with 6

UTG calls $0.25, 1 fold, Hero raises to $1.25, 3 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) A


UTG checks, Hero...
Nach unserer obigen Definition haben wir den Flop getroffen. Wir halten einen Flushdraw mit 9 relativ sauberen Outs. Wir wissen, dass wir nun auch ein gewisses Maß an Foldequity benötigen. Unser Gegner scheint eher der Typ Callingstation zu sein, gegen den eine Continuationbet wohl nicht sehr häufig gelingen wird.
Unsere Optionen sind klar. Wir können behindchecken und uns eine Freecard nehmen oder aber wir betten. Wir sollten uns hier für eine Bet entscheiden!
Ein Bet hat hier zahlreiche Vorteile:
- Wir haben auch gegen diesen Gegner Foldequity. Wir werden in vielen Fällen den Pot direkt mitnehmen.
- Das Board ist nicht schlecht für uns. Wir können sehr gut das Ass repräsentieren und Villain wird hier recht häufig auf einem kleinen Pocketpair sitzen, welches er aufgeben muss. Ein Draw ist natürlich recht unwahrscheinlich, da wir selber den Flushdraw halten.
- Gegen den passiven Gegner haben wir in den seltensten Fällen ein Checkraise zu erwarten.
- Wir sind in Position und haben somit am Turn die Möglichkeit, eine Freecard zu nehmen. Wir können also davon ausgehen, dass wir durch unsere Continuationbet am Flop am Turn meistens eine Freecard bekommen könnten.
- Sollten wir am Turn treffen, können wir weiterhin valuebetten. Dieser Gegner wird uns recht selten einen Flush abkaufen.
- Sollten wir nicht betten und am Turn auch nicht treffen, so haben wir ein Problem, sollte Villian den Turn donken. Unsere Equity ist natürlich gesunken, da nur noch eine Karte aussteht. Somit können wir kaum noch einen profitablen Call finden.
- „Zur Not war es gut fürs Image!“. Wenn die Gegner sehen, dass wir hier mit einem Draw weiter betten, werden sie in den nächsten Händen noch looser callen. Natürlich müssen wir uns dort anpassen, aber wir werden gerade mit starken Händen gut ausbezahlt und können die Callingstations knebeln und nach Valuetown entführen.
Insgesamt überwiegen hier klar die Argumente für eine Bet.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 Handed)
Stacks & Stats
BU ($25)
MP ($25) (13/9/2.4/25/455) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25) (40/8/1.0/29/780) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
BB ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is CO with 6

UTG calls $0.25, MP calls $0.25, Hero calls $0.25, 1 fold, SB calls $0.25, BB checks.
Flop: ($1.25) 4


SB checks, BB bets $1.00, UTG calls $1.00, MP folds, Hero calls $1.00, SB folds
Flop: ($4.25) 8
BB bets $3.00, UTG calls $3.00, Hero raises to $13.50,
In dieser Situation befindet sich Hero in einem Multiwaypot. Er hat den Flop recht gut getroffen, da er einen OESD mit 8 Outs hält. Da das Board rainbow geblieben ist, kann sich Hero volle 8 Outs anrechnen. Zudem gibt ihm der Backdoorflushdraw noch ein zusätzliches Out.
Trotzdem findet er am Flop nur einen Call. Ein Raise macht hier nicht sonderlich viel Sinn, da die Foldequity einfach zu gering ist. Viel lieber möchte er alle Spieler im Pot behalten und wenn möglich am Turn treffen. Da er sich in Position befindet, kann er dort – wie bereits oben erläutert – alles kontrollieren und den Pot wachsen lassen, sofern er dies möchte.
Am Turn kommt dann der Treffer. Wieder bettet der Big Blind und UTG callt. Nun kommt ausschließlich ein Raise in Frage.
Für Slowplay ist hier absolut kein Platz, denn ein Raise hat auch hier viele Vorteile:
- Hero hält die Nuts. Damit möchte er Value von seinen Gegnern haben. Viele Gegner werden hier mit schwächeren Händen bezahlen.
- Der Pot ist relativ klein. Mit einem Slowplay kann Hero kaum davon ausgehen, am River jemanden All-In zu bekommen. Also muss das Geld am Turn geholt werden und ein River-All-In vorbereitet werden.
- Sollte jemand tatsächlich einen Backdoorflushdraw oder einen OESD haben, wird er am Turn eventuell noch bezahlen, am River ohne Hit garantiert nicht mehr.
- Hero muss demnach protecten. Viele Hände haben viele Outs. Der Backdoorflush ist vielleicht nicht allzu ernst zu nehmen, hätte aber natürlich 9 Outs. Hält beispielsweise jemand ein Set, so hat dieser ganze 10 Outs gegen uns. Jedes Twopair hat 4 Outs gegen uns.
- Am River kann die Geschichte dann kippen. Pairt sich beispielsweise das Board, kann Hero nicht mehr davon ausgehen, immer vorne zu liegen. Er kann sich hier in eine schwierige Situation manövriert haben, die er am Turn hätte verhindern können.
- Das Board kann sich auch so entwickeln, dass unsere Gegner auf einmal nicht mehr bereit sind, Geld zu investieren. Kommt beispielsweise eine 6 oder 7 am River, so ist eine Straight recht offensichtlich. Ein 3.
könnte ebenfalls die Action killen.
Demnach muss es das Ziel von Hero sein, am Turn möglichst sein ganzes Geld zu investieren. Mindestziel ist es, den Pot ordentlich aufzublähen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 Handed)
Stacks & Stats
BU ($25)
MP ($25) (17/13/2.1/22/445) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
UTG ($25)
BB ($25) (25/21/3.2/24/722) [VPIP/PFR/AF/WTS/Hands]
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is CO with 6

