Scarecard Ace (4) - Beispiele out of Position
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Scarecard Ace (4) – Beispiele out of Position
von MiiWiin
Im letzten Teil dieser Serie werden heute Beispiele out of Position betrachtet. In solche Situationen kommst du in erster Linie, solltest du deinen Blind passiv defenden oder ein anderer Spieler gegen dich in Position coldcallen.
Auch hier wird das Ass auf dem Board häufig den Handverlauf entscheidend beeinflussen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25) (unknown)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with
2 folds, Hero raises $0.75, BU calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
Hero…
Einen ähnlichen Spot hast du schon im vorherigen Teil erlebt, jedoch in Position. Out of Position ist dies nun alles noch ein Stückchen schwerer geworden, denn die Option, einfach behind zu checken und somit schon mal eine Street hinter dich gebracht zu haben, hast du selbstverständlich nicht.
Die Grundsätze sind jedoch ähnlich: Auch hier wäre es empfehlenswert, eine Bet zu platzieren und zu schauen, wie dein Gegner reagiert. Die einfache Variante ist immer, selber zu betten. Wenn du checkst, hängt der EV davon ab, was du letztlich aus deiner Hand machst.
Der Button wird hier als unknown angenommen, wüsstest du beispielsweise, dass er sehr callfreudig ist, wäre eine Bet sicherlich besser. Schätzt du ihn als einen guten Spieler ein, musst du dich schon fragen, was du mit einem Check bewirken willst?
Zuerst könntest du daran denken, einfach check/call for Bluffinduce zu spielen. Die Problematik auf diesem Flop wurde aber bereits erörtert: Du würdest hier selten eine Hand check/folden.
Hältst du gar nichts, würdest du häufig bluffbetten. Checkst du jedoch, bist du meistens im check/call-Modus (auf diesem dry Flop deutlich häufiger im check/call-Modus als im Checkraise-Modus).
Nun also davon auszugehen, dass dein Gegner hier einfach any 2 barrelt, ist sicherlich nicht korrekt.
Viel schlimmer ist aber folgendes Problem:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25) (unknown)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with
2 folds, Hero raises $0.75, BU calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
Hero checks, BU bets $1.20, Hero calls
Turn: ($4.05) (2 players)
Hero checks, BU bets $3.00, Hero calls
River: ($10.05) (2 players)
Hero checks, BU bets $7.00, Hero calls
Am Flop ist die Hand selbstredend noch nicht gelaufen. Du begibst dich mit einem Check am Flop auf den Kurs des Way ahead - Way behind, wobei du gar nicht sicher wissen kannst, was dein Gegner bettet und warum.
Du kannst jetzt versuchen, diese Hand zu analysieren: Hättest du den Turn folden sollen? Kann dein Gegner zweimal bluffbetten oder gar dreimal?
Setzt er dich auf Ax und valuebettet seine starken Hände oder gibt er dir etwas Marginales und versucht dich spätestens am River von KK- runterzubekommen?
In den meisten Fällen musst du daher sagen: Ich weiß es nicht!
Solange du nichts über deinen Gegner weißt, ist der Rest reine Spekulation. Du hast hier die Initiative am Flop, wenn du bettest, wird dies nahezu immer +EV sein.
Dass es nur eine knappe Valuebet ist, mag in der Tat so sein, aber wie du mittlerweile erfahren hast, ist dies bei den meisten A-High-Boards der Fall.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25) (unknown)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with
2 folds, Hero raises $0.75, BU calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
Hero bets $1.20, BU calls
Turn: ($4.05) (2 players)
Hero...
Hier gilt beinahe die gleiche Argumentation. Du kannst hier 2nd-barreln, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, von einer schlechteren Hand gecallt zu werden, immer weiter sinkt.
Doch was ist die Alternative? Check/call? Gegen welche Hand kannst du denn hier profitabel check/callen, außer gegen reine Floats?
Deine Hand kann noch die beste sein und Hände wie KJ/QJ/Jx/99/Jx etc. könnten unter Umständen noch einen Call finden.
Die Alternative wäre check/fold, natürlich bietest du deinem Gegner damit an, sehr viel zu betten und deine Hand zu einem Fold zu bewegen. Aber ob er wirklich ausreichend viel bluffbettet, kannst du nicht wissen.
Sofern du keine Reads hast, ist es meistens besser, selber zu betten, sofern du dich nicht zu weit hinten siehst.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25) (unknown)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with
2 folds, Hero raises $0.75, BU calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
Hero bets $1.20, BU calls
Turn: ($4.05) (2 players)
Hero...
Viel schlimmer hätte es kaum kommen können. Auf einem drawy Flop kommt nun am Turn nicht nur der Flush an, sondern es fällt auch noch das Ass.
Jetzt kannst du dich fragen, welche Hand am Flop callt und auf diesem Turn rein gar nichts vorweisen kann. Da bleiben nur pure Floats inklusive 97s und J9s, wobei du jedoch nicht mal weißt, ob diese auch wirklich in der Preflop-Coldcallingrange deines Gegners vertreten sind.
Du musst davon ausgehen, unterm Strich gegen deinen Gegner auf diesem Turn hinten zu liegen, solltest du selbst betten, werden hier kaum noch schwächere Hände callen.
Die Idee des check/calls scheidet hier auch aus. Naturgemäß kann dein Gegner hier sicherlich ab und an Bluffen, dennoch wird er auch seine vielen made Hands betten. Da braucht er schon verdammt viele Bluffs in seiner Range.
