Das Isolieren einer Callingstation (2) - Flop und Turn
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Das Isolieren einer Callingstation (2) – Flop und Turn
von MiiWiin
Nachdem letztes Mal Gedanken zum Preflopplay gegen loose-passive Gegner analysiert worden sind, ist heute der Dreh- und Angelpunkt das Spiel am Flop und Turn.
Postflop werden die Pötte groß, hier musst du dich auf deine Gegner einstellen und gut überlegen, ob sich Bluffs (Semibluffs) überhaupt lohnen oder aber ob du dünne Valuebets setzen kannst. Diese Faktoren werden deine Winrate nachhaltig beeinflussen.
Flop und Turn? Gemeinsam stark
Es gibt einen guten Grund, warum Flop und Turn gemeinsam behandelt werden. Gerade gegen loose-passive Gegner, die nur recht ungern eine passable Hand wegschmeißen, musst du dir viele Gedanken zu deinem Gesamtplay machen.
Ein Play, was bei vielen Spielern vorherrscht, jedoch (zu) selten von Erfolg gekrönt sein dürfte, sieht so aus:
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100) (35/8/0.5/31/30/20) (VPIP/PFR/AF/WTS/Fold-to-Cbet FLOP/FtCbet TURN)
BU ($100)
Hero ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is SB with X, X
2 folds, CO calls $1.00, 1 fold, Hero raises to $6.00, 1 fold, CO calls $6.00
Flop: ($13.50) 5


