TAG-Ranges Preflop (1) - Raisingranges
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TAG-Ranges Preflop (1) - Raisingranges
von MiiWiin
Heutzutage dienen Statistiken und grobe Gegnereinschätzungen dazu, sich nicht nur ein Bild über einen Kontrahenten zu machen, sondern sie bieten dir auch die Möglichkeit, gegen Ranges zu spielen.
Um gegen eine Range zu spielen, musst du diese natürlich auch annehmen. Allerspätestens am River fragst du dich schon, ob gewisse Hände, die dich nun schlagen würden, überhaupt in Villains Range sind. Könnte er sie preflop überhaupt gespielt haben und damit auch Flop und Turn überstanden haben?
Heute geht es erstmal darum, dir zu überlegen, was ein TAG preflop so alles spielen kann.
Warum ein TAG?
Sicherlich wäre es ebenso interessant, Ranges über sehr loose oder sehr tighte Spieler zu erfahren, allen voran Callingstations. Jedoch spielen diese Leute so diffus, dass es kaum zu bewerten ist, was sie limpen, raisen oder 3-betten.
Nähert man sich groben Ranges an, so sollte der TAG dabei am besten durchleuchtet werden können.
Top-Ranges und reale Ranges
In den Beispielen, die du heute siehst, wirst du jeweils einen exakten Wert vorgesetzt bekommen. Diesen in den Equilator einzugeben und sich das Ergebnis anzuschauen ist nicht sonderlich schwer.
Jedoch spielst du nahezu nie gegen Top-Ranges (die Top-Equity-%), sondern gegen variable Ranges.
Beispiel: Auch wenn A9o eine ähnliche Equity gegen eine Range besitzt wie 55, so wird diese Hand selten in einer UTG-Raisingrange sein, während neben 55 auch sicherlich noch kleinere Pocketpairs dabei sind.
Gleiches gilt für suited Connectors, welche equitymäßig nicht gut dastehen. Das müssen sie aber auch nicht, denn wie du sicherlich weißt, leben diese von ihrer Postflop-Playability und den damit verbundenen Implied Odds. Dennoch musst du dich fragen, in welchem Maße diese Hände in Villains Range vertreten sind.
Unser Standard-TAG
Welchen Spieler sollst du nun begutachten? Es wird folgender sein:
(24 / 21 / 2.5) [VPIP / PFR / AF]
(14 / 18 / 27 / 37 / 20 / 10) [Openraise EP / MP / CO / BU / SB / BB]
(0 / 2 / 6 / 10 / 7 / 9) [3-bet EP / MP / CO / BU / SB / BB]
(2.4 / 2.9 / 3.1 / 3.9 / 3.1 / 2.4) [4-bet-Range EP / MP / CO / BU / SB / BB]
Was sagen dir die Stats?
Nun stellst du dir natürlich die Frage, was du aus diesen Stats grundsätzlich herauslesen kannst:
(24 / 21 / 2.5) [VPIP / PFR / AF]
Standardwerte einens TAGs auf den Low-/Midstakes, eher zum aggressiverem Style neigend.
(14 / 18 / 27 / 37 / 20 / 10) [Raise EP / MP / CO / BU / SB / BB]
Eine angemessene Verteilung. Recht zurückhaltend aus Early Position, in Position immer aggressiver werdend. Der Spieler stealt jedoch recht viel, er nutzt dafür seine Position. Out of Position wird er wieder tighter, im Big Blind hat er selten die Möglichkeit, überhaupt als erster zu raisen.
(0 / 2 / 6 / 10 / 7 / 9) [3-bet EP / MP / CO / BU / SB / BB]
Der Tag 3-bettet lieber am Button als out of Position. Im Cutoff hält er sich jedoch zurück, er attackiert seltener early Openraises. Im Big Blind 3-bettet er mehr als im Small Blind. Das bedeutet einerseits, er wird lieber aggressiv, wenn er last-to-act ist oder aber er konzentriert sich vermehrt auf Blindbattles. Du hattest ja bereits gesehen, dass dieser Spieler gut auf Position achtet, er wird somit lieber im BB vs SB 3-betten als beispielsweise im SB gegen den BU.
(2.4 / 2.9 / 3.1 / 3.9 / 3.1 / 2.4) [4-bet-Range EP / MP / CO / BU / SB / BB]
Normale 4-Bet-Range, nicht sonderlich aggressiv. Die höchsten Werte liegen im CO bzw. am BU. Das bedeutet, er wird sich häufiger gegen lighte 3-Bets zur Wehr setzen. Das Gleiche gilt im SB, hier bspw. gegen lighte 3-Bets aus den BB.
