Aktualisiert am 12 März 26 von

TAG-Ranges Preflop (4) - 4-bet Ranges

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TAG-Ranges Preflop (4) - 4-bet Ranges

von MiiWiin

Im vierten und letzten Teil unserer Kolumne über die möglichen Ranges eines TAGs im Preflopplay sollen die 4-Bets beleuchtet werden. Sie sind ein aggressives Mittel und werden for Value sowie als Bluff eingesetzt.

Nach einer 4-Bet musst du dich entscheiden, ob du bereit bist, um einen Stack zu spielen oder nicht. Da solltest du schon wissen, gegen welche Ranges du in solchen Spots anlaufen könntest.

Voraussetzungen

Weiterhin musst du dich mit folgendem Spieler auseinandersetzen:

(24 / 21 / 2.5) [VPIP / PFR / AF]
(14 / 18 / 27 / 37 / 20 / 10) [Openraise EP / MP / CO / BU / SB / BB]
(0 / 2 / 6 / 10 / 7 / 9) [3-bet EP / MP / CO / BU / SB / BB]
(2.4 / 2.9 / 3.1 / 3.9 / 3.1 / 2.4) [4-bet-Range EP / MP / CO / BU / SB / BB]

Die 4-Betting-Ranges dieses Spielers liegen im normalen Bereich. Besitzt er Position (CO oder BU), so greift er recht häufig zum Mittel der 4-Bet. Out of Position sieht dies jedoch nach einer klaren Valuerange aus.

Dies wird passieren, sollte der Spieler aus dieser Position openraisen und seiner Meinung nach light ge-3-bettet werden.

Grundsätzliche Ranges

Welche Hände eigenen sich überhaupt für eine 4-Bet?

Während man bei den 3-Betting-Ranges viele Annahmen treffen muss, so sind die 4-Bets meistens sehr polarisiert. Villain kann nicht erwarten dass du auf eine 4-Bet seinerseits einen Call findest und der Pot daher postflop ausgespielt wird.

Er wird von zwei Aktionen deinerseits ausgehen: Entweder du foldest oder du pusht.

Somit ist es nur sinnvoll, sollte dein Gegner die Lines 4-bet/fold oder 4-bet/broke in seinem Repertoire haben. Im Klartext: Entweder er 4-bet/foldet als Bluff oder er spielt 4-bet/broke for Value.

Auch hier gilt wieder: Wie spielst du selbst? Wie nimmt dein Kontrahent dich wahr? 3-bettest du grundsätzlich viel oder eher wenig?

Je tighter du spielst, desto weniger wird dein Gegner sich genötigt fühlen, zurück zu spielen. 3-bettest du nur 5%, so wird einfach ein großer Teil davon for Value sein, so dass sich Bluff-4-Bets dagegen nicht wirklich lohnen.

Haust du jedoch mit 3-Bets nur so um sich, wird sich das der gesamte Tisch nicht lange gefallen lassen. Die Folge: Agiert dein Gegner in Position, wird er häufiger deine 3-Bet callen oder 4-betten, spielt er out of Position, so wird er meistens 4-betten (oder natürlich folden).

Eine Value-4-Bet-Range anzugeben ist nicht sonderlich schwer:

QQ+, AK (2,56%)

Schaust du dir nun die Position-Stats an, so fällt auf, dass dein Gegner aus UTG und im BB nicht mal die volle Valuerange 4-bettet.

Dies bedeutet nicht, dass Bluffs völlig auszuschließen sind, wer jedoch nur 2,4% 4-bettet und dabei selbst Hände wie AK und QQ nicht jedes Mal 4-bettet, der wird nicht gerade sehr häufig dazu neigen, als pure Bluff zu 4-betten.

In den Positionen CO und BU jedoch steigt der 4-Bet-Wert an, der interessanteste ist wohl der BU-Wert mit 3,9%.

Hier musst du dir die Frage stellen: Welche 1,4% 4-bettet er hier zusätzlich?