Hero bets $9.00, CO calls $9.00
Turn: ($31.50) 8
Hero checks, CO bets $12.00, Hero folds
In diesem Beispiel kann man recht viel analysieren. Es beginnt mit der Prefloprange.
Solch einen Postflopspot hast du nun einmal recht häufig zu erwarten und du kannst dir vorstellen, dass du hier ungern mit jeder Craphand am Flop out of Position stehen willst. Daher ist die sorgfältige Auswahl der Prefloprange wichtig.
Der nächste Punkt ist die Line Continuationbet Flop - check/fold Turn. Leider ist genau dieses Play wenig sinnvoll gegen Callingstations. Diese Spieler am Flop zu vertreiben, ist nicht einfach, und selbst aufmunternde Aussagen wie „naja, immerhin foldet er zu 30%...“ reichen in den meisten Fällen nicht aus.
Schaust du dann erst am Turn auf den „Fold to CBet Turn“, hast du schon einen Fehler begangen. Bringst du diese Continuationbet als Bluffbet an, so wird sie (laut Stats) einfach nicht häufig genug von Erfolg gekrönt sein, um letztlich „+EV“ zu laufen.
Der häufigste Fehler liegt jedoch darin, dass viele Spieler auf solche Werte gar nicht achten (bzw. ohne das HUD nicht schauen, wie sich diese Spieler gegen andere Regulars auf multiple Barrels verhalten).
Was ist dabei nun die Lösung? Du musst dir klar überlegen, ob eine Continuationbet überhaupt sinnvoll ist. Wenn du der Meinung bist, dein Gegner legt auf eine einfache Barrel am Flop nichts weg, sind zumindest die Alternativen klar:
- gar nicht contibetten
- mindestens zweimal barreln
Sofern der Begriff multiple Barrels in den Mund genommen wird, sollte einem klar sein, dass gerade solche Spieler nicht gerade geeignete Opfer dafür sind. Sprüche wie „don't bluff the fish“ hat man dort sofort im Hinterkopf.
Dies ist auch grundsätzlich richtig, jedoch musst du dich für eine Alternative entscheiden. Freilich kannst du nicht jedes Mal check/folden, wenn du das Board nicht getroffen hast. Ebenso wenig kannst du jedes Mal in der Hoffnung durchballern, dass selbst solch ein Spieler irgendwann von seinem Middlepair loslassen muss.
Und genau hier wird es interessant, hier gehört der Bogen geschlagen zum Preflopplay. Diesen Spot, den du nun vorgesetzt bekommst, hast du dir preflop selber eingebrockt. Du musst gehörig aufpassen, deine grundsätzliche Edge gegen solche Spieler nicht dadurch zu verlieren, zu viel Crap zu spielen und durch sinnlose Plays postflop soviel zu verlieren, dass du unterm Strich gerade mal breakeven spielst.
Daher ist es jedes Mal wichtig, das Postflopverhalten der Gegner zu studieren und daraufhin eine Handauswahl preflop zu treffen.
Das Board: Outs?
Neben dem Gegner und der Position ist es selbstverständlich von höchster Bedeutung, was das Board dir offeriert. Hier gelten ähnliche Fragen wie bei den Artikeln zum Thema Continuationbets.
Jedoch musst du auch hier beachten: Es ist nicht einfach, ausreichend zu analysieren, ob der Flop XYZ jetzt profitabel gebettet werden kann. Gleichermaßen gehört die Fragestellung in den Raum geworfen, ob und was du getroffen hast, ob du Outs besitzt, ob du gegen diesen Gegner 2nd-barreln kannst, um ihn aus dem Pot zu drängen oder aber im Falle eines Hits noch ausbezahlt zu werden.
Hände die ausschließlich auf der Foldequity beruhen, haben somit einen durchaus geringen Wert gegen solche Gegner. Bist du dem entsprechend nicht der Auffassung, deinen Gegner durch multiple Barrels aus dem Pot zu vertreiben, solltest du es eher lassen.
Turnplay
Am Turn kann es teuer werden, Fehler kosten eine Menge, jedoch verspricht jede gut durchdachte Valuebet eine Menge Profit. Einige Grundgedanken zum Play gegen solche Spieler werden nun aufgelistet:
Thin Valuebets:
Da du weißt, dass solche Gegner gerne mit marginalen Händen heruntercallen, solltest du auch mit Händen wie schwachen Toppair-Händen oder Middlepairs thin for Value betten. Du bekommst häufig unglaubliche Calls.
Bet/fold for free Showdown:
Unter Beachtung der Call-Freudigkeit ist die Line bet/fold for free Showdown wunderbar. Es reicht schon, wenn ein x-beliebiger Draw möglich ist. Glaube nicht, dass Villain einen Gutshot einfach am Turn foldet. Je mehr Draws möglich sind, desto schwächer kann deine Hand sein, mit der du for Value bettest.
Freecards mit Draws:
Bei nahezu Null Foldequity ist es kaum sinnvoll, einen Draw am Turn, gerade in Position, aggressiv zu spielen. Sofern du nur einen Draw hast und somit nicht for Value betten kannst, solltest du auf die Möglichkeit der Freecard zurückgreifen. Am River kannst du bei einem Hit immer noch ausreichend Value extrahieren.
Bedenke zudem, dass du gegen solche Gegner nicht zu balancen brauchst (der Gegner wird nicht mitbekommen, dass du einen Draw nur checkst, mit made Hands aber for Value bettest. Auch anderen Regulars verrätst du damit nichts, da ihnen klar ist, dass dein Spiel gegen Callingstations anders aussieht als gegen normale Gegner).
Potcontrol/Protection:
Ist es ratsam, gegen aggressive Gegner mit einer eher als marginal zu bezeichnenden Hand, auch mal auf Potcontrol zu spielen, ist dies hingegen bei solchen Gegner nicht nötig. Da unglaublich viele drawing Hands im Umlauf sein können, ist Protection hier einfach sehr wichtig, die Potcontrol kann vernachlässigt werden.
Zudem ist ein weiterer Vorteil der Potcontrol das Induzieren von Bluffs (Checkbehind Turn, Call River). Da Callingstations aber nicht zum Bluffen neigen, solltest du darauf eher verzichten.
Keine Angst vor einem (Check-)Raise:
Das Argument ich möchte nicht gecheckraist werden zählt bei loose-passiven Spielern nicht. Wenn du eine Value- und Protectionbet hast, dann setze sie. Dies ist zum einen wichtig, um zu protecten (siehe oben: Potcontrol und Bluffinduce ist wenig sinnvoll), zum anderen brauchst du keine Angst vor lighten Raises oder gar Bluffraises zu haben.
Raises sind meistens die Nuts:
Nach gängiger Meinung ist ein Raise eines solchen Spielers meistens eine starke Hand. Hier gilt es abzuschätzen, wo du dich mit deiner Hand befindest. Eng wird es, wenn du selbst eine gute Hand (TPTK+) vorweisen kannst. Verfalle aber nicht dem Irrglauben, dass solche Spieler nun anfangen, Draws gegen dich zu checkraisen. Damit wirst du häufiger nach Valuetown entführt, als es eigentlich umgekehrt der Fall sein sollte.
Bet/bet/bet:
Wenn du dir einen Satz merken solltest, dann diesen: Setze gegen solche Spieler (sofern du eine made Hand hast) so lange, bist du Widerstand erfährst.
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100) (35/8/0.5/31/30/20) (VPIP/PFR/AF/WTS/Fold-to-Cbet FLOP/FtCbet TURN))
BU ($100)
Hero ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is SB with K
2 folds, CO calls $1.00, 1 fold, Hero raises to $6.00, 1 fold, CO calls $6.00
Flop: ($13.50) 4