Cold-4-bettet der Spieler aus dem Big Blind, dann wohl ausschließlich for Value.
Raisingranges
Du kannst dich nun hinsetzen und versuchen auszuwerten, welche Hände dieser Spieler wohl raisen wird. Wie bereits erwähnt, die reinen %-Zahlen reichen dabei nicht aus. Keine der Ranges wird eine Top-%-Range sein (ausgenommen evtl. die 4-Bet-Ranges, aber dazu später mehr).
Du siehst dort sechs Zahlenwerte, versuche sie zu interpretieren.
Die Top-%-Range: 55+, A7s+, KTs+, A9o+, KJo+
Ist sie realistisch? Nein.
Wie schon am Anfang erwähnt, wird A9o selten in einer UTG-Range vorhanden sein, vor allem nicht bei dem Gesamtwert. Bezweifeln darf man ebenso alle suited Aces A7s+ sowie KJo.
Wer in Early Position openraist, muss damit rechnen, postflop out of Position zu agieren oder sich vorher noch eine 3-Bet einzufangen. Daher ist es absolut logisch, dass man die Range eher klein halten sollte.
Zudem wäre es schön eine Hand mit Playability zu besitzen, die viele Spieler aus dieser Position gar nicht in der Range sehen. Verzichten sollte man dabei eher auf dominierte Hände, mit A9o oder KJo- wird man postflop meistens in schwere Spots kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass bessere Kx /Jx-Hände callen, ist deutlich größer, als dass schlechtere callen.
Somit fliegt A9o raus, ebenso knapp ATo. KJo und KTs wird auch selten vorhanden sein, dafür aber die Pocketpairs ab 22.
Bei den suited Aces gibt es ebenfalls einen Haken. Eine Hand wie A7s kann kaum for Value geraist werden. Sollte es postflop auf Axx-Board Action geben, ist der Kicker nahezu niemals gut.
Daher gilt diese Hand eher als drawing Hand, und eine drawing Hand möchte lieber neben den Flush-Chancen Möglichkeiten auf eine Straight haben. Daher ist es wahrscheinlicher, dass A5s-A2s geraist werden als A9s-.
Was fehlt noch? Suited Connectors. Diese Hände sind sicherlich kein Standardraise aus early Position, können aber je nach den Spielern am Tisch mit aufgenommen werden. Ideale Chancen auf die Straight besitzen Hände wie 54s bis JTs, sie haben nach oben sowie nach unten alle Optionen offen, einen open-ended Straightdraw zu treffen.
Macht es einen Unterschied, ob man 54s oder JTs spielt? Raist dieser Spieler aus UTG, werden viele Hände callen, die sich Implieds geben. Beispielsweise kleine Pocketpairs oder eben suited Connectors.
Und nicht jede Hand muss All-In gehen oder geblufft werden, ab und an geht es auch billig zum Showdown. Und in genau diesen Spots sollte man gut dastehen. Dass hier bspw. JTs deutlich besser ist als 54s, weil es die meisten Hände aus der Range JTs-54s sowie Pocketpairs von TT bis 22 dominiert, versteht sich von selbst.
Somit gibst du die Hände JTs bis 98s mit hinzu, ebenfalls kommt QJs in die Range. Sie hat zwar ein paar Nachteile im Treffen einer guten Straight, dafür aber wieder etwas mehr Highcard-Potential.
Die Range ist somit fertig:
22+, ATs+, A5s-A2s, KJs+, QJs, JTs, T9s, 98s, AJo+, KQo
Der Grundstein wurde bereits gelegt. Du siehst nun, dass in Middle Position 4% dazu kommen, welche könnten das sein?
Da du nun die Ranges erweitern musst, brauchst du dich an Top-%-Ranges gar nicht mehr zu orientieren, die Grundlage bildet ab jetzt die UTG-Range.
In Middle Position ist das Leben nicht sonderlich leichter als in Early Position.
Einige Broadway-Hände könnten vermehrt gespielt werden, dazu zählen A9s, KTs, QTs, ATo, KJo, KTo und QJo. Mit 78s kommt ein weiterer suited Connector hinzu.
Auf weitere Hände, die durchaus möglich wären, scheint dieser Spieler zu verzichten.