Zuerst könnte man von einer erweiterten Valuerange ausgehen:

TT+, AQs+, AKo (3,77%)

Die zweite Möglichkeit: Dein Gegner polarisiert seine Range, spielt mit QQ+/AK zwar for Value, callt aber mit den anderen Händen nur deine 3-Bet. Dies würde bedeuten, die restlichen 1,4% wären eine Bluffrange:

QQ+, 22, AKs, A9s-A7s, AKo (3,92%)

Es ist enorm wichtig für dich, den Typus herauszufinden. Dies ist auch ohne Showdown möglich. Typ 1 hat mit seiner breiten Valuerange nämlich keine 4-bet/folds in seiner Range, während Typ 2 häufiger 4-bet/folden wird.

Wieso ist das so wichtig für dich?

Deine Optionen

Wirst du mit einer 4-Bet konfrontiert, so hast du nur zwei Optionen: Entweder du foldest oder aber du pushst.

Wenn du pushst, hast du zwei mögliche Ziele:

  • Dein Gegner foldet einen Teil seiner Range und du gewinnst den Pot direkt.
  • Dein Gegner callt deinen Push und du möchtest dabei eine passable Equity haben.

Die Mathematik

Leider kommst du um diesen Punkt nicht herum. Nach der 4-Bet deines Gegners gilt es für dich, den Erwartungswert deines Shoves herauszufinden.

Solltest du folden, liegt dieser bei 0. Konsequenterweise muss der EV eines Shoves bei über Null liegen. Somit sind für den Erwartungswert zwei Punkte interessant:

  • Wie hoch ist die Foldequity?
  • Wie hoch ist die Equity wenn es zum All-In kommt?
BEISPIEL 1:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25) (24/21)
Hero ($25)
BB ($25) Rock

Preflop: Hero is SB with JdJc
3 folds, BU raises $1.00, Hero raises $3.25, 1 fold, BU raises $7.50, Hero...

Die Frage ist an dieser Stelle: Ist der EV eines Pushes größer Null?

Die Annahmen wurden bereits getroffen, Villain 4-bettet hier:

QQ+/AK (2,56%) for Value, damit geht er broke.
A7s-A9s, 22 (1,36%) als Bluff, diese Hände 4-bet/foldet er.

Somit musst du zwei verschiedene Erwartungswerte addieren.

Wert 1:

Hierzu benötigst du den bereits vorhandenen Pot sowie die Foldequity.

Der Pot ist bislang: $1.00 + $3.25 + $1.00 (BB) + $6.50 = $11.75

Die Foldequity beträgt: 1.36% / 3.92% = 34,7%

Wert 2:

Bleiben die restlichen 65,3%, in denen Villain dein All-In callen wird.

Der Pot wäre am Ende: $25 + $25 + $1.00 (BB) – Rake (2$, geschätzt) = $49.00

Deine Equity:

Equityanalyse
  Equity Win  Split Loss Hand
Spieler 1  63,81% 63,60% 0,42% 35,98% QQ+, AKs, AKo
Spieler 2  36,19%  35,98% 0,42%  63,60% JJ
Gesamtrechnung

Die Berechnung der Equity ist wie folgt:

Pot: 11,75
Reststack: 21.75
P(fold): 0.347
P(call) = 1 – P(fold)
Equity: 0.3619
Pot nach all-in call: 49

Der Push-EV:

P(fold)*(Reststack + Pot) + P(call)*Equity * 49 – Reststack

(Reststack + Pot): Wenn Villain foldet endet unser Stack hier
Equity * 49: Wenn Villain callt endet unser Stack hier
P(fold)*(Reststack + Pot) + P(call)*Equity * 49: unser gewichtete (expected) Stack nach der Hand

EV(push) =  P(fold)*(Reststack + Pot) + P(call)*Equity * 49 – Reststack = 0.347*(21.75 + 11.75) + (0.653 * 0.3619 * 49) - 21.75 = 11,6245 + 11,5797 – 21,75 = 1.4542

Die Folgen

Wie du siehst, hat der Push gegen seine Range einen positiven Erwartungswert von +1,45$

Weitere Beispiele

Du weißt nun, wie es grundsätzlich geht. Dennoch sollst du dir zwei weitere Beispiele anschauen. In Beispiel 2 nehmen wir die gleichen Voraussetzungen wie oben, jedoch hältst du diesmal die Hand AQo. Im letzten Beispiel bekommst du einen neuen Gegner und eine neue Range.