Und nicht zu vergessen die Reverse Implied Odds. Die Hand ist am Turn noch nicht zu Ende. Sollte dein Gegner tatsächlich bluffen und du spielst am Turn check/call, so wird er dich häufig auf eine marginale Hand oder gar einen One-Card-Draw setzen. Warum sollte er hier nicht auch den River bluffen?
Es ist aber nahezu unmöglich, auf diesem Board Way ahead - Way behind zu spielen, aufgrund dessen solltest du überlegen, ob eine Bet Sinn macht oder ob du die Hand direkt aufgibst.
In diesem Spot wäre wohl ein direkter check/fold am Turn durchaus denkbar und angemessen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25) (unknown)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with
2 folds, Hero raises $0.75, BU calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
Hero bets $1.20, BU calls
Turn: ($4.05) (2 players)
Hero...
Hier sieht die Sache wiederum anders aus. Diesmal hilft der Turn deiner Hand ungemein, doch nun stehst du vor dem nächsten Problem dieser Scarecard: Hast du hier wirklich eine Valuebet? Welche schlechtere Hand soll callen?
Der erste Gedanke geht hier meistens zur Bet, aber dies ist in der Tat ein Spot, wo du die Line check/call spielen kannst. Bettest du hier, richtet sich dies in erster Linie gegen Flushdraws und gegen mittelmäßige made Hands wie beispielsweise 99/Tx/JJ+.
Gegen die mittelmäßigen Hände wirst du aber kaum über zwei Streets Value bekommen. Dagegen ist die Turnbet keine Pflicht.
Bleiben die Draws: Den EV kannst du hier kaum ermitteln, weil du nicht weißt, was alles passieren kann.
- Villain checkt behind, am River kommt der Flush an -> Du wirst meistens einen Stack gewinnen.
- Villain kann seinen Draw am Turn (semi-)bluffbetten.
- Villain könnte (semi-)bluffraisen, wenn du bettest.
Hier ist vieles möglich, für die Bet spricht im Grunde nur der Balancingcharakter. Wenn du diese Scarecard nicht bettest, könnte sich dein Gegner fragen warum.
Aber auch wenn er vieles behindcheckt, wird dir dauerhaft nicht viel Value entgehen. Zumindest holst du es dadurch wieder heraus, gegen schwächere Draws am River einen eventuell großen Pot einzusacken oder tatsächlich pure Bluffs am Turn betten zu lassen, wogegen check/call ebenfalls die beste Line wäre.
Abschließender Exkurs
Wie du bemerkt haben wirst, sind die Beispiele recht einfach gehalten, allesamt raised Pots im Heads-up.
Augenscheinlich gibt es viele andere Situationen, die ebenfalls häufig auftreten, in denen du auch solche Entscheidungen zu treffen hast.
Das Spiel im 3-bettet Pot ist immer ein besonderes und hauptsächlich davon geprägt, wer die meisten Fehler begeht. Jede Information über deinen Gegner ist hier wichtig, einige Spieler drehen in diesen Situationen durch, andere wiederum spielen sehr weak und geben viele Hände auf.
Im zweiten Teil hast du etwas über 3-Bet-Ranges erfahren, du kannst also davon ausgehen, dass du ein A-High-Board zurecht als gefährlich einstufst.
Mit der groben Annahme, dass dein Gegner zu 40% das Ass getroffen hat, wirst du in den meisten Fällen ganz gut fahren.
In diesem speziellen Fall gilt oberste Vorsicht. Da du unter normalen Umständen keine 4-Bets callen solltest, kommen diese Situationen nur zu Stande, sollte dein Gegner deine 4-Bet gecallt haben.
Womit dein Gegner das macht, ist schwer zu analysieren, aber außer AK (und AA) sind dort selten Ax-Hände dabei. Meistens sind es Traps mit KK/QQ und Hände die nicht wissen, was sie sonst machen sollten (JJ/TT). Wer TT callt, ist auch in der Lage AQ zu callen.
Aber die meisten Gegner werden Ax-Hände auf eine 4-Bet hin eher pushen als callen, daher kannst du durchaus viele A-High-Flops (bluff-)betten, denn Hände wie QQ-TT callen preflop nicht, um auf einem A-High-Flop broke zu gehen.
In multiway Pots solltest du straight forward spielen. Es wird weniger geblufft und mehr gefoldet, da man dem Preflopaggressor Respekt zollt, sofern dieser in mehrere Gegner hinein contibettet.
Hältst du dort ein Middlepair auf einem A-High-Board, wird kaum eine schlechtere Hand callen oder gar einen Float vorbereiten. Die Hände werden meistens ehrlich gespielt, also overplaye dort keine 2nd Pairs und hoffe auf famose Calldowns.
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Beispiele könnte es noch viele geben, aber die wichtigsten Aussagen sollten hängen geblieben sein. Das Ass wird als Scarecard genutzt, aber vor allem deswegen, da es auch häufig jemand getroffen hat. Bist du dir in diesen Situationen unsicher, solltest du lieber selber betten und die Hand beenden, anstatt dich mit marginalen Händen in gewagte Way ahead - Way behind Spots zu begeben. Deine Gegner reagieren auf solchen Boards unterschiedlich, viele haben Angst vor dem Ass, andere wiederum empfinden es von Anfang an als tolle Bluffkarte. Solange du nicht genau weißt, mit wem du es zu tun hast, solltest du deine Hände nicht overplayen oder gar in gewagte Calldownspots gelangen, in denen du deinen Gegner zu häufig ausbezahlst. |
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