Hero bets $9.00, CO calls $9.00
Turn: ($31.50) 6
Hero bets $21.00, CO raises to $45.00, Hero folds
Ein Beispiel für die Einschätzung eines Raises eines solchen Gegners. Du musst hier schon wahnwitzige Annahmen treffen, um dich hier noch vorne zu sehen. Raist hier solch ein Spieler QJ? Raist er 77? Raist er einen Flushdraw?
Jeder Spieler ist unterschiedlich, aber dieser Grundtypus hat solche Hände unter normalen Umständen nicht in seiner Raisingrange. Ab und an kommt es mal vor, dass er Hände overplayt, das wäre aber eher so etwas wie AJ oder Overpairs. Der Rest seiner Range besteht hier wohl in erster Linie aus Twopairs, Sets und Straights.
PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100) (35/8/0.5/31/30/20) (VPIP/PFR/AF/WTS/Fold-to-Cbet FLOP/FtCbet TURN))
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is BU with Q
2 folds, CO calls $1.00, Hero raises to $5.00, 2 folds, CO calls $5.00
Flop: ($11.50) 4


CO checks, Hero bets $8.00, CO calls $8.00
Turn: ($27.50) K
CO checks, Hero bets $22.00
Checkbehind Turn? Warum? Du hast am Flop ein brauchbares Toppair getroffen, einen King hat dein Gegner jedoch eher selten in seiner Range. Druckst du dir eine Liste aus, mit welchen möglichen (schlechteren) drawing Hands dieser Gegner wohl bereit sein wird, am Turn eine weitere Bet zu callen, kannst du vermutlich dein Wohnzimmer damit tapezieren. Du hast hier eine klare Value- und Protectionbet.
Ob sie schon for free Showdown ist, entscheidet die Riverkarte, aber zumindest wirst du meistens die Option angeboten bekommen.
Und denke daran: Auch ein Spieler ohne viel Ahnung wird am River nicht mehr QJo, A

PartyPoker $100 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($100)
MP ($100)
CO ($100) (35/8/0.5/31/30/20) (VPIP/PFR/AF/WTS/Fold-to-Cbet FLOP/FtCbet TURN))
Hero ($100)
SB ($100)
BB ($100)
Preflop: Hero is BU with 5
2 folds, CO calls $1.00, Hero raises to $5.00, 2 folds, CO calls $5.00
Flop: ($11.50) 3


CO checks, Hero bets $8.00, CO calls $8.00
Turn: ($27.50) 9
CO checks, Hero checks
Dünne Valuebets setzen ja, Semibluffs jedoch in Grenzen halten. Eine Valuebet hast du hier offensichtlich nicht. Ob du mit der 9
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Die wichtigsten Sätze lauten wohl „Bet, bet, bet“ und „Don't bluff the fish“. Setze dünne Valuebets, übertreibe es aber nicht mit Semibluffs. Studiere deinen Gegner, schau genau wie er auf Flop- und Turnbets reagiert und ob es demnach sinnvoll ist, nur den Flop zu contibetten, zu 2nd-barreln oder gar keine Bet zu setzen. Passe dein Preflopplay rückführend auf diese Analyse an und manövriere dich nicht zu häufig in Spots, in denen du postflop aufgeschmissen bist (“…der foldet ja eh nichts…“). Denn diese Fakten sind dir bereits preflop bekannt. |