BEISPIEL 2:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25) (24/21)
Hero ($25)
BB ($25) Rock

Preflop: Hero is SB with
3 folds, BU raises $1.00, Hero raises $3.25, 1 fold, BU raises $7.50, Hero...

Die Voraussetzungen sind klar, damit geht es gleich wieder an die Rechnung.

Equityanalyse
  Equity Win  Split Loss Hand
Spieler 1  75,580% 74,211% 2,738% 23,051% QQ+, AKs, AKo
Spieler 2  24,420%  23,051% 2,738%  74,211% AdQc
Gesamtrechnung

Pot: 11,75
Reststack: 21.75
P(fold): 0.347
P(call) = 1 – P(fold)
Equity: 0.2442
Pot nach all-in call: 49

EV(push) = P(fold)*(Reststack + Pot) + P(call)*Equity * 49 – Reststack = 0.347*(21.75 + 11.75) + (0.653 * 0.2442 * 49) - 21.75 = 11,6245 + 7,8137 – 21,75 -2.312

Die Folgen

In diesem Beispiel hat dein Push einen EV von -2,31$. Somit ist der Fold vorzuziehen.

BEISPIEL 3:

PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25) (4-bet Range BU: 5,88%)
Hero ($25)
BB ($25) Rock

Preflop: Hero is SB with 9d9c
3 folds, BU raises $1.00, Hero raises $3.25, 1 fold, BU raises $7.50, Hero...

Nun hast du es mit einem anderen Gegner zu tun. Er wird deutlich mehr Bluffs in seiner Range haben, dafür aber auch mit einer weiteren Range broke gehen.

Annahme:

Valuerange: JJ+, AQs+, AKo (3,32%)

Bluffrange: A9s-A6s/22-44 (2,56%)

Kannst du hier mit Pocket Nines broke gehen?

Was ändert sich?

Die Potgrößen bleiben gleich, es ändern sich aber die Foldequity sowie deine Equity gegen seine All-In Range.

Foldequity: 2,56% / 5,88% = 0,435

Equityanalyse
  Equity Win  Split Loss Hand
Spieler 1  65,057% 64,859% 0,396% 34,745% JJ+, AQs+, AKo
Spieler 2  34,943%  34,745% 0,396%  64,859% 9d9c
Gesamtrechnung

Pot: 11,75
Reststack: 21.75
P(fold): 0.435
P(call) = 1 – P(fold)
Equity: 0.3494
Pot nach all-in call: 49

EV(push) = P(fold)*(Reststack + Pot) + P(call)*Equity * 49 – Reststack = 0.435*(21.75 + 11.75) + (0.565 * 0.3494 * 49) - 21.75 = 14,5725 + 9,6731 – 21,75 = +2,4956

Die Folgen

In diesem Beispiel hat dein Push einen EV von +2,50$. Es ist somit der profitabelste aller Spots, um broke zu gehen.

Wie du gesehen hast, ist gerade die Festlegung der 4-Betting-Range eine Sache, die du bewerkstelligen kannst, um möglichst genaue Equityberechnungen durchzuführen.

Je höher der 4-Bet-Wert deines Gegner ist, desto mehr wird er auf deinen Push folden (gut für dich) und umso schwächer wird seine tatsächliche Broke-Range (ebenfalls gut für dich).

Dies musst du dir vor Augen führen.

» ZUSAMMENFASSUNG

Du hast nun einen groben Überblick über mögliche Preflopranges bekommen. Beim Thema 4-Bets konntest du schon die endgültigen Entscheidungen treffen und dich sogar recht nahe am realen Erwartungswert orientieren.

Bei den ersten Teilen jedoch sollte dir die Range postflop etwas weiterhelfen. Dafür wird es in naher Zukunft weitere Kolumnen geben die sich mit dem Postflopplay gegen Ranges beschäftigen. Zumindest wirst du dann schon wissen, welche Hände du ausschließen kannst.