Somit steht seine Range:
22+, A9s+, A5s-A2s, KTs+, QTs+, JTs, T9s, 98s, 87s, ATo+, KTo+, QJo
Jetzt wird es wild. 27% sind ein deutlicher Anstieg, dein Kontrahent scheint seine Range zwischen Middle Position und Cutoff deutlich zu erweitern.
Nun musst du dich auf die Suche nach den restlichen 13% begeben:
Suited Connectors sind ab 54s dabei, ebenso alle suited Aces. Auch Hände wie K9s muss man dazurechnen.
Offsuited Aces ab A8o wären möglich, zudem die letzten Broadways mit QTo und JTo.
Erweitert wird die Range um weitere drawing Hands, nämlich die suited One Gapper wie J9s bis 86s.
Fertig ist seine Range: 22+, A2s+, K9s+, QTs+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 76s, 65s, 54s, A8o+, KTo+, QTo+, JTo.
Am Button wird fleißig gestealt, auch wenn hier noch mehr möglich wäre. Dem Spieler ist in einem solchen Spot klar, dass die Hand viel häufiger direkt den Pot gewinnen wird, anstatt postflop um große Pötte zu spielen. Somit wird any offsuited Ace dabei sein, möglicherweise K7o+, K2s+, die verbleibenden One Gapper ab 53s sowie 43s sowie die Hände Q8s+.
Damit steht die Range:
22+, A2s+, K2s+, Q8s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 64s+, 53s+, 43s, A2o+, K7o+, QTo+, JTo
Im Small Blind wird dieser Spieler verständlicherweise wieder tighter. In dieser Position ist eines klar: Wird sein Raise gecallt, spielt er immer out of Position.
Ob er nun light isolieren oder aber den BB attackieren möchte, die Ranges können hier schon etwas variieren.
Einige Spieler setzen hier auf Playability und nehmen viele drawing Hands in die Range, andere Spieler setzen auf die Equity und versuchen, mit möglichst vielen Kx/Ax-Händen zu stealen.
Dein Problem: Nur anhand der Stats wirst du es nicht wissen.
Du musst also Annahmen treffen:
Suited Aces werden dabei sein, Ausnahmen könnten A6s-A8s bilden, offsuited Aces wird er bis ATo möglicherweise herausnehmen.
Für die Kx-Hände wären KTo+ sowie K9s+ eine vernünftige Annahme.
Herausfallen würden zudem 65s-, 86s-, Q9s- und JTo.
Damit würde die Range wie folgt aussehen:
22+, A9s+, A5s-A2s, K9s+, QTs+, J9s+, T8s+, 97s+, 87s, 76s, ATo+, KTo+, QTo+
Bleibt nur noch der Raise-Wert im Big Blind. Dieser ist für dich grundsätzlich uninteressant, da er nur in Frage kommen würde, solltest du selbst gelimpt haben. Möglicherweise durch einen SB-Complete. Das wäre der einzig interessante Fall.
Im BB wird Villain jedoch vorsichtig sein, gegen viele Limper großartig Action zu machen, selbst Pocketpairs sind hier kein Pflichtraise mehr, da kann sich der Spieler auch in Ruhe zu einem günstigen Preis den Flop angucken.
Daher ist die Range sehr tight: 66+, ATs+, KJs+, ATo+, KQo
Ausnahmen
In den kommenden Teilen, wenn es um Calling-, 3-Bet- und 4-Bet-Ranges geht, müssen viele Spots getrennt beachtet werden. Hier sind die meisten Werte aussagekräftig, die einzige Ausnahme ist die Anzahl der Limper in der Hand.
Sollten beispielsweise drei Spieler schon gelimpt haben, wird dieser Spieler keine 20% aus dem SB raisen, sondern gesitteter zu Werke gehen, da die Foldequity wohl nahezu Null ist und er davon ausgehen muss, einen Pot postflop out of Position zu spielen.
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Sich über Ranges Gedanken zu machen hilft ungemein bei der Einschätzung eigener Spielzüge. Ein Blick auf die Stats und die daraus resultierende Aussage "wow, der raist da aber viel…" ist zwar auch nützlich, hilft aber nicht wirklich wenn man dem Gegner eine grobe Range geben möchte. Wichtig ist das Wort "grob", die oben genannten Ranges basieren selbstredend auch auf Annahmen und Erfahrungen. Ob diese Ranges nun gut gewählt sind kann man ohnehin nicht pauschalisieren, jedoch solltest du auch nicht seinen Spielstil analysieren sondern seine Ranges. Im kommenden Teil stehen dann erstmal die Calling-Ranges auf dem Programm. |
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