Suited Gappers (1) - Allgemeines
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Suited Gappers (1) - Allgemeines
von MiiWiin
Suited Gappers sind Starthände, die nicht direkt connected sind und daher etwas weniger Potential haben als ein suited Connector. Dennoch haben auch sie eine akzeptable Playability und sollten bei der Auswahl der Starthände berücksichtigt werden.
Definition
Ein suited Gapper zeichnet sich dadurch aus, neben der Suitedness auch noch Chancen auf eine Straight zu besitzen. Bei einem suited Connector ist dies der Fall, bei einem Gapper sinken die Chancen, da es weniger Boardkombinationen gibt, die eine Straight ermöglichen.
Mathematik
54s (4 Möglichkeiten):
Der suited Connector hat die meisten Chancen, eine Straight (bzw. dementsprechend auch einen Draw) zu treffen.
Ihm reichen letztlich folgende Boards aus:
A23xx ; 236xx ; 367xx ; 678xx
64s (3 Möglichkeiten):
235xx ; 357xx ; 578xx
74s (2 Möglichkeiten):
356xx ; 568xx
84s (1 Möglichkeit):
567xx
Es ist daher eindeutig, dass die drawing Hand deutlich schlechter wird, je größer die Gap ist.
Entscheidend ist dabei auch nicht unbedingt die Wahrscheinlichkeit, am Ende der Hand eine Straight zu treffen, sondern ebenfalls die Playability. Häufig möchtest du mit solchen Händen semibluffen und am Flop oder Turn Druck ausüben, dafür brauchst du aber eine passable Equity und Outs.
Die Hand 64s kann am Turn in 2 Fällen einen open-ended Straightdraw halten.
Dies ergibt sich durch die Möglichkeiten 35xx und 57xx. Da es von jeder Karte 4 Farben gibt, gibt es 32 Kombinationen des Boards, um auf eine Straight zu drawen und mit mindestens 8 Outs dort zu sitzen.
Bei einer Hand wie 74s besitzt du nur 16 Kombinationen. 84s kann niemals einen OESD am Turn halten.
Zum Vergleich: 54s besitzt aufgrund der Möglichkeiten 23xx, 36xx und 67xx 48 Kombinationen.
Letztlich helfen dir diese Zahlen am Tisch nicht weiter, aber es ist wichtig zu erkennen, dass es große Unterschiede gibt zwischen einem suited Connector und Gappern. Das zeigt sich letztlich auch in der Equity.
Equity - Preflop
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with X
2 folds, CO raises $0.75, Hero...?
Mit Equityberechnungen musst du hier vorsichtig sein. Dass du preflop gegen eine Openraisingrange nicht gut dastehst, ist klar. Du hältst schließlich eine drawing Hand und hast postflop möglicherweise eine gute Playability vorzuweisen, beziehungsweise du kannst semibluffen, Preflop liegst du mit einer solchen Hand immer deutlich hinten.
Der Unterschied in der Equity dieser beiden Hände müsste dementsprechend recht marginal sein. Die Flushchancen sind gleich, die Standardtreffer wie Trips, Toppair und Twopair kannst du mit jeder Hand treffen, bleiben also die oben analysierten Straightchancen auf der Strecke:
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 62,82% | 61,57% | 2,5% | 35,94% | 22+, A6s+, K9s+, Q9s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 65s, 54s, 43s, A7o+, KTo+, QTo+, JTo |
| Spieler 2 | 37,19% | 35,94% | 2,5% | 61,57% | |
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 64,56% | 63,6% | 1,91% | 34,49% | 22+, A6s+, K9s+, Q9s+, J9s+, T8s+, 97s+, 86s+, 75s+, 65s, 54s, 43s, A7o+, KTo+, QTo+, JTo |
| Spieler 2 | 35,44% | 34,47% | 1,91% | 63,6% | |
Knapp über 1,5% Equityunterschied – doch davon darfst du dich nicht täuschen lassen. Denn entscheidend ist, was postflop passiert.
Equity – Postflop
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
2 folds, CO raises $0.75, Hero calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
CO bets $1.20, Hero...
Egal was im Verlauf der Hand passiert, du hast einen tollen Flop getroffen, obwohl du nur 5 high am Flop vorweisen kannst.
Playability bedeutet doch schließlich, dass du viele Optionen besitzt und dabei eine gute Equity auf deiner Seite hast.
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 51,99% | 51,99% | 0% | 48,01% | |
| Spieler 2 | 48,01% | 48,01% | 0% | 51,99% | JJ+ |
Gegen Overpairs und das Topset bist du der Favorit. Dies ist der große Vorteil von suited Connectors.
Welchen Draw kannst du Idealerweise mit 84s treffen?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
2 folds, CO raises $0.75, Hero calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
CO bets $1.20, Hero...