1 fold, MP raises to $1.00, Hero raises to $3.25, 3 folds, MP calls $3.25
Flop: ($6.85) 3


MP bets $5.00, Hero raises All-in
Wir bekommen am Flop eine Donkbet eines leicht aggressiven Spielers. Schauen wir uns also an, inwiefern wir das Board getroffen haben. Neben unserem Flushdraw haben wir noch ein Middlepair getroffen. Dies scheint zwar auf den ersten Blick nicht viel wert zu sein, aber wir wissen dass jede 6 uns Trips beschert und jede 7 ein Twopair. Wir gehen davon aus, mit diesen Händen recht häufig vorne zu liegen, denn Villain kann hier durch ein Toppair getroffen haben (ebenso kann er natürlich ein Overpair halten oder mit einem Middlepair nur schauen, wo er steht [mit einem Middlepair JJ- liegt er natürlich aktuell vorne]).
Wir können uns somit in den meisten Fällen 13 Outs geben, das reicht aus um am Flop profitabel All-In zu gehen. Aufgrund der Potgröße pushen wir natürlich direkt, da uns die Foldequity hier natürlich ebenfalls zugute kommt.
Was wäre aber auf folgendem Flop bei anderer Action:
Flop: ($6.85) 3

MP checks, Hero bets $5.00, MP raises All-in [$21.75]
Wir halten diesmal nur einen Flushdraw und liegen somit mit 9 Outs equitytechnisch nicht mehr ganz so gut im Rennen. Villain checkraist uns nun und gibt uns recht schlechte Odds.
Wie oben bereits erwähnt, spielen in diesem Zusammenhang die Odds nun eine wesentliche Rolle. Unsere Outs kennen wir, Foldequity existiert leider nicht mehr.
Wir müssten $16.75 callen, um $33.60 zu gewinnen. Das sind ziemlich genaue Odds von zwei zu eins. Wie wir wissen, sind dies gerade die benötigten Odds, um profitabel auf einen Flush zu callen (er muss in einen von drei Fällen ankommen).
Nun gehen wir aber davon aus, dass unser Gegner recht tight ist und hier nahezu nie bluffen wird, sondern nur mit made Hands checkraisen würde. Hätten wir auch in diesem Falle die benötigten 33,3%?
Bemühen wir hierfür einmal den Equilator:
Equity Gewonnen Unent. Verloren Hand
Spieler 1: 33.829 % 33.829 % 0.000 % 66.171 % 7d6d
Spieler 2: 66.171 % 66.171 % 0.000 % 33.829 % QQ+, 22-33, AQs, KQs, AQo, KQo
Wie wir sehen, haben wir auch gegen eine sehr tighte Range unseres Gegner die benötigten 33,3%. Auch wenn es natürlich varianzreich ist, haben wir hier einen Call zu tätigen.
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Suited Connectors sind ein schwieriges Gebiet. Wir haben aufgezeigt, wie wir mit diesen Händen am besten umgehen und wann wir sie aggressiv spielen sollten. Die Foldequity ist hierbei von enormer Wichtigkeit, da wir postflop sehr häufig mit Draws spielen müssen und somit in den Bereich der Semibluffs kommen, die von der Foldequity leben. Angesehen haben wir uns ebenfalls, welche Arten von Draws wir treffen können. Genau zu wissen, wie viele saubere Outs einem tatsächlich zur Seite stehen ist unerlässlich. Denn wie immer brauchen wir einen Plan für unsere Hand und müssen – wie in Beispiel 3 erläutert – auch wissen, wie wir auf einen Push unseres Gegners reagieren müssen, wenn uns nur noch unsere Outs übrig bleiben. Wer noch nicht auswendig weiß, wie Outs and Odds zusammengehören, sollte sich hierfür ruhig eine Tabelle an den Monitor kleben, denn diese kleine mathematische Aufgabe wird einen das ganze Pokerleben verfolgen. Wer sich viele Gedanken über diese Hände macht, wird sie auf Dauer +EV spielen. Zudem ist es natürlich ein weiterer wichtiger Aspekt um unlesbar zu bleiben und sein Spiel zu variieren. |