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 43,58% | 43,58% | 0% | 56,42% | |
| Spieler 2 | 56,42% | 56,42% | 0% | 43,58% | JJ+ |
Dein Gutshot kann dir da nicht viel weiterhelfen, das Beste was du treffen kannst, ist daher Pair+Flushdraw, da dir das Pair zumindest 5 weitere Outs auf Trips oder Twopair beschert.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed)
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is BU with
2 folds, CO raises $0.75, Hero calls $0.75, 2 folds
Flop: ($1.65) (2 players)
CO bets $1.20, Hero...
| Equityanalyse | |||||
| Board | |||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 45,3% | 45,3% | 0% | 54,7% | |
| Spieler 2 | 54,7% | 54,7% | 0% | 45,3% | JJ+ |
Aber Favorit wirst du damit nie sein. Denke zudem an den oberen Abschnitt „Mathematik“. Je kleiner die Gap ist, desto mehr Kombinationen gibt es für einen starken Draw.
Daher der Merksatz: „Eine kleinere Gap bedeutet, mehr Möglichkeiten zu besitzen, überhaupt einen Draw zu treffen und gleichzeitig mit diesem eine deutlich bessere Equity postflop zu haben“.
Welche Hände sind spielbar?
Hast zu Beginn deiner Karriere in das Starting Hand Chart geschaut, so konntest du sehr lange und erfolglos nach suited Gappern suchen.
Aus late Position durftest du suited Connectors raisen – das war es dann aber auch schon.
Der Grund dafür ist recht einfach: Begründest du deine Preflopaktionen mit deiner Equity, so haben solche Hände natürlich nicht viel vorzuweisen. Sie leben von der Postflopplayability.
Gleichzeitig hast du aber gesehen, dass du mit Gappern nicht nur schwächere Draws floppst, sondern auch gleichzeitig deutlich seltener. Du musst also postflop Gas geben um diese Hände +EV zu spielen, nur das ist doch am Ende das Ziel.
Daher gibt es folgende Probleme bei größerwerdender Gap:
- Schwächere Draws
- Seltener ein „Hit“
- Postflopplayability nimmt ab
- Keine dieser Hände besitzt einen Card-Removal-Effekt (daher keine idealen Stealhände)
- Nicht ideal gegen Callingstations zu spielen (Semibluffs kaum möglich)
Aus diesem Grund musst du für dich selbst diese Kolumnen analysieren und dich selbst fragen, was du mit solchen Händen postflop anstellen wirst?
Wie gut kennst du deine(n) Gegner, was hast du am Flop oder auf den weiteren Streets zu erwarten?
Diese Fragen können nicht allgemein beantwortet werden, daher wird es sich in den folgenden Teilen um mögliche Plays mit solchen Händen drehen, in denen immer wieder Vorteile, aber auch die Problematiken aufgezeigt werden.
Es ist keine Pflicht, zu häufig mit diesen Händen zu stealen und damit postflop möglicherweise dauerhaft in –EV-Spots zu geraten.
Die Frage, welche Hände davon spielbar sind, sollte daher klar sein:
54s > 64s > 74s > 84s
Erwartest du von den Blinds fast immer einen Fold auf einen Buttonsteal, solltest du alle Hände raisen.
Erwartest du hingegen viele Calls von passiven Spielern, musst du gerade mit solchen Händen stark zurückrudern. Mit wenig Foldequity preflop sowie wenig zu erwartender Foldequity postflop, wird die Playability gegen solche Gegner kaum ausreichen.
54s ist in den meisten Fällen stark genug, doch rechnest du fast ausnahmslos mit Calls aus den Blinds, kannst du schon über einen Muck von 64s nachdenken.
Genaueres zu den Postflopmöglichkeiten sowie zur Gegnerbetrachtung gibt es im folgenden Teil.
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Nicht die Preflopequity ist entscheidend, sie ist zwischen den verschiedenen Gappern nicht wirklich ausgeprägt. Aber was du postflop hitten kannst und welche Optionen du besitzt, diese Hände weiterzuspielen, ist ein großer Unterschied. Du floppst mit kleinerer Gap nicht nur häufiger einen passablen Draw, sondern auch meistens einen stärkeren. Wo genau die „EV-Grenze“ liegt kann kaum beantwortet werden, es ist sicherlich ein schmaler Grat. Hast du jedoch vor, alle suited Gapper zu spielen, so wird es wohl eindeutig auf ein dickes –EV-Play hinauslaufen, denn die Mischung aus wenigen Hits und schwachen Draws kannst du kaum noch auffangen, so häufig und erfolgreich kannst du gar nicht semi- oder pure bluffen. |
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